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Fruchtmärkte.

Gießen Alsfeld G ründ er g Lauterbach Mainz

Jan.

Frucht- und Mehlpreife in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.

Korn.

Erbsen.

Gerste

Hafer.

Linsen.

Spelz.

Wicken.

Kartoffeln

Auf dem

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Auf dem Markt

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Auf dem Markt

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2

Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.

Feu i t

Soldstenglück.

Novellette von Heinrich Hensler.

(Fortsetzung.)

Andrea lag stöhnend auf dem Boden des Stalles. Er war übel zugerich­tet und in einem gefährlichen Zustand; an Händen und Füßen mit starken Stricken fest geknebelt, war er kaum im Stande, sich von einer Seite auf die andere zu wenden, und er konnte sich nicht die geringste Erleichterung verschaffen.' Die Ueberzeugung, daß er in der Gewalt seines in allen Stücken siegreichen Nebenbuhlers sei, quälte ihn am meisten. Die Aussicht, eine jedenfalls mehr­jährige Galeerenstrafe zu erhalten, war ebenfalls nicht tröstlich, und so kam es, daß, während unsägliche Schmerzen seinen Körper durchzuckten, auch die Erregt­heit seines Geistes keinerlei Trostgründe gestattete, um ihn, wenn auch nur auf Augenblicke zu beruhigen. Er wünschte sich hundertmal den Tod und rief ihn wiederholt herbei. Er suchte, wiewohl stets vergeblich, den Verband seiner Kopf­wunden abzustreifen, in der Hoffnung, dadurch seinen Zustand zu verschlimmern und zu sterben, um auf einmal alle Schmerzen, alle Sorgen und besonders seine Verzweiflung los zu werden.

So kam endlich der Abend herbei und dann die Nacht. Niemand hatte nach ihm gesehen, da hörte er leise seinen Namen nennen.

Es war Maria. Er kannte augenblicklich die sanfte Stimme des theil- nehmenden Mädchens.

Wohl hatte Andrea während des ihm so lange währenden Tages, wenn in einzelnen Augenblicken die entsetzlichen Schmerzen erträglicher wurden und ihm gestatteten, seine Lage mit einiger Ruhe zu prüfen und zu überlegen, an Marien gedacht, und sich Alles wiederholt, was sie ihm bei der Unterredung am Tage vorher gesagt hatte, und er mußte ihr leider in allen Stücken recht geben, so sehr es auch seine Pläne, seine Wünsche und Hoffnungen durchkreuzte. Nun kam sie zu ihm in das Gefängniß, er hörte ihre Stimme und konnte nicht zweifeln, daß Mitleiden und Theilnahme an seiner schlimmen Lage sie in dieser Stunde zu ihm führe.

Andrea!" rief Jene noch einmal,wachst Du?"

Ob ich wache, Maria?" antwortete er ächzend.Die fürchterlichsten Schmerzen nagen an meinem Körper; noch keine Minute konnte ich schlafen!"

Andrea!" fuhr das Mädchen fort,ich komme nicht, um Dir Vorwürfe zu machen wegen des schweren Verbrechens, das Du begangen hast, Vor­würfe, die Du sehr verdientest. Ich halte mich, wenn auch ohne meine Schuld, für die Ursache davon, und will die bösen Folgen, welche die That für Dich haben muß, wenn es mir möglich ist, von Dir abwenden. Ich will Dich be­freien und Dir Gelegenheit geben, zu entfliehen; Du mußt mir aber durch einen Eid geloben, daß Du die Gegend hier alsbald und ohne den geringsten Aufent­halt verlassen und nicht mehr zurückkehren, daß Du weder an Battista noch an sonst Jemanden Dich rächen, daß Du Niemanden ein Leid zufügen, und daß Du endlich ein besserer Mensch werden willst."

Maria," sagte Andrea, hast Du das Vertrauen zu mir, daß ich einen solchen Schwur halten werde?"

Du bist ein wilder, hitziger, jähzorniger, händelsüchtiger Mensch," entgeg­nete Maria,das habe ich jederzeit gefunden, aber für schlecht habe ich Dich noch nicht gehalten, und so bin ich überzeugt, daß Du dies Alles halten kannst, wenn Du nur ernstlich willst, und daß es Dir auf dieser Welt noch ganz gut gehen wird, wenn Du keine Mühe scheuest."

Wenn das wirklich Deine Meinung ist," sagte Andrea nach einer Pause, so mußt Du auch das Vertrauen zu mir haben, daß ich Deine Wünsche und Dein Verlangen erfülle, ohne daß ich einen Eid schwöre. Mache mich frei, Maria, Du sollst es nie zu bereuen zu haben. Ich schwöre nicht, ich schwöre in keinem Falle, ja ich gebe nicht einmal ein einfaches Versprechen, so lange ich gefesselt in diesem Stalle liege. Willst Du nicht ohne alle Bedingung mich befreien, so überlasse mich meinem Schicksale, Du wirst mich und meine Zu­dringlichkeiten ja doch los. Es kann Dir am Ende einerlei sein, ob ich in dec weiten Welt frei umhergehe, oder ob ich auf einer Ruderbank angeschmiedet bin, wenn ich nur Deinem Glücke nicht mehr im Wege stehe."

Maria bedachte, daß Andrea ihr noch nie ungehorsam gewesen sei, und daß er gewiß alle Veranlassung habe, so schnell wie möglich die Gegend zu ver­lassen. Endlich nahm sie sich vor, wenn er wider alles Hoffen dennoch da blei­ben wolle, ihren Bräutigam, der ja doch in .den nächsten acht Tagen die Stube nicht verlassen durfte, zu warnen und zu veranlassen, die nöthigen Vorsichtsmaß­regeln zu treffen. Der Gedanke, Andrea werde jedenfalls von einer sehr harten Strafe getroffen, deren Veranlassung sie sei, wenn sie auch keine Schuld treffe, machte sie unglücklich. Sie ging entschlossen zu dem jungen Manne und schnitt mit dem scharfen Messer, das sie mitgebracht hatte, vorsichtig die Stricke entzwei. Andrea stand jetzt auf und ging aus dem Stalle, dann nahm er Maria an der Hand und ging schweigend neben ihr bis zur Hinterpforte. Er trat hinaus und zog das sich sträubende Mädchen ebenfalls hinaus, indem er sagte;

Fürchte Dich nicht, Maria! Ich thue Dir nichts zu Leide. Ehe ich aber fortgehe, und das soll in dieser Minute noch geschehen, habe ich noch ein Paar Worte mit D:r zu sprechen."

Maria folgte ihm zögernd, und er fuhr fort:

Ich gehe jetzt und komme nicht wieder, was soll ich auch hier thun? Aber, indem ich Abschied von Dir für dieses Leben nehme, mußt Du mich als

l e t o n.

einen Sterbenden betrachten, und an jedes Wort, das ich Dir jetzt sage, wie an das Evangelium glauben, denn ich will und werde Wahrheit nichts als die reine Wahrheit sprechen. Maria! Du weißt, daß ich Dich liebe. Alle meine Anstrengungen, diese Leidenschaft, welche Du, wie ich deutlich fühlte, nicht erwidertest, zu beseitigen, oder nur in mein Inneres zurückzudrängen, waren ver­gebens ; die Gewißheit, keine Gegenliebe zu finden, machte mich wild bis zur Raserei, und da ich in jedem Gesichte Spott und Hohn zu sehen glaubte, so fing ich allenthalben Streit an, und suchte mich auf diese Weise an dem Schick­sale zu rächen, das mir ohne Veranlassung von meiner Seite entgegentrat, und mit dem ich haderte, weil es mir eine so unansehnliche Gestalt und dieses häß­liche Gesicht gab, und so war ich bald mit aller Welt zerfallen. Maria! Du warst immer gütig und freundlich gegen mich, mehr wohl, als vielleicht recht, oder doch klug war, denn ich schöpfte dabei immer wieder Hoffnung, vielleicht dennoch Deine Gegenliebe erwerben zu können, bis Du mir gestern die Augen öffnetest. Ich habe seit jener Stunde einen schweren Kampf in meinem In­nern gekämpft und alle Qualen eines Verdammten empfunden, jetzt ist cs aber vorbei. Ich fühle, daß ich fort muß schnell weit; ich nehme aber meine Liebe mit mir, denn ich kann nur einmal lieben, und dieses für mein ganzes Leben. Maria! Ich gehe ohne Groll von hier, ich werde ein besse­rer Mensch, ich räche mich an Niemanden, am wenigsten an Battista; ich .habe ja ihn beleidigt und verwundet und er nicht mich. Siche, ich habe heute früh allerdings Streit mit ihm gesucht, aber so weit sollte es doch nicht kommen, und daß ich mein Stilet nach ihm warf, daran war mein Jähzorn schuld. Bitte ihn in meinem Namen um Vergebung. Du wirst sehen, daß ich Wort halte, fordere aber keinen Schwur von mir; freiwillig leiste ich Dir dieses Besprechen hier unter Gottes freiem Himmel, und Du wirst sehen, daß ich unter allen Ver­hältnissen in allen Stücken Wort halte."

Ja, der liebe Gott ist Zeuge Deines Versprechens," sagte Maria mit vor innerer Bewegung zitternder Stimme,ich glaube fest daran. Glaube aber auch, daß, wenn Du Wort hältst, es Dir gewiß noch gut auf dieser Welt gehen wird. Aber auch das mußt Du mir noch versprechen, daß Du mir noch ein­mal Nachricht gibst, wie es Dir geht."

Als Maria von dem wie in tiefer Zerknirschung dastehenden Andrea dieses Versprechen erheischte, schien der starrköpfige Bursche trotz seiner Anstrengung nahe daran zu sein, seine Fassung vollständig cinzubüßen.

Sei ein Mann, Andrea!" sagte das Mädchen, das nur mit Mühe ihre Thränen zurückhielt.Hier habe ich ein kleines Reisegeld für Dich; es ist gar schwer, mit Nichts in die Welt hinaus zu gehen. Es sind zwanzig Scudi, die ich mir erspart habe, verschmähe es nicht. Wenn Du kein Geschenk von mir annehmen willst, so betrachte es als ein Darlehen, das Du mir zurückbezahlen kannst, wenn es Dir besser geht. Du wirst dann auch nicht vergessen, uns Nach­richt von Dir zu geben."

Andrea nahm das Päckchen ohne Weigerung und sagte:

,Ich danke Dir nicht für dieses Darlehen, so nöthig ich es brauche, und so gute Dienste es mir leisten wird; ich habe Dir mehr zu verdanken als dieses; wenn ich aber nach Jahr und Tag noch lebe, dann erhältst Du es mit Interessen wieder! Und nun lebe wohl, und denke zuweilen an mich."

Mit diesen Worten schlang er seinen Arm um das Mädchen, preßte es mit Heftigkeit an feine hochklopfenve Brust und drückte einen langen innigen Kuß auf dessen schwellende Lippen.

Maria duldete dieses und erwiederte leise den Kuß des Scheidenden. An­drea riß sich laut weinend aus den Armen der so heiß Geliebten und eilte raschen Schrittes davon.

Das Mädchen sah ihm mit bewegtem Herzen lange nach. Als er ihren Blicken entschwunden war, hörte sie noch seinen raschen festen Tritt. Als sie auch diesen nicht mehr hörte, blieb sie doch noch lange da stehen und sah nach der Gegend hin, nach der er gegangen, und ließ ihren reichlich fließenden Thrä­nen freien Lauf. Als sie endlich in das Haus zurückschlich und wieder neben Battista's Bette saß, versuchte sie vergebens ihren Gedanken eine andere Rich­tung zu geben; sie folgten dem Flüchtlinge, dessen Vergehungen zu entschuldigen sie so gerne bereit war; hatte er ja doch nur aus übergroßer Liebe zu ihr gesündigt!

Etwa drei Jahre nach diesen Vorfällen, an einem Sonntag Nachmittage kam ein schmucker Soldat, mit reichlichem Gepäcke versehen, nach Monzi gefahren. Der Wagen hielt vor der Schenke, der Soldat stieg ab und trat in die Gast- stube. Der Wirth erkannte ihn sogleich, es war Andrea, der ehemalige Zie­genhirte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in dem Dörfchen und bald strömten die neugierigen Bewohner von allen Seiten nach der Schenke, um den Ankömmling zu sehen, er war aber ausgegangen.

Andrea hatte den Wirth sogleich nach seinem früheren Dienstherrn und dessen Tochter gefragt, und Jener hatte ihm erzählt, der alte Bauer sei noch am Leben und bei leidlicher Gesundheit. Maria habe bald nach seiner Flucht den Oberknecht Battista geheirathct und erwarte binnen Kurzem ihre zweite Niederkunft. Alle seien gesund und wohl auf, und so viel -man wisse und er­fahren könne, gehe es den jungen Leuten ziemlich gut.

Mehr wollte Andrea nicht wissen.

(Fortsetzung folgt.)