gkifgge zu Ar. 64 des Kießener Anzeigers.
Feuilleton.
„Harn', an Dir habe ich meinen Meister man, als sie ihres Sohnes Zimmer verließ.
einem gewissen Schiller, von wel- Komm, Mama, macht Euch fer> wir wollen uns ein Vergnügen
gefunden!" sagte Madame Grat-
Fortsetzung folgt.)
„Ich habe mich Deinem Wunsche gefügt, Harri," begann sie, „ich komme eben von jenem Frauenzimmer, ich habe ihr meinen Willen mitgetheilt."
„Und ich bin hoffentlich Cabei ganz aus dem Spiele geblieben."
„Wie kannst Du nur fragen? Wenn ich ein Mal einwilligte, mich so tief zu erniedrigen unc selbst zu einer solchen Person zu gehen, so verstanc es sich doch wohl von selbst, daß ich ihr Cann nur von meinem Willen reCete, unc nicht von den Wünschen meines zartfühlenCen Herrn Sohnes. Ich hoffe, sie wird einwilligen, ich bin dessen vielmehr gewiß."
„Sehr schön, liebe Mutter, sie wird jetzt nicht blos in eine Trennung wil- ligen, sondern sogar noch dazu einen Andern heirathen, und cieser Ancere ist mein Buchhalter, Cer ihr jetzt in Ciefetn Augenblicke, wo wir recen, sein Herz und seine HanC anbietet. Du siehst hieraus, liebe Mama, Caß ich es jetzt noch bei weitem bequemer haben werce, und zur Belohnung verspreche ich Dir nun auch, heirathen zu wollen, wen Du willst, vorausgesetzt, meine Zukünftige hat Geld unc ist keine gar zu große Vogelscheuche."
MaCame Gratman zuckte Cie Achseln.
„Hast Du Nachrichten von Veerenborg erhalten?" fragte sie.
„Ich brauche seine Nachrichten nicht," antwortete Harri, „Du versprachst mir, mich von meinem weiblichen FeinCe zu befreien, ich gab Dir dagegen un- aufgeforcert ein anderes Versprechen, und so wie Du das Deinige erfüllt hast, hoffe ich, daß Cas meinige auch bereits erfüllt ist."
Mad. Gratman stand auf und zog Cie Klingel.
„Sind Briefe für mich angekommen, so bringt dieselben," befahl sie Cem eintretenden Diener.
Einen Augenblick nachher überreichte ihr derselbe ein Billet Veerenborg'«, das weiter nichts als die Paar Worte enthielt:
„Der Bewußte ist seit gestern Abend nicht mehr in feiner Wohnung gewesen und verschwunden."
„Sie denken also, daß es seiner Mutter mit ihren Drohungen Ernst ist? ..JJ°DtC 1* Ccnn cinc s^che Frau muß nach allem dem, L7».'"“9''iU «-
h , "S®e‘in Sie jemals cie Liebe und Freundschaft für Herrn Harri empfunden haben, cie er für sie empfindet, und die ihn antreibt, Cem Willen seiner Mutter zu trotzen, und dadurch sich selbst, sie und fein Kind arm und unglücklich zu machen, — dann bleibt Ihnen nur ein Weg übrig." 3
. f"UnJÄ cntfagcn, Jansen. Ja, ich will ihm entsagen,
7^en, ich will diesen Ort verlassen, weit, weit von hier weggehen, arm weg. gehen, arm, wie ich gekommen, denn das Anerbieten, was jene Frau mir gemacht,
LT1 X4) ni,m,ncr annehmen , möge sie ihr Sündengelc,
ihren elenden Mammon behalten!"
."^r Entschluß ist Ihrer edlen Seele würdig, doch damit retten Sie Harri ' er "ur,Di’' chl'alo er Ihre Abreise gewahr ivüroe, seiner Mutter zum Trotz Zhuen nacheilen und nicht eher rasten, als bis er Sie wieCer aufgefunden hätte." tann xd) abcr ’nef>r thun? Ich will fein Unglück nicht, möge er glud icb sein, wenn er es kann! Was kann ich mehr thun, als ihm entsagen? ttn gegen mein K?nd""^ "" Schooße der Erde begraben, denn ich habe Pflich.
don Ahnen zu verlangen," erwiderte Jansen, „im ®egentbei hoffe ich, daß wir einen andern Weg ausfinden mögen, Cer auf Cer iualPtr?eite 9iu(fFcbr JU Ahnen unmöglich macht, Cer Ihnen aber
jugieic^ eine Zukunft bereitet, in Cer Ihnen noch manche Rosen blühen mögen." spotten" 111 tiOn Ahnen, Herr Jansen, meiner auf solche Weise zu
s, .",®c.r Ihnen, daß ich spotte, ich rede vielmehr im vollsten Ernste, solchen Weg, durch den Sie, wenn Sie denselben einschlagen, alle chwiengkelten auf eine glückliche Weise lösen können. Sie machen Harri's Un- S°Sb» seine Mutter unmöglich, Sie versetzen ihn in eine Lage, in wel- „'E. Anerbietungen seiner Mutter mit Stolz ausschlagen dürfen, Sie ^trn ™e. Zukunft Ihres Sohnes und damit Ihre eigene."
red-n"^'" ^ers^nd kann sich nicht in Ihren Worten zurechtfinden, Herr Jansen, reden Sie deutlich, was meinen Sie?"
nicht ** daß Sie mir nicht zürnen würden, doch fast wage ich
„Und warum nicht, wenn es etwas Rechtliches ist?"
tnmX» 'a“ Ueberzeugung hätten, daß es nur das Gefühl der
treibt <>fSreUn-b lta t See sowohl, tote für meinen Freund ist, das mich an-
0 ' <v'vnen„tn be,r hasten und reinsten Absicht einen solchen Rath zu geben?" ftn Rath eingiebT" annehmen, daß die Freundschaft zu Harri Ihnen die- leht™"^' Maria, doch auch die Freundschaft zu Ihnen, denn seit den Ibn?« inDC”?a^rm' ■•T ^arri ‘n England toar und ich Gelegenheit hatte, mit
9 Ax "abE,rc Berührung zu kommen, habe ich Sie schätzen gelernt."
„Ich danke Ihnen, Herr Jansen, doch Ihr Rath?"
ttftaunt ""^rachen, Maria," fuhr er heraus, und als sie ihn
I aunt anbltckte und reden wollte, unterbrach er sie gleich und fuhr schnell fort,
chttlaub^n Sr nÄfa9-Cn können, Maria, es fehlt Ihnen an Bewerbern, anbietf " mlr' daß ich Ihnen mein Herz und meine Hand
jj j'x H°?d' „entziehen Sie mir Ihre Hand nicht. Ihr
mir^b«8bVdoch Ihre Hand, Maria, schenken Sie " ™blEJ9ic,n,0e' ~ werde Ihnen der treueste Gatte, 3eÜ iarthd?^ Bater fein, und wenn Sie dereinst im Laufe der
i^en' daß ich meine Versprechungen erfülle und dadurch Ihrer Liebe werth iT&if Vh0 miVIcC,et4t aucb e'nmal ein Plätzchen in Ihrem Herzen
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Maria schaute Jansen lange nachdenkend an, endlich begann sie- binb,,n„ Ahnen werden, Jansen, wenn Sie eine solche Ver-
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■ »Diese Frage, in der sich eine edle Sorge um mich ausspricht, macht Sie "erub!a!n"Änn'" 1° ‘l ?ert^r' Doch in dieser Hinsicht können Sie sich ganz b i L h^>/" wir erst gestern wieder einen neuen Eontract auf 'S 3ua^x ^geschlossen, und derartige Eontracte können unter Kauf.
i h n oebrochen werden, und zweitens würde Harri auch mit der Zeit ein- t,e ""Eheste Freundschaft mit der Liebe Hand in Hand ging, sprich also, Mana, willst Du meinen ehrenvollen Antrag annehmen?" hnx kann ich mich denn im ersten Augenblicke entschließen, kommt es mir mV V ri/-? •°6 m J.^0" cin Unrecht begehe, dem bloßen Gedanken an die Möglichkeit einer Verbindung mit einem Anderen Raum zu geben." frt mfx"?‘r <ttoa6 ®u,ei thun und das Unheil verhindern wollen, so muß schnell gehandelt werden; morgen vielleicht ist es schon zu spät. Wenn Harn aber hort, daß Alles geschehen und vorüber ist, so wird er sich in das .^A^liche fugen, er wird sich leicht mit seiner Mutter wieder auSsöhnen “xCav^ei$ 0ut werben. Im Namen Deines Sohnes, Maria, beschwöre
ich Dich, sieb nur eine Antwort; was willst Du thun, willst Du mein fein.
"^enn ich mir je Ihre Achtung verdienen könnte, Jansen!"
.. ."D'° haß Du von jeher besessen, Maria; — sich mich an, Maria, ich ,,n E^„^EschaltSmann, ich habe nie geliebt und werde nie lieben; doch unter M ^nne, bist Du es, die ich am meisten schätze und achte.
Willst Du also die Meine fein, Maria?"
„Befiehl über mich, Jansen, ich gehorche," flüsterte sie.
„Dank Dir, Maria, ich habe Dein Wort, und Du wirst eS halten. Ich :c"“ ^tzt zu Harri zurück, um ihn zu beschwichtigen zu suchen. Doch morgen nih um fünf Uhr hatte Dich mit dem Kleinen bereit, ich werde dann mit dem Etagen kommen und Euch abholen, wir werden nach Brooklyn hinüberfahren, um aus den Händen des ehrwürdigen Henry Beecher den Segen zu empfangen und eine «stunde nachher wirst Du meine Gattin und dieser Knabe mein Sohn sein." Madame Gratman war unterdessen schon wieder in ihrer Wohnung anqe- langt und begab sich, als sie hörte, daß ihr Sohn zu Hause sei, sogleich auf ej|en Zimmer, den sie im Sopha liegend und die Abendzeitungen lesend fand, r hatte eifrig die Neuigkeiten aus Hoboken durchstuvirt, Coch es waren keine Amdents vorgekommen, die seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Er richtete sich auf, als seine Mutter eintrat.
Das Testament des Großonkels.
Neuntes Kapitel.
, (Fortsetzung)
Mana fuhr zusammen und blickte ihn fragend an.
.. „ Alles, Miß de Witt, und wenn irgend ein Mensch den aufrich.
ttgsten Anthetl an Ihnen nimmt, so sein Sie überzeugt, daß ich es bin. Be- trachten Sie mich als Ihren besten Freund, ebenso wie ich mir der beste Freund de« Herrn Harrt zu fein schmeichele."
„Kommen Sie von ihm?" fragte Maria.
„Ich komme direkt von feiner Wohnung," ertoieberte Jansen, „er ist in *t”em Austande, den ich Ihnen kaum beschreiben kann. So nahe cem Ziele seiner Wunsche, und so plötzlich auf ein Mal Alles verlieren zu müssen! Es hat einen heftigen, sehr heftigen Auftritt gegeben, denn er hat sich dem Willen feiner Mutter zu widersetzen gesucht, und noch zuletzt mir erklärt, daß er nie ein- wtlligen werde, sich von Ihnen zu trennen. Da habe ich denn gedacht, es fei am Besten, wenn ich mich zu Ihnen auf den Weg mache, um mit Ihnen zu berathen, was sich unter diesen Umständen am besten thun lasse."
„Ist das, was Sic mir da sagen, die Wahrheit, Jansen?"
r"^>" .Wahrheit, Miß Maria? Ist Herrn Harri's Mutter nicht selbst hier gewesen? Haben Sie nicht aus ihrem eigenen Munde gehört, was ihr Wille ist, und welche Drohungen sie ausgestoßen hat, im Falle dieser Wille nicht wörtlich befolgt werde?"
„Nur zu gut," antwortete Maria, „ich' werde ihre Worte nie vergessen, sie haben mir einen Stich in mein innerstes Herz gegeben."
„Also sehen Sie, Maria, daß von dieser Seite nichts zu hoffen ist. Sie werden wissen, daß Mad. Gratman eine sehr eigensinnige, despotische Frau ist, und daß ihre Kinder sich nie haben ihrem Willen widersetzen dürfen, — und fo sehr auch Harri von jeher ihr Liebling gewesen ist, würde sie ihm doch eine Verbindung wider ihren Willen nie verzeihen.
£am darum, daß Sie zu mir gegangen sind, oder hat er Sie geschickt k
„Keins von Beiden, ich bin aus reinem Antrieb von mir selbst gekommen, benn ich sehe, baß hier bie wichtigsten Interessen, bie ganze Lebensfrage meines Freundes und jungen Principals, bie Existenz feines Hauses auf bem Spiele Men. Bedenken toie erstens bas Aufsehen, welches eine solche Geschichte machen wurde. Mad. Gratman ist die Frau, die ihren Willen um jeden Preis durch- setzt, und Harn wurde das Schicksal seines Bruders thcilen müssen. Die alte schone Firma „Fletcher und Drydcck" würde aus der Handelswelt verschwinden, tn die Hände eines Schwiegersohnes, eines Parvenü, eines Perry Myer« übergehen." y
Mad. Gratman sah Harri groß an.
„Hörst Du's denn nicht," sagte dieser aufstehend, „er ist ja verschwunden, und was kümmern uns bie Verschwundenen? Laß uns heute ein Mal die Grillen fahren lassen, liebe Mama, ich denke, wir sine alle Beive ein gut Theil Sorge los; erholen wir uns, ich möchte heute Abend das Theater besuchen, es werden die Räuber gegeben, aus dem Deutschen, von chem die Deutschen jetzt so viel Lärm machen, tig, ich fahre Dich und Eveline in's Theater, machen."


