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Nähere Bedingungen sind in der Anstalt zu erfahren, wo auch die Abonnementsliste zur gefälligen Einzeichnung offen liegt. L- Chr. Rübsamen.
Bade- und Schwimmanstalt
von Rübsamen eröffnet.
Norddcntsche Packctbcfördcrmlgs-Gcscllschast Valette, tteinecke. IlaiielcI & €omp.
2662) Unterzeichneter bringt hiermit zur Nachricht, daß er dnrch Versetzung des seitheriaen Vertreters, .Herrn H. Weiß gerb er, mit der Verwaltung der General- Agentur für obige Gesellschaft au hiesigem Platze betraut wurde.
Gießen, den 1. Juni 1870 Mart Fuhr.
2625) Ein braver Junge gesucht von Friedr. Wilh. Köber, _________Schuhmacher.
2624) Ein Paar werbe Pfau-Tauben sind entflogen, um deren Rückgabe bittet
L- Frohnhäuser.
2611) Ein ordentliches Mädchen kann sogleich in Dienst treten bei
Georg Dörr, Kirchenplatz.
2637) Ein braver Junge, welcher wo möglich schon in einer Wirthschaft thatig war, wird für eine Restauration gesucht. Näheres bei Wittwe Eid mann (Sainen- händlerin.) ______________________________
2609) Ein tüchtiges Hausmädchen sucht gegen guten Lohn auf Johanni ru miethen
Ferdinand Gail.
2469) Einem verehrlichen Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich jede Arbeit im Weißzeugnähen sowohl, als auch im Sticken, übernehme. Meine Wohnung befindet sich im Richt er'fchen Vorderhause in der Wolkengasse.___________G. Lanz.
2638) 230 fl. liegen zum Ausleihen be- reit. Näheres bei der Exped. d. Bltts.
AnMagenkrampf, Verdauungsschwäche rc. rc. Leidenden
wird das fast 50 Jahre segensreich wirkende Dr. med. vosalLs'sche Heilmittel empfohlen. Schrift darüber gratis in der Exp. d. Bl. Das Mittel ist nur direkt zu beziehen durch Apoth. Dvccks, Harpstedt bei Bremen (früher Barnstorf). (1345) |
2489) Ein junger Mann wünscht zu seiner kaufmännischen Ausbildung eine stelle als Volontär auf einem Comptoir. Das Nähere bei der Exped. d. Bltts.___________
2606) Gegen 80 fl. Lohn wird sogleich oder zu Johanni eine ordentliche Köchin ge- sucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.
Ein Schriftsetzer - Lehrling kann eim treten in die Brühl'sche Univ.-Druckerei.
Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mtndener und Oberhessische Eisenbahn, sowie sa Nmttiche sllaMtlichen Formulare, sind zu haben bei iß. Klee, Marktstraße.
Telegraphischer Schisfsbericht
mitgetheilt von Chr. Wallenfels Jun.
Angekommen in New-Bork r
Das Bremer Postdampfschiff Main; Reisedauer 12 Tage.
„ „ „ Hermann; „ 12 „
Angekommen in Baltimore:
Das Bremer Postdampfschiff Berlin; Reisedauer 15 Tage.
Den 4. Juni Dampfer
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Abgehendr
Rhein von Bremen nach New-York. Brazilian,, Hamburg „ Rio de Janeiro. Malta „ Liverpool nach New-York.
Paraguay,, Havre ,, „ „
Hammonia von Bremen „ „ „
„ 15. „ „ Baltimore „ Bremen „ Baltimore.
Wegen Auskünften und Passagen wende man sich gef. an Obigen.
Telegraphischer Bericht, mitgetheilt von dem Haupt-Agenten C. W. Dietz.
Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd „Hermann", Capitain G. Reichmann, welches am 11. Mai von Bremen und am 14. Mai von Havre abgegangen war, ist am 26. Mai, 10 Uhr Morgens, wohlbehalten in New York angekommen.
Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd „Union", Capitain F. Dreyer, welches am 14. Mai von Bremen und am 17. Mai von Southampton abgegangen war, ist am 28. Mai, 7 Uhr Morgens, wohlbehalten in New-York angekommen.
Feuilleton
DLS Doppelhaus.
Von der Verfasserin von „John Halifax, Gentleman" rc. Deutsch, mit Bewilligung der Verfasserin, von Marie Morgenstern.
(Fortsetzung.)
„MrS. Rivers, diese Thatsachen sind entsetzlich, sie waren mir unbekannt." Wie läßt sich ihre Wiederholung in Zukunft verhindern? Vorausgesetzt, daß Sie die unvermeidliche Nothwenvigkeit unserer Lebensweise zugestehen?"
Ich überlegte einen Augenblick und machte dann den Vorschlag, die Klatschzungen von Azevale dadurch zum Schweigen zu bringen, daß Gatte und Gattin jeden Sonntag zusammen zur Kirche gehen und gemeinschaftlich in dem Hause ihres Gottes beten sollten. Möge Gott mir verzeihen, wenn ich diesen Vorschlag in einer Hoffnung machte, die ich nickt verrathen durste.
„Ich will cs thun," sagte Dr. Merchiston nach einer Pause. „Willigst Du ein, Barbara? Willst Du zu Hause kommen?"
„Ja."
„Zu dem alten Leben? In nichts geändert — weil nichts geändert werden kann, werden darf?"
„Unter allen Umständen — ich will nach Hause kommen."
„Ich danke Dir! Gott segne Dich! Es ist das Beste!"
Eine tiefe Pause trat ein, deren Stille nur durch einige leise, schluchzende Töne von ihr unterbrochen wurde. Endlich blieben sie aus. Dr. Merchiston ergriff seinen Hut, um zu gehen; seine Gattin schrack empor und faßte seine Hand.
„Evan, ein Wort nur und ich kann Alles ertragen. Lieb — liebtest Du mich wirklich einst?"
„Ob ich Dich liebte? — o, meine kleine Barbara!"
„Liebst Du mich noch?"
„Ja!" sagte er leise; ein scharfer Schmerz lag in dem Klang seiner Stimme. „Ja!"
„Dann ist mir Alles gleich! Dann, o dann — o mein Gott, Dank! — Dann ist mir Alles gleich!"
Ein krampfhaftes Lachen brach über ihre Lippen; sie fiel an meine Brust. An meine Brust nur konnte sie fallen — ihr Gatte war fort.
Sie ging nach Hause, wie sie versprochen hatte und das alte Leben begann von neuem. Nicht die geringste Veränderung fand statt — ausgenommen, daß ihr Gatte an jedem Sonntag Morgen regelmäßig an die Verbindungsthür des Doppelhauses klopfte, die sie auf seinen ausdrücklichen Wunsch sorgfältig verschlossen hielt — und daß er dann in der Vorhalle wartete, bis sie aus ihrer Wohnung trat. Arm in Arm, schweigsam und traurig, wie zwei Leidtragende hinter einem Sarge, gingen sie dann zusammen in die Kirche. Ebenso kehrten sie zurück; vor der Thür verlieh er sie schnell und ging in seine Zimmer.
Azcdale war befriedigt. Unzählige Erklärungen wurden in Umlauf gesetzt, die vermuthlich eben so viel Wahrheit enthielten, als die früheren Beschuldigungen.
Dr. Merchiston kam wie gewöhnlich und spielte Schach mit Jacob. Niemand machte eine Anspielung auf jenen Abend, an welchem eine so merkwürdige Scene in unserem Hause stattgefunden.
Mrs. Merchiston's Gesundheitszustand besserte sich und sie wurde heiterer. Die einfache Ueberzeugung geliebt zu werden, giebt dem Weibe Kraft und Stärke in den schwersten Prüfungen. Hat sie diese Gewißheit, dann hat sie
unüberwindlichen Glauben, dann hat sie Trost. Sein „Ja!" belebte die arme kleine Barbara, wie der Sonnenstrahl die Blume belebt.
Anders war es mit ihrem Gatten. Es konnte Keinem entgehen, daß Dr. Merchiston dahinschwand, wie ein Schatten. Än den Sonntagen schien mir sein Gesicht, das immer abgezehrt und bleich gewesen, den schrecklichen Ausdruck eines Menschen zu tragen, der einen schweren Seelenkampf im Inneren besteht. Bei solchem Anblick fühlt man, daß der Sieg erfochten ist, — aber daß der Mensch sterben wird.
Ach, von all' dcn unergründlichen Geheimnissen, welche das Leben zusammenwebt, war dieser Mann mit dem seinigen das dunkelste.
In meinen Augen wenigstens. Ob mein Gatte, der vermöge seiner Schweig- samkett, seiner reichen Erfahrung und tiefen Erkenntniß der menschlichen Natur das war, was er, dem Himmel fei Dank! immer gewesen — viel weiser, als — ebenso dachte, weiß ich nicht, aber es konnte mir nicht entgehen, daß sein ernster, durchdringender Blick ost aufmerksam auf Dr. Merchiston geheftet war. So aufmerksam und so fest, daß der Doctor mehr als einmal unruhig vor demselben zurückschreckte. Aber Jacob vergalt diese von ihm verursachte
Unruhe durch doppelte Freundlichkeit und Güte. Niemals sah ich ihn, — der Die ihn beherrschenden Gefühle und Neigungen im Allgemeinen so wenig nach Außen hervorlreten ließ, dessen Interesse so ganz und gar zwischen seinen Patienten und feinen Familienbanden getheilt war — sich so fest an einen Freund außerhalb feine« Hauses anschließen, als an Dr. Merchiston.
Er versäumte keine Gelegenheit, um unfern Nachbar aus seinem melancholischen, einsamen Stubenleben herauszuziehen in eine heilsamere Atmosphäre. Er nahm ihn mit sich auf seinen ärztlichen Rundtouren und weihte ihn ein in die mannigfachen Gelegenheiten zur Ausübung der Menschenfreundlichkeit, die m dem Leben eines Landarztes so tausendfach vorkommen. Zuweilen — und besonders erinnere ich eines Tages! — sagte mir Dr. Merchiston, daß mein Gatte ihn mit dem Anblick jedes nur möglichen menschlichen Leidens bekannt und vertraut gemacht habe.
„Nicht mit jedem. Eins bleibt noch zurück. Ich beabsichtigte, Sie heute Morgen mit mir zu nehmen, um es Sie sehen zu lassen. Es ist die traurigste, die dunkelste Nachtseite menschlichen Leidens, aber selbst diesem Elende versagte der barmherzige Gott nicht die Mittel zur Erleichterung."
„Was können Sie meinen? Ich glaubte, Sie wollten mich in ein Hospital führen. Welche Krankheit wollen Sie mir zeigen?"
„Keine körperliche. Dennoch aber eine, die meiner Ueberzeugung nach, wie jede körperliche, verhütet und geheilt werden kann — Wahnsinn."
Dr. Merchiston wurde so weiß, wie das Papier, auf dem ich schreibe. Mit einer Verwirrung, die er vergebens hinter erheuchelter Gleichgültigkeit zu verstecken sich bemühte, entgegnete er:
„Sie haben Recht, aber es ist ein peinlicher Gegenstand — Wahnsinn!"
Ich wunderte mich nicht, daß mein Gatte die Unterhaltung änderte und feinen Morgenplan fallen ließ. Es war zu klar, daß dieses Thema um em Freund äußerst erregte. Vielleicht hatte er einen Verwandten gehabt, der die unglückliche Krankheit besessen!
Es ist hier nöthig, daran zu erinnern, daß Geisteskrankheiten vor vierzig Jahren von einem andern Standpunkte aus betrachtet wurden, als es heute geschieht. Man sah ein solches Leiden nicht als eine bloße Krankheit, eine geistige, statt einer körperlichen, immer aber als eine Der Heilung fähige Krankheit an, sondern man hielt es für eine Strafe, einen Fluch, ein Verbrechen. Hatte eine Familie das Unglück, eines ihrer Mitglieder mit diesem Uebel behaftet zu sehen, dann war es ihr eifrigstes Bemühen, das traurige Geheimniß wie eine absolute Schuld zu verbergen. (Forts, folgt.)


