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Truppenkörper der deutschen Armee sind ferner beauftragt, die strengsten 9t- pressalien zu gebrauchen, wenn das Völkerrecht in irgend einer Weise von Seien der französischen Bevölkerung nochmals verletzt wird. Meaux, den 17. Sip- tember 1870. Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen."

? Vom Kriegsschauplatz.

Paris. Personen, die nach der Ankunft der preußischen Armee die fra"' zösische Hauptstadt verließen und am 27. nach langen Umwegen in Brüssel ün* kamen, berichten, daß das Aussehen von Paris ein sehr finsteres ist. Gas brennt nirgends mehr; fast alle Läden sind geschloffen und der größte Theil der Boulr- vard-Cafes schließt schon bei Einbruch der Nacht oder doch spätestens um 10 Ufrr Abenos. Auf den Boulevards herrscht dagegen noch reges Leben; dort ist die neugierige Menge, die ohne Geschäfte ist, groß und die Bewohner der Fau- . bourgS finden sich in Masse ein. Im Ganzen genommen ist die Stimmung eine dumpfe. Nur die Mobilgarden, die fast immer angetrunken, sind nach wie vor ausgelassen. Die Nationalgardc, die sich sehr anständig beträgt, ist jedoch ernst und sieht sie der nächsten Zukunft mit großen Sorgen entgegen; und wenn man einzelne Leute unter vier Augen spricht, so gestehen sie fast alle ein, daß ihnen die Sache zu stark wird. Was dieselben noch besonders niederdrückt, ist der Umstand, daß der größte Theil in Folge des Stillstandes aller Geschäfte schon jetzt gänzlich ruinirt ist. Für den Augenblick müssen sich dieselben aber tapfer schlagen, sonst laufen sie Gefahr, von ihren Mitbürgern erschossen zu werden. Sie ziehen vor, ihr Glück auf den Wällen zu versuchen, biS die Friedenspartei, d. h. diejenigen Leute, welche Paris nicht ganz und gar zusammenschießen lassen wollen, wieder Gewicht erlangt hat.

Karlsruhe, 29. September. Der Specialcorrespondent derKarlsruher Zeitung" meldet aus Mundolslmm vom gestrigen Tage: Heute findet die Ueber- gabe der Festung Straßburg statt. Die Besatzung ist kriegsgefangen und kommt demnächst nach Rastatt, 400 Offiziere und 17,000 Mann. Folgendes ist für die Uebergabe festgesetzt: Um 8 Uhr Besetzung der Thore und der Cttudelle; Pioniere stellen die Brücke wieder der. Um 9 Uhr kommen der Maire und der Municipalrath hierher. Um 10 Uhr rückt die Besatzung an, um lO1^ Uhr Niederlegung der Waffen und Ausmarsch. Um 11 Uhr Rückkehr der gefangenen Offiziere, wobei zugleich drei deutsche Regimenter, darunter ein badisches, in die Stadt einrücken. Besetzung aller Stadttheile, Posten und öffentlichen Gebäude. Drei Batterien stellen sich auf dem Kleberplatz auf. Die Generalität geht heute nach Straßburg.

Tours, 27. Sept. Die Regierung hat Mitthcilungen erhalten, daß die Situation Straßburgs durchaus zufriedenstellend fei. Man könne mit Gewißheit mnneymen, daß die Stadt sich länger als vier Wochen halten würde. Aus Orleans vom 26. Abends wird gemeldet, daß die Stadt von dm Franzosen geräumt, ist. Preußische Truppen sind noch nicht eingerückt.

Tours wird die längste Zeit Regierungssitz gewesen sein. Die Deutschen stehen schon in der Gegend von Orleans. Berichte vom 23. Sept, verbreiten sich über den panischen Schrecken, welchen dort ein Telegramm hervorgerufen hat, das die Ankunft einer preußischen Truppenabtheilung zu Ptthivierö meldete. Die Truppen, welche in Orleans cascrnirt waren, zogen sich sofort auf Blous zurück. Die Steuercasse und die Cossen der Bankfiliale wurden sofort geflüchtet. Pulveroorrathe, welche auf der Eisenbahnstation lagerten, wurden in aller Eift verladen, andere Vorräthc desgleichen, sogar der Postmeister mußte seine Vor- räthe und Pferde flüchten, der Postverkehr hörte auf, Eisenbahnen und Tele- graphenlmien wurden unterbrochen endlich erfuhr man, daß die Ursache des ganzen Schreckens die Ankunft einiger Ulanen zu PithivierS gewesen war, welche dort die E'senbahn unterbrochen, die vorhandenen Waffen weggenommen batten und bann wieder sortgeritten waren. Der Präftct des Departements du Loiret hat den Maire von Piihiviers in Folge seiner Kopflosigkeit abgesetzt.

Aus Baden, 27. Septbr. Man ist damil beschäftigt, Die gesprengte Kehler Rheinbrücke wieder fahrbar zu machen durch eine Hoftüberbrückung | der Sprenglucke. Diese Arbeit wird aber immerhin einige Wochen bis zu ihrer Vollendung ersordem. Einstweilen richtet man das Holz her. Die jetzt hier e,ntreffenden Truppen von der zweiten Reservearmee werden sich, wie es heißt, in und bei Freiburg sammeln und nach ihrem Uebcrgang über den Rhein die dauernde Occupation von Ober-Elsaß in'S Werk setzen. Sie führen sechs Batterien bei sich. Es ist wieder die Rede davon, daß die 1. badische Infan­terie-Brigade unter Generalmajor v. Degenfeld, 1 Dragoner - Regiment und 4 Batterien Artillerie zu der Armee vor Paris stoßen sollen.

Trier, 27. Sept. DieTr. Z." schreibt:In der Nacht vom 24. auf i den 25. d. M. gegen zwei Uhr sollen vom Bahnhofe Luxemburg 100 Waggons Proviant durch vier Locomotiven nach Thionville gebracht worden sein, unter Führung eines Bahn-Ingenieurs, der die aufgebrochenen Geleise vermittelst der zu diesem Zwecke mitgenommenen Schienen wrederhcrstcllen ließ. Die Nachricht hiervon verbreitete sich früh Morgens am Bahnhöfe Luxemburg und es war unferm Berichterstatter vergönnt, Die freudige Begegnung wahrzunchmen, welche das Gelingen des Coup hervorrief, insbesondere aber der Umstand, daß der den Franzosen in die Hände gespielte Proviant ursprünglich für die deutsche Heere gekauft gewesen sein sollte."

Mainz, 28. September. Nachdem die neu ausgihobenen Mannschaften in ihrer Ausbildung bereits erheblich vorgeschritten sind, werden die älteren Lanewehrleute aus dem mobilen Heere entlassen; so sind heute vom 8. Fcstungs- Artillerie-Regiment nahe an 1000 Mann in ihre Heimath zurückgekehrt. Daß aber weder an eine, wenn auch noch so unerhebliche Verminderung der mobilen Armee oder des OccupationStruppenstandeS in Frankreich, sondern an das Gegen- theil gedacht wird, zeigen verschiedene Maßnahmen, welche auf Die Verpflegung Der Truppen während der kommenden schlimmeren Jabreszeit berechnet -sind. So werden an einigen Hauptdepot- und Concentrationsplätzen am Rheine große Provtantniederlagen, Schlächtereien und Pökelanftalten errichtet. Bis diese in Betrieb kommen können, werden einstweilen in geeigneten Privatetabliffements die Vorräthe hergestellt und nach Frankreich geschafft. Heute Nacht haben wir Wieder einen Transport von einigen Hundrrt Verwundeten und Gefangenen (von Metz her) gehabt.

Köln, 28. September. Die in die Heimath entlassene päpstliche Armee wird zum Tbeil Köln berühren, Da Rheinland-Westphalen, Belgien und Holland ein bedeutendes (Kontingent gestellt haben. Vorgestern trafen einzelne Zuaven hier ein, gestern 40; überhaupt erwartet man noch 3000, die sich zum Theil durch ihre Kutten an den Mänteln als päpstliche Soldaten legitimiren. Hier-

ftlbst wurde ein Schuster verhaftet, und zwar unter dem Verdacht, den in Düren vollzogenen, so großes Aufsehen erregenden Mord an einem Einwohner begangen zu haben. Das Anbieten eines 100-ThalerfcheineS bei einem Lederkauf hat den Verdacht zuerst hervorgerufen.

Berlin, 26. September. Der Bundeskanzler hat mit Rücksicht auf die fortschreitende Ausbreitung Der Rinderpest cs für geboten erachtet, die Einfuhr von Steppenvieh bis auf Weiteres zu verbieten. An die baierifche und säch. sische Staats-Regierung ist das Ersuchen ergangen, gleichfalls ein solches Ver­bot zu erlassen, so wie den preußischen Bezirks-Negierungen durch Den Minister Der MeDicinal- u. s. w. Angelegenheiten Die Weisung zugegangen, die Ein- und Durchfuhr von Rindvieh der Steppenrace unter Verweisung auf § 307 des Strafgesetzbuchs für ihre resp. Bezirke .sofort" (nach dem 22.) zu untersagen, und Daß dies geschehen dem Minister anzuzeigen. Die mit der Handhabung der Einfuhr-Verbots beauftragten Beamten sind anzuweifen, in Fällen, da über Die Abstammung des betreffenden Viehes etwa ein Zweifel entsteht, dessen Nicht- zulassung auszusprechen.

Berlin, 28. September. DerWes.-Ztg." wird von hier telegraphirt: Wie zuverlässig verlautet, haben die verbündeten Regierungen sich dahin ge- einigt, Elsaß und Lothringen als deutsches Bundesland unter unmittelbarer Ver­waltung der Bundesbehörden, vorläufiger Befreiung von Militärpflicht und Aus- - schluß von Vertretung im Parlamente zu constituiren. Präsident Delbrück wird deute aus München zurückerwartet." Beim Magistrat lief, wie DieSpen. Ztg." mittdeilt, vor einigen Tagen aus Belgien ein Brief ein, dessen Inhalt Preußen m-t Tod und Verderben drohte, Der aber auch äußerlich in sofern Auf- sehen erregte, als der betreffende Beamte, Der Den Brief öffnete, sofort von hef­tigem Kopfweh befallen wurde. Ebenso ging es einem Diener, Der mit diesem Briefe sich beschäftigen mußte, und dem Poftsecretar, Der Den Brief zu expediren hatte. Eine Untersuchung hat ergeben, daß der Brief wahrscheinlich mit Veratrin getränkt gewesen ist, und hätte ein sorgfältiges Lesen des absichtlich sehr ver­längerten Briefes wahrscheinlich schlimme Folgen haben können, da dieses Gift durch Die Nase nach dem Gehirn zieht und dort verderbliche Folgen bewirkt.

Berlin, 29. Septbr. DerStaatsanz." veröffentlicht einen Erlaß des Staatssekretärs v. Thile an die dieffeitigen Gesandtschaften, in welchem derselbe erklärt: Sorgfältige Erhebungen zeigen die vollständige Grundlosigkeit der Sc- hauptung des Ministers des Auswärtigen, Latour d'Auvergne, vom 1. Septbr., daß Die deutschen Truppen sich vielfacher Verletzungen des allgemeinen wie des vertragsmäßigen Völkerrechts hatten zu Schulden kommen lassen. Nur eine der erhobenen Beschuldigungen, De Verhaftung Bussiöres', hatte einen factischen Anhalt, jedoch erfolgte Die Verhaftung nicht inmitten Der Ambulance. Die Genfer Convention wurDe von Den Deutschen sehr sorgsam ausgeführt. Explo­sivgeschosse für HanDwaffen oder von geringerem Gewicht als 400 Grammes sind nicht vorhanden. Dagegen liegen beglaubigte Thatsachen vor, daß die franzö­sische Regierung Die Genfer Convention nicht ausgeführt hat. Es scheint, daß die Behauptungen Latours ein Versuch waren, unserem Protest vom 16. August durch aus Zeitungen zusammengeraffte Gegenbeschuldignngen für Den Augenblick Die SLneide zu nehmen.

München, 28. September. Ein Telegramm derPresse" lautet: Es sollen ernste Ariedensunterhandlungen (?) im Gange sein. Ein ministerielles Rcscript besagt, daß angeordnet worden sei, Truppen - Nachftndungen bis auf Weiteres zu sistiren. Die Stadt flaggt wegen der (Kapitulation von Straßburg.

Breslau, 26. September. DasKirchcnblatt" verkündetmit gerechter Freude, daß Die Resignation Sr. fürstbisLöflichen Gnaden, wie von Der Weisheit des heiligen Vaters Pius IX. mit Zuversicht zu erwarten war, in Rom nicht angenommen worden ist." Mit nicht minder gerechter Freude verkündet dasselbe Blatt, daß in Der Nr. 188 Der Verordnungen Des fürstbischöflichen General- Vicariat-Amtes zu Breslau dem CleruS der Breslauer Diöcese die in Der Dritten öffentlichen Sitzung Des ökumenischen vaticanischen Concils vcrkünDete constilutio dogmatica de fide Dem Wortlaute nach publicirt worDen ist. (Br. Mtgsztg.)

F r i s ch b s ck e r ; u Gießen.

Sonntag den 2. October. Emil Noll in der Löwengasse, Louis Keil in den Neuenbäuen und Heinrich Noll in der Neustadt.

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der evanfzelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst am 2. October ! ^^6ens - Seel.

/ Nachmittags: Pfarrer Landmann.

Die Pfarrgeschäfte für diese Woche (vom 2. bis 8. October) besorgt Pfarrer Dr. Seel.

B emerkung. Für die Folge wird die Veröffentlichung der Kopulirten, Getauften und Ge­storbenen immer in der Sonntagsnummer dieses Blattes erfolgen-

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Wien k. 8. 95V« Dis conto 4% G.

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