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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition! : Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen
1870
Dienstag den 1. November
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31. October.
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3*di»n werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B-1, als auch
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Gang der Ereignisse sein muß.
Die „N. A. Ztg." schreibt: Die Capitulation von Metz, schon lange von der durch die Raschheit unserer Erfolge verwöhnten Ungeduld erwartet, hat nun, x -
va sie vollzogen, selbst diese Ungeduld überrascht durch die großartigen Dimensionen des großen Ereignisses. Die letzte Feldarmee Frankreichs, eine Armee von 173,000 Mann, die durch wiederholte blutige Ausfälle Beweise ihrer Tüchtigkeit gegeben, die letzte Halbwegs vernünftige Hoffnung Frankreichs für die Fortsetzung des Widerstandes ist nun auch vernichtet, und dadurch diese gewaltige Armee, welche die Festung mit eisernen Ringen umschloß, frei geworden, um das besiegte Land ru überschwemmen und alle ohnmächtigen Versuche militärischer Neubildung zu vernichten! Diese mittelbare Wirkung der Capitulation von Metz übertret fast den unmittelbaren großartigen Vortheil, der in der Einnahme der Festung selbst liegt. Ferner aber werden wir das Ereigniß als eine letzte Warnung ansehen müssen, welche das Schicksal selbst an die Machthaber in Paris richtet, als eine Summation, nutzloses Blutvergießen zu vermeiden und der Logik der Thatsachen sich zu unterwerfen. Denn nachdem Metz, diese Festung ersten Ranges, die durch eine Feldarmee von 140,000 Mann vertheidigt wurde, nachdem diese Stadt, ohne raß eine Beschießung nothwendig gewesen wäre, lediglich durch die Folgen der Einschließung gefallen ist, — wie kann man die Vertheidigung einer Stadt, wie Paris, sortsetzen, bei der wegen der Masse ihrer Bewohner diese Folgen der Einschließung in weit rascherem und verderblicherem Maße eintreten müssen, ganz davon zu geschweigen, daß hier die Beschießung der Stadt, vor welcher Metz be- wahrt geblieben, unmittelbar bevorstehend ist! Fassen wrr diese Wirkungen i n S Auge, so werden wir die Wahrheit des königl. Wortes erkennen, daß wir hier eines der wichtigsten Ereignisse vor uns haben, für welches wir der Vorsehung wärmsten Dank schulden. Dann aber wendet sich unsre Dankbarkeit zu der herrlichen Armee, welches dies neue Blatt dem reichen Ruhmeskranzr der deut,wen Waffen hinzugefügt hat; wir danken dieser Armee, die vor dieser Festung die beiden höchsten Tugenden des Soldaten in gleichem Maße bewährt hat, Ve un- nesiüme, vor nichts zurückschreckende, keinem Angriff weichende Tapferkeit und die eiserne Disciplin, welche durch die Gleichförmigkeit des Belagerungsdienstes nicht ermüdet, durch die Unbilden der Witterung nicht erschüttert, jeden Tag mit Pflichterfüllung beginnen und beschließen lehrt. Solch' kostbare Frucht hat uns jene Saat des Königs getragen, die man Armeeorganisation nennt.
Die Volks»Zeitung schreibt über die Eroberung von Metz: „Die Kunde von der Capitulation der Festung Metz hat unendliche Freude erregt, sowohl wegen der eminenten Wichtigkeit, welche das Ereigniß voraussichtlich für die schnelle Beendigung des Krieges haben wird, als auch hauptsächlich wegen der Thatsache, : daß unsere die Festung einschließenden tapferen Soldaten endlich aus ihrer schrecklichen, von Tag zu Tag trostloser werdenden Lage befreit worden sind. Wir ' haben (gleich den übrigen Blättern) aus den uns zahlreich zugegangenen Zammer- : triefen — aus nahe liegenden Gründen — nur hin und wieder ein Bruchnucr ' in milder Form veröffentlicht, um die Militärverwaltung und die Privatwoyl- • Tätigkeit zu reger Thcilnahme für die an so Vielem Roth leidenden Truppen an-
Nach dem Falle von Metz richtet sich jetzt die allgemeine Aufmerksamkeit ungetbeilt auf Paris, wo die nächste große Entscheidung fallen muß. Die allerschwerste Verantwortung liegt in diesem Augenblick aus den Machthabern der Hauptstadt. Mit der Gefangennehmung des letzten Restes einer regelmäßigen französischen Armee ist im Grunde das Mandat, das sie sich selbst gegeben, erledigt. Sie nannten sich Regierung der nationalen Vertheidigung; heute kann es sich nicht mehr darum handeln, den auswärtigen Gegner in seinem Siegeslauf aufzuhaltcn. Was das einheitliche Frankreich mit seiner Armee nicht vermocht, wird das von Parteien zerrissene ohne Armee nicht vollbringen. Die einzige Aufgabe, die heute noch im Bereiche der Möglichkeit liegt und als gebieterische Pflicht an diejenigen herantritt, welche die Zügel ter Regierung in ihre Hand zu nehmen versuchten, ist die sociale Vertheidigung, die Rettung des Landes von gänzlicher Anarchie und Auflösung aller Bande der Ordnung. Mit Ausnahme einer sehr wenig zahlreichen, aber durch ihr terroristisches Auftreten zur M^cht gelangten Partei erkenn! die öffentliche Meinung Frankreichs in Uebereinstimmung mit der von ganz Europa in der Wiederaufrichtung einer anerkannten staatlichen Gewalt durch Wahl einer constituirenden Versammlung den ersten nothwendigen Schritt zu dem erwähnten Ziele. Werden die Herren Trochu, Jules Favre und Genossen als Patrioten die Willensmeinung der Nation zum Ausdruck und zu ihrem Recht gelangen lassen, indem sie der Erfüllung der nothwendigen Vorbedingungen für Wahl und Zusammentritt einer Constituante ihre Zustimmung geben? Werden sie als terroristische Parteimänner, die selbst wieder sich von einer »anatisirten Menge in Abhängigkeit befinden, den Eigensinn der Faction über die gesunde Vernunft und die Bürgerpflicht stellen? Dies ist die Frage, deren Beantwortung in allernächwtr Zeit erfolgen und von entscheidendem Einfluß auf den weiteren
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Ebener * lintlichen Markchch.
mden, Zacken, lchtm st Haubach.
von Häringen, r, am Kreuz.
Die Belagerung von Paris. Durch die Haltung ver französischen i Machthaber und durch die politisch so überaus unglückliche Idee, Paris zum | . Fcrt von Frankreich zu machen, ist d:r Einzug der Deutschen in Paris zur Roth- - Wendigkeit geworden. Die Franzosen würden sich ohne dem nicht besiegt glauben; | ’ daa ganze deutsche Volk müßte sich betrogen um sein Ziel erachten. Die deutschen I verbündeten haben auch, seitdem die Schlacht von Sedan nicht zum Frieden | geführt hat, Viesen nothwendigen Schlußact ohne Versäumniß bettieben, schon , weil sie sich in keinem anderen Puncte des heutigen Kampfes auf eine so gleich. 1 mäßige Uebereinstimmung der ganz-n deutschen Nation stützen können. Diesen ।
klaren Gesichtspunkt sucht man in diesem Augenblick zu verwirren und nicht blos . von feindlicher Seite; auch in Deutschland giebt es genug Anzeichen, daß die Einen den Frieden nicht erwarten können, die Anderen das Schicksal moch beeilen ! möchten. So ist die Sage entstanden, daß in dem entscheidenden Kreise über die i Iirscenirung des SchlußactcS weit auseinandergehende Meinungen sich geltend machten und daß, wie die Phrase lautet, von der Diplomatie wieder verdorben ' werde, was das Heer gut gemacht habe, - daß über den Verhandlungen bei ' Paris die militärischen Arbeiten vor Paris versäumt oder wenigstens in der be- £ nits fertigen Thatigkeit gehemmt werden. Wir halten cs für Pflicht der Presse, di'ser Sage entgegenzutreten, weil sie dem deutschen Ziele schaden kann und in Eirgland bereits geschadet hat. Wir nehmen an, daß auch die hervorragenden Männer, in deren Hand die Action liegt, eine Zeit lang glauben konnten, daß in Frankreich die nationale Eitelkeit in gleichem Verhältniß mir der nationalen rtrafr zmammenbrechcn würde, daß eine Festung wie Pans sich mcht so lange halten könne, daß der Zwiespalt der Parteien sich ralcher geltenv machen mußte. Unsere Klagen über Langsamkeit beweisen nur, daß wir auch diese Täuschung aecheilt haben und wären nur rann gerechtfertigt, wenn während dieser Zelt der Täuschung irgend etwas versäumt worden wäre, was zum Schlußact nothwendig ist. Dieß ,st aber nicht geschehen. Das Kunstwerk der Cernirung von Pans, Vie Vorarbeiten zu Schutz und Trutz, die Armirung der Werke im Verhältniß ;u ihrer Aufgabe, der Schutz der Basis der deutschen Armee, die Verprovlanti- kling auch aus den umliegenden Provinzen, die Säuberung des wntcn Landes von neuen Truppenansammlungen füllen jeden Tag vom 19. September ab be- ivu liderungswürdig aus, so sehr, daß man sagen muß — und am besten aucu officiell gesagt hätte: eg ist nicht das Geringste versäumt, was zum letzten Ziele führen kann. Es konnte gar nicht mehr geschehen, als geschehen ist. Alle -Lach^ kündigen sagen übertinstimmcnd aus, daß^ namentlich die Aufstellung aller noth- tvendigen Geschütze noch gar nicht fertig sein kann und kaum gegen Ende Octobe. vollendet sein wird. Es könnte also wohl vielleicht, wie das natürlich ist, eine Meinungsverschiedenheit zwischen unseren militärischen Sachkundigen über ^n nothwendigen Umfang der Rüstungen stattfinven; es ist aber unmöglich, daß bis letzt nne tiefgehende Meinungsverschiedenheit zwischen militarüchen und Vchlomatischen ssührein hätte entstehen können; sonst wäre der NachwelS nothwendig, daß d>e Diplomatie die militärische Act-on, die noch nicht ganz vorbereitet ist, m ihren Vorbereitungen gehemmt hätte. Davon haben wir aber auch nicht das leijest Anreichen. Zu einer regelmäßigen Belagerung von Paris gehört die Vorarbeit l einer regelmäßigen Wegnahme bestimmter Forts. Es liegt aber gar knn einziger * SJSr ^er humaner Grund vor, mit der Beschießung der Forts nicht m beginnen, sobald die militärischen Führer melden, daß sie fertig dazu sind. Wenn also damit noch nicht begonnen ist, so kann das nur militärische Grunde
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