Beilage zu Ar. 128 des Kichener Anzeigers.
Feuilleton.
„Hyacintha," sagtet er, ihr mit unendlicher Zärtlichkeit in'- Auge blickend, „Du bist sogar noch hübscher wie ich Dich mir in meinen Träumen gemalt habe. Und so bast Du wirklich während aller dieser Iah/e geglaubt, ich bc. kümmere mich gar nicht einmal um Dich?"
„Wir Alle konnten ja gar nicht andere wie dies glauben," antwortete Hyacintha mit Nachdruck.
„Noch auf dem Tvdtenbette sprach sich mein Adoptivvater tief bekümmert darüber aus, kaß es ihm niemals hatte gelingen wollen, meinen Namen und meine Herkunft in Erfahrung zu bringen."
„Aber das klingt ja doch Alles ganz merkwürdig auffällig und seltsam sagte ter Obrist, außerordentlich erstaunt um sich blickend.
„Ich besitze seine Quittungen über die Gelder, welche ich für Dich einge- zahlt habe, und sogar Briefe von Dir selbst, wenige zwar allerdings nur, aber ^ch 'mmer Beweise, daß Du sehr wohl von der Existenz eines Vaters wußtest Sage doch, schriebst Du nicht so. als Du noch Kind warst V"
Mit dies.n Worten nahm er aus seinem Taschenbuche einen von Kinderhand gekritzelten Brief hervor, der mit dem Namen Hyacinth« unterzeichnet war und den diese denn auch sogleich wiedererkannte.
„Es ist eines von den Exercitien, wie ich sie in meinen Kinderjahren in Herrn Willert's Unterrichtsstunden nieversckrelbcn zu tbun pflegte. Laß doch sehen! Ja wohl, ich erinnere mich gerate dieses Briefes noch ganz wohl. „„Bericht eines jungen Märchens an ihren in der Ferne lebenren 93*ter über ihre Fortschritte in den Wissenschaften,"" war das Thema, welches er mir da. mals zu diesem Briefe gab. O mein Vater, wie schändlich, wie abscheulich sind Sie doch betrogen Worten!"
„Willert — Willert? Ganz recht, das war ja der Name des Mannes, der, nachdem er, Gott mag wissen wie, in Paris meine ostinrische Adresse in Erfahrung gebracht, mir Fräulein Mathilden's Tod und Deine Aufnahme in die Familie von Bergen mittheilte.
Im Namen des Barons, wie er sagte, stipulirte er denn auch die Summe mit mir, die ich jährlich für Dich zahlen sollte."
„Sie standen damals schon mit diesem Manne in Correspondenr?" sraate Hyacinth« äußerst erstaunt.
„O, jetzt begreife ich Alles. Es war dieser Mann, der uns verrieth. Mein Adoptivvater hat nie einrn Pfennig Geld von Ihnen erhalten, sondern alle Kosten meiner Erziehung aus eigenen Mitteln bestritten, ohne mich dies aber auch nur jemals im Geringsten empfinden zu lassen."
Sie erzählte kurz und hastig Alles, was sie über die gehkimnißvollen Um. stände wußte, durch welche dem Baron ihre Herkunft unbekannt geblieben war, und der Oberst horte ihr mit stets mehr und mehr wachsendem Erstaunen zu.
„So kann es Niemand anders wie Dein Informator gewif-n sein, der die Quittungen ausgefertigt hat!" rief er aus, als sie schwieg.
„Wir sehr b-dauerle der flulc Baron nicht fiel«, daß nicht« nb« mcinr H-rstummuug m Ertahruug zu bringen war. denn» hegte ja den angelegentlichen Wunjch, nuch mit dem armen Carl »erheirathe, zu jeden. Rein, nein l Hier ist entweder ein grober ^reihum oder Betrügerei im Spiele. Glaube mir' jene Quittungen sind gefälscht!" ' ,ene
Ein Geläute der Hausglocke unterbrach ihre Rede.
„Da ist der Herr Oberst zweifelsohne schon," sagte Felicie.
„O, ,o beeile Dich doch, liebe, gute Felicie! Glätte mir das Haar und °rt,nV*?en "N wenig!" bat Hyacinth« in fast fieberhafter Aufregung.
Nachdem die Französin e.n Gefäß mit Wasser gefüllt und unserer jungen Freundin d.e To.lettebursten zur Hand gelegt, überließ sir es dieser, die Spuren der durchwachten Nachts an ihrer äußeren Erscheinung so gut wie möglich zu verwischen und ging in S Wohnzimmer hinab, um dem dort harrenden würdigen Officier die BcwillkommnungSartigkeiten zu erzeigen und ihm das sofortige Er- scheinen seiner Tochter anzukündigen. °
Mit glühenden Wangen und hochklopfender Brust fand sich Hyacinth« gleich darauf in der Gegenwart einer hohen, imposanten Persönlichkeit, eines schönen Geistes von reinen, edlen Gesichtszügen, wieder. w
Von einem Arme war augenscheinlich nur noch ein Stumpf üb?ig geblieben den andern streckte er, fobah) er ihrer ansichtig wurde, unserer Hyacintha ent- gegen, wahrend seine tiefe Bewegung ihm nur die Worte: „mein Kind, mein einziges, süßes Kink!" hervorzustammeln erlaubte.
Hyacintha blickte dem Greise auf einen Augenblick wie prüfend in das männliche edle Gesicht mit dem treuherzigen, offenen Ausdrucke
„Mein Vat.r, mein theurer Vater!" rief sie dann plötzlich aus, intern sie bie Slrme um den Hals des alten Herrn schlang und ihm den Mund zum jtufje bot. 0
h,r 5?" v.°" il)m lout jenen Quittungen jährlich kingezahlte Summe war in der 4.0at eine ganz unbedeutende.
. „Dies Geld wird denn ja aller Wahrscheinlichkeit nach für Dich verloren sein, liebes Kind, doch hast Du wenigstens niemals Mangel zu fürchten, da Du "l®‘ l"ndcen auch die kinder- und gattenlose Fürstin Daskowna be
erbst, w.lche noch in diesem Sommer gänzlich zu uns überzusiedeln gedenkt."
„Ektzt, za wohl, jetzt verstehe ich Alles ganz klar und deutlich!" rief -Nyacintva. 1
tirOn tfr Gelegenheit und dem unbedingten Vertrauen, welches ihm der Baron schenkte, verführen, sich jene Gelder selbst anzueignen, - intern er fein Gewissen vielleicht durch die außerordentliche Mühe und Sorgfalt beschwichtigte, die er auch in Wirklichkeit auf meinen Unterricht und meine Er- mm"? b-zubttt.'"°"" t,r ®°ro» itm sr-ilich nuß-rd-m noch
a “b.,r er denn nur fein b-trüg-risch-« Spie, wäbrmd jener
3eit sortzufuhren, da er sich mit meinen Brüdern auf Reisen befand?" -rwid"rtt"d-r^Obr!°ff'°' 31""e cinm<,t im Voran« bezahlt,"
tra/in Mcfe Anordnung auf Willert's ganz besonderen Wunsch."
„Dann, »a, dann mußte rS ja natürlich ein Leichtes für ihn sein, jene Betrügereien auSzusuhren!" rief Hyacintha. 1 ' 1
$8.a.hr' Sie nur, er hat mich um meine Hand angesprochen. Ganz gewiß wußte er sehr genau, welche Aussichten mir die Zukun t bieten sollte " hnn ^;Uurhd>' ""U.rl.ch!" stimmte der Obnst bei. „Natürlich war der Schurke von Allem nur gar zu genau unterrichtet. Nur das Eine will ich Dir sagen, Hyacintha, fugte der alte Herr nach kurzer Pause höchst erbittert h n,u.
(Fortsetzung folgt.)
^f'n£ in eintm chronischen Zustande von Niedergeschlagenheit und " 1,4 8“r ">ehr -mporzur-iß-u v-rmug. ..n., ch .l?orle' M,et der Verdacht auf ihm, ein entsetzliches Verbrechen be- 2 ^?'ben, und dies scheucht die Leute, sobald sie davon erfahren, noch außerdem tbuL" 4 ' “ fd" CÜPm6' verschlossenes Wesen schon
falschtcr 6'nau eben so unbegründet ist, wie diese Quittungen lsch/nd- r>ef Hyacintha mit Lebhaftigk/it aus, indem sie die Rolle Papiere lbra ^ters znrückgab. „Ich bin jetzt fest überzeugt, daß der- / der so lange Jahre hindurch sein schwarzes Spiel mit - a Schick,ale getrieben, dessen Dasein ich so häufig geahnt, den ich aber letzt erst in seiner ganzen Scheußlichk.it erkannt habe, auch die Schuld an des armen Berthold jetzigem Elende trägt."
"W"6 n“n' J>Pac«n»ba, da wir einander ja wicdergefunden haben," sagte Oberst von Goldstern, das junge Mädchen zärtlich auf die Stirne küssend, — „nun, da wir einander ja wiedergefunben, was beginnen wir? §>ast Du Lust sogleich nach meiner kleinen Besitzung am Rhein mit mir abzureisen?" '
Hyacintha war bereit, ihrem theuren Vater bis an's Enke der W.lt zu folgen.
Nein, nein, mein liebes Kind, ein so sehr weit entferntes Reiseziel wollen munter * tlfg'na tod) lleber "'^ht wählen," entgegnete der alte Militair
f9ebfn!e vielmehr, meine letzten Lebensjahre auf jenem Gütchen am Rhein so redit ruhig und gemüthlich zu verleben. Ach, wie wohl es mir ein iöd,ht4tn flki4
. n.l!n >f!nfr Tochter, ihr liebkosend das goldene Haar streichelnd,
,npmfd* "ber ihre Gebu.t und ersten Leben-zahre, was sie bereits von FUicie erfahren batte und wir kein freundlichen Leser daher hier auch nicht noch einmal zu wiekerholen brauchen.
d-nn ,inmaI "" und sage mir, °b Dir die Fälschung
dem «*"’a li‘6 ^uge über die Papiere hiugl-it-u, schüttelte aber mit ich „'st genau die des Barons," sagte sie, .und doch weiü ‘«»KÄÄSÄX
da sa°st*v°ü?°a!! ,e6\lci4,'mrat "" S“ glauben, Kind, denn wa« Du MakLL^^L7m7ch.'^°b'"^' °"ch-- ich mir stet« von Fräuieiu gesehen^"" fra3‘» Hb°-mtha. „Hat Berthold diese Quittungen
, ?ie "ü" -« “« überhaupt Wahl tingesallen, «an den
2 7 " , " "U-b nur zu sprechen, da ich ja nicht die g-riuqst- 3cte
Di- S°che"m;b"ß diese nicht in die rechten Hände g/rathen s-iem
mi» »üb' D-in- Sranj°st7beschuIdigÜ"Lich°s-i. ’f” -k-s-'n 3ah?°'n°fn""d"r g"ü!
,ern^,ä,P6' ,U b-b-n und dabei sogar meine
i6n d»°AnlalI T ®Jr8,n l»b ich in Frankreich nur wenige Mal-, wa IHN der Zufall mir auf eine oder zwei Stunden in den Weg führte.
Er horte, welche Ansprüche ich auf Dich erhob, erkannte sie an und aab «ri/r-7"g.ga7g-n"^^' Un8,ii,,lid,tmeifc ■“ weinem Par.-man.-au f. «’ mi4
unl> tVti a‘r tlE W"1®0"' »Uber -r benahm stch auch auffällig fremd
Die Namenlos r.
Novelle von Theodor König.
(Fortsetzung.)
Außerdem b-stud-t stch jener Herr im Besttze Ihre« G-burt-scheine« und ST ®'"7"» 8“'e" Sraukm Mathilde ausgestellten Atteste«, Warin diese b-stategt, toie in Stackhalm au« den Hunden der Fürstin Da-kaa-na in Empfang genommen zu haben. n ü
D«S überzeugendste Zeugniß für Ihre sehr nahe Verwandtschaft mit jenem £>errn hat aber die Natur selbst ausgestellt, denn Ihre Aehnlichkeit mit ihm ist gerade wunderbar zu nennen. v 1
„Wenn dem so ist, so sind jene Quittungen meines Adoptivvaters gefälscht'" rief Hyacintha mit äußerst entschiedenem Tone der Stimme aus.
„Unser gute, brave Baron wäre schlechterdings gar nicht dazu im Stande W gu führen Handlungen uns, feine Hausgenossen, Alle hinter'-
Ach, Fräulein, es ist dies ja nicht das erste Mal, daß ich sehe, wie Sie den Freunden Ihrer Jugend mit säst blinder Treue anhängen ungebukigbfnfe rief Hyacintha


