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Uhr. VillerS-Bretonneux wurde vor stärkerer Streitmacht und beträchtlicher Ar- tillerie aufgegeben. Bei Boves hatten wir eine Niederlage. Bei Dury haben wir unsere Positionen gehalten. Die feindlichen Streitkräfte wurden auf 30,000 Mann geschätzt. Aus Longwy meldet man unterm 27.:Die Preußen rücken heran mit der Absicht, die Festung einzuschließen und zu bombardiren; der (Som- Mandant des Platzes wurde davon benachrichtigt, und in seiner Proclamation kündigt er an, daß er dem Feinde Widerstand leisten wird, und fordert die Frauen und die Kinder und alle diejenigen, welche nicht patriotisch gesinnt sind, auf, die Stadt heute oder morgen zu verlassen." Aus Arlon vom 28. telegraphirt man: Die preußischen Truppen, welche Montmedy einschloffen, sind, wie man versichert, heute nach dem Nord-Departement abmarschirt." Nach Briefen aus Tours vom 24. sind die französischen Truppen, welche bei Dreux rc. den deutschen gegen- überstanden, die des Generals Fiereck, welcher über 50.000 Mann, meist Mobile und mobilisirte Nationalgarde, verfügen soll. Der linke Flügel der Loirearmee soll nun bis Saint Calais gehen, welches 40 Kilometer von Le Mans und 35 von Vendome entfernt liegt. In Tours war man fortwährend in höchster Er­regung, da man jeden Augenblick die Nachricht von einer großen Schlacht bei Orleans erwartete. Was Trochu anbelangt, so erregte dessen ruhiges Verhalten in Tours ebenfalls Unruhe. Sachverständige waren der Ansicht, daß es ihm bei dem schlechten Stande der Wege, welche die Franzosen alle selbst zu Grunde richteten, unmöglich sei, einen Ausfall mit Massen zu unternehmen. Am 24. waren die Ballonbriefe in Tours noch nicht vertheilt worden. Nur wußte man dort, daß ein Theil der Pariser Blätter fortwährend die Capitulation verlangte, da jeder weitere Widerstand doch zu nichts führe. Was Gambetta betrifft, so ist es sicher, daß derselbe selbst nach dem Falle von Paris den Kampf noch fortsetzen will. Er ist der Ansicht, daß die Preußen dann nur 500,000 Mann zu ihrer Verfügung haben und sie mit diesen nicht zugleich die Bretagne, den Süden und den Norden bekriegen, die Festungen, welche noch nicht über sind, belagern und zugleich ihre Verbindung mit ihren Operationslinien aufrecht erhalten können. Wie man aus Paris erfährt, hat man dort eine große Anzahl Orsini'scher Bomben entdeckt, die Blanqui hatte anfertigen lassen. Dieselben sollten, wie es scheint, bei einem Aufstande benutzt werden.

Ein Schreiben derIndependance belge" aus Amiens vom 24. meldet: Der Kampf hat begonnen. Die Kanonen donnerten um uns herum. Diese Nacht haben nahe an 25,000 Mann unsere Stadt verlassen, um gegen den Feind zu marschiren. Nach den militärischen Berichten waren ungefähr 30,000 Mann

+ Brüssel, 29. Nov. Das beute erschieneneDrapeau" (Organ Granier's de Cassagnac) berichtet, daß der Graf v. Chambord an den König von Preußen geschrieben und ihn mitlieber Vetter" angeredet, aber gar keine Antwort erhalten habe. Ebenso habe das preußische Hauptquartier es abgelehnt, einen legitimisti- schen Agenten zu empfangen.

ch Brüssel, 30. Nov. Die Nordarmee wird, wie das Gerücht geht, den strategischen Plan, sich mit der Loirearmee zu vereinigen, aufgeben, ihren Rückzug nach Lille antreten und nicht einmal die Festung Arras zu halten versuchen.

A Wien, 29. Nov. Der von Preußen Unterstützte Vorschlag Gortschakoffs in Petersburg eine Conferenz abzuhalten, ist hier abgelehnt Das cisleitanische Desicit beträgt achtzig Millionen.

London, 30. Nov. Die Morgenblätter sprechen aus, daß die preußische Vermittlung dankbar anzuerkennen sei, und hoffen auf eine friedliche Lösung der Frage in der Pontusfrage.

Petersburg, 29. Nov. Der Vorschlag, die orientalische Angelegenheit durch eine in London zusammentretende Conferenz zu regeln, hat hier eine sehr günstige Aufnahme gefunden.

Officielle militärische Nachrichten.

(Wiederholt, weil nicht in allen Eremplaren abgedruckt.)

Versailles, 29. Nov. (Der Königin Augusta in Berlin.) Prinz Friedrich Karl meldet: Das gestrige Gefecht eine wahre Niederlage des größten Theils der Loirearmee, von der das ganze 20. Corps und wahrscheinlich auch das 18. und Theile des 15. und 16. da waren. Nach französischen Angaben 70,000 Mann. Das 20.Corps fast ganz, die andern theilweise. Der Feind ließ 1000 Todte auf dem Schlachtfelve und soll über 4000 Blesstrte haben.

1600 gesunde Gefangene, die sich stündlich mehren. Gesammt- Verlust wohl 7000 Mann. General <!'Aurelies soll blessirt sein. Unser Verlust ist 1000 Mann, wenig Officiere. Wilhelm.

Versailles, 29. Nov. Der bei Amiens geschlagene Feind

Preußen von Roye an bis hier aufgestellt. In der Nähe von Domart an der Lure haben bereits Kämpfe stattgefunden. Dieser Ort soll stark gelitten haben. Vorpostengefechte fanden zu Albert, Eisenbahnstation zwischen ArraS und Amiens, statt. Man versichert, daß unsere Truppen 300 Gefangene gemacht haben; man hatte selbst behauptet, es seien 500; bis jetzt habe ich aber nur fünf gesehen, welche nach der Citabelle geführt wutden. Ein Mann von Hamm versichert mir, daß am 20. 20,000 Preußen in diese Stadt cingerückt, am 21. aber wieder ab- gezogen sind, um nach Tergnier zu marschiren. Das ganze Land ist in Unruhe, da die Zuckersiedereien in voller Arbeit sind. Eine Deputation wurde nach Ver­sailles gesandt, um anzufragen, ob im Falle einer Besetzung des Landes die Sie­dereien ihre Thätigkeit einstellen müßten. Die Deputation wurde sehr gut em­pfangen und ihr beoeutet, daß ihrer Fabrikation kein Hinderniß in den Weg gelegt werden würde. Im Oise-Departement arbeiten übrigens die Zuckersiedereien und die Agenten der preußischen Intendanturen kaufen ihr Fabrikat mit baarem Gelve auf."

Eine Correspondenz aus Tours vom 23. stellt die Lage der Dinge keines­wegs so günstig dar, wie derMoniteur", und gesteht ganz einfach zu, daß die bisherigen Kampfe keineswegs zu Gunsten der Franzosen ausgefallen sind.Ge­stern", so sagt dieses Schreiben,Kampf zwischen Nogent le Rotrou und Dreux. Dieses Mal waren wir wieder nicht glücklich. Die Einen klagen die Generale an, die Anderen die Soldaten. Man behauptet, daß, während gewiffe Bataillone Mobilgarden sich heroisch geschlagen, andere davon laufen. Man schießt die Mobil- garden zu Dutzenden todt und will die Generale vor ein Kriegsgericht stellen. Was wird dies aber helfen? Alen^on, das der Feind besetzte, vertheidigte sich gar nicht, wenn auch Evrcux sich ganz gut gehalten haben soll." In Tours ist man mit dem Norden Frankreichs nicht zufrieden. Man findet, daß sich die Städte dorr nicht genug vertheidigen und zu wenig feindselig sind. Man schreibt dieses dem Umstande zu, daß die Deutschen die Fabriken nicht verwüsten und diese unge­stört arbeiten lassen.

Lüttich, 28. Nov., Abends. In Folge des Ausbruchs von 85 internirten Franzosen aus den Casernen sind sämmtliche Jnternirte nach der Citadelle ge­bracht worden.

Brüssel, 28. Nov., Abends. Nach Berichten aus Antwerpen haben 568 Franzosen, die in einem Fort des verschanzten Lagers internirt sind, den Versuch gemacht, ln Masse auszubrechen. Nur einigen ist dies gelungen.

Telegraphische Depeschen.

Berlin, 30. Nov. DieProv.-Corresp." schreibt: Die Pontusfrage geht immer entschiedener einer friedlichen Lösung entgegen. Der von unserer Regierung ausgegangene Vorschlag einer Conferenz zur Erörterung der Frage hat zunächst die Zustimmung Rußlands und Englands gefunden. Nach der zu erwartenden Beistimmung der übrigen Mächte wird die Conferenz unverweilt in London zufam- mentreten. Bei der versöhnlichen Stimmung aller Betheiligten ist an einem fried­lichen Ausgang der Besprechungen kaum zu zweifeln.

A Tours, 26 Nov. DerMoniteur" bringt eine Luftballondepesche aus Paris v. 20. dS., wonach sich Thiers bei den gesammten Höfen eines bisher un- publicirten diplomatischen Aktenstückes bediente, welches zwischen der Pariser und der Londoner Regierung vor dem Ausbruch des Krieges coursirte. Die kaiser­liche Regierung erklärt darin, sie werde im Falle des Sieges keine Gebietsab­tretung verlangen, sondern beabsichtige, aus den linksrheinischen Provinzen einen neutralen Staat zu creiren.

Tours, 29. Nov. Keratry ist hier eingetroffen und richtete am 28. d. einen Brief an Gambetta, worin er feine Demission als Commandirender der Westarmee gibt. Bourbaki ist zum Commandirenven des 19. Corps ernannt.

--f Versailles, 29. Nov. Das Gros der Loirearmee versuchte gestern mit einem Gewaltstoße in der Richtung nach Fontainebleau durchzubrechen, stieß dabei in der Gegend von Beaune la Rolande auf das 10. deutsche Armeecorps und wurde von diesen., verstärkt durch die 5. Division und die 1. Cavalleriedivision, mit großen Verlusten an Todten, Verwundeten und namentlich an Gefangenen zurückgeworfen.

flieht in voller Auflösung von den diesseitigen Truppen verfolgt, gegen Norden. In seinen Verschanzungen wurden noch 4 Geschütze vorge­funden. In Folge des siegreichen Kampfes des 10. Armeecorps am 28. hat der vor demselben befindliche Gegner den Rückzug weiter fortgesetzt. In der Nacht vom 28. zum 29., sowie am Morgen des 29. heftiges Geschützfeuer aus den Forts um Paris., demnächst stärkerer Ausfall, unterstützt durch Kanonenboote auf der Seine, gegen 1Hay und 6. Armeecorps; gleichzeitig kleinere Ausfälle unter anderen gegen das 5. Armeecorps und Demonstrationen an verschiedenen Stellen.

Der Feind wurde überall siegreich zurückgeschlagcn. Mehrere hundert Gefangene in unseren Händen. Diesseitiger Verlust 7 Of­ficiere und etwa 100 Mann. v. Podbielsky.

Versailles., 29. Nov. Die ganze Bedeutung des von Theilen der II. Armee, besonders vom 10. Armeecorps gestern bis nach Ein­tritt der Dunkelheit gelieferten Gefechtes hat erst heute mit Sicher­heit festgestellt werden können.

Der größte Theil der feindlichen Loire-Armee hat eine vollstän­dige Niederlage erlitten. Der Annd ließ gegen 1000 Todte auf dem Schlachtfeld, 1600 unverwundete Gefangene, die sich stündlich mehren, sind in unseren Händen. Wir verloren 1 Geschütz, nachdem Pferde und Bedienung desselben todt, und nicht ganz 1000 Mann an Todten und Verwundeten, worunter verhältnißmäßig wenig Of­ficiere. v. Podbielsky.

BurseDDaclirichlen.

30. November 1870.

Actien.

Oest. Creditact. 236'/g

5% östr. F. St. E. B. 3613/4 Lombard. Bahn 1693/4 Ludwigsh.-Bexbach 1621/2 Maxbahn 1081/4

Bayer. Ostbahn 1211/2 Hess. Ludwigsb.-Act. 134 Alsenzbahn-Actien 85 Oberhessen 661/2

Prioritäten.

30/0 oster. Stsb.-Prior. 555/y 3°/0 öst. s. Lombard 451/2 30/o Livorneser 31

5O/o Toscaner

5% Elisabeth.-Prior. 751/2 do. II. Emiss. 733 4

Anleliensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 64*/2 Nassau 25 fl. 381 /2

4O'o bayr. Präm.-Anl. IO63 q Ansbacher 7 fi.

4O/o badische Loose 106 Badische fl. 35 Loose 591/4 Oestr. fl. 250 v. 1839 1858r Prioritätsloose 1521 2 1860r Loose 74*/2 1864r 1121/2 Braunschweiger 163/4 Stadt Madrid 217/#

Wechsel.

Amsterdam k. S. 1001/4

Augsburg k. S. 99'/g

Berlin k. S. 1043/16

Bremen k. S. 967/g

Cöln k. S. 1043/4

Hamburg k. S. 88

Leipzig k. S. 104n/16

London k. S. 119

Lyon k. S.

Paris k. S.

Wien k. S. 953/6

ditto m. S.

ditto 1. S.

Disconto 4% G.

Geltlsorten.

Pr. Cassen-Sch. 1 443/4-45 Sachs.

Div. Gassen-A.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 45 46 doppelte 9 45 46

Holl. fl. lOSt. 9 55 Ducaten . . 5 3638 20 Frankens!. 9 32>33t/2 Engi. Sover. 1 1 5759 Russ. Imper. 9 48 50 Dollar in Gold 2 26 '/2-271/2

Preuss. 4y2° o Oblig. 91 '/4 Frankf. 3i/2°/o Obi. 77?/s Nass. 41/20 0 Obi. 90V2 Kurhess. 4% 83 Gr. Hess. 5% Obi.

40/0 925/z

n 3*/2% » -

Bayer. 5% 951 g

41/2% 1jährige 911/2 4O/o V2 jährige 911/2

Wiirtemb. 4/2 % Obi. 90,/2 Baden 41/2% Obi. c. E. L. Oesterr. Silberrente 533/6 Papierrente 451/4 n 5% M. steuerf.

Amerik. Bonds 1881r 957/g

18«2r 94*,4

1885r 931/8

1887r 931/4

Spanier, neuest. 3% 301/2

Actien.

Frankf. Bank 131 i/e Frankf. Vereins-Kasse

Darmst. Bankact. 320

Wien Bankactien 695

Galizien 2273/4

Frankfurter Börse, 30. Nov. Daö Mittag-- und Abendgesä'äft zeigte steigende Tendenz bei lebhaften Umsätzen. Der Mangel an Stücken in vielen Effectengatlungen veranlaßten die (Sonfremine zu starken Deckungen. wodurch der Häufle großen Vorschub geleistet wurde. Die Nachrichten von einem Einversiändniß zwischen England und Oesterreich bezüglich deS Eonferenz- projectö und dem siegreichen Vorgehen gegen die Loirearmee verfehlten nicht einen günstigen Ein­fluß auf die Eourse auszuüben.