Einzelbild herunterladen

Börsennachrichteu. .12 September 1868.

Prioritäten.

50/0 östr. F. St. E. B. 259 Ludwigsh.-Bexbach 1583/4

Wechsel.

Amsterd. k. S. 1003/g Augsb. k. 8. 100

Preuss. Obi. 957/s

Frankf. 3'/2o/o Obi. 801 2

Nass. 4i/20/0 Obi. 95'/4

Kurh. 4% Obi. 88

Hess. 40/0 Obi. b. Roths. 901/4

31/2% do. do. 85

Bayer. 5% Obi. 1023/g

41/2o/u 1jährige 965/8

4/2°/o '/jährige 963/4

Würtemb. 4t/2O/o Obi. 95

Maxbahn 1071 /4

Bayer. Ostbahn 128 Hess. Ludwigsbahn 5% östr. Stsb.-Prior. 531/« 30/0 östr. s. Lombard. 44 4/g 3% Livorneser 30

Toscaner 46

Frankf. Hypoth.-Bank Frankf. Vereins-Kasse 5% Elisabeth-Prior. 74^4 do. II. Emiss. 73

Berlin k. 8. 105

Bremen k. 8. 973/4

Cöln k. 8. 1043/4 |

Hamburg k. 8. 87%

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 1193/4

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 943 4

Wien k. 8. 1037 8

Disconto 3% G.

Baden 41/2u/o Obi. c. E.L. 95

Geldsorten.

Oestr. 5°/o b. R. 5% National 533/4

5O/o Metall. Obi. 49i/8

M. steuert. 513/4

Amer. 6°/o 1882r Bds. 751 4 6% 1885r 741/4

Anleliensloose.

Kurh. 40 Thlr. Loose 55 Nassau fl. 25 b. Roth. 365/g Gr. Hess. fl. 50 b. R. 159 Gr. Hess. fl. 25 b. R. 401 2 40/g bayr. Präm. Anl. lO21/2 4% badische Loose 100 Badische fl. 35 Loose 521/2 1858r Prioritätsloose 143 1860r Loose 73y2 1864r 981/4

Pr. Gass. Sch. 1 447/ij-45/g

Dir. Cass.-A.

Pr. Friedrdor. 9 58-59

Pistolen . .9 47-49

doppelte 9 48-50 Holl. fl. 10 St. 9 54-56

Aetlen.

Frankf. Bank 124i/4

Oester. Bank 740

Creditact, 216i/2

Darmst. Bankact. 241

Ducaten . . 5 36-38 20 Frankens!. 9 291/2-301/2 Engi. Souver. 11 54-59 Russ. Imper. 9 48-50 Doll, in Gold 2 27-28

§ Geschäfts-Eröffnung.

® Hiermit die ergebene Anzeige, daß ich das von mir schon angezeigte (Pariser) Äeck- und Neuwascherei-Geschäft bereits errichtet habe, und bitte um geneigten Zuspruch. Lialeich verspreche ich, die mir anvertrauten Sachen ganz nt den Stand zuruckzubrin- Z wie sie neu gewesen sind. Durch ausgezeichnete Arbeit, prompte und reelle Bedienung werde ich mich bestreben, mir das Vertrauen des geehrten Publikums m «esiger Stadt und der Umgcgcnb zu erwerben und zu erhalten zu tuchen.

G. F. Rupp, Herrenkleidermacher, Katharinengasse Nr. 207.

Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie sämmtttche zollamtlicheN Formn- lare, sind zu haben bei Wilhelm Klee, Mäusburg.

Telegraphisch er Schiffsbericht

mitgetheilt von Chr- Wallenfels jun.

Angckommen in Rew-Aork r

Das Bremer Postdampfschiff America, Reisedauer 13 ~ngc Stunden.

Frucht- und Mehlpreife in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmärkten.

Kartoffeln

Wicken.

Erbsen

Linsen.

Hafer-

Spelz.

Gerste.

Korn

Warzen.

Mir-- Auf dem IMit.- preis Markt Ipreis

preis

fL|fr.

flskr.

flskr.

fl. fr.

fl.fr.

fl-

fr.

fr.

fl. fr.

fl.

fr.

fl.

M- i M.

M. M.

M. ! M.

M.

M.

Bi.

M-

M.

8 35

35

31

167!

70(

I 11?

10

6

6j

8i

.15

17

42

362

Mit.- preis

8

9i

5

4

4

4

5

Auf dem Markt

Mit.- preis

30

35 .40

39

Mit.- preis

Mit.- preis

M.

7t i 63? 334?

111

Mit. preis

Mit­preis

9,14

8 30

Auf dem Markt

Auf dem Markt

Auf dem Markt

Aus dem Markt

2 149z 171z

Auf dem Markt

Auf dem ! Markt i

915

8|57

12

12

12

12

12

8- 7i45 7112 71- 7|45

M. M.

3

162 147 - 2801 97 z 70 j 19

4 31 78?

6

2

Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.

122? 97z 65

1155

2130

Auf demlMit- Markt

9Jt.

Fruchtmärktc.

Sept.

Gießen

11.

Alsfeld

Grünberg

Lauterbach

Mainz

Feuilleton.

Die Verschwörer von 1799.

Roman von de Saint-Felix.

(Fortsetzung.)

Eine dritte Person, welche zast in der Mitte des Tisches saß, beobachtete scharf ras Mienenspiel der beiden von einander entfernt sitzenden Herren, die ihre scheinbar gleichgültigen Worte mit bedeutungsvollen Blicken oder Gebcrden begleiteten. Diese dritte Person war ernst, schweigsam, und in einen grauen Rock mit großen Stahlknöpsen gekleidet. Er schien noch jung, aber leibend. Im Uebrigen hatte er schöne Züge und einen auffallend lebhaften Blick. Wir mußten diese drei Persönlichkeiten an der Wirthstafel bezeichnen. Die anderen Gäste haben für uns geringeres Interesse.

Gegen die Mitte des Abendessens nahm die Unterhaltung einen überaus lebhaften Charakter an. Der dicke Pferdehändler hatte nicht wenig hierzu bei­getragen, denn er hatte seine persönliche Ansicht über den General en Chef der egyptischen Armee von Stapel gelassen ebenem in so kräftigen und bezeich­nenden Ausdrücken, daß Niemand über die Grundsätze de§ ehrenwerthen Roß­tauschers, der im Auftrage dee Regierung reiste, irgend ein Zweifel sein konnte.

Aber wie vereinbart Ihr denn Eure Ansicht und Eure Interessen? fragte ein gewöhnlicher Reisender. Ihr steht, so zu sagen, im Solde der bestehenden Regierung, und sprecht demohngeachtet den Wunsch aus, daß sie baldmöglichst abdanken möge?

Gewiß, Bürger, antwortete der Pferdehändler. Gerade das beweist Euch meinen Patriotismus.

Erlaubt mir, sprach der Abgesandte des Institutes, erlaubt mir das Wort! Ich kenne den Bürger Garat, Schneidermeister und Roßkamm; ich kenne ihn und ich werde Euch den unerklärlichen Widerspruch zwischen seinen Grund­sätzen und Interessen erklären. Pro primo . . .

Schluß! Schluß! rief man von allen Seiten.

Wollt Ihr eine Diskussion über die Grundsätze und Interessen ver­wehren ?

Wollt Ihr uns von Pferderacen und dem Patriotismus des Bürgers Garat unterhalten?

Wollt Ihr uns:Du, Du liegst mir im Herzen" nach der Melodie desMalborough" Vorsingen?

Merkt Euch, daß ich niemals singe, Bürger, wandte sich der lange Herr an den Redner der letzten Worte.

Tanzt Ihr zuweilen, Bürger? fragte dieser unter dem lauten Geläch­ter seiner Nachbarinnen.

__ Ich tanze ebenso wenig, antwortete der Abgesandte des Institutes, aber gelegentlich lasse ich Andere tanzen. Verstanden, Bürger?

__ Ah so! fuhr der Spötter fort. Habt Ihr Euren Dudelsack hier, Herr Tanzmeistcr?

Bürger, schrie der Gelehrte, hielte mich die Achtung vor den Damen nicht zurück, so halt' ich Euch schon mein Glas an den Kopf geworfen!

Und ich, erwieverte der Museadin, bitte höflichst die Damen um Er- laubniß, Euch zu züchtigen und werfe Euch meinen Teller in« Gesicht.

Die That folgte dem Wort. Der mit behender und sicherer Hand geschleu­derte Teller flog dem langen jungen Herrn gerade in'S Gesicht, so daß die weiße Halsbinde und Weste in einem Nu mit einer Brühe vom dunkelsten Chokoladen- braun gefärbt wurden.

Die ganze Tischgesellschaft stand erschrocken auf. Geschrei und lebhafte Rufe durchschallten den Saal, als ob die Gardinen in Flammen ständen.

Der dicke Pferdehändler sprang in wer Sätzen zu seinem Reisegefährten hin und packte ihn bei den Armen, um ihn zu verhindern, sich auf seinen Gegner zu stürzen. Dieser war auzenscheinlick der Ruhigste bei dem ganzen Tumulte.

Reglos mit über der Brust verschränkten Armen dastehend, ließ er hierhin

und dorthin einen verächtlichen Blick gleiten, als ob er dieser aufregenden Scene ganz fremd wäre.

Einzig der Mann im grauen Rocke, welcher bis dahin geschwiegen hatte, wagte ihn anzureden.

Mein Herr, sagte er, Ihr Betragen ist seltsam und nicht zu rechtfer- tigen; allein Ihre Kühnheit beweist eine ungewöhnliche Energie. Wer sind Sie?

Bürger, antwortete der Museadin, ich möchte dieselbe Frage an Euch richten.

Mein Herr, nahm wieder der Mann im grauen Rock das Wort, Sie rechnen ohne Zweifel auf ein Rencontre, ein Duell? . . .

Mit wem? fragte der schöne Reisende. Weßhalb?

Mein Herr, erwieverte der Fremde, mir haben Sie nicht den Teller ins Gesicht geworfen. Aber dort der Beleidigte . . .

Wird sich wohl hüten, Bürger, mich zur Rechenschaft zu ziehen, sagte der Muscadin.

Zwei Gensd'armen und ein Brigadier traten in den Speisesaal.

Jeder der Gäste nahm seinen Platz wieder ein. Der Pferdehändler be­mühte sich noch immer, seinen Gefährten zu beruhigen, indem er mit einer Ser­viette die Chokoladensauce von seiner Halsbinde und Weste abwischte. Das tiefste Schweigen folgte dem Aufruhr.

Der Brigadier machte, von seinen Gensd'armen begleitet, die Runde um pen Tisch, und prüfte den Paß jedes Reisenden. Er kam zu dem mit Choko- lade begossenen, dessen Gesicht ein lebendiges Zeugniß ablegte, daß ein Teller an seiner Nase zerbrochen war.

Bei diesem seltsamen Anblick lächelte der Brigadier und erbat sich die Pässe des langen jungen Mannes und des dicken Pferdehändlers. Er entfaltete sie, und gab sic alsbald, ohne sie lesen zu wollen, den beiden Reisenden zurück.

Endlich kam die Reihe an den Museadin. Jeder riß die Augen auf und verschlang mit seinen Blicken den seltsamen und dreisten Störenfried, dessen Na- men und Stand man zu erfahren hoffte. Er reichte ohne die geringste Auf­regung dem Brigadier seinen Paß, indem er gleichmüthig ein Glas Champagner schlürfte. Der Brigadier las mit aufmerksamster Spannung das Blatt, welches ihm gereicht worden war; er zeigte cs seinen Gensd'armen und grüßte, es dem jungen Reisenden zurückgebend, diesen mit einer achtungsvollen Verbeugung. Seine Begleiter ahmten sein Beispiel nach. Die Inspektion war beendigt.

Die Soldaten gingen fort und ließen die Gesellschaft in höchstem Erstaunen.

Der Muscadin fuhr fort, sich einzuschenken und in langsamen Zügen den besten Montebello zu schlürfen, welchen der Keller desFasanen" aufzuweisen hatte.

16.

Die glückliche Insel.

Die Aufregung, welche gestern an der Wirthstafel des Hotels zum Fasanen stattgefunden, hatte sich am folgenden Tage der ganzen edlen und schönen Stadt Tours mitgetheilt.

Man sprach von nichts als dem merkwürdigen Muscadin und fernen fabel­haften Impertinenzen. Aber s ine Energie, feine Tollkühnste t, seine Kaltblütig­keit, sein geweckter Geist, seine elegante Haltung und schöne Gestalt söhnten alle Herzen mit ihm aus.

Man gewährte ihm Ablaß für alle Sünden, besonders die Frauen, welche bekanntlich das Wunderbare lieben.

Es batte sich die Nachricht in der Stadt verbreitet, daß der junge Mus­cadin, dessen Namen Kemer zu erfahren vermochte, gegen Mittag zu Pferde steigen werke, um einen Spazierritt zu machen; vielleicht auch, um sich auf den Schauplatz irgend eines Duells zu begeben.

Zahlreiche Gruppen hakten sich daher vor der Thur des Hotels zum Fa­sanen'postirt, und jeder deutete auf seine eigene Art das Benehmen des Frem­den und das Geheimniß seines Aufenthaltes in Tours. (Fvrts. folgt.)