Gewerbebank
Benachrichtigung an -ie Herren Gemeinde-Rechner.
9806) Die Formularien für an einberufene Heerespflichtige vorschußweise gezahlten Meilen- und Marschverpflegungsgelder sind vorräthig bei Wilhelm Klee.
9817) Generalversammlung: Dienstag den 29. d. Mt., Abends 8 Uhr, im Leib schon kleinen Saale. Tagesordnung: Vorlage und Berathung des redivirten Statuts. Die Mitglieder werden dringend zu tedH zahlreicher Betheiligung eingeladen.
Gießen, den 24L. December 1868.Der Ausschuß.
Die Unterzeichneten bringen anch diesmal in Bezug auf die Neujahrs-Gratulationen in Vorschlag, daß dieselben in eine Wohlthat für die Kleinkinderschule verwandelt und mit einem Geschenk von 24 kr. an diese Anstalt nach allen Seiten hin abgestattet und daß die Namen der Geber, die ihre herzlichen Wünsche in dieser Weise ausgesprochen und bethätigt haben, in dem Anzeigeblatt bekannt gemacht werden. Sie verbinden mit diesem Vorschlag zugleich ihre warme und gemeinsame Fürbitte für die Kleinkinderschule und die Erklärung, daß sie bereit seien, solche Gaben in Empfangen nehmen.
Gießen, den 27. December 1868.
Dr. Geist, Gymnasial-Director. Dr. Goldmann, Provinzial-Director. Dr. Hesse, Professor. Landmann, Pfarrer. Dr. Seel, Pfarrer. Simon, Superintendent.
9841) Zum Beginn des neuen Jahres nehmen alle Postämter Deutschlands und Oestreichs Abonnements entgegen auf die
Volks-Zeitung, SÄ""" ®“"‘
Von allen in Deutschland erscheinenden Zeitungen ist dies die billigste; für nur 25 Sgr. das Quartal giebt sie eine Fülle von Mittheilungen und.Belehrungen, wie kein anderes Blatt. Wo sich dieselbe einmal eingebürgert, da kann sie nicht mehr entbehrt werden und schon lange ist sie nicht nur in den Städten, sondern auch in vielen Dörfern ein täglich mit Ungeduld erwarteter Gast. Unermüdet führt sie seit Jahren den Kampf für das Recht und die Wohlfahrt aller Klassen des Volkes, für die Einheit und Freiheit des gesummten deutschen Vaterlandes- In der socialen Frage wirkt sie fortdauernd für die bessere Stellung der arbeitenden Klassen durch Erkämpfung der vollen Gleichberechtigung, ausreichende und freie Schulbildung, im Uebrigen aber für die Selbsthilfe und die Genossenschaftliche Bewegung innerhalb derselben und hat daher neuerdings, wie die Bewegung zur Gründung der deutschen Gewerkvereine thatsächlich durch die von ihr publicirten socialen Briefe des Dr. M- Hirsch aus England angeregt worden ist, diese Bewegung auf gesunder Grundlage aufzubauen und kräftig weiter zu führen sich nach Kräften und mit Erfolg bemüht. Obschon in dem Sonntagsblatt (Preis vierteljährlich nur 9 Sgr.) ein besonders der Unterhaltung und Belehrung gewidmetes illustrirtes Feuilleton in schönster Ausstattung zu derselben erscheint, wird doch überdies die Zeitung selbst fortan bemüht sein, der Unterhaltung ihrer Leser und Leserinnen in ihren eigenen Spalten eine bescheidene Stelle täglich einzuräumen. —
„Das »st rechte Volkskost, urkräftig und gesund, voll kernigen Humors und achter deutscher Gemüthlichkeit! Wie viel Nützliches und Lehrreiches, wie viel geistig und sittlich Anregendes und Föo derndes steckt in dieser anspruchslosen Volksschrift: der Lahrer Hinkende Bote."
9846) (Beobachter an der Saale.)
9838) Ein junger Mann, der eine gute Handschrift und Kenntniß der kaufmännischen Buchführung hat, findet für einige Stunden des Tages Beschäftigung. Schriftliche Offerten bittet man bei der Exped. d- Bltts abzugeben.
9835) Gesucht.
Ein älterer, tüchtiger Kutscher wird gesucht. Nur Solche wollen sich melden, welche die besten Zeugnisse besitzen. Zu erfragen bei der Exped. d. Bltts.
9842) Ein Mädchen, welches im Flicken gründlich erfahren ist, wünscht noch einige Tage in der Woche besetzt zu haben- Das Nähere bei der Exped- d. Bltts.
Militär-Vorbildungs-Anstalt zu Cassel,
Garde-du-Corps-Platz Nr. 3.
9816) Schnelle und sichere Vorbereitung zum Fähnrichs- und Freiwilligen- Examen. Erfolge nachweisbar sehr günstig. Prospecte gratis.
von Hartung,
Königl. Lieut. a. D- und Dirigent.
9839) Nr- 297 hat den Teppich geworr nett. Zur Beglaubigung:
Schmidt, Polizeidiener.
Feuilleton.
Unschuldig und doch nicht schuldlos.
Criminalnovelle von Julie Düngern-
(Schluß..)
Zu diesem Zweck mußte noch Jemand hinüber in das Todtenzimmer gehen, allein das durfte seine arme kleine Flora, die schon so heldenmüthig gehandelt und deren todtenbleiche Wangen von der gehabten Aufregung sprachen!, nicht sein, hier mußte er selbst auftreten und Einsicht halten. Mit raschem Entschluß war der Doktor aufgestanden und hatte sich in die Kleider geworfen. Flora, welche es anfänglich verhindern wollte, sah denn doch bald die Nothwendigkeit dieses Schrittes ein, und so ging Doktor Dollus hinüber, wo noch immer viele Menschen um das Bett versammelt waren und der Arzt auf die Gerichtsperson wartete, welche auch einige Minuten nach ihm eintrat.
Der Wirth trat ihm mit halb entsetztem, halb mißmuthigen Gesichte entgegen: „Muß mir das in meinem Hotel passiren! und dabei sind die Menschen noch so arm wie die Kirchenmäuse." sagte er gereizt; „am Ende habe ich noch die Ehre, sie begraben zu lassen; ich hätte es ahnen können, sahen doch beide wie Leichenbitter aus!"
Dollus warf einen Blick innigen Erbarmens auf die beiden Todten. „Hat man nichts bei ihnen gefunden, kein Erkennungszeichen?" fragte er hastig.
„Doch," entgegnete der Wirth, welcher zwar ein Deutscher, doch schon lange genug in Italien war, um den Glanz des Goldes über jede Gemüthsregung triumphiren zu lassen. „Hier ist ein Paß, auf das Ehepaar Dollus aus B. in der Schweiz lautend, und hier dieser Zettel lag in des Mannes Hand."
Begierig, von tödtlicher Spannung ergriffen, nahm der Doktor den Zettel und eilte zum Lichte. Die Buchstaben tanzten vor seinen Augen; doch er zwang sich gewaltsam zur Ruhe und las mit hochklopfendem Herzen folgende Worte:
„Wir haben unsere Existenzmittcl verloren, sehen uns verfolgt und begrüße» den Tod als unseren besten Freund. D."
Einen dankbaren Blick sandte der Doktor zum Himmel, ehe er den Zettel dem Wirthe zuriickgab. Also vollständig gerettet! Durch einen merkwürdigen Zufall paßten diese Worte gerade so gut auf Flora und ihn als auf das tovte Paar. Er trat zum Bette und erfaßte in dankbarer Rührung die kalte Hand des Todten, welcher, freilich unbewußt, ihm durch seinen Namen ein so unschätzbares und seit vielen Monden verlorenes Gut, die Ruhe, wieder geschenkt hatte. „Ich will Deinem Namen keine Schande machen, armer Verlassener," war sein festes Gelöbniß, dann trat er zum Wirthe und zu dem Beamten, der, gerade hcreingetreten, eine Aufnahme vornehmen wollte. — „Obgleich Geschäfte mich zwingen, morgen mit dem Frühesten abzureisen," sagte er zu diesen Personen, „und ich also der Beerdigung nicht beiwohnen kann, so wünschte ich doch diesen Todten ein ehrenvolles Begräbniß zu geben und werde also in die Hände des Gerichts eine Summe niederlegcn, welche dieses, sowie die Hotelrechnung vollständig decken soll; mein Wunsch wäre, daß zwar ein Stein auf ihr Grab gesetzt werde, jedoch ohne Namen, nur mit der Inschrift: .Sie bedurften Ruhe, Gott gebe sie ihnen, und sei mit uus Allen.' Den Rest des Geldes wünschte ich zur Erhaltung des Grabes verwendet."
Natürlich wurde dies Anerbieten mit großem Danke angenommen und Dollus zog sich zurück, von dem entzückten Wirthe mit Complimcnten bis an seine Thürschwelle verfolgt. Al« er, in seinem Zimmer angekommen, Flora das
Geschehene mitthellte und in gehobener, freudiger Stimmung ihr vorschlug, mor» gen in der Frühe gleich abzureisen und, statt Italien zu sehen, direkt einen andern Welttheil aufzusuchen und dort Thätigkeit, Ruhe und das Glück zu finden, was Europa ihnen versagt hatte, fand er die freudigste Beistimmung Flora'S.
Ja, so sollte es sein, ein neues, glückseliges Leben mit ihm, dem Manne, dem sie unverbrüchlich treu für ihr ganzes Dasein ergeben war, der ihr seine Liebe durch das größte Opfer bewiesen, welches ein Mann bringen kann, durch die Aufopferung seiner Ehre! —
Noch am Abende übersandte Dollus dem Gerichtsbeamten 500 fl. zur Bestreitung der Kosten, und die Unterschrift .Heinrich Dcrbert', welche er mit zitternder Hand darunter setzte, sollte der Beginn seines neuen Lebens sein.
Das arme junge Paar, von dessen näheren Beziehungen man nie etwa« vernommen, ruht friedlich auf dem Kirchhof von Genua, während ihre Namensträger sich nach Amerika einschifften und in Mexiko sich niederließen. Ju allen Zeitungen aber war nach einigen Tagen die Kunde zu lesen, daß Herr und Frau Dollus, schon genugsam durch den Vergiftungsprozeß und später durch den Raub eines Diamantrings in der gesammten Presse bekannt, unfähig, das Leben ferner zu ertragen, in Genua durch Selbstmord dasselbe geendet hätten; vermuthlich müsse der Doktor auch noch das Laster des Spieles besessen haben, denn von seinem nicht unbedeutenden Vermögen sei nur der Rest, welcher bei einem Geschäftsfreunde deponirt gewesen, in die Hände seiner entfernten Verwandten gekommen, die Hauptsumme jedoch, welche er mitgenommen und welche jedenfalls 30000 fl. betragen, habe gefehlt, von Unterschleif oder Raub könne aber nicht die Rede sein, da ein Zettel in der Hand des Todten erklärt habe, daß sie alle Existenzmittel verloren. Ohne die Großmuth eines gerade anwesenden Amerikaners würden die Todten auf Kosten der Stabt begraben worden sein. —
Was soll ich nun meiner Erzählung noch zufügen, lieber Leser? Daß die Helden derselben glücklich, ja mehr als glücklich in Mexiko leben, kann ich mit Gewißheit versichern; selbst der grausame Bürgerkrieg, welcher dort herrschte, drang nur theilweise in das stille Asyl, welches sie sich gewählt, und welches zwei reizende Kinder durch ihr fröhliches Lachen und ihre Spiele erheitern und beleben. Der Doktor hat so sehr mit den alten Erinnerungen gebrochen, daß er gar keine Praxis treibt, sondern sein Gut bebaut und ganz in diesem Leben aufgeht. Flora ist noch das opferfähige, energische Weib, als welches wir sie kennen lernten, aber das Leben fordert jetzt kein Opfer mehr von ihr und sie hat nur noch von Glück und Frieden zu erzählen. Nur gegen eine Person konnten sie das Geheimniß ihres Lebens nicht bewahren, und die« war Graf Kolonos. Oesterreichische Offiziere, welche in Mexiko waren und vom Doktor befragt wurden, hatten nämlich erzählt, daß seine Gattin, eine leidenschaftliche Reiterin, durch einen Sturz mit dem Pferde einen jähen Tod gefunden. Der Doktor konnte den Bitten seiner Gattin nicht widerstehen; einige Zeilen benachrichtigten den Grafen, wo seine Tochter, deren Tod er schon aufrichtig beweinte, sich aufhalte, und er ist auf dem Wege nach Mexiko, um dort seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen und durch seine Gegenwart das Glück einer Familie zu vergrößern, welche, vom strengen Moralstandpunkte aus genommen, vielleicht nicht ganz recht handelte, welche aber durch ein für ihre ganze Umgebung segenreiches Leben diese Tdat längst gesühn» hat und jedenfalls das Glück verdient, welches ihr der Himmel in so vollem Maße spendet.


