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Politische Rundschau

Darmstadt. Unter den Kommandeuren der großherzoqlichen Gendarmerie hat es einige Verände­rungen gegeben. Major Rüti in Mainz wurde .um Kommandanten der Gendarmeriedivision Star­kenburg, Major von Hombergk in Gießen zudem der Gendarmeriedivision Rheinhessen und Rittmeister Supp in Darmstadt zu dem der Gendarmeriedivi- sion Oberheffen ernannt.

Darmstadt, 14. Jan. Die Tagesordnung der auf Donnerstag den 16., Vormittags 10 Uhr, an­beraumten Sitzung der zweiten Kammer der Stände lautet: 1) Neue Eingaben. 2) Berichter­stattungen.

Berlin, 13. Jan. Die 1867er Ersenbahnan- leihe von 24 Millionen Thaler wurde übernommen: von der preußischen Bank, der Scehandlung, der DiSconto-Gesellschaft und den Bankhäusern Bleich- röder, Robert Warschauer, Mendelssohn, Magnus, Schickler und Rothschild.

Berlin, 13. Jan. Auf eine Interpellation v. Bonin's, betreffend die Naturalleistungen für die Armee, erklärt der Minister des Innern, daß diese Angelegenheit in die Kompetenz des Bundes falle, daß dieselbe jedoch eine baldige erwünschte Regelung finden werde.

Berlin. Von 46 Verlegern und Herausgebern von Zeitungen re. in der Provinz Hannover ist an die Minister des Innern und der Finanzen ein Ge­such um Aufhebung der Zeitungs - Stempelsteuer ge- richtet worden, worin der Nachweis geführt wird, baß die besagte Steuer die Preßgewerbetreibenden in Hannover geradezu vernichte. Es ist gegründete Aussicht vorhanden, daß die vielen in dieser Richtung an die Regierung gerichteten Gesuche nicht erfolglos bleiben werden.

Berlin, 13. Jan. Die vorübergehende Anwe- senheit des Generals von Manteuffel ist vielfach mit den Bestrebungen der Ultra-Reactionärcn in Ver­bindung gebracht worden, den Grafen Bismarck zu stürzen und der preußischen Politik wiederum ein herzliches Einverstäudniß mit Oesterreich zur Grund-

läge zu geben. Wenn General v. Manteuffel wirk­lich mit solchen Ideen nach Berlin gekommen ist, so wird er sich wohl überzeugt haben, daß ter Zeit­punkt zur Verwirklichung derselben noch nicht gekom­men ist. Noch weiß Graf Bismarck geschickt alle Schläge, welche gegen ihn als einen angeblichen Ber- räther an den conservativen Principien gerichtet wer­den, geschickt zu pariren, von welcher Geschicklichkeit der Brief an einen pommerschen conservativen Verein Zeugniß giebt, welchen neulich zwei hiesige Zeitungen veröffentlicht haben. Die Aechtheit dieses höchst in­teressanten Briefes ist vielfach angezweifelt worden, den, nachdem aber jetzt fast acht Tage vergangen sind, ohne daß ein officiöses Blatt denselben demen- tirt hat, man wohl berechtigt ist, anzunehmen, daß Graf Bismarck wirklich so geschrieben hat, wie in jenem Briefe zu lesen ist, obgleich wir den Zweiflern gern zugeben, daß der Ton ein etwas sonderbarer ist.

Berlin, 14. Jan. Die FortschrittSfraction des Abgeordnetenhauses hat beschlossen, einen sechsmonat­lichen Nachlaß aller Steuern für die drei untersten Klassen der Steuerzahler und der Grundsteuer, welche monatlich 10 Silbergroschen beträgt, für Ostpreußen zu beantragen. Die Fortschrittspartei sucht hierfür die Unterstützung der übrigen Parteien zu gewinnen; die Unterhandlungen darüber versprechen einen guten Erfolg.

Köln, H. Jan. Fast täglich kommen aus dem Hannover'schen Pferdetransporte, die für Frankreich bestimmt sind, mit der Eisenbahn hier durch.

Karlsruhe, 13. Jan. Die Wahlen zum Zoll- Parlament werden in ganz Baden am 18. Fe­bruar stattfinden.

Karlsruhe, 13. Jan. Die Abgeordnetenkam­mer hat heute mit 52 gegen 1 Stimme das Mi- nisterverantwortlichkeitsgesetz wesentlich nach Len Com> missionsanträgen angenommen.

Stuttgart, 13. Jan. Die Kammer nahm die neue Strafproeeßordnung mit 79 gegen 2 Stim­men an.

Stuttgart, 13. Jan. Der Antrag Mohl's, die Processe wegen Beleidigungen fremder Regierun­gen vor das Schwurgericht zu verweisen, wirb von Seiten der Regierung, Mittnacht und Varnbüler, bekämpft. Der Antrag wurde schließlich mit 45 ge­gen 38 Stimmen angenommen.

Wien, 13. Jan. Die heutige Abendausgabe derNeuen freien Presse" meldet: das Ministerium werde demnächst als erste gesetzgeberische Acte erlassen: 1) eine Verordnung behufs Regelung der verfassungs­mäßigen Bestimmungen über Gegenzeichnung sämmt- licher allerhöchster Verfügungen durch das verant­wortliche Ministerium; 2) einen Erlaß, welcher die Beschränkungen hinsichtlich des Rechts der Erwer­bung von Grundeigentum durch die Juden in Ga­lizien als durch die Verfassung beseitigt erklärt.

Wien, 14. Jan. Die heutigeWiener Zei­tung" meldet, daß der Kaiser bestimmt habe, den zu Minisierposten berufenen Personen solle für die Dauer ihrer Amtswirksamkeit das Prädicat Excellenz bei- gelegt werden und dieselben am kaiserlichen Hofe mit wirklichen Geheimräthen rangiren. Das heutige Neue Femdenblatt" erfährt, daß im Kriegsministe­rium eine bedeutende Armeereducirung vorbereitet werde, daß das Avancement bis 1870 eingestellt werden solle. Ebenso sei die Abschaffung des Armee- Obercommandos bevorstehend, desgleichen zahlreiche Pensionirungen höherer Stabsofficiere in Aussicht genommen.

Florenz, H. Jan. In der Deputirtenkammer verkündigte der Präsident, der König habe beim Empfange der Deputation am 1. Januar gesagt: Das Land geht eben durch eine sehr ernste Krisis; aber ich hoffe, daß die Lage, welche bereits gebessert ist, bald wieder eine normale werden wird. Mehr wie jemals bedarf es der Vorsicht und der Eintracht des Parlaments. Es sei ein dringendes Bedürfniß, die Finanzen und die Verwaltung zu reorganisiren. Die Gefahren, welche das Land umgeben, könnten abgewendet werden durch die Haltung des Parla­ments und den Patriotismus des Volkes. Man

trippelte herbei, um dem Fremden das Geleit bis an die Schwelle zu geben; allein dieser hatte den Mantel schon abgcnommen und über den Arm gelegt, um rascher gehen zu können, und schritt hastig in die dunkle Nacht hinein.

Als der Wagen des Commerzicnraths die Anhöhe erreichte, trat die Villa mit ihren glänzend erleuchteten Fenstern und den Fackeln und Gasflammen vor der Fronte wirklich wie ein Fcenschloß aus der nächtigen Landschaft heraus. Eine Reihe Equipagen hielt vor dem Hause, von dem einen Gartcnthore der Auffahrt an bis zum Portale, um die reichgeschmückten eleganten Gäste zu ent­laden. Eine gaffende Volksmenge, worunter viele Fabrikarbeiter und Arbeite- rinnen, hatte sich vor dem Auffahrtthore versammelt und starrte in die Wagen hinein, worin die geputzten Damen saßen, oder stierte den Portier an, der im blauen, gallonirten Mantel und goldbetreßten Hut mit dem Stocke in der Hand am Thore stand und zugleich die ordnungsmäßige Bedienung der beiden Pech­pfannen beaufsichtigte. Die Equipage des Commerzienraths fuhr jedoch nicht am vorderen Portale an, sondern sogleich dem Hof zu, wo sie vor dem Gartensalon hielt. Die beiden jungen Damen und der junge Balder stiegen aus, bemerkten, daß die Helle aus der Beletage sogar den Hof mit einer Lichtsülle übergoß, und hörten die ersten Accorde der Ballmusik droben tönen. Kaum in den topeiftfaal getreten, kam ihnen der alte Hausdiener Stephan und Pauline entgegen und empfingen sie mit der größsten Zuvorkommenheit Namens des Herrschaft, die sehr bedauerte, sie nicht persönlich begrüßen zu können, sondern so eben genöthigt sei, die Ballgäste droben zu empfangen.

Während Pauline sich der jungen Damen annahm, und ihnen mit dem Armleuchter voranging, nm sie über die Hintertreppe in das zweite Stockwerk hinaufzuführen, hatte der dicke Stephan sich dem jungen Herrn zur Verfügung gestellt und ihm einige leichtere Stücke seines Gepäcks abgenommen.Darf ich Sie bitten, mir zu folgen, Herr Balder ?" sagte er mit kriechender Untertänig« feit;die Damen haben Sie schon den ganzen Tag erwartet, und ihnen zu jedem Zuge die Equipage eutgegengeschickt. Die gnädige Frau fürchtete schon, es möchte Ihnen ein Unfall zugestoßen sein, so daß sie heute gar nicht mehr kämen. Aber um so größer wird nun die Freude sein, und ich werke Sie der gnädigen Frau sogleich melden ! Hören Sie die Musik? Der Ball hat schon begonnen, und die Gesellschaft ist brillant," fuhr er fort und blieb auf der An­lände der ersten Treppe stehen, wo er eine Thür öffnete.Sehen Sie, dort die Bogenkhüre, wo die Orangenbäume stehen, führt in den Empfangs-Salon. Ihr Zimmer oben ist schon geheizt, und wird hoffentlich ganz behaglich sein. Ich werde Ihnen den Koffer sogleich heraufschicken, und bis Sie sich umgekleidet, werke ich die Ehre haben, Ihnen ein kleines Diner fermen zu lassen, denn das Souper ist erst bis Mitternacht bestellt, und Sie werden Appetit haben von der Reise. Die gnädige Fran hat schon alles für Sie angeordnet, Herr von Bal- der, und die Abendgesellschaft und der Ball, den wir härte haben, werden Ihnen zu Ehren, zur Feier Ihrer Ankunft gegeben. Eie Einladungen sind schon vor zehn Tagen ausgeschickt worden, und die ganze vornehme Welt der Stadt und Umgegend ist beigezogen. So, hier sind wir zur Stelle, gnädiger Herr! haben Sie die Güte, es sich einstweilen bequem zu machen!" Damit öffnete der Diener die Thüre eines äußerst eleganten Zimmers, das von zwei Lampen erleuchtet, von Blumen durchduftet und von einer behaglichen Wärme durchzogen, und durch schwere Portieren von einem ebenso eleganten Schlascabinct getrennt war.

Der junge Balder war kaum allein, so warf er sich in einen Stuhl und sah sich so verwundert und betroffen int Zimmer um , als ob er wirklich seinen Augen nicht trauen wollte.Wahrhaftig," sagte er und rieb sich die Stirne und ergriff den silbernen Armleuchter, welchen der Diener aus den Tisch gesetzt hatte,wenn ich nicht mit meinen eigenen Händen das alles greifen könnte, so

vermöchte ich es fürwahr nicht zu begreifen? Ich komme mir vor wie auSge« wechselt. Hat der Onkel denn seinen Scherz mit mir getrieben, als er mir schrieb, er wolle mir durch Wohlwollen reichlich ersetzen, was etwa in dem Benehmen der Tante demüthigend für mich sein könnte? Oker sollte Tante Albertine ihren Sinn geändert und ihr Vorurtheil gegen die armen Anverwandten ihres Gatten abgelegt haben? Die Art der Aufnahme wenigstens, welche ich hier finde, hätte auch meine kühnsten Erwartungen übertroffen, wenn ich mir je solche gemacht haben würde . . . Welcher Reichthum, welcher Geschmack und Luxus!" fuhr er fort, raffte sich auf und besichtigte die Einrichtung des Zimmers, die Pracht der Möbeln und des Geräthes auf dem Waschtische u. s. w., bis wieder an feine Thüre gepocht ward und der dicke Diener nochmals eintrat und meldete:Die gnädige Frau und die gnädigen Fräulein lassen sich Ihnen bestens empfehlen, Herr von Balder, und sind sehr über Ihre Ankunft erfreut. Die Frau Com- merzienräthin läßt Sie freundlichst bitten, sich rasch umzukleiken, denn sie wird sich nachher die Ehre geben, Sie hier aufzusuchen und in die Salons einzu- führen!"

Zu viel Ehre von meiner gütigen Dante!" eitoieberte der Gast;für« toal)r", sie beschämt mich förmlich durch so viel Wohlwollen, durch diese unver- diente Güte! Sagen Sie der Tante meinen herzlichsten Dank und melden Sie ihr, daß ich mich mit meiner Toilette beeilen werde, um mich ihr dann selbst vorzustellen. Sie möge sich inzwischen ja nicht ihren ankeren Gästen entziehen!" Der Diener ging, und der junge Balder machte sich mit Hast an das Umkleiden

Etwa um dieselbe Zeit, wo dieser erstere Gast damit begann, seine Toilette ju machen, hatte der ankere Fremde aus dem Falken die Villa erreicht, und wollte an dem gallonirten Portier vorüber in den Garten treten, als dieser ihm mit einem barschen:Halt! wohin?" den Weg vertrat.

Wohin?" wiederholte der Gefragte etwas unwillig, und blickte den Por­tier scharf an,zu dem Commerzienrath Balder, meinem Oheim! Das werden Sie mir doch nicht wehren wollen?"

Ah, Sie sind der neue Vetter? Na, das ist ein anderes," erwiederte der Thürsteher mit aller Barschheit eines verwöhnten insolenten Domestiken.Ja, ich erinnere mich, daß mir der Herr Stephan von Ihnen gesagt hat. Gehen Sie nur dorthin nach dem Hause, aber nicht vorne hinein, sondern durch die Hinterihüre und dann links, und fragen Sie da nach dem Haushofmeister, dem Herrn Stephan! Der wird Sie dann zurechtweisen!"

Und warum nicht durch das Portal, wenn man fragen darf?" erkundigte sich der Fremde, der noch unschlüssig schien, ob er die Anmaßung des Portiers mit Humor ignoriren oder ernstlich übel nehmen sollte.

Weil wir heute Abend Ball haben und darum keine Zeit, die neuen Vettern zu empfangen meint Herr Stephan," gab der Portier zur Antwort. Herr Stephan hat ausdrücklich befohlen, daß ich Sic an die Hinterthüre weisen und daß Sie sich an ihn wenden sollten!"

Wirklich?" sagte der Fremde;nun denn, so sagen Sie dem Bengel von Haushofmeister, ich würde thun, was ich für gut befände. Mit diesen Worten schritt Der Fremde an dem Portier vorbei und dem Hause zu, vor welchem noch einige Wagen hintereinander standen unk Gäste ausluden. An diesen vorüber ging der Fremde keck und zuversichtlich bis unter das Portal, und stand hier beim ersten Schritt über die Schwelle in der hellerleuchteten und mit Blumen geschmückten Rotunde dem Lakai gegenüber, den er schon vor dem Posthause gesprochen hatte und Der nun in kurzen Hosen, Strümpfen, weißer Cravatte und Handschuhen gleichsam den Thürsteher im Vestibüle machte.

(Forts, folgt.)