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ReinqeHaltene Eremplare des „Gießener Anzeigers" Nr. 119 und 120 werden zu 3 fr. pr. Stück zurückgekauft von der
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9606) Unterzeichneter wohnt nunmehr im 3. Stock des Krailin g'schen Hauses auf der neuen Anlage, nächst dem
Winter-Ackerlirullchule des tandiv. Vereins für S arkenburg $u Darmstadt.
9610) Die Anstalt, an welcher zwölf Lehrer wirken, unterhält zwei Curse von je 5 Winter-Monaten. Dieselbe ist mit Lehrhülfsmitteln reichlich ausgestattet. — Das nächste Semester beginnt mit dem Monate November. Anmeldungen sind an das Bureau des landw- Vereins zu richten.
Darmstadt, am 8. October 1869-
Das Präsidium des landw- Vereins für Starkenburg.
v. Bechtold.
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9611) Hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich mich dahier als Bäcker eta- blirt habe. Durch prompte und reelle Bedienung werde ich das mir geschenkt werdende Zutrauen zu erhalten bemüht sein. . W. Westrich,
° rn der Lowcngasse.
Or. Pflug,
Professor der Thierheilkunde.
9566) Ein Mädchen, welches mit Flicken und Weißzeugnähen gut umzugehen weiß, wünscht noch einige Tage in der Wocke Beschäftigung. Näheres bei der Exped. d. Bltts._______________________________________
9496) Mit Erhebung der Pacht- und Steiggelder der Frau Theodore Süßbeck, geb. Möhl, sowie der Fräulein Johannette und Marie Möhl, dermalen in Hainburg, ist der Unterzeichnete beauftragt und bittet, die auf Michaeli d. I. fällig gewesenen Beträge alsbald an ihn abzuliefern.
F. Barth, Hofger.-Advocat.
Die Namenlose.
Novelle von Theodor König.
(Fortsetzung.)
„Ich fürchte nur, Felicie, Papa ist sehr, sehr krank und würde sich sehr beruhigt dadurch fühlen, wenn er diese Papiere in Doctor Wilder's Händen wüßte. Meiner Meinung nach müssen sie irgendwie Bezug auf Berthold haben. Behalte ich sie in meinem Besitze unc der Informator verlangt sie, so wirv er sie sich auch zu verschaffen wissen, denn wo nur irgend eine Möglichkeit dazu vorhanden ist, weiß er ja jederzeit seinen Willen durchzusetzcn. Willst Du sogleich abrufen? Du kannst ja Papa's Gigh nehmen unv unser guter, treuer Jacob wird Dich fahren."
„Sagten Sie nicht, unser gnädige Herr habe seine Schwester, Fräulein Mathilde, gesehen?" fragte Felicie mit leichenblassem Gesichte.
„Er sagt es wenigstens, entgegnete Hyacintha. „Vielleicht und wahrscheinlich, daß er es nur geträumt hat. Ich glaube jetzt an keine Geifter-Erschei- nungen mehr, sondern halte diese nur für Phantasiegebilde kindischer Thorheit."
„Das pflegte allerdings Madame Winter stets zu behaupten," gab Felicie zurück, von einer Ketzerin steht ja aber nun einmal nicht zu erwarten, daß sie an irgend Etwas glaube, selbst an die von den Heiligen vollbrachten Wunder.
Ich aber, Fräulein, glaube, daß der gnädige Herr Fräulein Mathilde wirklich gesehen hat, denn sie ist mir selbst sogar in vergangener Nacht erschienen.
Kurz und gut, Sie sagen, dies Testament erscheint Ihnen von besonderer Wichtigkeit für Sic, und darum reise ich sogleich ab, um cs, wie Sie wünschen, in Doctor Wilder's eigene Hänoe zu übergeben."
„O, wie herzlich, wie innig dankbar ich Dir bin, theuerste Felicie," ^ief Hyacintha.
„Sieh', hier ist das Packet. Sobald Du fort bist, gehe ich wieder zu Papa' und dann wird noch Alles gut werden. Wie Dir unser liebes Fräulein Mathilde erschienen ist, darüber wirst Du mir das Nähere später erzählen.
„So leben Sie für jetzt wohl, liebes Kind," antwortete Felicie. „Ich will auch keinen Augenblick Zeit mehr unnütz verlieren."
Als Hyacintha in das Krankenzimmer des alten Herrn zurückkehrte, wollte es ihr vorkommen, als blickte der Informator erhitzt und ärgerlich.
Der Baron selbst lag im Schlafe.
Hyacintha zog ihren Stuhl ganz in die Nähe desjenigen von Willert's, denn sie hatte Gründe dazu, diesen aus einige Zeit hier zurückzuhalten.
Zu diesem Zwecke bewies sie sich heute auch ganz ungewöhnlich zutraulich und mittheilsam gegen ihn.
„Ich fürchte," flüsterte sie, „Sie haben Papa nicht so wohl gefunden, wie ich es gehofft hatte."
„Sein Geist ist mehr angegriffen wie je zuvor," war die Antwort.
^Es ist j'tzt fast schon unmöglich, noch irgend eine Angelegenheit mit ihm zu sprechen. Er hat sich, wie mir aus seinen verworrenen Reden hervorzugehen schien, in den Kopf gesetzt, den Geist seiner Schwester gesehen zu haben."
„Wirklich?" fragte Hyacintha leise. „Halten Sie denn solche Erscheinungen überhaupt für möglich, Herr Willert?"
Auf den Lippen des Informators erschien ein spöttisches Lächeln.
,Ich möchte wissen —" Hub er an, „und doch, nein, cs ist ja ganz un- mbgltd). — Ich erinnere mich jetzt der thörichten Ideen, die Felicie Ihnen schon vor Jahren einzureden suchte, glaube aber, für Sie wenigstens seitdem alle Geister gebannt zu haben."
.Mein Verstand sagt wir, daß Sie Recht haben, mein Gefühl aber kann es nicht," war Hyacintha's Antwort.
Willert liebte es noch immer, Hyacintha gegenüber den Lehrer zu spielen.
Die Versuchung, ihr eine Vorlesung über den Aberglauben zu halten, war in diesem Augenblicke zu groß für ihn, um ihr Widerstand leisten zu können, und Hyacintha, der vor Allem darum zu thun war, Felicie Zeit zu gönnen, die größtmöglichste Strecke ihrer Reife zurückzulegen, bevor ihre Abwesenheit entdeckt wurde, bot allen weiblichen Scharfsinn aus, stand selbst nicht an, sich von unge- wohnlich liebenswürdiger Seite gegen ihn zu zeigen, um ihn so lange wie nur irgend möglich neben sich im Krankenzimmer zurückzubalten.
Er verweilte dort länger wie zwei Stunden und die Abwesenheit der Fran- zösin blieb ihm auch dann noch verborgen, da sie überhaupt nur wenigen der Diener bekannt war und diese Auftrag hatten, sie so lange wie nur irgend möglich geheim zu halten.
Noch zwei ganze Tage und eine Nacht lag der alte Baron bewußtlos, doch lebend da.
In der daraus folgenden Mitternacht fuhr Hyacintha plötzlich aus leichtem Schlummer empor, als sie den alten Herrn mit lauterer Stimme wie gewöhnlich ihren Namen rufen hörte.
„Ich bin hier, theurer Papa," antwortete unsere junge Freundin.
„Sie ist mir wieder erschienen und hat mir gewinkt," murmelte er.
„Gute Nacht, mein liebes, gutes Kind. Gottes Segen über Dich 1 Sage auch meinen beiden Söhnen, daß mein letzter Hauch ein Segenswunsch über sie gewesen sei. Mathilde —"
Seine Stimme brach plötzlich ab.
Die Hausmeisterin, welche die Wache des jungen Mädchens theilte, eilte zur Seite des Bettes.
Cynthia beugte sich im tiefsten Schmerze über ihren Wohlthäter hin, küßte ihn auf die Stirne und stieß einen schwachen Schrei aus.
Die würdige Hausmeisterin zog sie vom Bette zurück.
„Ja, gnädiges Fräulein, er ist dahingegangen," sagte sie, indem sie dem alten Herrn die müden Augen zudrückte, die jetzt keine Thräne des Kummers mehr weinen sollten.
Viele Tage vergingen, bevor das sich jetzt so außerordentlich verlassen fühlende Mädchen das Bett verlassen konnte.
Felicie benahm sich fast mit der Zärtlichkeit einer Mutter gegen sie und die arme Hvacintha hing dafür an der guten Französin mit dem ganzen liebevollen Vertrauen eines Kindes.
Willert, der ihren Kummer zu ahnen schien, kam lange Zeit hindurch nicht in ihre Nähe, und in der ThoG nicht, bis ihn endlich geschäftliche Angelegen- heiten dazu zwangen.
Der alte Herr war beerdigt und der nunmehrige gesetzliche Erbe, ein alter Junggeselle, dem man seine zahllosen Sonderbarkeiten und seinen Geiz schon beim ersten Zusammentreffen anmerkte, auf dem Gute angekommen.
Die Angelegenheiten waren hier überhaupt jetzt seltsam verwickelter Natur.
Berthold konnte noch keineswegs als des Mordes überführt betrachtet werden.
Wurde er schließlich dennoch freigesprochen, so war er natürlich der Erbe des ganzen Besitzthnms, wurde er hingegen verurtheilt, so hatte er dasselbe ver- wirkt und es ging auf den nächsten Erbberechtigten über.
Weder Hyacintha noch Willert hatten also eigentlich für jetzt eine Heimath und es waren diese Verhältnisse, die der Informator unserer jungen Freundin näher auseinandersetzte, als er aus sein endliches, dringendes Verlangen die erste Zusammenkunft mit ihr erhielt.
„So habe ich denn also nun weder eine Heimath mehr, noch die Mittel zum nvthwcndigsten Lebensunterhalt, Herr Informator?" fragte sie trübe, nach- dem er geendet.
„Ein Legat des guten, alten gnädigen Herrn von zweihundert Thalern ausgenommen, leider Gottes, nein," antwortete der gefragte im theilnehmensten Tone.
„So werde ich denn mein Brot durch Arbeit zu verdienen suchen müssen," sagte Hvacintha.
„Wir stehen einander in unseren äußeren Verhältnissen jetzt bedeutend näher wie je zuvor," flüsterte Willert, sich von seinem Sitze erhebend und dem jungen Mädchen näher tretend, mit sanfter, eindringlicher Stimme.
„Wollen Sie mir nicht erlauben, Ihnen eine neue Heimath und den Schutz eines treuen Gatten zu bieten?"
„Sie wollen edelmüthig gegen mich bandeln, Herr Willert, antwortete Hyacintha wieder ihren Willen, tief ergriffen und mit bebender Lippe.
„Ihr Anerbieten ist edelmüthig, weil Sie ja einmal wissen, daß ich Sie nicht zu lieben vermag. Meine Antwort muß aber dennoch, wie früher, ab- lehnend lauten. Ich vermag Sie nicht so zu lieben, wie ein Mädchen, eine Gattin den Mann ihrer Wahl lieben muß. Ich beginge großes Unrecht gegen Sie, wenn ich Ihr Anerbieten annähme."
„Auf Ihnen, Cynthia, beruht die Hoffnung meines ganzen Lebens!" rief Willert leidenschaftlich aus.
„Werden Sie die Meinige unter jeder von Ihnen selbst festgesetzten Be- stimmung. Ich will darauf vertrauen, daß die Zeit meiner Liebe Erwiderung von Ihrer Seite bringe."
„Sie verlangen Unmögliches von mir," entgegnete Hyacintha mit einem traurigen Kopsschütteln,
„Ich habe meinem Adoptivbruver Berthold bereits für immer Liebe und Treue gelobt."
„Dem Berthold, dem Schurken?" stieß der Informator, vor Wuth keuchend, hervor.
„Aber wollen Sie denn an der Hand eines Brudermörders vor den Altar treten ?"
„Nein, das will ich nicht," antwortete sie, sich schnell von ihrem Stuhle erhebend.
„Ich will mit einem Manne vor den Altar treten, Der irgendwie das Opfer einer entsetzlichen Schurkerei geworden ist, — mit einem ehrenhaften Manne, dessen Charakter über Kurz oder Lang rein und makellos vor der ganzen Welt dastehen wird." (Fortsetzung folgt.)


