Vorläufige Anzeige
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Tinrrfj eine Subscriptionsliste, welche in den ersten Tagen in Umgang gesetzt wird, erlaubt sich der Mrtgeb7r, ein Ehrliche« Publikum vah.er zu C°n-°rt°j
ergebenst einzuladen.
für Sopransolo, Chor, Orchester und Orgel, componirt von F. Äsendetssohn, unter gütiger Mitwirkung
des akademischen Gesangvereins.
des akademischen Musikdirectors W. Mickler, ^reitaa den 11 Marz 1870, Nachmittags halb 4 Uhr, o in der Stadtkirche.
I. ..Requiem^ Missa <le defuaeüs,
für Solostimmen, Ehor, Orchester und Orgel, componirt von W- A. Mozart-
II. Der Psalm,
— Groß-Buseck, den 2b. Februar 1870.
An
die Kirchenvorstände des Groß-Lindener Zweigvereins der Gnstav - Adolf - Stiftung.
Von dem Verwaltungsrath der Gustav-Adolf-Stiftung aufgefordert, richte ich an Sie das Ersuchen, die Sammlung für dieses Jahr baldmöglichst vorMnehmen und dre Beträge im Laufe des Monats März an mich cinzusenden, damit ichsolche vor Ende des Monats nach Darmstadt befördern kann. Der Herr segne Ihre Bemühungen.
’ Für den Vorstand des Groß-Lmdener Zweigverems.
ü Strack,
Decanatsverwalter.
Geschäfts - Anzeige.
544) Einem geehrten Publikum die ergebene Anzeige, daß ich unter Heutigem im Hause der Herren Gebr- Wenzel, Kreuz Lit- C- Nr. 1, em Hutgeschaft b^^Ein?Neihe von Jahren in den größten Geschäften Deutschlands conditionirend, bin ich in den Stand gesetzt, allen Anforderungen Genüge zu leisten, und werde mir durch reelle und prompte Bedienung das Vertrauen meiner geehrten Abnehmer zu erwerben suchen. .... . r,.y .
Reparaturen werden schnell und bestens ausgefuhrt.
Gießen, den 1. März 1870. 3JCT»n».
Feuilleton
Am nächsten Morgen um eilf Uhr traten Clara und Vie
Nichts gegen Vie
mir
An- jetzt
‘"XÄ durfte also den Augenblick segnen, der sie juerstiutt der wackern HauSmamsell zusammengeführt, unv der nachsten Zukunft ruh g en S'L-, - »äääk ...»
“•Ä“ ff» M> «W* W n $S wieder gesehen, und es war auch keine Hoffnung vorhanden, daß es r)
geschehen werde, dn sie wußte, daß Wiesel den todtlichsten Haß gegen sie und die Klndcr im Herzen nährte.
Balv aber sollte sie Etwas über ihn Horen. „
Eines Tages trat Clara bei ihr ein. Sie hatte der Wittwe bezüglich desselben eine schlimme Neuigkeit rnitzutheilen.
Diese Nachricht bestand darin, daß Herr Wiesel trotz seiner Schlauheit sich von dem dicken Engländer, Master Windforth, der bekanntlich rm „Goldenen Stern" für einen Millionair gehalten wurde, hatte in fast unbegreiflicher -weife bC‘rU6r hatt?nämlich von Windforth ein paar Wechsel gegen hohen Gewinn gekauft. Diese Wechsel aber waren gefälscht. Ehe Herr Wiesel aber die Fal- schuna entdeckt, war Master Wmdforth mit seiner mageren Ehehälfte, den fern- meldlonden Töchtern unv seinem Taugenichts ^" S°hn, nachdem er seme Rechnung im HÜlel bezahlt, plötzlich aus dem Gasthofe und weiter auch aus Camburg verschwunden. Wohin er sich mit ferner Familie begeben, wuß e Niemand. Wahrscheinlich war er mit einem der letzten Schiffe, die tm Spat-
Nicht »ermiß,. Erst drei Tage nach dessen Abreise war ihm zufällig von dem, zuweilen auf sein Zimmer kommenven Kellner Vie Nachricht geworden, daß ver sogenannte Mylord mit seinen Angehörigen in aller Stille Hamourg verlassen ha^be. Das erweckte den Argwohn ves Wucherers. Er rannte zur Börse und ließ die Wechsel, welch? Vie runve Summe von vreißrgtausenv Mark betrugen, durch ein paar ihm genau bekannte Kaufleute prüfen, die Mit den Hausern, welche Vie Wechsel ausgestellt, in Geschäftsverbindung standen. Sie erklärten Vie Handschrift der in London wohnenden Aussteller für nachgemacht. Master Windsorth war also nichts mehr, noch weniger, als ein gemeiner, “uet ®e' trimer, gegen Den man ras Gericht zu Hülfe rufen mußte. Herr Wiefel leitete I j-(nn auch die nöthigen Schritte zur Verfolgung des Schurken ein. v.a man aber vor dem großen Brande in Hamburg noch keine elektrischen Telegraphen hatte, Vie jetzt die schlimmsten Feinve aller Spitzbuben find, unv der Engländer einen Vorsprung von mehreren Tagen hatte, so ^rdc er bald überzeugt, v ß er dessen schwerlich >emals habhaft werden wurde, da es Master Windforth leicht sein mußte, sich in irgenv einer ver bevölkertsten Städte Englands unter einem fremden Namen zu verbergen.
Hatten ihm schon die dreitausend Mark, die er, aus Clara S Antrieb, seiner armen Schwägerin auszahlen müssen, Vie Galle ins Blut getagt, so «füllte ihn rer neue Verlust von drcißigtausend Mark mit einer solchen Wuth und Veriweisiuna daß sein abgcmagerter Körper darunter erlag und er lange Zeit das Krankenbett buten mußte. In ver Zeit, wo ^^"^Ebandl^na^ines Frau Wiestt erzählte, befand er sich noch in dem Hütel in Behandlung eines
Im Voraus vertrauen wir dem Leser, daß der getauschte Wucherer, sobald er wieder etwas zu Kräften gekommen, dm Gasthof „Zum goldenen Stern verließ, sich eine Privatwohnung miethete, und sich verschwor, temals wieder eine Sängerin mit Champagner zu traktiren, noch sich von einem listigen Gauner - SÄÄrsÄi" «*i **.**,-*
eine andere an Fräulein Florini und Tante Dunst hatten schon wenige Tage, nachdem sie »on Clara bei ihrem nächtlichen Zusammensein mit Wiesel über- rascht worden, das Hotel verlassen und sich 'n einem anderen Gasthofe e.nquar- tilt wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Leben in gleich ehroarer Weise fort'führten und nur alten, ehrwürdigen Theaterfreunden Zutritt zu sich gestatteten.
Sie sehen, beste Freundin," sagte Clara, „daß es eine Gerechtigkeit des Himmels gicbt, der Niemand, auch der schlauste Bösewicht, nur selten entrinnen wird Um ru strafen und zu belohnen, wählt sich Gott ost die unscheinbarsten Werkzeuge um' Beispiel, wie ich ein- bin. O, ich fühle mein Herz von heißer Dankbarkeit gegen ferne Güte ausschwelleu, wenn '» bedenke, was '»ir in wem- gen Monaten Alles gelungen ist. Mir wurde das Gluck zu Theil, einen brav n jungen Mann, der sich aus Verzweiflung dm Tov geben wollte, k m. Wien ju mhalim unv ihm einen Vater zu verschaffen, ver vaS schwere Unrech, auf seinem Gewissen lastete, vurch wahre Reue wieder gutzumachm strebt.
l habe' vazu beigetragen, vaß Vie ihrem Vater entflohene 3»d.» ß» Leichtsinne brkehrt und mit dem alten Manne, der sic Ver aufs ch Heimath zurückgereis't fist. Endlich habe ich ^hnen, wur g Hand eine sorgenfreie Existenz verschafft und w"de auch * nichch^M tragen, daß diese nicht wieder gefährdet werde. 2ch s S . H^^el^ksM mich zu rühmen, nein, um Ihnen nur zu beweisen, w g 5 Aewnui
meiner Wünsche frön-n soll." (Sortfet}un9 |ol9t.J
vem rechten Flecke habe." ,
Wiesel las jedes Papier aufmerksam, durch. Er konnte _ Richtigkeit derselben einwmven. Einen Blick des todtlichsten Hasi^eS aus be de Frauen schleudernd, öffnete er seine Schatulle, nahm einen mit Gold gefüllten Scutel heraus, öffnete ihn und zählte die verlangten dreitausend Mark in LouiSd'or auf den Tisch. ,
Da ist das Geld, sagte er. Und nun sind wir fertig mit einander.
„Für immer," erwiederte Clara. Jbre Blicke überflogen die Summe rasch. Sie verstand vortrefflich zu rechnen und sah, daß Nichts daran fehlte.
Sie wandte sich zu der Wittwe: . „
„Nehmen Sie, würdige Frau, das Geschenk dieses edlen Herrnin En- pfang, das er Ihnen aus Liebe zu seinem verstorbenen Bruder gewahrt-> O, es geht doch Nichts über brüderliche Liede! Sie dauert ost bis übers ^'^Fmu Wiesel strich Vas Geld ein. Ihre Angst hatte sich in ein freudiges Gefühl verwandelt; denn sie war nun aller Sorge für die nächste Zukunft enthoben. Ihre Augen füllten sich mit Freudenthränen. Gegen Clara s Willen dankte sie ihrem Schwager im Namen ihrer Kinder.
Der Wucherer aber schnaubte sic an: * ,
Sparen Sie Ihre Worte, Frau. Den besten Dank erweisen Sie dadurch, wenn Sie mich Ihres Anblicks überheben."
Er wandte ihr und Clara den Rücken.
Das junge Mädchen zog die Wittwe mit sich fort.
„Für's Erste sind Sie geborgen, hebe Freundin, sagte sie. „Das dere wollen wir dem Himmel und der Zukunft überlassen. Er hat Ihnen beigestanden; er wird es auch ferner thun."
Verdiente Strafe. Familienfreuden. Ein Besuch aus der Fremde.
Schon die nächsten Tage wurde Frau Wiesel mit ihren Enkelkindern n d, mehr im Hütel „Zum goldenen Stern" gesehen.
9 Clara hatte sich für sie um eine kleine, aber freundliche Wohnung in einer Gegend ver Stadt bemüht, wo zu der Zeit die Mietpreise noch nicht zu der enormen Hohe, wie jetzt, gestiegen waren. kleine Zimmer wann f und sauber moblirt worden. Auch hatte sich die Beschützerin dies F nach einer guten Schule für die Kleinen umgeschen, die geistig aufgeweckt und
ihrer Enkel. .
Sie zeigte Clara sämmtliche Papiere.
„Vortrefflich," sagte tiefe, „so nehmen wir Ihrem Herrn Schwager jeven Vorwanv, sich auf'S Neue gegen Ihre gerechte Forverung zu strauben.
*rilf Ubr traten Clara unv vte Amerikanerin bei
Die Geheimnisse einer sungen Mamsell.
(Fortsetzung.) ,
Heute over morgen, wenn Die Frau mir ihre Papiere »erlegt untbe. U,elst "vaß sie wirklich mit meinem Bruver verheirathet war und keine Betrügerin ist, was Venn voch nicht außer ter Möglichkeit läge."
— Sie haben Recht, Herr Wiesrl. Es giebt so viel schlechte Menschen in der Welt, daß Vorsicht stet« am Platze ist. Sie sollen die JMiere Ihrer Verwandten prüfen. Sie soll morgen srüh zu Ihnen kommen. Mir aber wer- dm Sie erlauben, als Zeugin bei der Verhandlung gegenwärtig zu sein.
„Jn's Teuf- in Gottes Namen.
— „Schön, ich tanke Ihnen, großmulhtger Herr Wiesel.
Clara verbeugte sich tief, schritt sröhlichm Herzen«, daß sie ihren Plan durchgesetzt, au« dem Zimmer und begab sich unverweilt zu der Wittwe.
Glücklicher Weise besaß Frau Wiesel, was ver Herr Schwager verlangte, dm Taufschein ihre« seligen Gatten, ihren Trauschein und die GeburtSzeugmffe
Herrn Wiesel ein.
„Ihre Papiere, Madame," sagte der Wucherer kurz.
— Hier sind Sie, Herr Wiesel."
Mit'ritternden Händen überreichte die Wittwe ihm das Verlangte; denn die harte Miene des Mannes, der vor vielen Jahren ihrem Gatten die Liebe des Vaters geraubt, flößte ihr Angst ein.
Clara bemerkte ihre Besorgnrß.
„Muth/ vergessen Sie nicht, daß ich da bin und Herz und Zunge auf


