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müsse verhinvern, daß die Rcaction, welche jetzt ihr Haupt erhebt, nicht das Werk zerstöre, welches so viele Opfer gekostet habe.

Paris, 11. Jan. DieLiberte" will wissen, daß eine große Anzahl von Wählern aus den De­partements , und namentlich vom Osten Frankreichs, an ihre Deputirtc Adressen gesandt haben, in denen sie gegen das Militär gesetz protestiren. Mehrere Deputate sollen durch diese Adressen sehr wankend gemacht worden sein.

Paris, 12. Jan. Gestern ist eines der ange. scheusten und einflußreichsten Mitglieder der polni­schen Emigration, General Graf Zamoyski, gestorben. Er war 1802 geboren und vor der Revolution von 1831 ObcrsdLieutenant und Adjutant des Großfür- sten Constantin in Warschau. Er beteiligte sich an ter nationalen Erhebung und lebte seitdem in Paris oder in London und leitete die Angelegenheiten der Emigration. In den Jahren 1848 und 1849 kämpfte et in Ungarn und während des Krimkrie­ges befehligte er ein Polencorps im Dienste Englands.

Paris, 13. Jan. DerEtendard" teilt mit, daß Samstag die Aerzte Nelaton und Kolb eine Operation im Munde des Grafen v. d. Goltz vor­nahmen, die vollständig geglückt ist. Der Kaiser läßt alle Tage Erkundigungen über das Befinden des Grafen einziehen, ebenso wie der König Wilhelm, die Königin und Graf Bismarck. Das Gerücht von der Ersetzung des Grafen v. d. Goltz in Paris ist völlig unbegründet.

Konstantinopel, H. Jan. Der Großvezier erließ eine Proklamation an die Kandiotcn, wonach dieselben künftig gleichberechtigt mit der türkischen Bevölkerung sein sollen und wonach Vie Zchenten- Abgabe bis März 1870, die Hälfte davon bis 1872 erlassen und für öffentliches Wohl verwendet werden soll. Befreiung vom Militärdienst oder Loskaufsrecht wird zugesagt. Eine Deputation von Montene­grinern begehre eine Grenzregulirung und Hafenzu­gang am avriatischen Meere, was Vie Regierung verweigerte.

New-Bork, 9. Jan. Die demokratischen Staalsconventionen von Ohio, Indiana und West­virginia nahmen Resolutionen an, welche der Ernen­nung Pendletons zum Präsidenten der Republik gün­stig sind.

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»vermischtes.

Berlin. Im Jahr 1866 waren imZollverein 86,037 Morgen mit Tabak beflanzt. Der Gcsammt- ertrag an getrockneten Blättern betrug 663,418 Cent- ner, für 1 Morgen schwanktet Ernte an getrockneten Blättern von 127 Gentner, der Preis für Den Gentner von % Thlr. bis 17,4 Thlr. Dm stärk­sten Tabaksbau hat Baden, 243,740 Gentner, auf 30,234 Morgen, dann Preußen 222,324 Gentner auf 28,776 Morgen (und zwar im Regierungsbe­zirk Potsdam 46,617 Gentner auf 6624 Morgen, in Pommern 39,642 Gentner auf 5090 Morgen, Rheinland 24,996 Gentner auf 2340 Morgen, Schlesien 23,298 Gentner auf 2651 Morgen re.), dann Bah rn 135,659 Gentner auf 4679 Morgen, Württemberg 6760 Gentner auf 884 Morgen. Die höchsten Normalpreise erzielte man in Baden 17,4 Thlr., Rheinland 16 Thlr., Thüringen 15 Thlr; die höchsten Erträgnisse pro Morgen im Rheinland mit 27 Gentner, Baden 25 Gentner, Thüringen 21,6 Gentner. Rechnet man Den Preis Durchschnittlich zu 6 Thlr., so würbe Der gebaute Rohtabak einen Preis von fast 4 Mill. Thlr. haben.

Im Jahr 1868 werden in Preußen geprägt werden für 696,6662/z Thlr. Goldmünzen, für 200,000 Thlr. 2 Thalerstücke, für 13 650,000 Thlr. Einthalerstückc, für 481,000 Thlr. Ve» V12 Thnler- stücke unD Silbergroschen, für 204,000 Thlr. J/2 bergroschen und Kupfermünzen; zusammen für 15,231,6662/3 Thlr.

Riga. Zu Anfang D. I. ist in Hamburg eine NorDdeutsche Seewarte ins Leben ge- treten, lieber Den von Den Handelskammern in,Ham­burg und Bremen entworfenen Plan dieses Institutes gibt Die nachfolgende Anzeige weitere Auskunft:Bor etwa 15 Jahren machte in den Bereinigten Staaten unter Der Leitung des Lieutenants Manry ein öffent­liches Institut den Anfang neben Den allgemeinen Zwecken wissenschaftlicher Metcreologie, Durch Bear­beitung Der von Schiffsführern aller Nationen nach einem bestimmten Systeme geführten Journale An­weisungen zu verschaffen, um Die oceauischen Reisen zu sichern und abzukürzen. SeitDem haben die Regierungen Der NieverlanDe, Großbritanniens und Frankreichs Anstalten errichtet, welche ein gleiches Ziel verfolgen. In Utrecht, London und Paris be­stehen jetzt nautisch-meteorologische Institute, welche im allgemeinen Interesse Der Seefahrt Das von Maury begonnene Werk sortsetzcn und in erfreulich gemeinnütziger Weife, wissenschaftlich wie praktisch,

weiter anszubilden bemüht sind. Deutschland, dessen I Handelsmarine gegenwärtig in Der Welt Die Dritte Stelle einnimmt, hat an Diesen Bestrebungen bisher nur ganz untergeordnet unD zeitweilig sich beteiligt, indem eine Anzahl von deutschen Gapitänen auf ein­zelnen Fahrten geführte meieorologische Journale als Material an das National - ObservatorY in Washington eingefanDt hat. Allerdings wäre cs das einfachste und bequemste Auskunftsmittel, an die Norddeutsche Bundesgewalt das Gesuch zu richten, nach den Vorgängen in den Vereinigten Staaten, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich die Sache in die Hand zu nehmen. Allein man wird bei unbefangener Würdigung der Verhältnisse nicht verkennen, wie gegenwärtig und in nächster Zeit Die Regierungskreise in Berlin durch viele an­dere Angelegenheiten der dringlichsten Art schon zu 'chr in Anspruch genommen sind, als daß zu er­warten wäre, Den hier in ReDc stehenden Gegen- iand sofort ohne alle Vorbereitung in zweckentspre­chender Weise direkt von ihnen gefördert zu sehen. In diesem Sinne ist die Handelskammer in Ham­burg bereitwilligst auf ein Anerbieten eingegangen, Das ihr vor einigen Monaten Herr Wilh. v. FreeDen bisher Rector Der Navigationsschule in Elsfleth) machte. Dieses ging Dahin, in Hamburg, als Dem im Mittelpunkte Des ganzen nordDeutschen Seever­kehrs gelegenen Platze, versuchsweise, zunächst für zwei Jahre, ein nautisch-meteorologisches Institut zu begrünDen, wenn hierzu Das erforderliche Local, Die nothweuDigcn ersten Einrichtungen unD Die bereit­willige Mitwirkung von RheDern unD Seeleuten ge­währt würden. Ein durchaus passendes Local für das Gentral-Bureau hat sich im Hamburger See- .mannshause gesunden. Die Bremer Handelskammer wird ihrerseits gleichfalls das Unternehmen zu för­dern suchen. Für die nothwendigsten Ausgaben haben beide Handelskammern bestimmte Summen angewiesen, und eine Anzahl bekannter Rheder in Hamburg wie in Bremen haben ihre Mitwirkung zur Herbeifüh­rung guter Beobachtungen und regen Verkehrs zwi- chen dem neuen Institute und den Schiffsführern, o wie eventuelle sonstige Unterstützung zugesagt."

Worms. DieWormser Zeitung" schreibt: Wie wir aus guter Quelle erfahren, erhielt rer Ausschuß des Luther-Denkmal-Vcrcins vor einigen Tagen aus Dresden die officieöe Mittheilung, daß sämrntftche Bildhauer-Arbeiten des Denkmals nun glücklich zu Ende gebracht sind und baß die letzten Modelle ein Basrelief von Kietz und die pro- tcstirende Speyer von Schilling wohl noch vor Jahresschluß an Die Gießerei abgeliefert werden. Da nunmehr die Vorbedingung erfüllt ist, von wel­cher das Hüttenamt zu Lauchhammer die Erfüllung seiner Zusage abhängig gemacht hatte, so Dürfen wir Die erfreuliche Gewißheit mit ins neue Jahr hin- übernehmen, Daß Der für Die Enthüllungsfeier Des Denkmals in Aussicht genommene Zeitpunkt Den 25. Juni 1868 pünktlich wirD eingehalten wer­den können. Man hat gerade diesen Tag gewählt, weil am 25. Juni 1530 die Augsburger Eonfession dem Kaiser übergeben wurde, ein in Der Refor- mationsgeschichte sehr wichtiges Ereigniß, welches Durch Die sieben Wappen Der Unterzeichner Der Gon» fcsston am Sockel des Hauptpostamts und außerdem auch noch durch eine Städtepersonification Augs­burg mit Der FrieDenspalmc seine Verherrlichung am Denkmal finDen wirD.

Locales.

Gießen. Wie sehr es in Der Jetztzeit geboten ist, schon in der Jugend sich einer schönen und coulanten Handschrift zu befleißigen, das können Viele an sich selbst täglich empfinden die sich vergeblich abmühen, irgend etwas leserlich Geschriebenes zu Papier zu bringen. Es liegt dies thcils in dem mangelhaft genossenen Unter­richte, theils aber auch in Dem Unfleiß, Den Viele beim Schreibcnlernen an Den Tag legen. Man kann Darum nicht oft genug Die Mahnung wieDerholen, Die Zeit nicht unbenutzt vergehen zu lassen, unD Ube Gelegenheit wahrzunehmen, die Kunst Des Schön- schreibens zu erlernen. Hundertfach verzinsen sich im späteren LebcnSbernfe Die Dafür aufgewendeten Kosten. So befindet sich jetzt Der Kalligraph I. Wolff in unserer Stadt, Der in seiner AnkünDigung erklärt, in einem nur 8stünDigen Unterrichte jeDem Schlecht­schreibenden eine schöne und geläufige Handschrift zu garantiren. Die uns vorgelegten Handschriften und amtlich beglaubigten Zeugnisse über den Erfolg seiner Leistungen, gaben uns die feste Ueberzeugung, daß Herr Wolff nicht zu viel versprochen hat. In Kassel hat derselbe über 9 Wochen Unterricht er« tljeilt und Die Zeugnisse seiner Schüler sprechen ihm Den Dank aus für sein Wirken. Ein solches Zeug- niß theilen wir hier unseren Lesern mit, um die­selben zu überzeugen, Daß sie beim Besuche Des Unter­richts Des Herrn Wolfs nur Erfolgreiches zu er­warten haben.

Die günstigen Zeugnisse sowohl, als auch die ausgehängten Resultate über den achtstündigen Schreibunterricht flößten uns Vertrauen ein, unD fanden wir uns in unserer thcils mangelhaften, theils steifen und unansehnlichen Handschrift ver- anlaßt, einen Schreibcursns des hier weilenden Elementar-Taubstummen-Lehrers unD Kalligraphen Herrn Wolff Durchzumachcn. Wir fühlen uns nunmehr verpflichtet, hierDurch öffentlich zu befun­den, Daß Herr Wolff unseren Erwartungen nicht allein entsprochen, sonDern Dieselben bei Weitem übertroffen hat. Schon in den ersten Stunden sahen wir in Aneignung einer rationellen Hal- tung Der Feder und des Oberkörpers allmälig unsere alte Handschrift verschwinden und merkten, daß uns das Schreiben, in Folge dessen weniger Mühe machend, immer leichter unD gefälliger wurde, so daß wir nach wenigen, aber gründ- lieben häuslichen Nachübungen am Schlüsse so- wohl z erlich als ziemlich geläufig schreiben, wie einige unserer in der Scheel'schen Buch- und Kunsthandlung ausgehängten Resultate ergeben. Mehrere von uns hatten zwar schon früher Kurse verschiedener Kalligraphen durchgemacht und viele Mühe auf Die Verbesserung ihrer Handschrift verwendet, aber immer vergebens, weil, wie wir jetzt einsehen, Diese Schreiblehrer eben weiter nichts als vielleicht Kalligraphen, aber Durchaus keine praktischen Schulmänner waren, Die mithin nach päDagogischen GrunDsätzen nicht verfahren konnten unD Die ersten Ursachen Des Schlccht- schreibens verkannten und deshalb nicht zu be­seitigen vermochten. Die Methode DeS Herrn Wolff bietet besonderes Interesse. Dieselbe be- toegt sich in der Anleitung zur naturgemäßen, darum richtigen Haltung des Armes und der Feder und natürlicher Entstehung und Zufammen- stellung der Buchstaben. Die Kunst des Herrn Wolff besteht eigentlich Darin, Daß Derselbe Die Ursachen Des Schlechtschreibens, Die oft sehr ver» schieDener Art finD, schon in Der ersten StunDe sofort herausfinDet unD zur Beseitigung Derselben jeDen Einzelnen besonDers mit Erfolg zu behan- Deln weiß. Wir können nicht umhin, Diesen Schreibunterricht von ganzem Herzen zu empfehlen."

(Folgen Die Unterschriften.)

Örgel-Concert.

Das geistliche Goncert Des Orgelvirtuosen P. Do et sch aus Cöln unD seiner Gattin, welches gestern AdenD in Der Stadtkirche stattfand, rechtser- tigte vollständig Den beDeutenben Ruf, Der Diesem Künstlerpaare vorangegangen. Herr Doetsch ist in Der That ein Meister Der Orgel; er beherrschte nicht nur vollkommen Die Technik Dieses schwierigen Instrumentes, sonDern wußte auch Durch Die freie Fantasie seine reiche musikalische Begabung darzu- legen. Alles lauschte mit andächtiger Stille Den wundervollen Tönen, die Herr Doetsch der Orgel zu entlocken wußte; es war eine erhabene Musik, Die uns Gottes Nähe bald in gewaltigen Tonmassen zu- rauschte, balD in leise serflingenDen Tönen zuflüsterte.

Einen ebenso tiefen Eindruck machte der geistliche Gesang der Frau Doetsch. Die Stimme dieser Dame ist wundervoll, ein kräftiger klangvoller Mezzo- Sopran von bedeutendem Umfange; außerdem be­währte sich Frau Doetsch als eine sehr geschulte Sängerin.

Es freut uns besonders, daß Herr Doetsch, auf vielseitigen Wunsch morgen, Donnerstag noch ein sweites Goncert in der Kirche gibt, welches gewiß zehr zahlreich besucht wird.

Schneefall in Constantine. Am 10. De- ccmber Abends wurden die Bewohner Gonstantines (Algier) durch einen nordischen Gast zum Entsetzen Der braunen Bevölkerung Überrascht. Schnee! Schnee unD Algier! Der Schneefall dauerte vierundzwanzig StunDen ununterbrochen. Dabei entlud sich Mitt­woch um halb 5 Uhr Morgens über Den Schnee­wolken ein heftiges Gewitter. Blitz folgte auf Blitz unD Der Himmel schien in einem elektrischen Feuer zu stehen, von einer Intensität und Dauer, daß man ein Nordlicht zu sehen glaubte. Morgens 7 Uhr waren Häuser, Straßen und Felder dicht mit Schnee bedeckt. Die unglücklichen, zum Markte nach Eon- stantine kommenden Araber rangen mit dem Erstar­rungstode. Nur die schleunige Hülfe seitens der Einwohner und der Militärbehörden konnte großes Unglück abwenden. Einige militärische Baulichkeiten und Schuppen wurden zur Ausnahme von Menschen unD Vieh geöffnet, Brod und heißer Kaffee vcrtheilt und so allmälig die erstarrten Lebensgeister wieder erweckt. Dem Vieh wurde Stroh und Fourage ver­abreicht. Da die Kälte und Der Schnee während des ganzen Mittwoch nicht nachließen, so wurden gegen Abend riesige Kohlenpfannen aufgestellt, um die dem Fatum nur zu sehr ergebenen Kinder des | Propheten zu erwärmen.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.