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und constatirt die baldige Vollendung der projectirten Eisenbahnlinien.

Aus Bessarabien wird gemeldet: Auf Grund eines verjährten Gesetzes, wonach die Juden mindestens 50 Werst von der Grenze wohnen müssen, wurden plötzlich circa 20,000 (?) Judenfamilien aus Kische- new und Umgegend auf Wagen in das Innere Ruß­lands tronsportirt. Kischenew liegt erst in Folge des Krimkrieges weniger als 50 Werst von der Grenze. Man glaubt nicht, daß dieser Gewalkact an höchster Stelle gebilligt werden wird. Die Juden betrieben bisher ein einträgliches Grenzgeschäft.

Hessen. Darmstadt. 29. Nov. (Abgeordnetenkammer.) Die Abg. Wernher, Kraft, Dumont m d v. Löw interpelliren die Regierung darüber, ob ste der Bank von Süddeutschland gestatte, Noten zum dreifachen Betrage des ActiencapitalS aus­zugeben. Die Abgeordneten bebalten stch Weiteres vor.

Darmstadt, 29. Nov. Die Sitzungen der zweiten Kam­mer wurden heute nach einer Unterbrechung von 3 Monaten wieder eröffnet. Unter den neuen Eingaben befinden sich außer einer großen Anzahl von Necommunicationen des andern Hau­ses über in der letzten Session zum Beschluß gekommene Gegen­stände noch folgende von einiger Wichtigkeit: die Rechenschafts­ablage des KriegsministerinniS für die Finanzperiode 1866/68, eine Anforderung von 4000 st. zur Errichtung eines Polizei- directoriumS zu Darmstadt, eine Mittheilung der Regierung be- züalich eines neuen Ausschlags der Eommunalumlagen, eine Gesetzesvorlage auf Einführung der Militärfreizügigkeit mit dem norddeutschen Bunde, ein Gesetzesentwurf auf Aufhebung der Regalitätsabgaben von Bergwerken, mit Wirkung vom 1. Ja­nuar 1869, eine Vorlage, die Hundesteuer betreffend, eine In­terpellation des Abg. Wadsack wegen Erbauung einer Zweig­bahn von Salzschlirf bis Schlitz und eine Interpellation des Abg. Backe wegen Einmündung der Rhein-Bergstraß-Bahn in die Main-Neckar-Bahn. Wencker, Kraft, Dumont, Fink und v. Löw interpelliren ferner die Regierung, ob und unter welchen : Bedingungen sie der Bank für Suddeutschland gestatte! habe, ihre Notenausgabe auf den dreifachen Betrag de- eingezahlten ActiencapitalS zu vermehren, und ob sie glaube, daß eine solche Erlaubnis wirklich im staatlichen und allgemeinen Interesse liege. Für die nächste Sitzung, die Mittwoch, n. December, stattfindet, wird sodann Berathung über die Vorstellung verschiedener Bier­brauer auf Aenderung der Biersteuer bestimmt.

Preußen. Berlin, 24. Nov. DieProv.-Corr." schließt einen Artikel über die Einweihung des CuezcanalS mit den Worten:Die Betheiligung des Kronprinzen an der denk­würdigen Feierlichk.it läßt erkennen, welch« Bedeutung die Regierung den weiteren allseitigen Entwickelungen der politi­schen Beziehungen deS NordbundeS, namentlich auch der Be­lebung und dem Aufschwung deS deutschen Handels beilegt."

Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolstadt, 26. Nov. Der regierende Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt ist heute Morgen gestorben. Der Verewigte war am 30. April 1798 geboren und übernahm die Regierung am 28. Juni 1867 bei dem Tode seines Bruders, des Fürsten Friedrich Günther. Die Regierung deS Landes hat der einzige Sohn deS Verewigten, Fürst Georg (geboren am 23. Nov. 1838, Major ä la suite des Westfälischen Kürassier-Regiments Nr. 4) übernommen.

Baden. Karlsruhe, 27. Nov. Die erste Kammer nahm in ihrer heutigen Sitzung den von der zweiten Kammer bereits genehmigten Gesetzentwurf über Competenzerweiterung der Schwurgerichte hinsichtlich der politischen und Preßvergehen mit 13 gegen 7 Summen an.

Bayern. München, 27. Nov. Gutem Vernehmen nach besteht Fürst Hohenlohe auf'seiner Demission; man sagt, eS seien wegeu Neubildung deS CabinetS Unterhandlungen mit Frhrn. v. Thüngen angeknüpft worden. (Presse.)

Oesterreich. Wien, 27. Nov. Die Kaiserin von Oesterreich wird nach einer Angabe desVaterland" auf der Reise nach Nom von dem Fürst-PrimaS von Ungarn begleitet werden. In ihrem Gefolge soll sich auch der aus der Neac- tionSperiode bekannte Oberststallmeister Graf Grünne befinden.

Risano, 24. Nov. Die Insurgenten sind, seitdem sie in das Gebirg zurückgedrängt wurden, nicht mehr sichtbar. Die BivonakS der Truppen sind aufgehoben; dieselben haben Can- tonnementS an der Küste bezogen.

Cattaro, 24. Nov. Die militärischen Operationen find wegen des Rückzugs der Insurgenten in die Grenzgebirge ein­gestellt worden.

Moldau und Walachei. Kalasat, 22. Nov. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien find beute Morgen in Turnu - Severin, der ersten Station auf rumänischem Boden eingetroffeu. Die ganze Stadt war festlich geschmückt und das Fürstenpaar wurde von der Bevölkerung mit großem Enthusias­mus empfangen. Der Fürst und die Fürstin wohnten einem Te Deum bei und empfingen Glückwunschdeputationen der Stadt und der Umgebung. Dieselbe enthusiastische Ausnahme ward denselben am b esigen Orte zu Theil. Die Stadt und der Hafen waren glärizend erleuchtet.

Bukarest, 24. Nov. Heute Vormittag fand der feierliche Einzug deS Fürstenpaares statt. Die Straßen'waren reich beflaggt. Den Akt der Civiltrauung vollzog der Bürger­meister.

Thronrede des Kaisers Napoleon!

Paris, 29. Nov. Der Kaiser Napoleon hat heute die Session der Kammern mit folgender Thronrede eröffnet:

Meine Herren Senatoren, meine Herren Deputirten! Es ist nicht leicht, in Frankreich den regelrechten und friedlichen Gebrauch der Freiheit herzustellen. Seit einigen Monaten schien die Gesellschaft durch unterwühlende Leidenschaften, die Freiheit durch die Ausschreitungen der Presse und der öffent­lichen Versammlungen bedroht. Jedermann fragte sich, wie weit die Regierung ihre Langmuth treiben würde. Aber schon hat sieh der gesunde Sinn des Volkes gegen die verbrecherischen Uebertreibungen gewandt; ohnmächtige Angriffe haben nur dazu gedient, die Festigkeit des durch die Abstimmung der Nation begründeten Gebäudes darzuthun. Nichts desto weniger darf die Ungewißheit und die Verwirrung, welche sich der Geister bemächtigt hat, nicht länger andauern, und die Lage bedingt mehr als je Freimutb und Entschlossenheit. Es gilt, ohne Rückhalt zu reden und offen zu sagen, was der Wille des Landes ist.

Frankreich will die Freiheit, aber mit der Ordnung. Für die Ordnung stehe ich ein; helfen Sie mir, meine Herren, die Freiheit zu schützen. Halten wir uns, um dieses Ziel zu er­

reichen, in gleicher Entfernung von dem Rückschritte und von den revolutionären Theorieen. Zwischen denen, welche dahin streben, Alles ohne Veränderung zu erhalten und denen, welche darauf ausgehen, Alles umzustürzen, läßt sich ein rühmlicher Standpunkt einnehmen.

Als ich den Senatsbeschluß vom vorigen September, eine logische Folge der vorausgegangencn Reformen und der in meinem Namen durch den Staatsminister am 28. Juni abge­gebenen Erklärung, beantragte, war es meine Absicht, entschlossen eine neue Aera der Versöhnung und des Fortschrittes zu er­öffnen. Indem Sie mich Ihrerseits auf diesem Wege unter­stützten, war es weder Ihr Wille, die Vergangenheit zu ver­neinen, noch die Gewalt zu entwaffnen oder das Kaiscrthum zu erschüttern. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, die zu Grunde gelegten Prineipicn anzuwenden, indem wir sie in die Gesetze und in die Sitten übergehen lassen. Die Maßregeln, welche die Minister Ihnen zur Gutheißung vorlegen werden, haben alle einen aufrichtig freisinnigen Charakter. Wenn Sie die­selben annehmcn, so werden folgende Verbesserungen ins Dasein treten: Die Maires werden aus dem Kreise der Gemeinderäthe gewählt werden, außer den im Gesetze vorgesehenen Ansnahms- fällen in Lyon, wie in den vorstädtischen Gemeinden von Paris. Die Bildung der Gemeinderäthe wird der allgemeinen Abstimmung überwiesen. In Paris, wo die Interessen der Stadt mit denen von ganz Frankreich in Verbindung stehen, wird der Gemeinde­rath durch den gesetzgebenden Körper gewählt werden, der be­reits mit dem Rechte bekleidet ist, das außerordentliche Budget der Hauptstadt zu ordnen. Cantonalräthe sollen eingesetzt werden, hauptsächlich, um die Kräfte der Gemeinde zu ent- " wickeln und deren Anwendung zu leiten. Neue Vorrechte wer­den den Generalräthen bewilligt werden. Die Colonieen wer­den gleichfalls an dieser Decentralisations - Bewegung Theil nehmen. Endlich wird ein Gesetz, das die Grenzen erweitert, in welchen sich die allgemeine Abstimmung bewegt, die mit dem Mandat eines Deputirten verträglichen öffentlichen Acmter festsetzen.

Zu diesen Reformen administrativer und politischer Art werden legislative Maßregeln von einem für die Bevölkerung unmittelbaren Interesse hinzukommen: Rasche Entwickelung der Unentgeltlichkeit der Volksschulen, Verminderung der Gerichts­kosten/ Nachlaß des auf den Einregistrirungsgebühren ruhenden Kriegszehnten in Erbsehaftsangelegenheiten; unbehinderter Be­nutzung der Sparkassen und Erleichterung des Zuganges zu denselben für die ländliche Bevölkerung durck die Mitwirkung der Schatzbeamten; humanere Regelung der Arbeit der Kinder in den Fabriken; Aufbesserung der kleinen Gehälter. Andere wichtige Fragen, deren Lösung noch nicht bereit ist,-sollen in Berathung gezogen werden. Die Untersuchung in Betreff des Ackerbaues ist zu Ende gediehen, und nützliche Vorschläge wer­den aus derselben hervorgehen, sobald der obere Ausschuß sei» nen Bericht erstattet hat. Eine andere Untersuchung, welche sich auf die Oetrois bezieht^ hat begonnen. Es wird Ihnen ein Gesetzentwurf über Die Zölle vorgelegt werden, welcher die allgemeinen Tarife, die keinen Anlaß zu ernstlicher Bekämpfung geben, von Neuem aufstellen wird; in Betreff derjenigen Ta­rife, welche lebhafte Einwürfe von Seiten gewisser Industrie­zweige hcrvorgerufen haben, wird die Negierung Ihnen Dann erst Anträge vorlegen, nachdem sie sich alle Ausschlüsse verschafft hat, welche Ihren Berathungen Licht bringen könnten.

Die Darlegung des Lage des Landes ergibt befriedigende Resultate. Der Geschäftsverkehr hat nicht gestockt, und die indirecten Steuern, deren natürliche Zunahme ein Zeichen des Wohlergehens und des Vertrauens ist, haben bis jetzt dreißig Millionen mehr ergeben, als im vorigen Jahre. Die laufen­den Budgets weisen erhebliche Ueberschüsse auf, und das Bud­get von 1871 wird gestatten, Verbesserungen in mehrere Dienst­zweige einzuführen und für die öffentlichen Arbeiten angemessene Beträge anzuweisen. Es genügt jedoch nicht, Reformen vor­zuschlagen, Ersparnisse in den Finanzen zu treffen und eine gute Verwaltung zu führen; es müsset auch durch klare und feste Haltung die öffentlichen Gewalten im Einvernehmen mit der Regierung beweisen, daß in dem Maße, wie wir Die libe­ralen Wege erbreitern, wir auch entschlossen sind, die Interessen der Gesellschaft und Die Grundprineipien der Verfassung un­verletzt vor allen gewaltsamen Angriffen sickerzustellen. Eine Regierung, welche der wahre AusDruck des Nationalwillens ist, hat die Pflicht und die Macht, demselben Achtung zu ver­schaffen; denn sie hat das Recht und die Kraft für sich.

Wenn meine Blicke vom Innern sich über unsere Grenzen lenken, so wünsche ich mir Glück, die auswärtigen Mächte mit uns freundliche Beziehungen unterhalten zu sehen. Die Für­sten und die Völker wünschen den Frieden und beschäftigen sich mit den Fortschritten der Civilisation. Welche Vorwürfe man auch unfern Zeitalter macken kann, so haben wir doch Gründe genug, stolz auf es zu sein. Die neue Wahl schafft die Sela- verei ab; Rußland befreit die Leibeignen; England übt Ge­rechtigkeit gegen Irland; das Becken des Mittelmeeres scheint seines alten Glanzes toieDer eingedenk zu werden, und von der Versammlung aller Bischöfe Der katholischen Kirche in Rom darf man nur ein Werk der Weisheit und Der Versöhnlickkeit erwarten. Die Fortschritte der Wissenschaft nähern Die Völker einander. Während Amerika das stille Wellmc^r mit dem Atlantischen Ocean durch eine Eisenbahn von tausend Stunden Länge vereint, treten überall Capital und Intelligenz zusammen, um unter einer durch elektrische Verkehrsmittel Die entlegensten Länder des Weltkreises zu verbinden. Frankreich und Italien sind im Begriffe, sich Die Hand zu reichen Durch Den Tunnel Der Alpen ; bereits vermischen sich die Wasser des MittclmecreH und des Rothenmeere§ durck den Canal von Suez. Ganz Europa hat sich in Egypten bei der Einweihung dieses Riesen­werkes vertreten lassen; nnD wenn heute die Kaiserin der Er­öffnung der Kammern nicht beiwohnt, so geschieht dies, weil ich Gewicht darauf legte, daß sie durch ihre Gegenwart in einem Lande, wo unsere Waffen sich einst mit Ruhm bedeckt, Frankreichs Sympathie für ein Werk DartHue, welckes der An­dauer und dem Geiste eines Franzosen zu danken ist.

Sie stehen im Begriff, meine Herren, die durch Die Vor­legung des Senatsbescklusses unterbrochene außerordentliche Session wieder aufzunehmen. Nach vollzogenen Wahlprüfungen wird die ordentliche Session unverzüglich beginnen; sie wird, wie ick nickt bezweifle, zu glücklichen Resultaten führen» Die inniger verbundenen großen Staatskörper werden sich verstän­digen, um die an der Verfassung vorgenommenen letzten Ver­änderungen in aufrichtiger Weise zur Ausführung zu bringen. Die unmittelbare Betheiligung des Landes an seinen eigenen Angelegenheiten wird für das Kaiscrthum eine neue Kraft werden. Die gesetzgebenden Versammlungen haben fortan einen größeren Theil der Verantwortlichkeit; mögen sie dieselbe zum Besten Der Größe und des Wohlergehens Der Nation anwen- I den, mögen die verschiedenen Meinungsverschiedenheiten ver­

schwinden, da das allgemeine Interesse es erheischt, und mögen die Kammern durch ihre Einsicht wie durch ihre Vaterlands­liebe beweisen, daß Frankreich, ohne in bedauernSwerthe Aus­schreitungen zu verfallen, fähig ist, unter den freisinnigen In­stitutionen zu leben, welche die Ehre der chnlifirten Länder sind."

Die Rede des Kaisers wurde mit lebhaftem Beifall aus­genommen. (K. Ztg.)

c> Italien. Florenz, 28. Nov. DieCvrrespondavce italienne" meldet: Die Kaiserin von Frankreich traf heute Mor­ges 8 Uhr in Mesfina ein. Morgen Mittag wird der Kaiser von Oesterreich in Corsu ankommen, sich daselbst einige Stun, den aushalten und bann die Reise nach Brindist fortsetzen.

Spanien. Madrid. 25. Nov. Der Civilgouverneur hat eine Bekanntmachung erlassen. nach welcher alle Besitzer von Waffen, welche nickt den Miliztruppen angehören, dieselben binnen drei Tagen abzuliefern haben.

Madrid, 27. Nov. Die der republikanischen Partei ange- hörenden Deputirten find wieder in die CorteS eingetreten.

Großbritannien. Tipperary, 26. Nov. Der ge­fangene Fenierführer Roßa ist in s Unterhaus gewählt worden.

vermischtes.

Darmstadt, 29. Nov. Laut krei'Samtlicher Bekannt­machung ist eS von heute ab wieder gestattet, Hunde ohne Maulkorb frei Herumlaufen zu lassen.

Offen back, 28. Nov. Am 2. Advent, den 5. December, Morgens um 11 Uhr, soll die evangelische Kapelle zu Bieber bei Offenbach eingeweiht werden. Daß dieser Bau so bald zum Ziele konnte geführt werden, ist wie einzelnen Wohlthätern, so insbesondere dem Gustav-Adolf-Bereine zu verdanken. Die evangelische Gemeinde Bieber, welche seit dem Jahre 1861 in engem gemietheten Locale ihren Gottesdienst gehalten hat, hofft daher an ihrem Freudentage recht viele Glieder dieses Vereins in ihrer Mitte zu sehen.

Erbach i. O., 28. Nov. (WasserSnoth.) Ein seit vorgestern anhaltender starker Regen hat den hohen Schnee, der in unseren Bergen lag, rasch zum Schmelzen gebracht und führt unserer bereits zum gewaltigen Strom angeschwollenen Mümmling immer noch neue Wassermaffen zu, so daß eine Ueberfluthung der Brücken heute noch zu erwarten steht. Die Anwohner deS Baches haben den Morgen während der Kirche ihr Vieh geflüchtet; die Hofeingänge werden verbarricadirt und die Straßen glichen großen Bächen. So eben um 2 Uhr ist die neue Holzbrücke zunächst der Vorstadt vom Wasser fort- gerisscn worden; die Communication zwischen diesseits und jen­seits ist unterbrochen. Das Wasser ist immer noch im Steigen begriffen. (D. Z )

Rüsselsheim, 25. Nov. Ein neuer Beweis der Loyali­tät der Hessischen Ludwigs-Bahnverwaltung zeigte sich wieder dieser Tage, indem dieselbe den Zug 7 Uhr 25 Minuten zur Beförderung der Schulkinder (die in Mainz die Schule besuchen) hier anhalten läßt. Die Schüler mußten seither mit dem 6- Uhr-Zug fahren, was für Kinder in jetziger Jahreszeit zu früh und für die Angehörigen sehr lästig war und sind dieselben dem Herrn Oberinspector Bittong, $er sich für die Sache sehr ver­wendet hat, zu besonderem Dank verpflichtet. (Fr. 91.)

Main; Die Frau eines Fabrikanten in Gau-AlgeSheim hatte vor einigen Abenden das Unglück, als sie ihre Eltern auf dem Bahnhofe abholen wollte, in ihrem allzugroßen Eifer über die Schienen zu laufen und dabei von der Lokomotive er­faßt und sofort getödtet zu werden. Die Unglückliche war erst seit einigen Wochen verheirathet.

Friedberg.. Freitag Abend brannten in Offenheim die WirthschaftSgebäude deS Gräflich ColmS-Rödelheimischen Hof- gutS ab. DaS weithin leuchtende Feuer, welches durch den Wind direkt den nächstliegenden Häusern des Ortes zugetrieben wurde, drohte bedenkliche Dimensionen anzunehmen, besonders als in einem Schoppen 24 Ohm Branntwein waren ergriffen worden. Nur der anstrengenden Thätigkeit der mit den Spritzen aus den umliegenden Orten herbeigeeilten Löschmannschaften ge­lang es, die Feuersbrunst auf ihren ursprünglichen Herd zu be­schränken. Insbesondere zeicknete sich die Mannschaft von Feuerbach b. Fr. und Bauernheim aus, weich' letztere mehrere Stunden unausgesetzt trotz surchtbaren Rauchs und inmitten eines Funkenregens mit der Spritze arbeiteten und ist es ihr wesentlich zu danken, wenn die nächstliegende Hosraithe von dem Feuer nicht ergriffen wurde. Besondere Anerkennung ver­dient auch die bereitwillige und thalkräftige Hülfe, welche die beim Ausbruch des Brandes auf einer Nachtübung gerade in der Nähe befindliche 2. Compagnie Großh. 1. JagerbataittonS, unter ter Führung deS Herrn Hauptmann Daudistel, meh­rere Stunden lang und namentlich zu Anfang bis zur Ankunft der auswärtigen Spritzen leistete. (O. 91.)

Butzbach, 29. Nov. Es vergeht fast kein Winter, ohne daß nicht über ein in diesem oder jenem Walde bei der Holz­hauerei vorgekommcnes Unglück zu berichten wäre. Den ein­dringlichsten Ermahnungen zu Vorsicht gegenüber muß man immer wieder gewahren, daß man selbst die allernolhwendigsten Vorkehrungen gegen Unglücksfälle außer Augen läßt. Leider haben wir von einem solchen ganz aus der Nähe zu berichten: Einige Holzhauer im Nieder-Weiseler Gemeindewald hatten einen Eichbaum zum Fall gebracht, als eine Tags zuvor bereits loSgegrabene Bucke plötzlich und unbemerkt nach der ihnen ent- gegenoesetzten Seite hiufiel und mehrere dort weilende Männer zu Boden schlug. Zwei von ihnen erlitten schwere Beinbrüche, außerdem aber gab es mehrfache Verwundungen am Kopf rc.

(W. B.)

Wien, 22. Nov. Vorgestern starb zu Oltokring ein ge­wisser Franz Hummel mit Hinterlassung eines Vermögens von 1,734,000 fl., zumeist in Staatspapieren, sowie mehrerer Lie­genschaften. Der Verstorbene war im Jahre 1814 Im Alter von 14 Jahren als heimathlose Waise (Soldatenkind) nach Wien gekommen und fand bei dem Strazzensammler Karl Kober als sogenannterBeinlstierer" ein Unterkommen. Arbeit und Sparsamkeit brachten ihn bei seinem Herrn in Credit, so daß ihm dieser sein Geschäft übergab, mit welchem er nach dessen Tode durch glückliche Speculationen in einem Zeitraum von 50 Jahren ein solches Vermögen erwarb. Hummel be­suchte die Gasthäuser nur in GeschafkSangelegenheiten, rauchte, spickte nie, war nie verheirathet und reichte mit einer Kleidung 20 Jahre auf. Im Jahre 1866 zog er sich von den Geschäften zurück und adoptirte eine Waise tm Alter von 12 Jahren, die nach testamentarischer Verfügung die Interessen deS hinterlassenen CapitalS als Revenue bezieht. Nach deren Tode soll das Capi­tal als Stiftung für Waisenkinder ohne Ausnahme verwendet werden. Schließlich verbat sich der Verstorbene jeden Prunk bet feinem Leichenbegängnisse.

Redaction, Druck und Verlag der Brübl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Bietsch) in Glesien.