Ausgabe 
31.12.1868
 
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Kunst-Notiz.

Gießen. Im Laufe nächster Woche werden die kaiserl. russischen und königl. schweb. Hofkünstler Gebrüder Mn tu la unsere Stadt besuchen, um sich dem Publikum auf dem Gebiete der uatürlichcn Magie in Jongleurkünsten und physikalischen Produc- tionen vorzustellen.

Ueber deren Leistungen hört man aus den Städten unteres engeren Vaterlandes, wo die Künstler bisher auftraten, nur Rühmliches. Als staunenswerth wird die Fer­tigkeit und Präcision bezeichnet, mit welcher Herr S- Matula seine Künste vorführt, und überaus nett und geschmackvoll soll das Arrangement sowohl in Hinsicht auf die Auswahl der einzelnen Stücke als auf die Art und Weise der Darstellung selbst sein. Nicht minder interessant sind die Productionen des Herrn F. Matula a!5 unbeschränk­ter Gebieter im funkensprühenden und rothglühendcn Salamanderreich (Feuerkönig", Pluto der Höllenfürst"). Die Leistungen Beider geben einen deutlichen Beweis von der Macht der Physik und Chemie und man darf in ihnen einen Triuniph der Wissen­schaft begrüßen. Vorläufig sei hiermit auf diese Künstler aufmerksam gemacht.

Vom 1- Januar k. I. wird die in Marburg erscheinende Oberhesfische Zeitung in vergrößertem Format erscheinen und zugleich durch regelmäßige Beilagen erheblich vermehrt werden.

Da gleichzeitig das bisher in Marburg erschienene Wochenblatt für den vor- hinnigen Regierungsbezirk Marburg zu erscheinen aufhört, so wird das an Stelle desselben neu gegründete Kreisblatt für die Kreise Marburg, Frankenberg-Vöhl und Kirchhain, welches alle amtlichen Erlasse und geschäftliche Inserate enthalten wird, den Abonnenten der Oberhessischen Zeitung gratis geliefert werden. Im klebri­gen sind beide Blätter durchaus unabhängig von einander. Die Oberhessische Zeitung erscheint wie bisher an allen Wochentagen und ist durch direkte Korrespondenzen in den Stand gesetzt, ihren Lesern täglich die zuverlässigsten Mittheilungen zu bringen. Für das Feuilleton haben wir namhafte Mitarbeiter gewonnen. Trotz ansehn­licher Vergrößerung unseres Blattes wird der Abonnementspreis desselben doch ein sehr niedriger bleiben und zwar für das Vierteljahr mit Beilagen und Kreisblatt (einschließlich Stempels und Bringerlohns in der Stadt) nur 22A Sgr. betragen.

Inserate werden stets billigst berechnet und erhalten durch die ausgedehnte Ver­breitung der beiden Blätter die eingehenste Beachtung und Wirksamkeit.

Die Redaction und Expedition der Oderhessischen Zeitung.

Berlepschs Bienenzucht 2. Aust. rplt.

Im Verlage von I. Schneider in Mannheim ist vollständig erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Die Biene

und

ihre Zucht mit beweglichen Waben

in

Gegeudeu ohne Spätsommertracht

von

August Baron von Berlepsch, des freien deutschen Hochstifts für Wissenschaften re. re. Ehrenmitglied und Meister. Zweite umgearbeitete und vermehrte Auflage.

Mit dem Porträt des Verfassers und zahlreichen in den Text gedruckten Holzschnitten.

40 Bogen gr. 8°. Preis 4 Thlr. 7 fl. 12 fr. rhein.

Die 2. Auflage dieses berühmten, von allen Seiten als das beste und voll­ständigste Buch über Bienenzucht anerkannten Werkes ist schon längere Zeit mit Spannung erwartet worden. Bei den großen Fortschritten, welche die Bienenzucht seit beinahe 10 Jahren gemacht, ist dieselbe als ein ganz neues Buch anzusehen und daher für jeden Bienenzüchter, Meister wie Lehrling, ein unentbehrliches Lehr- und Nach­schlagebuch.

Auf der 15. Wanderversammlung deutscher Bienenwirthe in Darmstadt wurde dem Werke der höchste Preis zuerkannt.

Zur Berücksichtigung.

Bei der letzten Reinigung der die Stadt durchziehenden Wasserleitung hat cs sich ergeben, daß neben anderem Unrath namentlich auch ganz ungeheure Mengen von Steinkohlenasche in die Wassergräben geschüttet worden waren. Abgesehen von der hierdurch nothwendig werdenden öfteren, äußerst kostspieligen Reinigung der Leitung erscheint dies insbesondere auch für das Feuerlöschwesen von großem Nachtheil, insofern einmal der rasche Umlauf des Wassers dadurch gehemmt und so das Eintreffen des bei einem Brande zugewendeten Wassers verspätet, weiter aber verursacht wird, daß der solcherweise erzeugte flüssige Schlamm sich in den Saugern und den inneren Spritzen- theilen festsetzt und so den Gebrauch der Spritzen behindert und unterbricht, die letzteren auch verdirbt.

Hiernach sieht man sich veranlaßt, die Schmiede und wen es sonst angeht, durch Veröffentlichung des nachstehenden Aufsatzes auf eine nicht blos unschädliche, sondern gewinnbringende Verwendung der Steinkohlenasche aufmerksam zu machen. Hoffentlich wird die Rücksicht auf die nutzbringende Verwcrthung einerseits, wie auf die Polizei­strafen und den gemeinen Schaden andererseits dem gerügten Unwesen dauernd steuern.

Gießen, im December 1868. Das Commaudo der

freiwilligen städtischen Feuerwehr.

Verwerthrrng der Steinkohlenasche.

Man glaubt allgemein auf dem Lande, daß die Steinkohlenasche nicht nur unge­eignet sei, den Boden zu düngen und zu verbessern, sondern den Acker sogar unfrucht­bar mache. In Folge dessen suchen sich die Landwirthe derselben auf jede Weise zu entledigen, streuen sie längs der Wege, gerade so als handele es sich um ganz nutzlose Ueberreste. Die Menge der auf diese Weise jährlich verlorenen Asche ist beträchtlich.

Dieser Thatsache gegenüber berichtet derEosmos" vom 23. Mai ein interes­santes von einem Landwirth ausgeführtes Experiment- Er füllte im Herbst 3 Blumen­töpfe mit reiner Steinkohlenasche und säete in den ersten Roggen, in den zweiten Ha­fer und in den dritten Erdbeerkörner. Diese Töpfe wurden dann in eine. Rabatte des Gartens eingegraben und sich selbst überlassen. Die Keimung vollzog sich während des Winters nach Wunsch und in folgendem März hatten die Pflanzen das beste Aussehen. Im April standen die drei Pflanzen in üppigster Vegetation. Der Roggen und Hafer kamen vollständig zur Reife, die Körner waren groß, glänzend, sehr schwer; das Stroh hatte beim Roggen ein Höhe vonAo Meter, und beim Hafer >/,o Meter. Die Erd­beeren waren in kräftigster Vegetation bis zum October, wo man sie aus den Töpfen nehmen mußte. In der Erde sind sie nun die grünsten und kräftigsten von der ganzen Aussaat.

Dieser Versuch zeigt also, daß die Steinkohlenasche ohne Zusatz von Erde oder Dünger ausreicht, um bis zur Reife den Roggen und Hafer mit Nahrung zu versehen, und die Erdbeeren ein ganzes Jahr lang zu speisen. Die Steinkohlenasche kann auch in Folge ihrer Beschaffenheit den Boden lockerer machen und somit in Fällen von zu festem Erdreich sehr nützlich sein; sie würde also gleichzeitig als Dünger und zur Bo­denverbesserung dienen. Diefer Schluß folgt aber nicht nur aus dem erwähnten Expe­riment, sondern auch aus der chemischen Analyse, die mehrere Chemiker, unter anderen Davy, ausgesührt- Diese Untersuchungen ergaben, daß die Steinkohlenasche in ver­schiedenen Verhältnissen, je nach dem Ursprung, enthält: schwefelsaures Kali, schwefel­sauren Kalk, verschiedene Verbindungen von Säuren mit alkalischen Erden, kohlensauren Kalk, Thon und Kieselsäure. (Der Naturforscher. 1868.)

Literarisches.

Aon der illustrirten sehr populären ZeitschriftZu Hause, Geschichten und Bil­der zur Unterhaltung und Belehrung" (Stuttgart, Verlag von Eduard Hgllbrrger) liegen uns die beiden ersten, reich ausgestatteten Hefte des neuen 4. Jahrgangs vor. Der alte treffliche Gustav Nieritz überrascht uns durch eine mit jugendlicher Frische geschriebene, ebenso interessante als gemüthvollc Novelle:Die Erbschaft", während Theodor Griesinger in seiner Erzählung :Ein Stück New - Uorkcr Lebens, oder fünf merkwürdige Samstage aus meiner Jugendzeit" uns mit pikanter humoristischer Feder in das bewegte, farbenreiche amerikanische Alltagsleben führt. Für kürzere interessante, unterhaltende und belehrende Artikel haben Friedrich Gerstäcker, Karl Ruß, Biernatzki u. A. reich gesorgt. Ueberdics schmücken 22 treffliche große Bilder von Fritz Kriehuber, Ernst Hartmann, Döpler, G- Kühn, Fr. Pondel und köstliche humoristische Illustratio­nen zu Münchhausen'? Jagdabentcuern, von dem Meistergriffel Gustav Dor«'s, die 64 Hochquart-Seiten starken beiden Hefte. Selbst der Umschlag bietet uns hübsche humo- ristisch-satyrifche Zeitbilder von Oberländer und Herbert König. Und dies Alles für den fabelhaft billigen Preis von 3 Sgr. oder 12 fr. rh. per Heft, und noch extra für den laufenden Jahrgang eine große reizende Stahlstich-Gratis-Prämie:Badende Kinder im Walde" von Professor A. Müller.

Telegraphischer S ch i ffs b eri cht,

mitgetheilt von Chr. Wallenfels, Jun.

Angekommen in New-Bork r

Das Bremer Postdampfschiff America, Reisedauer 13 Tage Stunden,

Hamburger Holsatia, 11 20 <

Angrkommeir in Baltimore:

Das Bremer Postdampfschiff Berlin, Reisedauer 18 Tage Stunden.

Abgehendr

Am 31. December Dampfer Saxonia von Hamburg nach New-Orleans.

2. Januar New-Bork Bremen New-Pork.

6. Hammonia Hamburg ,

7. Smidt Bremen

Hammonia und Smidt mit ermäßigten Preisen.

Wegen Auskünften und Passagen beliebe man sich an Obigen zu wenden.

J'rtfcfjüäcfier zu gießen.

Sonntag den 3. Januar. Louis Keil in den Neuenbäuen. Emil Noll in der Löwengasse. Daniel Rühl am Rathhaus.

Kirchliche Anzeige».

Lvangettsche Gemeinde zu Hießen.

Gottesdienst.

Am Neujahrstage 1869.

Morgens: Pfarrer Landmann. Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.

(Collecte für die Waisenanstalt.)

Am 3. Januar.

Morgens: Pfarrer Landmann. Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.

Kopulirte.

Den 26. December. Johann Heinrich Hofmann aus Freienseen, Kappenmacher in Friedberg, des verstorbenen Ortsbürgers und Webers in Freienseen, Johann Heinrich Hofmann V.; und Luise Meinhardt von hier.

Denselben. Adam Reinig, Bürger und Messerschmied dahier, des Bürgers und Schuhmachers zu Weinheim, Adam Reinig, ehelicher Sohn; und Katharine Sartorius, geborue Michel, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Messerschmieds, Karl Sarto­rius, hinterlassene Wittwe.

Denselben. Ludwig Martin Karl Stein- meyer, Güterarbeiter an der Main-Weser- Bahn dahier, des verstorbenen hiesigen Bür­gers, Ludwig Stemmeyer, ehelicher Sohn; und Elisabeth Baldauf aus Roßberg, des verstorbenen Ortsbürgers daselbst, Christoph Baldauf, eheliche Tochter.

Denselben. Georg Balthasar Daniel Frutig, Bürger und Heizer an der Main- Weser-Bahn dahier, des Bürgers und Be­zirksstrafgerichtsdieners dahier, Johannes Frutig, ehelicher Sohn; und Wilhelmine Sophie Philippine Karoline Euler, des ver­storbenen Bürgers und Wirths, Konrad Euler, eheliche Tochter.

Den 27. December. Wilhelm Mar­tin Emil May, Bürger und Arbeiter auf der Cöln-Gießener-Bahn dahier, ein Witt­wer; und Margarethe Gottschalk, verwitt- wete Schinckmann, des verstorbenen Bürgers zu Klein-Linden und Bahnwärters Heinrich Gottschall, eheliche Tochter.

Den 28. December. Franz Joseph Andreas August Grooß von Oppershofen, Kreis Friedberg, Jnspector der Magdebur­ger 'Feuerversicherungs-Gesellschaft zu Mag­deburg, des Lehrers zu Niederingelheim, Anton Grooß, ehelicher Sohn; und Emma Schlapp, des verstorbenen Großh.Hauptzoll- amts-Controlcurs dahier, Georg Schlapp, eheliche Tochter.

Getaufte.

Den 25. December. Eine uneheliche Tochter von auswärts, Elisabeth Wilhel­mine, geboren den 9. December.

Denselben. Dem Ortsbürger in Wie- seck und Schlosser an der Main-Weser-Bahn dahier, Philipp Mank, eine Tochter, Ottilie, geboren den 8. November.

Denselben. Dem verstorbenen Bürger und Schneidermeister, Ludwig Eimer, eine Tochter, Elisabeth, geb. den 25. November.

Denselben. Dem Bürger und Bahn- hofsarbeiter, Jakob Jünger II., eine Toch­ter, Johanna Emilie Elisabeth, geboren den 4. October.

Denselben. Dem Bürger und Post- büreaudiener, Franz Haustein, eine Tochter, Anna Karoline Auguste, geboren den 21. November.

Denselben. Dem Bürger und Friseur dahier, Ludwig Kohlermann, ein Sohn, Ludwig Georg Albert Martin, geboren den 18. November.

Den 26. December. Dem Bürger und Schuhmacher, Friedrich Simon, ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geboren den 3. December.

Denselben. Dem Bürger zu Emme­rich und Kassier an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Friedrich Wilhelm Rohlfing, ein Sohn, Karl Johann, geboren den 21. No­vember.

Denselben. Dem Bürger und Wein- Händler, Karl Schwan, eine Sachter, Emma Margarethe Julie Friederike, geboren den 14. November.

Denselben. Dem Bürger und Schrift­setzer, Theodor Loos, ein Sohn, Gustav, geboren den 20. November.

Denselben. Dem Bürger in Wellen in Waldeck und Schneider dahier, Johann Heinrich Schmitt, eine Tochter, Johanna Eleonore, geboren den 6- November.

Denselben. Dem Bürger und Küfer, Karl Herbert, eine Tochter, Marie Dorothea, geboren den 9. December.

Denselben. Dem Bürger und Schlos­ser, Philipp Noll, eine Tochter, Marie Luise Johanna Konradine, geboren den 23. No­vember.

Denselben. Dem Bürger und Seifen­sieder, Wilhelm Ockel, ein Sohu, Ludwig Johann Martin, geboren den 19. November.

Denselben. Dem Bürger und Schrei- " ner, Friedrich Koch, eine Tochter, Wilhel­mine Henriette Karoline Pauline, geboren den 13. December-

Denselben- Dem Bürger und Zim­mermann, Konrad Marx, ein Sohn, Hein­rich, geboren den 12. November.

Beerdigte-

Den 25. December. Heinrich Karl Bach, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Schneidermeisters, Heinrich Bach, ehe­licher Sohn, alt 22 I. 1 M- 12 T., gest. den 23. December.

Den 26. December. Emilie Karoline Frohnhäuser, des hiesigen Bürgers und Kausmanns, Ludwig Frohnhäuser, eheliche Tochter, alt 3 I. 23., gestorben den 25. December.

Den 27. December. Ein unehelicher todtgeborener Sohn von hier, geboren den 26. December.

Den 28. December. Jakob Ströher von Wilsbach, Kreis Biedenkopf, alt 42 I. gestorben den 25. December.

Denselben- Marie Elisabeth Hessig, des verstorbenen Bürgers und Perücken­machers, Johann Heinrich Hessig, ehelich ledige Tochter, alt 80 I. 19 T-, gestorben den 26. December.

Den 30. December. Karl Christian Theodor Martin Kalberlah, des Bürgers und Heizers an der Main - Weser - Bahn, Wilhelm Kalberlah, ehelicher Sohn, alt 4 M. 13 T-, gestorben den 28. December.

Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Landmann.