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1505) Ein junger Mann, der die Buch­haltung gründlich versteht, sucht für seine freie Zeit Beschäftigung. Wer? sagt die Exped. b. Bltts.

1445) Ein Garten mit einigen Obstbäu­men und einem Hänschen wird zu pachten gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.

Theater in Gießen.

(Im Cafe Leib.)

1609) Sonntag den 15. März.

Zum zweiten Male:

Gute Nscht Müschen,

oder:

Maria Theresia und ihr Hof.

Historisches Lustspiel in 5 Akten von Ar­thur Müller.

Montag den 16. März:

Die Anna Liese.

Lustspiel in 5 Akten von Her sch.

W. Kern, Direktor.

tfrifcfjOdcfier zu gießen.

Den 15. März. CarlLöber am Linden­platz. Friedrich Zülch auf dem Seltersweg. Georg Balser Wittwe in der Neustadt.

Kirchliche Anzeigen.

Evangelische Gemeinde zu Hießen.

G o t t c s d i e n st.

Am 15. März.

Morgens: Pfarrer Landmann. Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.

Passions-Gottesdienst in der Hospital- kirche.

Mittwoch den 18. März, Nachmit­tags 4 Uhr:

Pfarrer Landmann.

G e t a u f t e.

Den 8. März. Dem Bürger und Kauf­mann, Heinrich Weidig I., eine Tochter, Christiane Johanne Auguste, geboren den 10. Januar.

Denselben. Dem Bürger zu Wetzlar und Heizer auf der Cöln-Gießener-Eisenbahn, Georg Möbus, ein Sohn, August Ludwig, geboren den 8. Februar.

Denselben. Dem Bürger und Bäcker­meister, Wilhelm Löber HL, eine Tochter, Henriette Wilhelmine Marie Antonie, gebo­ren den 29. Januar.

Denselben. Dem Bürger zu König, Kreis Neustadt, und Landpostboten dahier, Michael Rebscher, eine Tochter, Bertha Bar­bara Susanne Katharine, geboren den 18. Februar.

Den 12. März. Dem Bürger zu Vöhl in Preußen und Kaufmann dahier, Fried­rich Karl Benjamin Koch, eine Tochter, Anna Louise Friederike, geboren den 12. Februar.

Beerdigte

Den 7. März. Karl Emil Jakob Da­niel Schmidt, des Bürgers zu Wilsbach und Ockonomen dahier, Peter Schmidt, ehelicher Sohn, alt 2 M. 15 T-, gestorben den 5. März.

Denselben. Johann Georg Balser, Bürger und Bäcker dahier, alt 57 I. 8 M. 2 T., gestorben den 5. März.

Den 9. März. Johann Barth aus Sickershausen, Kreis Biedenkopf, alt 22 I., gestorben den 7. März.

Denselben. Johanne Sophie Eberhar- dine Hast, geborne Görtz, Wittwe des ver­storbenen Bürgers und Kaufmanns, Johann Ludwig Hast, alt 78 I. 3 M. 8 T., gestor­ben den 6. März.

Den 10. März. Heinrich, ein uneheli­cher Sohn von auswärts, alt 11 T., gestor­ben den 9. Mürz.

Den 11. März. Margarethe Bieber, geborne Löber, Wittwe des verstorbenen Bürgers und Schmiedmeisters, Christian

Bieber, alt 75 I. 20 T., gestorben den 9. März.

Den 13. März. Georgette Wilhelmine Adelheid Ort, geborne Schaffner, Wittwe des verstorbenen Bürgers und Schreiner- meisters, Peter Ort, alt 62 I. 8 M. 22 T., gestorben den 10. März.

Die Pfarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Landmann.

Frachtbriefe für die Main-Weser- und Cöln-Mindener- Eisenbahn, sowie fa amtliche zollamtliche« Formu­lare, sind zu hoben bei Wilhelm Klee, Mäuöburq.

Börsennachrichten.

12. März 1868.

Preuss. 4%% Obi. 95% Frankf. 3%% Obi. 80 % Nass. 4%<% Obi. 94% Kurh. 40/0 Obi. 89%

Hess. 4<% Obi. b. Roths. 90% 3%% do. do.

Bayer. 5% Obi. 101%

» 4%% 1jährige 93%

4%% jiährige 93% Würtemb. 4%% Obi. 93% Baden 4%% Obi. c. E,L. 93% Oestr. 5% b. R. 63%

5% National 55%

5% Metall. Obi. 48%

M. steuert'. 51 %

Amer. 6% 1882r Bdsj 75% 6% 1885r 74%

Actien.

Frankf. Bank 126%

Oester. Bank 725

Creditact. 192% Darmst. Bankact. 222

Prioritiiten.

5% östr. F. St. E. B. 259% Ludwigsh.-Bexbach 156% Maxbahn 106%

Bayer. Ostbahn 120% Hess. Ludwigsbahn 132% 3% östr. Stsb.-Prior. 53% 3% östr. s. Lombard. 43 3% Livorneser 27% Toscaner 41

Frankf. Hypoth.-Bank Frankf. Vereins-Kasse 5% Elisabeth-Prior. 74% do. II. Emiss.

Anleliensloose.

Kurh. tO Thlr. Loose 55% Nassau fl. 25 b. Roth. 35% Gr. Hess. fl. 50 b. R. 143% Gr. Hess. fl. 25 b. R. 38% 4% bayr. Präm. Anl. 99 4% badische Loose 98% Badische fl. 35 Loose 51 1858r Priorit'ätsloose 134% 1860r Loose 72% 1864r 86%

Wechsel.

Amsterd. k. 8. 100% Augsb. k. 8. 99% Berlin k. 8. 105 Bremen k. 8. 98 Cöln k. 8. 105

Hamburg k. 8. 88% Leipzig k. 8. 105 London k. S. 119% Lyon k. 8.

Paris k. 8. 95 % Wien k. 8. 102 % Disconto 3% G.

flxeldsorteni.

Pr. Gass. Sch. 1 44%-45% Diy. Cass.-A.

Pr. Friedrdor. 9 57 %-58% Pistolen . . 9 49-51

doppelte 9 50-52 Holl. fl. 10 St. 9 54-56 Ducaten . . 5 37-39 20 Frankens!. 9 31-32 Engi. Souver. 11 54-58 Russ. Imper. 9 50-52 Doll, in Gold 2 27%-28%

Feuilleton.

Vetter und Base.

Eine Familiengeschichte.

(Fortsetzung)

Robert batte, ohne irgendwie zu verletzen, eine gewisse Entschiedenheit und Energie in seinem ganzen Gebühren, welche genug bekundete, daß ihm an dem Urtheil der blinden Menge wenig genug gelegen war, und daß er allfällig auch sich selber genügen konnte. Mit dem sogenannten bureau desprit hatte es aber eine eigene Bewandniß. Man glaube ja nicht, daß in diesem geselligen Kreise ein gelehrter, ausschließlicher Dünkel, eine Schaustellung von höchster Bildung und angemessensten ästhetischen Ansprüchen herrschten. Im Gegentheil, es waren nur einige wenige tüchtige Männer, welche sich mit Nutzen in der Welt umge- sehen, und vom Leben etwas mehr gelernt hatten, als ein gieriges Haschen nach dessen sinnlichen Genüssen; Männer, welche, wenn sie am Tage in ihren Schulen, Fabriken, Laboratorien und Comptoirs ihr Tagewerk redlich gethan hatten, am Abend und in den sonstigen Mußestunden auch den höheren Interessen der Mensch­heit und der Civilisation Theilnahme schenkten. Es waren keine gelehrten Da­men, keine schriftstellernden Blaustrümpfe, sondern einfache, liebe wackere Haus­frauen, welche für ihre Mußestunden eine andere Unterhaltung suchten, als Stadtkiatsch und Moden, Frauen, denen ein ernstes Gespräch über Fragen der Zeit und humane oder patriotische Bestrebungen lieber war, als das Scher­bengericht über eine Nachbarin, und denen ein gute» Buch mehr Genuß und Freude bereitete, als ein neues Seidenkleid, eine neue Garnitur Möbeln, eine Juwelenparure oder ein silbernes Theeservice. Es war mit Einem Worte ein Kreis von Männern und Frauen, welche von der Ueberzeugung beseelt waren, daß der echte Lebensgenuß weder in dem Besuchrausche der Feste und üppiger Gelage, noch im raffinirtesten häuslichen Comfort und Luxus, noch im Zurschau- tragen übertriebenster Toiletten und in der künstlichen Steigerung aller Ansprüche, noch endlich gar im Ueberstrahlen Anderer bestehe; sondern daß gerade eine ge­wisse Gleichgültigkeit gegen diese Aeußerlichkeiten und ein freiwilliges Verzichten darauf nothwendig sei, um den Genuß des Schönen und Erhabenen in der Na­tur und den verschiedenen Künsten zu einem vollständigen zu machen. Ein ein­facher Thce oder ein häusliches Mahl, dessen Grenzen ohne alle Abrede niemals überschritten wurden, vereinigte die befreundeten Familien heute in diesem, mor­gen in einem andern Hause; man las mit einander die besten Erscheinungen der Tagesliteratur, oder die hervorragendsten Erzeugnisse der besten Geister aller Zeiten, und besprach sich über dieselben im zwanglosesten Austausch. Man er­örterte politische, sociale und volkswirthschastliche Zeitfragen, und besteuerte sich nach Maßgabe der eigenen Mittel, um gemeinnützige, patriotische oder humane Zwecke zu fördern. Jeder fühlte, daß diese Art von Geselligkeit, welche die Frauen höher hob, das sicherste Mittel sei, sie jenem eitlen, frivolen Treiben, jenem zügellosen Luxus und jener unersättlichen Gier nach äußerlicher Geltend­machung und nach materiellen Genüssen ferne zu halten, welche der Fluch unserer Zeit sind, und durch die Verderbniß der Mütter auch den Ruin der künftigen Generationen vorbereiten. Und so hatte die anfangs nur sehr kleine Zahl der Mitglieder des bureau desprit gar bald die Genugthuung zu sehen, daß ihr Kreis sich erweiterte, weil auch von anderer Seite her das Zweckmäßige und innerlich Gesunde und Vernünftige ihres Gebührens erkannt wurde.

Zu den wirklich überzeugten Neubekehrten dieses Kreises gehörte insbeson­dere Henriette. Seit ihrer Verheirathung war sie wie umgewandelt, und in der ersten Zeit nicht fähig, selber den richtigen Standpunkt und die wahre goldene Mittelstraße zu finden, ließ sie sich angelegen sein, Paulinen in Allem nachzu- ahmen. Allerdings war das Väschen vom Lande in diesem Kreise auch die be­deutendste Frau; obschon nur in einer einfachen Landschule gebildet, besaß sie eine gute und gründliche Erziehung, welche sie bei ihrem lebhaften Geist, glück- lichen Verstand und raschen Fassungsvermögen in den Stand setzte, alles schnell

zu ergreifen, zu begreifen und innig festzuhalten, was sie interessirte und ihr de« Ergreifens werth erschien. Dazu war ihr Gemüth so schlicht und gesund, so weich und stark zugleich, so gerade und ehrlich, daß sie alles von sich abwies, was ihr nicht geeignet erschien zur inneren Fortbildung und Selbstvervvllkomm- nung, oder was ihren feinen Sinn für Recht, Sittlichkeit und Schicklichkeit ver­letzte. Ihre Einbildungskraft war nicht verdorben durch Romanlekiüre, ihr sitt­liches Urtheil nicht verkümmert durch die laxe Moral französischer Dramen; ihr Pflichtgefühl nicht beeinträchtigt durch falsche einseitige Begriffe von den ver­meintlichen höheren Rechten der Frauen. Still und anspruchslos, milde und ordnend waltete sie in ihrem häuslichen Kreise, und that sich etwas darauf zu gut, nur Kleider und Putz zu tragen, die sie selber verfertigt, und sich kindlich zu freuen, wenn ihrem Gatten oder ihren Gästen Speisen mundeten, die sie selber bereitet hatte. Und da sie nie eine Minute müßig war und ihre Zeit mit um­sichtiger Gewissenhaftigkeit nützte und cintheilte, so wußte sie auch die Aufgabe zu lösen, ihren Pflichten als Hausfrau vollständig zu genügen und doch mit Eifer und Erfolg an ihrer geistigen Vervollkommnung zu arbeiten uuD die ver­säumte Schulbilv nachzuholen. Und wer dieses reizende junge Frauchen so ein­fach und bescheiden, wirthlich und traulich in seinem Heimwesen walten sah, das reiche Haar schlicht gescheitelt und nur mit einer Schleise von Seidenband auf­gesteckt, die zierliche feine mittelgroße Gestalt von einem einfachen, kornblumen­blauen Wollkleid umfangen, Seelenfrieden auf der Stirne, die schönen großen sprechenden Augen und den vollen kußlicheu Mund von einem Lächeln verklärt, der mußte sich gestehen, daß er sich kein Bild von vollendeterer Anmuth denken konnte, und dem hätte wohl kein Fremder geglaubt, wenn er sie diesem als die Besitzerin einer halben Million bezeichnet hätte.

Robert war wirklich glücklich und je länger desto mehr zufrieden mit seiner

W - hl. Sein einfacher ernster Sinn, welcher doch wiederum einer glücklichen Bei­mischung von gesundem Humor nicht entbehrte, fand in Paulinen eine-gleichge­stimmte Seele. Seine bescheidenen Ansprüche an die gewöhnlichen'^nnlichen Lebensgenüsse, sein Geizen mit der Zeit wie mit dem Gelde, das er mter sür höhere geistige und Kunstgenüsse wie Gemälde, Bücher, Reisen, Musik re., als für Möbeln und Toilette verausgabte, sein Sinn für ein häusliches und Familien­

leben fanden bei dieser Frau, die sich in Allem so innig und vertrauen < seinen Wünschen und Ansichten anschmicgte. eine Befriedigung, welche er an der Seite einer unter anderen Verhältnissen aufgewachsenen Frau wohl nie gefunden haben würde. Und Rudolph, welcher mit Spannung dieses Treiben und diese holde

Häuslichkeit des Vetters verfolgte, unterließ es nicht, dieselbe iiachzuahmcn und auch Henrietten als Musterbild eines traulichen Ehestandes zur Nacheiferung zu empfehlen, was diese sich auch ohne Neid oder Aerger gefallen ließ.

Die Zeiter iguisse waren an den Bewohnern von Stocksheim nicht vorüber­

gegangen, ohne einige erschütternde Katastrophen über einzelne Fabrikherrn, Ban-

qiiierS und andere seither beneidete Spitzen der fair gen. Es waren meist solche, die in ihrer LebenStzz,^ entfaltet und ihren Frauen ein unbeschränktes üppigc43 '

n Welt zu verhau-

Coln k. 0

Hamburg k.',*CnCCn LuxUS Leipzig k. 8. . %t hatten.

London k. 8. 1warnend

jen würde,

Diese Beispiele gingen Henrietten nicht verloren, so». ___________

das Schickial vor, welches ihren Eltern und Geschwisterü^

wenn nicht Roberts rasches und energisches Eingreisen den Sch.ag abgewandt

hätte. Sie war rahrr dem Vetter zu großem, ausrichtigem Danke verbunden, und bethätigte diesen besonders dadurch, daß sie ihn und seine Handlungsweise zu einem stillen Vorbilde nahm. Henriette halte sich durch ihre L.ebe zu Ru­dolph, durch das Nachdenken über des Vaters drohenden Ruin und durch ihre Heirath ganz von den Ansichten und Einflüssen ihrer Mutter emancipirt und diese Lossagung war eine um so innigere, als die Eommerzienräthin, getäuscht in ihren Hoffnungen und Plänen hinsichtlich der Zukunft Henriettens und im Herzen noch dem Neffen Rudolph grollend wegen der Täuschung, die er sich in t ihr er­

laubt hatte, nur selten in der Wohnung ihrer Tochter erschien oder mit dieser verkehrte. (Schluß folgt.)

(Hierzu eine Beilage.)