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3. Abonnements-Concert, ausgeführt vom Musik-Corps des Grosih. Hess. II. Inf.-Reg., unter persönlicher Leitung seines Dirigenten, Herrn D. Reifert.
Anfang 5 Uhr. — Entrse für Nichtabonnenten ä Person 15 fr. Die verehrten Abonnenten werden freundlichst ersucht, ihre Karten mitzubringen. Programme an der Kasse.
(Bei ungünstiger Witterung im Saale).
in
Haasenstein & Vogler
Zeitungs - Annoncen - Expedition (Bureau de publicite) in Frankfurt am Main,
grosse Gallusstrasse No. 1.
Basel, Steinenberg 29,
Berlin, Leipzigerstrasse 46, St. Gallen, Obere Grabensrasse 12. Hamburg, Neuerwall 50,
in Leipzig, Markt 17,
„ Wien, Neuer Markt 11, „ Zürich, Elsassergasse 1.
Zeilungs-Catalog gratis und franco.
Literarisches. Die Neue Gewerbe-Ordnung für den Norddeutschen Bund, wie sie vom Reichstage in der Sitzung vom 29. Mai d. I. angenommen ward, liegt heute bereits in einer von der Berliner Verlagshandlung Fr. Kortkampf veranstalteten hübschen Ausgabe vor uns. Das Gesetz ist ein so eminent wichtiges, und greift so tief ein in die seither bestandenen Verhältnisse, datz es für alle Gewerbetreibenden nothwendig ist, mit dem Inhalt des Gesetzes sich bekannt zu machen. Wir empfehlen dazu die uns vorliegende Kortkampf'sche Ausgabe gern, die sich durch gute Ausstattung, bezüglich Druck und Papier, ein sorgfältig bearbeitetes Sachregister und Preis (5 Sgr ) auszeichnet.
Das Frankfurter Tageblatt
erscheint vom 1. Juli d. J. ab in vergrössertem Format und verbesserter Ausstattung obwohl lür den gleichen wohlfeilen Preis (1 Fl. rhein. pro Quartal) wie bisher
Frankfurter Tageblatt ist das einzige unter den Blattern der ehemaligen freien Stadt, das mit Offenheit und Energie die Saelie Preussens und des norddeutschen Bundes führt. Dasselbe gewinnt aber unter den Freunden dieser Sache, sowie in der Beamtenwelt und den militärischen Kreisen immer grösseres Terrain. Es soll nach den Intentionen der Redaction die Fahne werden, um die sich die patriotischen Elemente der politisch so wichtigen Stadt und ihres Umkreises einhellig schaaren ; es soll absehend von engen Parteirücksichten, vor Allem das nationale Feldzeichen hochhalten und dies nicht blos in den eigentlichen Machtfragen, sondern vorzugsweise auch ini der^Wirtschaftspolitik. Die Redaction wird dem volkswirtschaftlichen 1 heile des Blattes besondere Sorgfalt widmen und nicht allein abgerissene Notizen über Angelegenheiten des Handels, der Industrie und des Verkehrs, sondern über die brennenden wirtschaftlichen b ragen eingehende Besprechungen bringen. Können wir bei der räumlichen Begrenzung unseres Blattes die Frankfurter Börsenberichte auch nicht in dem nämlichen Umfange bringen wie die grossen hiesigen Zeitungen, so zeichnet sich dafür anerkanntermassen unser Börsenbericht durch Prägnanz und Übersichtlichkeit aus ; nur das Unwesentliche wird ausgeschieden und wir geben die Schlusskurse der europäischen llauptbörsen so früh wie nur irgend ein Blatt.
Unser seit bereits sieben Jahren bestehendes Blatt geniesst in den hiesigen Bürgerkreisen des Rufs, dass es die lokalen Angelegenheiten am ausführlichsten behandle und wir gedenken diese Seite keineswegs zu vernachlässigen, vielmehr nach Kräften zu hegen und zu pflegen. Auch für
Unterhat tu ngsstoff werden wir in reichem Maasse sorgen. Für das'kommende Quartal ist eine Erzählung in Vorbereitung, die auf lokalem Boden spielt und deren historischer Stoff, obwohl noch nie romantisch bearbeitet, doch so seltsam und hochinteressant ist, wie vielleicht wenige. Die Bearbeitung ist in Hände gelegt, von denen man eine spannende und des Stoffs würdige Behandlung erwarten darf.
Frankfurt a. M., im Juni 1869.
Die Expedition des „Frankfurter Tageblattes“.
Götheplatz 15.
Frucht- unb Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Frachtmärkten.
Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.
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Die Doppelehe.
Frei aus dem Französischen, svon Emma v. Nindorf.
(Fortsetzung.)
„Warum weinen Sie, Kind— frug Derville teilnehmend. Nina wollte lange nicht mit der Sprache heraus. Nach vielem Zureden begann sie endlich zögernd, mit gesenktem Blicke, anfangs häufig stockend: „Herr Delbecq, der Sekretär des reichen Grafen Ferrauv, hat mich schon bei meiner seligen Frau Pathe gesehen und. .. einige Neigung für mich gefaßt . . . mich auch später . . . wieder ausgesucht. Ich . . . hatte kein Herz für ihn, und auch mein Vater hätte um des lieben Gutes willen sein Kind nicht unglücklich machen wollen.
Wir dankten dem Herrn Intendanten für die uns zugedachte Ehre. Nun hat er aber die Schuldbriefe meines armen Vaters angekauft, und droht, ihn auspfänden und in's Gefängniß werfen zu lassen, wenn ich ihn nicht mit meiner Hand auslöfe. Ich habe Gott angefleht, daß er mir Kraft gibt, mich für meine Eltern zu opfern. „Ach! " setzte sie seufzend hinzu, „hätte ich den Herrn Intendanten doch lieber gleich bei der Frau Pathe genommen; mit jedem Tag wird'S schwerer." Darauf erschrack sie, als hätte sie etwas Unrechtes gesagt.
„Ruhig, mein Kind," entgegnete Derville, ..Sie sollen sich dem Satane nicht verschreiben müssen. Noch heute Abend erhält Ihr Vater das nöthige Geld." — Nina sank vor dem Anwälte auf die Kniee. Er hob sie auf, wollte sie an fein Herz brücken, besann sich aber und führte sie auf ihren Sitz zurück. Sie zitterte. „Auf Wiedersehen, liebe Nina!" An der Thüre wandte Derville den Kopf noch ein wenig, zog ihn aber schnell zurück, den Blicken des Mädchens begegnend, die dem jungen Manne voll süßer Innigkeit folgten; er rannte wie gejagt davon. Diese Eile schien ihm selbst verdächtig; noch mehr der Zorn, welcher in ihm aufwallte, wenn er an Delbecq dachte, den er bisher nur verachtet hatte.
Eine unabsehbare Wagenreihe wälzte sich die breite Straße entlang, in welcher der Herzog von St. Val wohnte. Die Scheiben seines prächtigen Pa- lasteS zitterten vom Räderrasseln. Eine Dienerschaar, in den bekanntesten Livreen, drängte sich in der Vorhalle des weithin strahlenden, von Bäumen und Blüthen umgrünten Hauses: Lakaien, mit Seidenmänteln auf den Armen; grüne, gold- strotzende Jäger mit hochwallenven Federbüschen. Durch die Gesellschaftszimmer fluthete eine bunte Menge; reizende Frauen und Mädchen, lächelnd, rosig; mit blendenden Schultern, entblößten Armen, die kaum halb mit weißen Handschuhen bedeckt waren; funkelnd von Juwelen; umhaucht vom süßen Dust der Blumen, vie in der Hand, am Busen, auf der Stirne blühten; kleine Atlasschuhe, über Drängende Teppiche und spiegelglattes Parquet gleitend. Schöne, geputzte, ge- wandte Herren: Alles von Kerzenglanz umströmt, von Blattern und Blüthen umkränzt. Dazu die berauschende Musik und der freudewogende Tanz. Die strahlenden Spiegel vervielfachten das Götterfest und flüsterten der gekrönten Eitelkeit süße Schmeicheleien zu. Und unter der vielfarbig schillernden Decke, unter all dem Zauberglanze, allem Spiel und Lächeln, aller Grazie und Anmuth, so vi<le Leidenschaften, so finstere Dämonen lauernd, von glatter Stirne im Herzens- abgrund verbannt!
3n der Mitte so vieler Larven und flatternder Schmetterlinge tauchte in
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holder Wahrheit ein Wesen auf, das vom ersten Frühlingsschmelze umgossen, in dem lauten Strome der Lebensprosa, wie verkörperte Po.sie erschien; eine Psyche, von deren Flügeln der Blütbenstaub noch nicht abgestreist war: ganz Seele, ganz Phantasie, schwelgend am goldenen Quell des Iugendseins! Helmina, in klösterlicher Einsamkeit erzogen, wo sie jeder Schwärmerei ungestört nachbängen durfte, und nun plötzlich in die Welt hinausgestoßen mit dem vollen, unerfah- renen, ach, und so gelehrigen Herzens! Man sah es diesen ahnungsvollen Augen an, datz sie in der Wirklichkeit frühe Träume, für die glühende Seele die Schwester suchten. O der labyrintischen Wege unserer Sehnsucht, aus denen sie, in den Rosenbüschen der Jugend sich verirrend, durch's lange Leben nach einem uner- reichbaren Ziele drängt! Diese große Sphinx des Menschenseins! Ihre Räthsel löst nur der todterkaltete Mund.
Schon in der Wiege ausgesetzt auf diesen dunkeln Uferrande, arme Find- linge, blicken wir verlangend über den weiten Ozean nach dem unbekannten Va- terlande, zu dem uns travmvolles Heimweh zieht. Wie der Mond auf Himmels- weite auf die Fluthen wirkt: bewegt auch unser blutwogendes Herz, Sehnen, Ahnen und Hoffen einer fernen, höheren Welt. Unserer Seele ist, ihr selbst unbewußt, als Schöpfungsstempel ein hohes Abbild eingeprägt. Daher das ringende Chaos von Wünschen, in denen sich, wie im vieleckig geschliffenen Crvstalle, immer nur dasselbe Bild hundertfach zurückspiegelt, in gebrochenen Strahlen, der Eine, unbesiegbare, unendliche Wunsch. O daß er besser verstanden und erhört, sich in uns nicht so vielfach zersplitterte! Unter feinen Trümmern müssen wir und ja oft zuletzt begraben, und doch sollte er uns mit Engelsfittigen, ein mächtiger Freunnd, wolkcnaufwäres tragen, auf zum Ursonncnbilde! Ich finde nur nicht das Wort des tiefempfundenen Geheimnisses : PsycheS Eidendienft im rohen Elementenkampfe soll ihren zusammengefalteten Schwingen durch Widerstand und Sieg die rechte Schwungkraft geben zum Sternenfluge. D-e Freiheit bleibt auch frei in Sclavenketten. In Geduld und Ergebung muß sich die Seele läutern und ihre wahrinnige Kraft bewähren. Auch den Gott in uns sandte ewige Liebe zur Menschwerdung auf die Erde, damit er nach Leiden- und Todeskampf sich wieder bei jener verkläre zur höchsten Seligkeit. —
Der Vicomte von Harcourt, erst kürzlich von Reisen heimgekehrt, ein schöner junger Mann, in dessen lebhafter Weise Viele eine gewisse Genialität zu erkennen strebten, erregte Aufmerksamkeit. Sein Achilleskopf fesselte manchen Blick. Der Vicomte aber schien nur Augen für die Tochter des Hauses zu haben und ganz von ihr hingerissen. Diese Bezauberung malte sich in seinen Blicken und Helmine begegnete ihnen überall. Auch bei ihr sprach das Herz entscheidend, die Schicksalsstimme. Das schwärmerische Mädchen glaubte, dem Ideale goldener Phantasien zu begegnen. Wer sich an diesem hochschäumenten Becher nie berauschte, nüchtern blieb für die Wirklichkeit, kennt zwar nicht die Wonne Einer Stunde, aber auch nicht den seelentödtenden Schmerz der Andern. Enttäuschung beißt die große Catastrophe im Leb.nsrrama, die Crisis des In- gendficbers. Dagegen ist eine strenge, geistige Diät zu empfehlen. Freilich sind uns auch Gemüthslciden und Freuten auf der Goldwage zugewogen: wer die Einen begehrt, darf die Anderen nicht zurückweisen. Der Aeolsharfe entlockt jeder Lufthauch Töne — in zarten Herzenssaiten spielen Weh und Wonne wechselvolle Melodien. Und dem Ideale entsagen, hieße ja, freiwillig auf die hohe Beglaubigung unserer Natur verzichten! (5ortf. folgt.)


