Einzelbild herunterladen

Suspension der politischen Organe brodlos gewor­denen Drucker werden in nationalen Kreisen Privat­sammlungen cingeleitet. Auch mehreren czechischen Vereinen wurde das Halten ihrer Versammlungen verboten. In Folge dieser Maßregeln merkt man von dem Ausnahmezustand, in dem wir uns befinden, gar nichts, nur daß Gcnsd'armerie-Patrouillen die Stadt durchzieben. Der Bürgermeister ist nach Wien abgereist, um in einer Audienz bei dem Minister des Innern für baldige Behebung der Ausnahmemaß- rcgcln zu wirken.

Reichenberg, 21. Oct. Nach authentischen Berichten gab die Verhinderung der Czechen-Mectings durch die energischen Regierungsmaßregeln in der Nähe der preußischen Grenze am letzten Sonntag zu einer eigenthümlichen Demonstration Anlaß. Die czechischen Demonstranten zogen nämlich schaaren- weise über die Grenze, brachten auf preußischem Boden Slavas auf die Czechenrechre aus, und kehrten sodann wieder Heini.

Paris, 25. Oct. Die bedeutsame Note des Etendard" über den bevorstehenden diplomatischen Schritt der dänischen Regierung in Betreff Nord­schleswigs lautet:Ein auswärtiges Blatt meldet als bevorstehend Vie Veröffentlichung eines Manife­stes des Königs von Dänemark, welches an die Mächte, welche den Prager Frieden unterzeichnet haben, gerichtet wäre und auf die schleswigsche Frage Bezug hätte. In dieser Form ist die Angabe dop- pelt unrichtig. Unseren Informationen zufolge hat die dänische Staatskanzlei soeben nicht ein Manifest an die genannten Mächte, sondern lediglich eine De­pesche abgefaßt, welche eine directe Reclamation an das preußische Cabinct wegen Ausführung der auf Schleswig bezüglichen Bestimmungen des Prager Friedens enthält." Der Kaiser und die Kaiserin ha­ben vorgestern der Königin Christine in ihrem Hotel in den Elyseeischen Feldern einen Besuch abgesiattet, welcher eine volle Stunde währte. Wenn derGau- lois" recht unterrichtet ist, so hätte die Königin Isa­bella das bekannte pompejanische Palais in den Elyseeischen Feldern, welches der Prinz Napoleon vor etwa 10 Jahren erbauen ließ und das seitdem durch viele Hände ging, erstanden, in der Absicht, es selbst zu beziehen.

Paris, 26. Oct. DieFrance" dementirt die Mitthcilung cesEtendard" betreffs Nordschlcswigs und sagt, daß in dieser Frage zwischen Kopenhagen und Berlin seit mehr als einem Jahre keine Noten gewechselt worden seien.

Kopenhagen, 26. Oct. Die Meldung des Etendard", nach welcher von der dänischen Regie­rung eine auf die schleswigsche Frage bezügliche De­pesche an das Berliner Eabinet gerichtet wäre, wird von osficiöser Seite als ganz grundlos bezeichnet. Das Stadium der Verhandlungen ist unverändert.

Florenz, 22. Oct. Alle römischen Correspon- denzcn versichern, daß in Rom tiefe Traue herrsche. Bereits mache sich ras Ausbleiben der bedeutenden Summen fühlbar, welche Isabella mit größter Pünkt­lichkeit Woche für Woche zur Bestreitung der Kosten der päpstlichen Armee beigesteuert. In den wenigen seit ihrem Sturze verflossenen Wochen habe sich schon ein merkliches Deficit herausgestellt, und Cardinal Antonelli sei dadurch veranlaßt worden, den übrigen Ministern und mehreren Cardinälen die Frage vor­zulegen : was in dieser neuen drängenden Lage zu geschehen habe? Wabrschcinlich werte man sich zu Ersparnissen in dem Militärbudget verstehen; Anto­nelli schlage vor, das Heer auf 5000 MannGenSd'ar- men und ebensoviel Linie zu reduciren und zumal die Zuaven zu entlassen, welche durch ihre Jndisciplin Aergerniß geben und doppelt so viel kosten als die anderen Corps. Der General Lamormora ist seit ein paar Tagen nach längerer Abwesenheit hierher zurückgekehrt. Er hat in den letzten Wochen die deutsch-französischen Grcnzprovinzen bereist und sich von dem Stand der Rüstungen in beiden Ländern zu überzeugen gesucht. Seine Beobachtungen ließen ihn schließen, so hak er seinen hiesigen Freunden er- zählt, daß man weder in Deutschland noch in Frank­reich an einen baldigen Krieg denke.

Madrid, 26. Oct. DieGaceta" veröffent­licht ein Manifest der provisorischen Regierung an die Nation, worin sie die Bürger auffordcrt, über die wahren Bestrebungen und positiven Bedürfnisse nachzudenken, welche demnächst befriedigt werden müs­sen. Sie faßt den Fall der Dynastie als den Pro- birstein der durch die Revolution eröffneten. neuen Aera auf. Die Verwaltungsprincipien der künftigen Regierung werden auf die Freiheit im weitesten Sinne basirt fein. Am wichtigsten sei die durch die neue politische Lage herbeigeführte religiöse Freiheit, so­dann die Unterrichts-, Preß- und Versammlungs­freiheit.^ Das Manifest sagt, die provisorische Regie­rung stimme für eine starke Monarchie, entwickelt die

Gründe hierfür, versichert jedoch, die Nationalsou- veränetät solle respectirt werden, und schließt, indem es Vertrauen, Ordnung und den Beistand des Vol­kes fordert.

Vermischtes.

Darmstadt, 22. Oct. Das heute erschienene Regie­rungsblatt Nr. 55 enthält:

I. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des In­nern, die Bestätigung einer Schenkung betreffend.

II. Bekanntmachung Großherzoglichcn Ministeriums der In­nern, die Zuthcilung der evangelischen Pfarreien in den zufolge des Fricdensvcrtrags mit dem Königreich Preußen vom 3. September 1866 mit dem Großherzogthum vereinigten Ge- bietstheilen zu den Dekanaten bet.

III. Bekanntmachung derselben Behörde, di« Organisation der KreiSveterinärämker betr.

IV. Ermächtigung zur Annahme fremder Or. den. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 29. Juni dem Prälaten Dr. Zimmer­mann die Erlaubniß zur Annahme uud zum Tragen des ihm von ®. M. dem König von Preußen verliehenen rothen Adler- Orden zweiter Claffe, sowie des von S. König!. H. dem Großherzog von Sachsen-Weimar ihm verliehenen Comthur- krenzes des weißen Falken-Ordens, am 9. Sept, dem Bür­germeister der Bürgermeisterei Worms, Heinrich Brück, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. M. dem König von Preußen verliehenen rothen Adler-Ordens vier­ter Elaste, am 10. Sept, dem Hofphotographen Holza- mer zu Worms die Erlaubniß zur Annabme und zum Tragen der ihm von S. M. dem König von Würtemberg verliehenen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, und in den letzten Tagen des September den nachbenannten Herrn die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Er. Maj. dem Kaiser von Rußland verliehenen Orden zu ertheilen: Hof-Garten-Director Geiger St. Annen-Orden 3. Claffe; Pvst-Kaffen-Controleur Bötticher zu Darmstadt Ritterkreuz 3. Claffe des St. Stanislaus-Ordens; Vice-Oberjägermeister Frhr. Berthold v. Bibra St. Annen-Orden 1. Claffe; Pro- vinzial-Direetor v. Willich zu Darmstadt St. Sanislaus- Orven 2. Claffe mit dem Stern; Forstmeister Dittmar zu Jugenheim St. Annen-Orden 3. Claffe; Oberförster K l i p- stein zu Jägersburg St. Stanislaus-Orden 3. Claffe: Kreis­rath Knorr zu Bensheim St. Annen-Orden 3. Claffe; Ober­förster Lipp zu Auerbach St. Sranislauö-Orden 3. Claffe; Polizeirath Petsch zu Darmstadt St. Stanislaus-Orden 2. Claffe; Bahn-Ingenieur Geßner zu Frankfurt a. M. St. Stanislaus-Oroen 3. Claffe: Director des Großh. Hoftheaters und der Hofmusik, Tescher, St. Stanislaus-Orden 2. Claffe; Hofkapellmeister NeSpadba St. Stanislaus-Orden 3. Clatze; Hof-Garten-Jnspector Schnittspahn zu Auerbach Et. Sta- niSlauS-Orden 3. Claffe. Sc. König!. Hoh. der Großher­zog haben endlich geruht, dem ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der LandeSuniversität, Baurath Dr. Hugo v. Ritgen zu Gießen, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem König von Preußen verliehenen Kronen-OrdeuS 3. Claffe und dem Hof- und Münz- medailleur Professor Christ. Schnitzspahn bezüglich desselben Ordens 4. Elaste zu ertheilen.

V. CharakterertHeilungen. Seine Königliche Ho­heit der Großherzog haben allerguädigst geruht: am 14. Oct. dem Kanzlisten bei der Kanzlei der Ober-Steuer-Direetion, Schmidt, den Charakter als Kanzlei-Jnspector zu verleihen'.

VI. Gestorben sind: am 6. Sept, der Schullehrer Strein zu Weiten-Gesäß; am 16. Sept, der Kreisrath a. D., Westernacher, zu Bessungen; am 18. Sept, der pen- stvnirte Ortseinnehmer Raab zu Alzey; am 19. Sept, der zweite Landgerichtsdierer Schäfer zu Grünberg.

Mainz. Als Nachahmungswerth empfehlen wir allen Frauen folgende That einer resoluten Mainzerin. Deren Mann einem Wagnermeister gefiel es schon seit mehreren Ta­gen in einem Bierlokale so gut, daß er da seine ganze Tages­zeit zubrachte. Da nun aber zu Hause viel zu thun war, so ließ ihn: kürzlich Morgens seine besorgte Gattin durch zwei Gesellen die Hobelbank in fragliche« Local bringen, damit er an seinem Lieblingsaufenthalte auch ferner verweilen könne, ohne sein Geschäft weiter vernachlässigen zu müssen. Falls das Beispiel der Mainzerin Nachahmung finden sollte, so wird man wohl hier und da in manchem Wirthslvkale eine recht gelungene Ausstellung von Hobelbänken, Schraubstöcken, Schn- sterstühlen, Schneiderboutiquen, Speißeimern u. s. w. u. s. w. finden können.

Nauheim, 24. Oct. Heute kurz nach Mittag wurden wir durch Feuerlärm erschreckt. Es brannte im Statiousge- bäude, und aller Löschungsversuchc ungeachtet, Hörle das Feuer erst auf, als fast das ganze Innere des Hauses von der Flamme verzehrt war.

Sachsen. Ein sächsisches Blatt enthält folgende Notiz von einem bekannten Reisenden:Als ich von Prag nach Dresden fuhr (das letzte Stück auf der Elbe), war ein Pole mit seiner Tochter auf dem Schiffe. Wie mir schien, war er ein Edelmann, nicht hoch bei Jahren, aber dennoch grau. In seinen Zügen lag jener Gram, den die Lust der Verban­nung auf die Gesichter prägt: an seinen: Stocke trug er von Gold den Kopf des alten Napoleon. In ihm hatten ja die Polen den Messias erwartet. Wenn der Vater gar zu finster blickte, dann schmiegte sich die schöne Tochter an seine Schul­ter. Sie trug schwarze Kleider und goldnes Haar, und als ich mit ihr zu sprechen begann, da sprach sie von den deut­schen Mädchen.Sie scheinen mir alle so unerweckt, erwie- dertc sie auf mein Lob, und ich glaube, daß die meisten erst dann empfinden, wenn eigene Herzenserlebniffc sie zum Bewußt­sein bringen. Bei den Töchtern unglücklicher Völker ist da­anders. Dort ist von Anbeginn ein Gegenstand für das Herz des Weibes gegeben, und ehe sie von einem Manne hört, hört sie vom Vaterland und seinen Leiden. Ihr erster Gedanke ist der nationale, die erste Liebe einer Polin ist die Liebe zum Vaterlande. Dadurch gelangt da« Weib bei uns zu einer Selbstständigkeit des Empfindens, die nicht unweiblich ist, und zu jener Entschlossenheit, die ich so sehr vermisse an den deut­schen Frauen." Ich wollte die Kleine in Versuchung füh­ren.Sie meinen mit der Entschlossenheit wohl die Eman- cipation?" -Die meine ich nicht, erwicderte sie; denn ich weiß wohl, daß die Frauen nicht zur Politck berufen sind. Nicht am nationalen Handeln, aber am natwnalen Gedanken sollen sie Antheil haben, und wenn die deutsche Idee mehr im Herzen der Frauen lebte, dann würde sie eine ganz andere |

Macht entfalten. Erst dann wär« sic im Volke ganz populär.» Ich war verdutzt über diesen kleinen Diplomaten. S,x sind so jung, mein Fräulein, entgegnete ich, daß man wohl fragen darf, wie alt Sie sind.Nächstens werde ich stchz, zehn, aber ich bin eine Polin."

Frankfurt. Da die Aepfel in Folge der heurigen Trocken­heit nicht so saftrcich als sonst waren, so berechnen die Aepfel- wein-Producenten, daß circa 20 Malter Aepfel auf ein Stück gehen. Demnach werden die 70,000 Malter eingeführten Kelterobstes 3500 Stück Acpfelwein gegeben haben. Im Durch­schnitt kostete das Malter 2 fi. 42 kr. Inclusive des Arbeits­lohnes und der städtischen Accise, per Malter 30 kr., wa­ren 232,000 st. zur Erzeugung dieses Quantums Aepfelwein erforderlich.

Aus Herrieden, 22. Oct., schreibt man derFrank. Ztg." :Ein heftiger Polarstrom, von den nordwestlichen Eisfeldern des atlantischen Oceans kommend, erniedrigte bei seinem Zuzuge von Nordwest nach Südwest das Thermometer Morgens 8 Uhr am 19. in London auf 1,8 Grad, im Scar­borough auf 0,0 Grad, sodann am 20. in Paris auf 2,1 Grad und in Mezieres auf 1,0 Grad, ferner heute dahier auf 0,2 Grad und verkündet uns den Eintritt deö klimati­schen Winters, welcher in unseren Gegenden durchschnittlich am 23. Oct. einzieht.

Bern, 19. Oct. Die Geldbeiträge für die Ueberschwemm- ten mehren sich in so erfreulicher Weise, daß man nur die hervorragendsten Posten aufführen kann. Als solche sind zu nennen: 20,000 Fr., welche der König von Preußen durch seinen Gesandten heute dem Bundesrath zur Verfügung gestellt hat; die colvffale Summe von 170,000 Fr., welche die Stadt Basel bis gestern und 40,000 Fr., welche die Stadt Bern bis jetzt zusammengebracht hat. Auch die Subscriptionsliste desGenfer Journals" weist bereits 25,000 Fr. auf. Die Königin Wittwe von Würtemberg hat auch 1000 Fr. gegeben, mit besonderer Bestimmung, für die Waisen Verunglückter.

Bern, 21. Oct. Aus Zürich wird berichtet, daß dem dortigen cantonalen HülfSverein für die Wasserbeschädigten bis gestern 21,581 Frauken zugegaugen seien. In Staus (Nid­walden) gcht man Abendunterhaltungen und Schießen zu lhrem Besten. In Schaffhausen sind die Liebesgaben auf 26,000 Fr. «»gestiegen^ In Morges hCanton Waadt) hat eine Hau«- cvllecte 3200 Fr. abgeworfcn, eine ähnliche in Olten (Solo­thurn) 4300 Fr. und etwa 1000 Fr. Werth an Lcbenemit- teln ic. Aus dem Thurgau sind letzte Woche bereits 4500 Fr. in Baar eingegangen. In Vevey hat die Hauscollecte 10,000 Fr. ertragen ;c. ic.

Paris. 12. Oct. Der Siede erzählt heute folgende Ge­schichte über Marfori, und führt als Zeugen einen ehemaligen Freund des Intendanten der Königin Isabella an. Es sei ihm von einer Wahrsagerin verkündet, daß er dereinst berufen sein werde, sich eine schöne und mächtige Königin zur linken Hand anzutrauen. Diese Wahrsagung stieg Marfori, der ein schöner und unternehmender Mann war, zu Kopfe, und er machte sich auf die Reise, um die ihm verheißene Königin auf- znsuchen. Er bereiste ganz Europa. Entmulhigt kehrte er nach Paris zurück, wo der Gewährsmann deSSiede" seine Be­kanntschaft machte. Als er von den Bestrebungen des Marfori erfahren, fragte er diesen, warum er denn nicht in Spanien die Stichhaltigkeit der betreffenden Prophezeihung erprobe. Der Rath seines Freundes machte ihn nachdenklich, und er ging nach Madrid, wo denn die Prophezeihung gar bald in Er­füllung ging, wie alle Welt weiß.

Belgien hat einen Gesandten, vor welchem alle Throne zittern, er wird aus Discretion nicht genannt. Fünfmal schon war er gesandtschaftlicher Senge zusammenbrechender Throne. Im Jahre 1830 war er in Paris, als Karl X. gehen mußte; im Jahr 1848 ebendaselbst, als Louis Philipp den Weg Karls X. ging; im Jahre 1861 in Neapel, als Franz II." vertrieben wurde, und dann in Griechenland, als König Otto fiel. In Madrid sah er soeben Isabella flüchten und jetzt gedenkt ihn der König seinem drohenden Nachbar Napoleon zu schicken.

In Rom hat der Papst ein ganzes Nonnenkloster aufhe­ben und die Nonnen sämmtlich in ihre Heimath entlassen müssen, weil ste das Gelübde der Keuschheit übertreten hatten.

Spanien. König Ferdinand von Portugal (der Vater) antwortete auf eine vertrauliche Anfrage: Sie bieten mir eine Krone an, ich habe die meinige mit diesem Panamahute um­getauscht, weil mir das eine bequemere Kopfbedeckung zu sein scheint. Bei diesen Worten öffnete er das Fenster, deutete auf seinen Weingarten und sagte: Ich habe mich zum Winzer gemacht, ich fabrizire Wein statt Politik, und das ist besser; denn diese wird häufig sauer.

Spanien. General Prim ist vorläustg der einflußreichste Mann der provisorischen Regierung in Spanien. Er ist ein schöner, ritterlicher Mann in den Fünfzigern, war ein halbes Dutzendmal wegen Revvlutivnirens zum Tode verurtheilt und sieht aus wie das Leben; er hat einen guten Kopf und Degen und ist Inhaber einer Frau, deren Silberminen in Meriko ihm jährlich eine Million Francs einbringen. Diese Frau und ihre Million weiß er trefflich zu verwerthen. Dem Prinzen Napoleon hat er geschrieben, die provisorische Regie­rung sei über die Besetzung des spanischen Thrones zwar noch nicht schlüssig, sie werde aber keinen Prinzen wählen, der Eu- ropa's und namentlich Frankreichs Zustimmung nicht finden werde. Der Brief ist für den Kaiser bestimmt und soll ihm vielleicht einen Strohhalm durch den Mund ziehen.

Türkei. Der Sultan hatte Bauchweh, was bei Sulta­nen manchmal vvrkommt, und rief: Ich bin vergiftet! Der Harem und ganz Constantinopel munkelte von einer Verschwö­rung. Der Leibarzt machte sein bedenklichstes Gesicht und mischte eigenhändig ein Brechpulver; der Sultan brach drei Tage lang, am vierten ward er gesund und schenkte seinem Lebeusretier 25,000 Pfund Sterling. Es lebe die Charlatanerie!

Amerika. Ein unangenehme Strike ist in Philadelphia vorgekommen, wo die Arbeiter in den Gaswerken die Arbeit niederleglen, um höhere Löhne zu erlangen. Die Stadt war in Folge dessen in Dunkel gehüllt, die Theater waren ge­schloffen und in den Häusern wurden Oel und Lichter gebrannt. Natürlich war der Verkehr vollständig gehemmt.

*** E r i st erkann t.Na, Herr Licutenannt, ist eine Prise gefällig?" ..Nein, Herr Doctor, das Laster deS Schnupfens habe ich nicht."Ach, seien Sie still, wenn'» ein Laster wäre, hätten Sie's gewiß."

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.