Ausgabe 
3.11.1870
 
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den elsäffer Orten, durch welche derlmögen sie mit Neise-Documenten versehen fein oder nicht, den Eintritt in Den

Frankfurt, 31. Oct. Gerüchtweise erfahren wir, daß Marschall Bazaine mit anderen französischen Offizieren heute Nacht um 2 Uhr in WilhelmShöhe ein- getroffen und daselbst von dem Exkaiser Napoleon auf dem Bahnhofe empfangen worden ist, worauf dieselben sich nach dem Schlöffe begaben. So meldet wenig­stens ein von Kassel hier angekommener Reisender.

Mainz, 31. Oct. Die Armee und Garnison von Metz ist bereits aus dem Wege nach Deutschland. Zwei große Züge sind gestern Abend und beute früh passirt und für heute Nachmittag combinirte Züge mit 10- oder 12,000 Mann angekündigt. Ein gestern an einen hiesigen Arzt gelangtes Privatschreiben eines in Metz sehr gut orientirten Mannes zeigt die wahre Ursache der endlichen Ueber- gabe: den fürchterlichsten Mangel und die größten Entbehrungen, welche schon mit Enke August herannahten. 30,000 (nicht 20,000) Kranke unv Verwundete liegen in der Stadt in allen möglichen Lokalen. Noch bis zum 28. Oct. betrug die Durchschnittszahl der am Hungertyphus gestorbenen Burger allein 60 täglich, un- gerechnet die Sterbefälle durch andere Krankheiten, welche die Einschließung her- vorrief. An Lebensmitteln ist auch der geringste Lorrath verzehrt. Die bereits eingetroffenen Zufuhren aus der Saargegend waren rasch vergriffen und zeigten sich unzulänglich. Zn diesem Augenblicke (Mittags) werden auf unserem Bahn­hofe große Züge mit lebendem und todtem Proviant formirt, um der hart ge­prüften Stadt als erste Hülfe vom Rhein zugeführt zu werden. Der größere Theil der zweiten Armee hat den Abmarsch in südlicher Richtung bereits ange­treten. Zn Metz bleiben vorerst das L, 7. und 8. Armeecorps, sowie die Divi­sion Kummer, bei welcher sich, mit Ausnahme des 30. Regiments, welches gegen­wärtig unter General Werder im Oberelsaß steht, die ganze ehemalige hiesige Festungsbrigade, nämlich die Regimenter 19, 81 und 87, befindet.

Kassel, 31. Olt. Die in Metz gefangenen französischen Marschälle Ba» zaine, Canrobert und Leboeuf sowie der General Changarnier haben Vie hiesige Stadt zu ihrem Aufenthaltsort gewählt. Canrobert ist bereits heute hier ein­getroffen und hat Absteigequartier imHotel du Nord" genommen, woselbst auch die anderen Herren im Laufe des Tages erwartet werden. Mit Marschall Can­robert kamen ungefähr noch einige vierzig Personen, bestehend aus Offizieren (Adjutanten und Dienerschaft) sowie über 200 Gentner Gepäck u. dgl. an. Der ehemalige Polizeipräfect von Paris, Pietri, ist zu WilhelmShöhe eingetroffen und

sieurRochambeau" empfahl sich denn auch mit ihm die übrige Flotte. Seitdem hören aber doch die Spukereien nicht auf. Bald werden hier 10, da 16, dort 9 französische Schiffe bemerkt, während unserKronprinz", derArminiuS", die Grille" sich tagtäglich dieHacken ablaufen", um Helgoland zu rccognosciren, aber nie einen Franzosen zu sehen bekommen.

Zeitung":

Auf gestern Nachmittag war die Ankunft der in Schlettstadt gefangen genommenen Franzosen, beiläufig 2400 Mann, behufs der Weiterbeförderung nach Rastatt angesagt. Eine unenvliche Wagenreihe stand zu deren Aufnahme bereit. Aus den umliegenden Orten hatte sich trotz der Regengüsse eine zahlreiche Menge zur Besichtigung dieses allerdings seltenen Schauspiels eingefunden. Nach mehr­stündigem Warten (Viele hatten sich schon Mittags 1 Uhr eingesunken), Nachts gegen 10 Uhr, verkündete Fackelschein deren Ankunft. Unter *^er Bedeckung des ostpreußischen LanvwehrregimentS, wobei jedoch die gefürchteteiD.chnen nicht fehlen durften, wurden die Gefangenen tranSportirt und in die v.^tstehenven Eisen­bahnwagen verladen. Die meisten waren Mobilgarden, ätsche Gesichter, zwi­schen Straßburg und Mühlhausen daheim, und viele erst seit wenigen Wochen eingekleidet. Mehr als einmal wurden in r- h,r

Transport sich bewegte, Ausrufe wie:O Herr JeseS lue, unser Schangele isch au drunter", und ähnliche vernommen. Daß sie ihre Gefangenschaft sich sehr zu Herzen genommen, könnte man nicht sagen. Viele waren froh, daß sie wieder Ruhe bekommen, und nur Einige hegten Zweifel, ob sie auch gut behandelt würden. An der erforderlichen Verpflegung und guten Behandlung hat es natür-

untersuchen, ob sie keine Waffen bei sich führen, die ihnen abzunehmen sind. Zum Commandanten der Stadt ist der General Kummer ernannt, der mit den Linien-Regimentern um 1 Uhr eingerückt sein wird. Die Bataillone der Bri- grade müssen vorher gegessen und jeder Manu 80 Patronen und das Gepäck bei sich haben. Sämmtliche Wagen bleiben einstweilen in den Cantonnements zurück und können schwache Leute zu deren Bedeckung zurückgelassen werden. Die Marketender können am Nachmittage Nachfolgen. Notiz. Bis morgen Abend hat die französische Armee sowie die Einwohnerschaft von Metz nichts mehr zu essen, (gez.) Frhr. v. d. Goltz.

Von der Marne, 26. Oct. Zch war in den letzten Tagen wieder tn Rheims, ChalonS, Epernap, Chateau-Thierry und Nogent, dem Enrpunkte, bis wohin wir größtentheilS die Eisenbahnlinie nach Paris benutzen, hatte Gelegen- heil, viel mit Bauern und Bürgern zu verkehren, und kann versichern, daß alle den Frieven wünschen und die Hartnäckigkeit der Pariser Regierung verfluchen. Das Land leivet entsetzlich, hat in diesem Zahre eine Mißernte gehabt, die Rmoer- pest greift mit erschreckenver Rapidität immer weiter um sich, die Requisitionen unserer Truppen mehren sich täglich, je mehr wir in den Winter hineinkommen (das kleine Städtchen Chateau-Thierry hat seit dem 10. September an requinr- ten Sachen, Contributionen unv gegebenen Quartieren mit Naturalverpflegung allein drei Millionen Francs verausgabt) unv der Krieg nimmt einen immer grausameren Charakter an. Die undiSciplinirten Franctireursbanden machen kleine Ueberfälle, heben Eisenbahnschienen aus, schießen auf einzelne Posten und erbittern dadurch unsere Soldaten so sehr, daß diese wieder Häuser nieterbrennen, aufge­griffene Personen (gewöhnlich Unschuldige) ohne Weiteres zusammenschießen und oft sehr brutal aufireten. ES sind theilwcise schreckliche Zustände und Frankreich muß jetzt für seinen früheren Uebermuth sehr, sehr hart büßen und wirv aus Zahr- zehnte gebrochen. (Post-)

Straßburg, 22. Oct. Die bei der Mairie angemeldeten Kriegsschaben be­laufen sich für den Stadtbezirk Straßburg auf mehr als 100 Millionen Franken; übrigens haben manche Bewohner, um nicht die Autorität der deutschen Behörden anerkennen zu müssen, es absichtlich unterlassen, der Aufforderung der Präfeetur entsprechend, ihre Belagerungsschäden zn liquidiren. (Nürnb. C.)

Don Riegel am Kaiserstuhl, 26. Oktober, schreibt man derFreiburger

preußischen Staat nicht zu gestatten, denselben aber namentlich Legitimations- scheine zum Gewerbebetriebe im Umherziehen nicht auszustellen. Da neuerdings wiederholt derartige Banden sich im Lande haben sehen lassen, so hat der Mi­nister des Innern durch Circularerlaß die Behörden angewiesen, dieselben, wenn sie sich, ohne im Besitz eines auf den betreffenden Verwaltungsbezirks ausge­stellten Legitimationsscheines zum Gewerbebetriebe zu sein, im Jnlande betreffen lassen, nöthigensalls unter Anwendung gesetzlich zulässiger Mittel des Zwanges über die Landesgrenzen zurückzuweisen. t ,

Hamburg, 31. October. Einer amtlichen Mittheilung zufolge ist bei einer gestern von Morgens bis Abends stattgefundenen Recognoscirung seitens des Nordfeegeschwaders kein feindliches Schiff gesehen worden. Ebensowenig wurde ein solches von den hier eingetroffenen Kauffahrern gesehen.

München, 29. October. Der Kaiser von Rußland hat in Rücksicht auf die hohe Achtung, welche er dem bayerischen Heere zollt, und aus die höchst ehrenvolle Haltung desselben dem Prinzen Luitpold den Georgs-Orden zweiter

wohnt im Gasthof daselbst.

Wie dieKölnische Zeitung" aus WilhelmShöhe erfahren haben will, ist die Kaiserin Eugenie unter dem Namen einer Gräfin Clary dort angekommen.

Berlin. Durch frühere Verfügungen sind bekanntlich die Behörden ange­wiesen worden, den Zigeunern, slowakischen Kesselflickern, Drahtbindern u. s. w.,

lich nicht gefehlt."

Tours, 30. Oct. Die Gemahlin des Marschalls Bazaine ist abgereist. Hier und in Marseille herrscht die außerordentlichste Bestürzung. Dijon wurde gestern nach achtstündigem Widerstande in einem überaus heißen Kampfe und nach einem Bombardement von den Preußen besetzt.

Brüssel, 29. Oct. Lord Lyons erhielt in Folge der Capitulation von Metz sofort Den Auftrag, in Paris und in Tours möglichst eindringlich die absolute Nothwendigkeit für Frankreich, die Bedingungen des Siegers für den Waffenstill­stand ohne Zögern anzunehmen, zur Geltung zu bringen. Gambetta soll be­reit fein, fein Portefeuille niederzulegen. (Presse.)

Loudon, 31. Oct. DieDaily News" behaupten, daß der Marschall Bazaine, weil man ihn im Verdachte des Verraths hält, bei Gelegenheit seiner gestern erfolgten Abreise nach WilhelmShöhe vom Volke insultirt worden sei. DerStandard" behauptet, daß zwischen Preußen und Oesterreich eine Allianz abgeschlossen sei, wozu Preußen die Initiative ergriffen habe.

Aus einem Briefe vom Bord Der Panzer-FregatteFriedrich - Karl , auf Der Außenjade, 22. October, gehen Der N. Hann. Ztg. folgende Mittheilungen zu:

... Mit Den Lorbern nehmen Sie es nur nicht zu sarkastisch; es gehört jeDenfalls eine anerkennenswerthe AuSDauer Dazu, so lange Zeit hier in einem solchen Zustande zu verweilen. Zch meine, daß eS Niemanden vom Geschwaver gibt, Der sich nicht lieber mit Den Franzosen geschlagen hätte; glauben Sie, Daß wir auf alle Fälle Das geleistet haben, was zu leisten war. Wir haben Wilhelms­haven vollständig geschützt, in Dessen Besitz sich Der Franzose in Den ersten sechs Wochen ganz leicht hätte setzen können, Da kein einziges Geschütz ausgestellt war, Deren Ausstellung aber sehr schwierig unD langsam bei Dem schlechten GrunD von Statten ging, Do überall erst fester GrunD gerammt unD gemauert, außerDem nach jeDer Batterie erst Bahnen de fes gebaut werDen mußten, um Die Geschütze an Ort und Stelle zu bringen. Man ist erst jetzt Damit fertig, unD von Diesem allen war der Feind genau unterrichtet; er war im Besitz des neuesten Plans vom Zadebusen. Zch bin der festen Ueberzeugung, daß, wenn Die Franzosen in Den ersten Drei bis vier Wochen hier mit Der Flotte energisch vorgegangen wären, es gefährlich ausgesehen hätte. Warum dies nicht geschehen unD warum sie und mit ihren 12 bis 15 Panzerschiffen so ganz in Ruhe gelassen, vaS ist nicht recht begreiflich. Daß sie übrigens vor unseren Drei Panzerschiffen doch Respekt gehabt haben, beweist, Daß sie keine Nacht bei Helgoland vor Anker geblieben, sondern allabendlich Anker aufgehangen und in Gefechtsformation gekreuzt haben, aus Furcht vor einem Ueberfall. Eben so machten Die uns beobachtenden Vorposten- schiffe sofort Kehrt, wenn eins von unseren Panzerschiffen Den Hasen verließ, um seineiseits zu recognoSciren .... Daß wir bet Der liebermacht Der Franzosen nicht hinausgehen Durften, totrD jeDer Vernünftige leicht einsehcn, Da wir wahr- scheinlich nicht zurückgekommen wären. Zn eine ähnliche Aufregung versetzte uns die Ankunft des OstseegeschwaderS. Es waren schon mehrere Tonnen wieder aus- gelegt und u. A. Schlüffeltonnen zur Einfahrt. Als nun eines Mittags Die Lootsen auslaufen, liegt Der Rochambeau draußen unD die anderen Schiffe be­finden sich vor Helgoland zu Anker. DerArminiuS" und die Kanonenboote wurden ihm sofort auf den Hals gesetzt, um ihn am Peilen zu hindern. Mon-

Klasse verliehen. Y

München, 31. Octbr. König Wilhelm setzte den König von Bayern tele- graphisch von der Capitulation von Metz in Kenntniß. König Ludwig antwortete: Die für die Entscheidung des Krieges so bedeutsame Uebcrgabe von Metz habe ich mit innigster Freude begrüßt und sende Zhnen für Ihr freundliches Telegramm meinen besten Dank. Wenn einst die Nachwelt die glänzenden Erfolge erblickt, welche die deutschen Heere unter Ihrer Führung unaufhaltsam erfochten, so wird sie mit Recht Zhnen Den NamenWilhelm der Siegreiche" beilegen."

Pest, 31. Oct. Unterhaussitzung. Berathung über den Antrag SimonyiS: »Das Haus möge feinen Sympathien für Frankreich Ausdruck geben/ Der Ministerpräsident beruft sich auf die Darlegung, welche er dem Unterhause vor und noch dem Ausbruche des Krieges über die auswärtige Politik der Regierung abgegeben habe. Er erklärt, daß die Regierung diese Politik, welche die Billigung des Hauses gefunden hat, bis heute verfolge. Eine strikte Neutralität schließt nicht die Ertheilung von Rathschlägen an einen der Kttegsührenden aus, wohl aber fordert sie, daß sie mit gemäßigtem Wohlwollen für beide Kriegführende gegeben seien, und dies schließe Den Antrag Simonyi'S aus. Sollte die Neutralität von einer andern Seite gebrochen werden, so w rd auch Oesterreich-Ungarn seine ganze unversehrt bewahrte Macht gebrauchen. Die Neutralitätspolitik hat das Land vor Den Schrecknissen Des Krieges bewahrt; es ist kern Grund vorhanden, von ihr abzuweichen." (Beifall.) Das ganze Haus, ausgenommen Dte äußerste Linke, spricht sich gegen Die Berathung Des Antrags Simonyi's aus. Die Anträge TiSza's, (Errichtung einer unabhängigen ungarischen Armee) und Zranyi s (Ein­führung Der Personal-Union) werden nicht zur Berathung zugelaffen.

Florenz, 31. Oct. Die Auflösung der Kammer ist entschieden, die Ein­berufung Der Wahlcollegien auf Den 20. November festgesetzt. Die erste Ab- theilung der Alterclasse von 1842 ist entlassen. Gestern Abend fand tn Ra­venna ein Erdbeben statt, welches einigen Schaden verursachte; auch in Florenz wurden Erdstöße bemerkt. Der Herzog von Aosta ist tn Florenz eingetroffen.

Brüssel 31. Oct. Die Ersetzung des General Cambrtkls durch General ; Michel ist in Folge einer Aufforderung Garibaldi'S erfolgt. Thiers hat neuer- . Vings bis zur Einberufung Der Constituante ein Portefeuille abgelehnt.

Brüssel, 1. November. DieZndep. beige" publtcirt "nen Bnef De« . Generals Boyer, in welchem Derselbe gegen Die Anschuldigungen Gambetta 4 pro- t testirt. Zn Dem Briefe heißt es: Der Feind, mit dem wir capitulirten, war der - Hunger.