Die „Rhein. Zeitung" schreibt u. A. in einem Artikel über die Capitula- tion von Metz: „Wie wird es drinnen in dem Platze aussehen, wo 20,000 Verwundete und Kranke auf Nahrung und Pflege harren? Wie furchtbar wird die Verheerung gewesen sein, die Krankheit und Lebensmittelnoth angerichtet haben, wie zahlreich die Menge derjenigen, die zwischen den Forts und in der Festung ihr Grab gefunden haben! Hier wird schleunigste Hülfe von allen Seiten erforderlich sein, und mit Freude haben wir gelesen, daß von belgischer Seite in Voraussicht der Capitulation von Metz beträchtliche Vor- räthe in Arlon zusammengebracht werden, um sie, sobald die Umstände es gestatten, nach dem Platze zu schaffen. Ehre dem Menschenfreunde in Brüsseler heißt Astruc —, der diese Voraussicht gehabt hat und in Verbindung mit mehreren Personen an das schöne Werk gegangen ist! Er hat sich an das Brodcomit^ in Brüssel gewandt, das ihm einen Theil seiner Hülfsmittel für die Bewohner von Metz zur Verfügung stellte, und von der Sammlung, welche die „Jndependence" für die Opfer des Kriegs veranstaltete, sind ihm 1000 Francs eingehändigt worden. Von deutscher Seite wird es an Zufuhr hoffentlich auch nicht fehlen, wenn auch diese zunächst den Kriegsgefangenen zu Gute kommen muß." _
Ueber die Luxemburger Frage läßt sich eine niederländische Stimme in dem durch verschiedene staatsrechtliche Arbeiten, sowie durch eine im Jahre 1867 heraus- gegebene Brochüre „Luxemburg, Limburg und der Londoner Vertrag" bekannten P. van Bemmelen vernehmen. P. van Bemmelen erklärt sich mit der Abtretung Luxemburgs an Deutschland vollständig einverstanden, die sogar zur zwingenden Nothwendigkeit werden dürfte, wenn Luxemburg durch die bevorstehende Annecti- rung Lothringens sowohl von östlicher, wie von südlicher Seite von preußischem Gebiet umgeben sei. Der Londoner Vertrag sei durch den gegenwärtigen Krieg hinfällig geworden; er sei geschlossen worden, um den nun doch ausgebrochenen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich zu vermeiden. England werde froh sein, wenn es auf gute Manier den halb gegen seinen Willen abgeschlossenen und nachher durch Derby und Stanley halb verleugneten Garantievertrag los werden könne; Oesterreich, Rußland und Italien hätten vollends kein greifbares Interesse dabei. Was die Niederlande betreffe, so würde die Verzichtleistung des Königs der Niederlande auf die Krone von Luxemburg nur mit ungethcilter Freude ausgenommen werden. P. van Bemmelen formulirt seine Bedingungen folgendermaßen: 1) Der König der Niederlande tritt das Großherzogthum Luxemburg an den König von Preußen bedingungslos ab. 2) Es muß durch eine Volks- abstimmung in Luxemburg erhärtet werden, ob Luxemburg als selbstständiger Staat in den neu zu gründenden deutschen Staat eintreten oder mit Preußen direkt vereinigt werden will. 3) Der Abstand des Königs der Niederlande von dem luxemburgischen Throne darf unter keinen Umständen gegen Geld stattfinden, da dies ebenso sehr der Ehre der Niederlande, wie Deutschlands widersprechen würde. Das niederländische Volk habe sich allein mit der geldlichen Schadlosstellung des Königs zu befassen, und die zweite Kammer der Generalstaaten müsse deßhalb in diesem Sinne von dem ihr zustehenden Rechte der Initiative Gebrauch machen, um dem Gefühl über den „erfreulichen Verlust" einen drastischen Ausdruck zu geben. Durch ein solches Arrangement glaubt P. van Bemmelen werde auch das Verhältniß zwischen Deutschland und den Niederlanden ein viel besseres und aufrichtigeres werden; denn es bleibe eine feststehende Wahrheit, daß Holland von Deutschland mehr zu fürchten und zu hoffen habe, als von Frankreich.
Eine wegen ihrer gemäßigten und vorsichtigen Haltung beachtenswerthe florentiner Zeitung, das Diritto, sagt in ihrer gestrigen Nummer: „Trotz der wiederholten officiösen Dementis ist eine Thatsache gewiß: unsere Beziehungen mit der Regierung des Norddeutschen Bundes sind in hohem Grade gespannt, und wenn unser Cablnet noch keine Note im Tone der vom Grafen v. Bernstorff an Lord Granville gerichteten erhalten hat, so ist es doch sicher, daß dem ehren- werthen Visconti-Venosta deutliche und unverblümte officiöse Mittheilungen gemacht worden sind, und zwar entweder auf ausdrücklichen Auftrag oder doch mit voller Zustimmung des Grafen v. Bismarck. D e letzten Erklärungen des preußischen Ministers wurden veranlaßt durch die Abreise Garibaldi's und seiner Freiwilligen, und wir glauben nicht irre zu gehen, wenn wir versichern, daß vom Ministerium den Präsecten Instructionen gegeben worben sind zu dem Zwecke, die Abreise solcher Freiwilligen zu verhindern."
Die „Nation" in New-Iork vom 19. Oktober schreibt: „Was die Friedensbedingungen betrifft, so hat Graf Bismarck ein Circular erlassen, in welchem er auf die Uebergabe von Metz und Straßburg als nothwenvig für die Vertheibi- gung Deutschlands gegen französische Angriffe besteht. Sind diese Forderungen übertrieben? Wir müssen sie beurtheilen theils iw Hinblick auf die militärische Stellung der Deutschen und auf die Widerstandsmittel der Franzosen und theils nach den Gebräuchen der Kriegsführung zwischen civllisirten Völkern. Wenn wir nun sagen, daß die französische reguläre Armee Frankreichs entweder vernichtet oder in belagerten Festungen ohne Hoffnung auf Entsetzung eingeschlossen ist, und der in Paris übrig gebliebene Theil so demoralisirt ist, daß ein Regiment Zuaven, die mit der Garde die corps (Teilte bildeten, bei dem neulichen Gefechte bei Cha- tillon ihre Waffen von sich warfen und in wilder Unordnung flohen, daß die Preußen 400,000 Mann stark unter Führung des größten lebenden Strategen vor Paris sind, daß der Feldzug erst im August ansing und daß Frankreich keine organische Regierung hat, so ergiebt sich eine Sachlage, von der irgend eine Gruppe von Männern, die verständig genug sind, einen Krieg zu führen, unmöglich etwas Geringeres erwarten können, als die Unterwerfung Frankreichs innerhalb weniger Monate. So weit daher das bloße Uebergewicht der Macht Ansprüche rechtfertigen kann, kann man wohl mit Recht sagen, daß keine Forderung, die Preußen stellen könnte — die gänzliche Zerstörung der französischen Nationalität ausgenommen — insolent oder übertrieben genannt werden kann. Wenn wir anderer- seits die Forderungen Preußens nach Präcedenticn beurtheilen, so stnden wir, daß keine ähnliche Reihe von Erfolgen im Felde je weniger anmaßende Ansprüche im Gefolge hatte. Kein Friedens-Tractat, den Frankreich seit der Revolution mit einem besiegten Lande abgeschlossen, ließ, wenn man die relative Stärke der Gegner in Betracht zieht, die Ucberwundenen halb so leichten Kaufs davon kommen. Die Schlacht bei Jena kostete dem Könige von Preußen die Hälfte seines Gebietes und zwang ihn, sein Heer auf 40,000 Mann herabzusetzen. In späterer Zeit beraubte der Vertrag von Paris Rußland einer großen Festung und zwang es der Aufrechterhaltung seiner Flotte auf dem Schwarzen Meere zu entsagen, und der Vertrag von Vlllafranca entriß Oesterreich eine große Provinz, obgleich sein Heer noch zu einem langen Widerstande fähig war. In der That, betrachten wir die preußischen Forderungen vom Standpunkte des gebräuchlichen Verfahrens, und bedenken wir, daß der Krieg nicht ein bloßes GewandheitSspiel, sondern ein
Mittel ist, nationale Rechte und Pflichten zu bestimmen und internationale Beziehungen festzustellen, so müssen wir zugeben, daß sie im Ganzen mäßig sind.
Die „Situation", das in London erscheinende imperialistische Organ, bringt folgende Warnung: „An das englische Publikum! Wir sind durch Deputirte des gesetzgebenden Körpers, die sich tn voller Ausübung ihres Mandates befinden, so wie durch eine sehr große Anzahl von ernstlichen Wählern ermächtigt, zu erklären, daß, sobald Frankreich wieder im Besitze seiner selbst, ihre erste Sorge sein wird, zu verlangen, daß die Einschreibung der Ansprüche ins große Buch, welche Hr. Element Laurier auf dem Platze Lonvon emittiren läßt, als radikal mit Null und Nichtigkeit behaftet, sofort gestrichen werden." Diese Warnung hat auf den englischen Geldmarkt keinen Eindruck gemacht, sie ist indeß an sich pikant genug, um wenigstens hier erwähnt zu werden.
Der heilige Vater hatte die Schlüssel des Quirinals in seine Obhut gr- nommen, um dadurch seinen festen Entschluß, das Eigenthumsrecht der Curie auf diesen Palast aufrecht zu halten, vor aller Welt kund zu thun. Da alle Versuche der Regierung, den Einlaß auf gütlichem Wege zu erreichen, scheiterten, so hat dieselbe Gewalt vor Recht ergehen lassen, die Thüren mit Gewalt geöffnet und die Siegel weggenommen. Der Finanzminister selbst hatte bei einem dem Palaste abgestatteten Besuche, Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß in demselben, wo nöthig, sogar 2 königliche Hofhaltungen Platz finden können. Die einstweilen noch dort befindliche päpstliche Dienerschaft wird voraussichtlich bald entfernt werden, da die Ungeduld, mit welcher die hiesige Bevölkerung der Ankunft des Königs entgegen- sieht, einen längeren Aufschub der für einen angemessenen Empfang nöthigen Vor» bereitungen nicht gestattet. Man erzählt sich, daß der König das Verlangen aus- gedrückt habe, eine Wohnung außerhalb Roms zu besitzen, und daß Hr. Sella zu diesem Zwecke die vom Principe Torlonia vor einigen Jahren für 550,000 Lire angekaufte Villa Albani in Augenschein genommen habe.
Kriegsnachrichten.
Einem Feldbriefe aus Corny vom 26. Oktober entnehmen wir: Vorgestern Abend kam ein Brief Bazaine's im Hauptquartier an, mit der Bitte, anderen Tages dem General Changarnier eine Audienz zu bewilligen. Prinz Friedrich Karl gewährte diese Audienz und bestimmte, daß der General von zwei Ordon- nanz-Officieren gestern um eilf Uhr bei den Vorposten abgeholt werden sollte. Diese trafen den General noch nicht dort. Das zwischen unseren Vorposten und dem Feinde liegende, etwa 2000 Schritt breite Terrain wimmelte von unbe- waffnetcn Franzosen, die sich bis auf 100 Schritt den Unsrigen näherten, um Kartoffeln, Trauben und Pferdefutter zu suchen, eine Scene, die sich alle Morgen wiederholte. Die Franzosen nehmen vor unseren Doppelposten die Mütze ab, zeigen auf den Bauch und machen die Gebcrde, daß sie großen Hunger haben. Unsere Soldaten winken dann, die Franzosen beginnen mit ihrer Arbeit und kehren zurück, sobald sie einen Sack voll haben. Hierdurch sind die Rothhosen bereits so dreist geworden, daß wir sie gestern aus einem Orte, den sie besetzt hatten und durchaus nicht räumen wollten, mit Stöcken vertreiben mußten. Als der General nicht kam, nahmen unsere Ordonnanz-Officiere eine Parlamentärflagge und gingen, von Hunderten unbewaffneten Feinden umschwärmt, bis zum französischen Verhau, wo die Wache sie mit Gewehr bei Fuß empfing. Als sie sagten, daß sie den General erwarteten, zeigte der Wachthabende auf einen eben sich hcranbewegenden Wagen. Changarnier, ein Greis von circa 80 Jahren, noch ziemlich rüstig, bat, so weit als möglich fahren zu dürfen, da er nicht lange gehen könne. Unsere Officiere schickten nach ihrem Wagen und ließen denselben so nahe herankom^en, daß der General nur über einen kleinen Graben zu klettern brauchte. Changarnier ist Republikaner, lebte seit dem Staatsstreiche im Exil zu Brüssel, stellte sich nach der Schlacht bei Wörth dem Kaiser zur Disposition und befindet sich seit dem 8. August in Metz, wo er Adlatus von Bazaine ist, ohne ein eigenes Commando zu haben. Die Augen wurden ihm verbunden, und hier angekommen, wurde er vom General v. Stichle empfangen und zum Prinzen ge- führt. Die Conferenz dauerte l*/3 Stunde, worauf er wieder bis zum Wagen begleitet wurde. Der General Changarnier war gebrochen, und das Letzte, was er sagte, war: „Wir werden fallen, aber mit Ehren. Ich wünsche Ihnen, meine Herren, daß Sie und kein braver Soldat so etwas erleben mögen." Damit brach ein Strom von Thränen aus seinen Augen. Mit verbundenen Augen führte man ihn über He Vorposten zurück. Hier, nachdem ihm die Binde abgenommen, sah er die Kavtoffelsuchcr und hielt eine Lobrede auf unsere Soldaten. Schließlich sagte er, daß er wünsche, die am Abend Statt findenden Unterhandlungen möchten zum Resultate führen. Das mit dem Prinzen Karl verabredete Rendezvous fand auf dem Schlosse Frescaty Statt. Ein französischer Divisions- General und General v. Stiehle fanden sich dort ein. Wir stellten unsere De- dingungen auf die Grundlage der Capitulation von Sedan und Straßburg. Der Franzose soll darüber zuerst wüthend gewesen sein, schließlich nahm er die Bedingungen aber doch mit nach Metz.
Nach osficieller Anzeige hat die Artillerie der 18. (schleswig-holsteinischen) Division am 18. August alle Stabsofficiere, alle Adjutanten, 2/3 aller Batteriechefs, 4/7 aller Officiere, 2/3 aller Geschützführer, 4/9 aller Soldaten, 28/29 aller Pferde an Todten und Verwundeten eingebüßt. Einem Kanonier wurden 12 Pferde unter dem Leibe erschossen, was ihn nicht hinderte, am Abend nach beendigter Schlacht sein Geschütz mit zwei mittlerweile herbeigeschafften Pferden in das Bivauac zurückzuführen. Der Brave erhielt nicht nur das eiserne Kreuz, sondern auch „als einer der Tapfersten der Armee" eine königliche Geldprämie-
Ein französischer Felbarzt hebt im Genfer Journal hervor, daß ein Artikrl der Genfer Convention bis jetzt ziemlich unbeachtet -geblieben ist. Es ist der Art. 6, also lautend: „Es sollen in ihre Heimath zurückgeschickt werden diejenigen, welche nach erfolgter Heilung als dienstuntauglich erkannt werden. Die anderen können ebenfalls heimgeschickt werden unter der Bedingung, daß sie während der Dauer des Krieges die Waffen nicht mehr ergreifen." Bis jetzt hat man die geheilten Verwundeten durchweg als Kriegsgefangene behandelt, im Widerspruch mit der angeführten Bestimmung, die man, wie es scheint, so ziemlich vergessen hat.
Wien, 29. Oct. Die „Correspondenz WarrenS" schreibt: Die Bemühungen der Neutralen erhalten durch den Fall von Metz einen vermehrten Nachdruck. Paris befindet sich fast in derselben Lage, wie Richmond im amerikanischen Bürgerkriege. Derjenige ist jetzt in Frankreich ein wahrer Patriot, der von den großen nationalen Opfern abräth, die Frankreich zehn Mal mehr als den Feind schädigen.
Brüssel, 29. Oct. Der hier eingetroffene „Siöclc" enthält einen Brref aus Tours, nach welchem die ehemalige Partei der Linken des gesetzgebenden


