würde daher auch allen Ausschreitungen nöthigenfalls mit Waffengewalt begegnen. Schließlich spricht er in der Proklamation die Hoffnung aus, daß nach eingetretencr Beruhigung der Gcmüther der Weg der Auflehnung verlassen, dagegen eine Verständigung auf verfassungsmäßigem Boden gesucht und gefunden werden wird.
Paris, 10. Oct. Der Kaiser kehrt erst am 17. aus Biarritz zurück, schönen Wetters und guter Gesundheit wegen, wie die osficielle Depesche besagt. — Ritter Nigra verläßt jetzt nach Abschluß des des Tabaksgeschäftes Paris, um seinen Urlaub an- zutrcten. Die Spannung zwischen ihm und Menabrea ist wieder ausgeglichen. — Graf Goltz geht nicht, wie ein hiesiges Blatt gemeldet, nach Südfrankreich, sondern bleibt in Paris. — Der Kurfürst von Hessen hat in diesen Tagen einen Preßagenten in der Person des Herrn Saar hergesandt, der namentlich in der Mirös'fcken Presse Gelegenheit findet, seine legi- timistisch - revolutionären Ablagerungen anzubringen. — Wegen der Annonee der Lanterne hatten die Geranten der betreffenden Blätter das Parquet befragt, das jene Anzeige für unbedenklich erklärt, da die Lanterne als solche noch nicht verboten sei.
Paris, 10. Oct. Der „Liberal baponnais" erfährt aus San Sebastian, daß der dortige Club folgenden Beschluß gefaßt hat: „Die Versammlung erklärt, daß das Volk der Guipuzera jeden Gedanken daran zurückweise, Carl VII. auf den Thron zu berufen, und daß es mit den Waffen in der Hand jedem Versuche, dieß zu thun, entgegentreten wird. »Die baskischen Provinzen werden selbst ihre Dertbeidigung organisiren und diese Last nicht auf den Staat fallen lassen." — Die „Liberte" erfährt, daß die Actionspartei in Italien ein Manifest an das spanische Volk vorbereitet, das vollständig in republikanischem Sinne abgefaßt sein und die Spanier an die Bruderbande zwischen beiden Nationen erinnern und zur Betheiligung an dem Umstürze der weltlichen Macht des Papstthums auffordern soll.— Nach einer Mittheilung der „Korrespondenz Havas" aus Rom ist es durchaus nicht gewiß, daß Cer Papst der Königin Isabella den Ouirinal als Wohnung anbietet. Der Papst betet einstweilen für sie und läßt beten; aber, heißt es, man scheine allmählig der Uebelstände sich bewußt zu werden, welche die Versammlung so vieler bourbonischen Ueberrejle bereiten kann.
Paris, 12. Oct. Ein Brief von Prim, datirt Madrid den 10. Oct., an den „Gaulois" dankt demselben für seine Sympathie und Mitwirkung bei der spanischen Revolution. Prim erstaunt sich über die Ungeduld eines Theils der französischen Presse, welche findet, daß Spanien nicht rasch genug vorwärts schreitet: „Eine Arbeit von acht Tagen", sagt Prim, „hat uns genügt, eine dreihundertjährige Dynastie zu stürzen und eine provisorische Regierung zu errichten. Wir werden nicht zögern, jetzt unsere Lage im Verein mit einer gesetzgebenden Versamm- lung auf der Basis unseres Programmes, das Sie kennen, zu consolidiren. Alsdann werden wir dahin gelangen, das politische Ideal Spanien zu verlor- pern, nämlich eine wahre constitutionelle Monarchie auf der breitesten liberalen Grundlage, welche diese Regierungsform verträgt."
London, 6. Oct. Eine „neue Art Versicherung" ist durch die Wahlen ins Leben gerufen worden, nicht etwa gegen Brandschäden, Hagelschlag, oder Eisenbahnunfälle, sondern gegen die Gutsbesitzer, denen es in den Sinn kommen sollte, Pächtern, die nicht nach ihrem Sinne stimmen, die Pacht zu kündigen. Die Leute von Berkshire haben damit begonnen, indem sie unter sich eine Summe zeichneten, um diejenigen schadlos zu halten, die durch ihre Opposition gegen die resp. Gutsherrn ihre Pacht verlieren sollten. Das Ganze ist fein erdacht, doch gereicht die Rvthwendigkeit, zu solchen Mitteln zu greifen, den englischen Grunvherren wahrlich nicht zur Edre.
Vermischtes.
Berlin, 5. Oct. Durch Anschlag an der Börse wird bekannt gemacht, daß ein Creditbrief von 50,000 Thaler abhanden gekommen sei. Wie man heute hört, ist dieser Creditbrief einer hier eingetroffenen Engländerin zugleich mit dem Paffe und Portemonnaie auf dem Bahnhofe gestohlen worden. Sie machte Anzeige bei dem wachthabenden Polizeibeamten und dieser erließ sofort telegraphisch Anzeige an alle Revier. bureau's sowohl von dem entwendeten Kreditbriefe wie auch von dem Paffe. Alle Bankiers erhielten unmittelbar Mittheilung von dem Diebstahl. Nach wenigen Stunden präsentirte wirklich ein Unbekannter in einem Bankhause den Creditbrief, zeigte auch aus Erfordern den Paß vor, so daß nicht der mindeste Zweifel über den Thatbestand obwalten konnte. Anstatt aber den Vorzeiger festzuhalten, sagte man ihm, er möge in einer Stunde wieder kommen, da eine so große Summe nicht auf der Stelle ausgezahlt werden könne. Der Mann hat stch aber nicht wieder blicken lasse».
Bremen, 7. Oct. Die ,^Deser-Ztg." schreibt: Mit der Norwegischen Post sind wieder Briefe von der Nordpol-Erpe-
dition über Hammerfest eingelaufen. Obwohl wir die „Grönland" schon in der nächsten Zeit auf der Weser erwarten und vollständigeren Berichten entgegensehen, wird eS doch von Interesse sein, über den Verlauf der Expedition bis Ende August einen kurzen Bericht zu erhalten. Der erste Offizier, Hildebrandt, schreibt aus Spitzbergen an Dr. Breusiug:
„HinloPeustraße, den 26. August 1868. 79 Grad 20 Minuten nürdl. und 20 Grad 52 Min. östlich. Bis Mitte Aug. haben wir Alle« versucht, um die grönländische Küste zu erreichen; wir haben unser kleines Fahrzeug gegen die Eisschollen rennen lassen, wir haben uns hineingebohrt, nm nur zollweise unsere Westlänge zu erreichen. Was half«? Nachdcmj unser Schiff sehr gelitten, waren wir endlich auf 73 Grad 30 Min. nördlich und 18 Grad westlich. Wir sahen die Küste so klar und deutlich vor lins, daß es uns schien, als sollte es nun bald gelingen, hinznkvmmen. Unsere Freude wurde erst recht groß, als wir in freies Wasser kamen. Aber — dahinter erstreckte sich ein unübersehbares Eisfeld, welches fest auf dem Lande lag. Alle Versuche, die Küste zu erreichen, waren fruchtlos. Die Küste von Pendulum Island bis Hudsons „Hold with Hope" vor uns und jede« einzelne Schneefeld zu erkennen und doch nicht hingelangen zu können, es war hart Schon machte es sich fühlbar, daß die Tage kürzer wurden, cs fing bereits an, während einer Nacht zölliges Eis zu frieren, und noch hoffen auf Durchbruch des Eises? Das war unserer Ansicht nach Unsinn. Wir hatten uns tief in das Eis hineingearbeitet und mußten uns eben so schwer wieder herauSarbeiten. Einmal wären wir wieder so vom Eise besetzt, daß uns unsere Lage bedenklich erschien. Aber ein frischer Nordost-Wind, der nachher auf See zum Sturme anwuchs, brachte uns bald aus unfern Gefangenschaft. — Einen Versuch bei Spitzbergen hatten wir schon gemacht, es galt einen zweiten. Wir sind jetzt schon weiter vorgedrungcn als die schwedische Expedition; auch hoffe ich, daß wir noch ein paar Grad östlicher kommen werden. Der gestrige Sturm hat das Eis vor der Hiulopenstraße ein paar Meilen weit aufgebrochen, und so wollen wir morgen versuchen, unfern Kurs weiter fortzusetzen, während wir jetzt in einer Bucht vor Anker liegen, die wir die „Deutsche Bucht" genannt haben, da die Schweden diese große Bucht ganz übersehen und gar nicht auf der Karte vermerkt haben. Außerdem sind noch viele Berichtigungen in dem südöstliche» Theile der Straße nöthig, da Vieles nicht an dem Ort und der Stelle ans der Karte liegt, wo es liegen sollte. Sollte es uns nicht gelingen, Gillisland zrr erreichen, so werden wir versuchen, die Ostküste von Spitzbergen zu umsegeln oder irgend einen anderen Weg einschlagen, als den durch die Hinlopcnstraße zurück. Wir sind aus dieser Reise an Erfahrungen reich geworden, und wie sehr Kvldcwei), Sengstack und ich uns auch danach sehnen, an einer neuen Expedition Theil zu nehmen, mit einem Segelschiffe werde» wir uns alle drei wohl bedanken. — Fürs Museum haben wir auch schon viel geschossen, unter Anderem ein wunderschönes Wallroß, welches Sengstack und ich im Wasser erlegten, ein gefährlich Ding für den, der es nicht versteht. Der Kerl mußte erst sechs Kugeln in den Leib haben, ehe wir ihm eins mit der Lanze anwischen konnten. Die Bärenfelle schickt Ihnen Kapitän Koldewey mit einem englischen Schiffe u. s. w."
Die Nordpolfahrt der „Germania" (Grönland) gibt dem Londoner Blatte „Daily Telegraph" zu einem Leitartikel Veranlassung, in welchem der englichen Nation abermals ins Ge- müth gesprochen wird, daß sie den Ruhm, bis an den Nordpol vorzudringen, nicht auch im nächsten Jahre wieder den Deutschen, Schweden oder Franzosen überlasse. Habe die „Germania" dießmai auch nicht soweit, wie Parry im Jahre 1827, gegen Norden Vordringen können, so müsse man doch ihrer tüchtigen Bemannung nachsagen, daß sie ihre Arbeit nett und rasch gethan habe, und daß ihr Mißlingen ihren Sieg bei dem nächsten Versuche in sichere Aussicht stelle.
Westphalen. Bei der Stadt Essen sind, wie bereits früher gemeldet, seit einiger Zeit Bodensenkungen und Erdspaltungen hervorgetreten, welche nicht unerhebliche Beschädigungen an Wohngebäuden, Wegen, Gasleitungen und anderen Anlagen auf der Erdoberfläche zur Folge hatten. Wie jetzt der „Staatsanzeiger" mittheilt, haben nun die Bergbehörden diesen Erscheinungen, welche von Seiten der davon betroffenen Grund- und Hauseigenthümer de» Einwirkungen des Bergbaues der in der nächsten Umgebung von Essen im Betriebe stehenden Steinkohlengruben zugeschrieben wurden, ihre volle Aufmerksamkeit zugewendet. Zu diesem Zwecke find mehrere Bergbeamte nach Belgien, England und Frankreich geschickt worden, um sich mit den dort gesammelten Erfahrungen über die Einwirkung des in größerer Tiefe umgehenden Bergbaues auf die Oberstäche und mit den dort bestehenden gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der letzteren näher bekannt zu machen.
Weimar, 6. Oct. Das heutige Ministerjubiläum des Hrn. v. Watzdorf wird auf den besonderen Wunsch des Jubilars in stillem Kreise gefeiert. Trotzdem sind gestern schon aus allen Landestheilen Deputationen eingetrosfen. Alle Gemeindevorstände des Landes haben ans je einem Amtsbezirk einen Bürgermeister zum Deputirten gewählt; der Landtag wird durch das Präsidium vertreten; die Bezirksvertretungen haben je zwei Abgeordnete entboten. Außerdem haben noch die Universität Jena, die hohen Gerichtshöfe, die Einzelgerichte und Verwaltungsbehörden ihre Gratulations-Deputationen gewählt. Auch die sämmtlichen jüdischen NeligionSgemeinden haben dem Minister, der alle confessionellen Ausnahmegesetze auch seinerseits beseitigen geholfen, ihre Anerkennung und ihren Dank in einer Adresse ausgesprochen. Die landwirthschaftlichen Vereine haben nicht nur eine Glückwunschdeputation entsendet, sie haben auch noch eine Watzdorf-Stiftung gegründet, die dem landwirthschaftlichen Institut gewidmet ist. Hier sowohl, als in den meisten größeren Städten des Landes sind noch Festessen u. dgl. veranstaltet. Hr. v. Watzdorf ist der populärste Name im Lande, und selbst bei seinen politischen Gegnern in hohem Ansehen. Er ist am 4. Oct. 1804 auf Schloß Berga im Neustädter Kreise geboren und trat nach seinen in Leipzig vollendeten Studien in königl. sächsische Dienste, in welchen er sehr schnell avancirte. 1843 wurde er als Minister der Justiz und des Aeußeren hierher berufen. Die Revolution von 1848 beseitigte seine damaligen Collegeu, blieb aber vor ihm stehen, und so wurde er dirigirender Staatsminister auch des März- ministeriums. In dieser Stellung ist er bis heute geblieben, und ist gegenwärtig der Chef dreier Departements.
Vom Thüringer Wald. Wir haben jetzt zu Michaelis ein Stückchen Frühling zu schauen; die Lerchenbäume, deren I Nadeln die Sommerhitze versengt hat, treiben wieder frische Nadel», wie im Frühjahr. Auf Rasen, den die syrische Son- »engluth — sibirische nannte sie ein gelehrter Schulze — braun
gebrannt, sproßt jetzt wieder Üppiges Grün, Leontodon Ta- raxacon (Löwenzahn) blüht von Neuem, so auch der Schneeball'
Frankfurt a. M. Die Ausfuhr Frankfurts nach den Vereinigten Staaten Nordamerika's hatte im Jahr 1867 (au| eines Berichts des dortigen nordamerikanischen Consuls den Werth von 3,650,814 fl., davon kamen 919,076 fl. aj[ejn auf Hasenfelle, 707,452 fl. auf Wein, Aepselwein und Branntwein, 553,429 fl. auf Leder, 208,093 fl. auf Juwelierarbeiten 175,868 fl. auf Droguenen und Chemikalien, 152,893 fl. auj: Fabrikate aus Leder.
Mainz. Nach dem „M. Anz." hat der Zollparlaments- Abgeordnete, Herr Ludw. Bamberger, bei Gelegenheit der Einführung der Einkommenssteuer sein jährliches Einkommen auf 93,000 fl. declarirt.
Wien, 2. October. Gestern hat das für die eingelaufenen Lustspiele niedergesetzte Preisrichter-Collegium seine Bera- thnngen geschloffen, und das Ergebniß derselben in einer nioh- virten Eingabe an die Generalintendanz geleitet. AIS absolut preiöwürdig ist dem Vernehmen nach keines der einzereicht^ Stücke erklärt worden; da jedoch die PreiSausschreibung schm dem relativ besten die Prämie zuerkennt, so sind als solche für den ersten und zweiten Preis vvrgeschlagen das „Schach dein König", als dessen Verfasser bald Rudolf Gvttschall, bald ein Polizeicommiffär Schanfert aus der baieiischen Pfalz genannt wird, und das „Heber den Parteien", das aus der Feder Wolfgang Müllers von Königswinter sein soll. Ein Accesfit dürfte außerdem der „Narr des Glücks" von einem noch unbekannten Verfasser — erst die Generalintendanz hat die Namen zu er-' Mitteln — erhalten.
Innsbruck. 6. Oct. Seit gestern ist die Bahn zwischen Innsbruck und Brixen wieder vollkommen fahrbar, und verkehren heute alle Züge regelmäßig. Bei Zargenbach Cor- rection, oberhalb Waidbruck, wurde der Bahndamm auf 600, oberhalb Nerwang auf 100 Fuß Länge weggerissen. Die Te- legrapheuleitung zwischen Klausen und Waidbruck wird im Laufe des heutigen Tages wiederhergestellt sein. Die Unterbrechung der Bahn zwischen Klausen und Waidbruck wird ungefähr 14, zwischen Waidbruck und Atzwang 8 Tage dauern. Atzwang- Kluman wird am 8. d. fahrbar fein. Bluman-Bozen schon heute. Die Poststraße ist zwischen Klausen und Atzwang mit Omnibussen zu passiren, zwischen Atzwang und Bozen aber an mehreren Stellen gänzlich weggeschwcmmt. Die Post wird von Klausen über das Gebirge nach Bozen getragen, lieber den Stand der Dinge in Südtyrvl sind bis heute Nachmittag keine weitere Nachrichten eingelaufen.
Frankreich. Ein närrischer Engländer erkundigte sich kürzlich auf dem Hauptpostamt in Paris, wie viel es kosten würde, ihn selbst per Post franfirt unter Couvert nach Loudon zu schicken. — Man wog ihn und schätzte seinen Transport per Bri-fpost auf 8648 Franken. Als er jedoch Einst machte und das Briefpoitv für eine Person aufzählte, übergab man ihn der Polizei, welche ihn, als eilten Narren, nach seinem Hotel zurückbrachte.
Paris, 9. Oct. Bekannlich haben die meisten Pariser Blätter gesagt, daß Walewsk! als armer Minister gestorben fei. Es ist daher nicht unintereljant, zu erfahren, daß der Mann, den man einen „armen Minister" nennt, Folgendes besaß : 1) drei Häuser tu Paris, von denen er das eine, welches ihm der Kaiser geschenkt, bewohnte; 2) ein Landhaus in St. Germain, welches Thiers für diese» Sommer gemietet; 3) das Landgut Amphion am Genfer See in Ober-Savoyen;. 4) eine Domaine im Landes - Departement, welche ihm bet Kaiser geschenkt und die einen Werth von 2 Millionen hat: 5) Orden im Wertbe von 200,000 Franken. Die Minister,' welche man in Frankreich nicht arm nennt, müssen wenigstens 20 Millionen besitzen, und man begreift daher, daß die Wittwe des Grafen au6 der Staatskasse einen Zuschuß von 20,000 Fr. per Jahr und aus der Privatkasse des Kaisers einen jährlichen Gnadengehalt von 30,000 Fr. erhalten wird.
London. Die kalte Jahreszeit rückt mit Schnelligkeit heran und scheint — den jetzigen Anzeichen nach zu urteilen — mit den wärmeliebenden Engländern nicht gar glimpflich verfahren zu wollen. Im Brämargebirge (Schottland) ist schon wieder Schnee gefallen, und in der Nähe des Cap Clear wurden mehrere große Eisberge gesehen, deren einige 400 Ellen lang und 106 Fuß hoch waren. In Gesellschaft der Eisberge hatten, wie gewöhnlich, eine große Anzahl Wallflsche ihre Reise nach dem Süden angetreten. Auch in der Hauptstadt ist es Morgens wie Abends schon recht kalt, und in mancher Stube brennt schon ein hellflackerndes Feuer den ganzen Tag hindurch.
Amerika. Der rasche Auffchwnng von Calisornien gränzt an» Wunderbare. Vor 20 Jahren noch eine von Indianern durchzogene Wildniß hat es gegenwärtig feine Vevölkenmz von über eine halbe Million; die Hauptstadt St. Franzisko zählt 120,000 Einwohner. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres hat es für 5 Will. Dollars Korn und über 1 Mill. Doll. Wolle ausgeführt. Es sind in derselben Zeit 32,000 Personen eingewandert. Die feinere californische Wolle wird der spanischen gleich geschätzt. Es find in dieser Zeitfrist 1150 Schiffe im Hafen von St. Franzisko eingelaufen und haben an Eingangszöllen allein an 4 Mill. Doll, bezahlt. Drei Gesellschaften verfügen über 40 Dampfboote, welche monatlich 6 Reisen nach Panama machen und eine nach Japan und China. Außerdem eristereu regelmäßige Verbindungen mit Akapulko, Oregon und VancvuverSland. Im Jahr 1867 wurden für 17 Mill. Gold im Lande ausgemünzt; nach Mexiko wurde für 2 Mill. Doll. Quecksilber verkauft, und nimmt neuerdings der Seidenbau einen großen Aufschwung. Wenn die Pacificbahn vollendet ist, wird St. Franzisko in wenigen Jahren daS Newyork des Westen« fein.
Amerika. Ans Newyork, Ende August, wird berichtet: Die an« Deutschland nach den Newyorker Parken impor- tirten Sperlinge haben stch bereis ansehnlich vermehrt. Die fünf Parke der Stadt haben jetzt Wohl doppelt so viele Sperlinge als im vorigen Jahre. Diese beschäftigen sich gegenwärtig mit der Vertilgung der MusqmtoS, von denen die Stadt in ungewöhnlich starken Schwärmen heimgesucht worden. Jedes von den 800 Vogelhänschen in den Parken scheint bereits von zwei Sperlingspaaren bewohnt. Die junge Nachkommenschaft findet da keinen Platz mehr und muß, sodald sie flügge geworden, stch Unterkunft im Freien oder andere Zufluchtsstätte suchen. — Eine Papierkragenfabrik, in Newyork mit einem Capital von 500,000 Dollar beschäftigt 450 Personen , welche 350 verschiedene Sorten Papierkragen liefern und davon alle 24 Stunden nicht weniger denn 5,000,000 I Stück fertig stellen.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Clir. Pietsch) in Gießen.
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