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Politische Rundschau

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr- Chr- Pietsch) in Gießen.

um die Procentantheile der einzelnen Postgebiete an den gemeinschaftlichen Einnahmen der Fahrpost fest- zustellcn. Der norddeutsche Bund ernennt 14, Oester­reich und Baiern je 2, Württemderg und Baden je 1 Mitglied. Der Vorstand der Commission wird

Berlin, 9. Jan. Auf Grund der Postver- träge vom 23. Nov. v. I. findet der Zusammen­tritt der aus zwanzig Beamten betheiligten Postver-

Paris, 9. Jan. Die Majorität der fanzösi- schen Kammer-Redner haben bei Berathung des Mi. lilärgesetzes die widersinnigsten Urtheile über das Verhältniß Deutschlands zu Frankreich verlauten lassen. Die meisten der Reden athmen Kneg, als wenn Frankreich dadurch geholfen würde. Der größte Schreier, Thiers, möchte Mobil- und Na- tionalgarde dran geben, um Alles auf eine über­wältigende active Armee zu verwenden; Girardin da­gegen schreibt heute in der Liberte:Um die erste Schlacht zu gewinnen, müssen alle französischen Sol- baten, die vor dem Feinde stehen, kriegstüchtig sein, und hinter ihnen muß der nationale Aufschwung lo­dern, den die Freiheit entzündet." Mit andern Wor- ten: bevor der Krieg eröffnet wird, muß Frankreich statt der Kapuze wieder die phrygische Mütze aus- setzen! ... Daß der Kaiser dieses Recept nicht zur Hofapotheke schickt, begreift sich von selbst und daher ist er klüglich für die Homäopathie, er läßt den Li- beralen die Kriegslust durch die Kriegswuth der Kle- rikalen und Legitimisten verleiden. Die Vogelbeeren, die Thiers in den Sprenkel hängt, um den Kaiser zu fangen, sind die deutschen Kleinstaaten: das sei, ruft der moderne Marius aus, Frankreichs ureigenste Politik von je her gewesen. Die Liberte beweist ihm in ihrer Neujahrsbetrachtung die Frechheit dieser Doctrin.Wann", fragt sie,hat Frankreich je- mals die Kleinstaaten, die es so sehr geliebt haben soll, geschont? Hat es etwa unter Ludwig XI. mit solcher Waare mehr Federlesens gemacht, als Bis­marck neuerdings? Hat es etwa die Bretagne unge- schluckt, die Bourbogne uneinverleibt gelassen? Hat es nicht bei Marignano nach der Schweiz geschnappt, hat es nicht Mailand und Neapel verschlingen, ja, hat cs nicht sogar den Niederlanden, als sie gegen Spanien sich erhoben, einen französischen Prinzen einpflanzen wollen? Schonte es die Guisen und das Haus Lothringen? Annectirte es nicht die drei Bisthümer und griff es nicht nach dem Herzogthum Buillon und Luxemburg? Hat es unter Ludwig XI V. nicht Holland einsacken, Genua bombarviren lassen und Vie Jesuiten und Jacob II. gegen den Statt- Halter von Holland unterstützt, ja, unter Ludwig XV. sich mit Oesterreich verbunden, um Preußen in den Windeln zu ersticken, und hat Bonaparte Venedig nicht an Oesterreich verschenkt? Annexion war Frank­reichs Protektion gegen seine kleinstaatlichen Nach­barn, und so geht es in der ganzen Welt: Bismarck protektorirt die deutschen Kleinstaaten gegen Frankreich, Victor Emanuel die italienischen gegen Oesterreich, Rußland will Bulgarien, Griechenland Kandiapro- tegiren", wie die Vereinigten Staaten Mexico."

Spanien. Auch in Spanien hat man dies Jahr einen sehr strengen Winter. DerLlopd bi Espana" meldet, baß Vie Wölfe von der Sierra Morena herabkommen und die Umgegend von Cor­dova beunruhigen; ein Gärtner hatte neulich einen harten Kampf mit einem dieser Thiere zu bestehen. DasJournal de Barcelona" meldet, daß in Villa- Franca (Catalonien) am 3. und 4. d. M. die Kälte so streng war, daß man die öffentlichen Brunnen mit heißem Wasser auflhauen mußte. Viele Fabri­ken mußten stillstehen, weil das von Wasserfällen herabkommende Wasser, welches sonst immer stießt, in diesem Winter eingefroren ist. Bei Monistral ist der Lobregat dermaßen gefroren, daß die Arbeiter, welche dort eine eiserne Brücke bauen, auf dem Eise stehend arbeiten können.

Petersburg, 10. Jan. DerRussische In- valide" schreibt: Die Frievensversicherungen der fran­zösischen Publicisten seien fruchtlos und beruhigten Niemanden. Ungeachtet der FreundschaftSbetheuerun- gen Frankreichs sei das Mißtrauen zwischen den Mächten stärker als jemals. Die fortdauernden De- batten über die Armeereform zu Paris bewiesenver- hängnißvolle Geheimpläne Frankreichs für's künftige Jahr.

werden dem Wohlstände und der sittlichen Bildung alles das zuwenden, was die Vertreter des Volks ihnen zur Verfügung stellen. (Bravo!) Zu reder Zeit werden sie handeln, wie cs überzeugungstrmen, ehrenhaften, im politischen Leben geworbenen Cha- rakteren zu thun geziemt."

Aaram, io. Jan. Der Landtag wurde gestern . rr - «X k ©rtwtAÄ hortAnntP T)

vom Nordbund ernannt.

Berlin, 10. Jan. Das Verhältniß zwischen Lauenburg und Preußen dürste in nicht allzu langer Zeit Anlaß zu Verwickelungen geben, wenn nicht schon vorher, vielleicht bei Gelegenheit des Ge­setzes über die Bildung der Wahlkreise, die Perso­nal-Union aufgehoben und Lauenburg dem preußi­schen Staate einverleibt wird. Geschieht dies> nicht, so dürfte die von Preußen durch die vom Abgeordnc- tenhause in dem betreffenden Gesetze vorgenommene Acnderung beantragte Uebernahme eines Theiles der dänischen Staatsschuld Seitens des Herzogthums Lauenburg Grund zu einer Differenz werben, welche ganz besonbers interessant sein bürste wegen ver Per­sönlichkeiten, welche die Verhandlung führen werden. Der preußische Minister des Auswärtigen muß sich, nach der Bundesverfassung, an den Bundeskanzler wenden, welcher wiederum den, Minister für Lauen­burg zur Begründung der Weigerung, die Schuld ru übernehmen, aufforbern muß. Diese Begründung wird alsdann der Bundeskanzler dem preußrschen Minister übermachen, dieser wirb sic zu widerlegen suchen und endlich wird der Bundeskanzler die Ent­scheidung abgeben. Das ist der correcte Weg, der nun aber in diesem Falle dadurch so interessante Seiten bietet, daß der preußische Minister des Aus­wärtigen, der Bundeskanzler und der Minister für Lauenburg ein und dieselbe Person sind, nämlich Hr. v. Bismarck. Hoffentlich macht man dem son­derbaren Verhältniß auf die natürlichste Werse von der Welt, nämlich durch die Annexion, ein Ende, die Finanzen Lauenburgs scheinen so schon jetzt eine solche Maßregel dringend zu fordern.

Berlin, 11. Jan. DieNorbd. Allg. Ztg. hält es für verfehlt, wenn den Wahlen zum Zoll- parlamcnt in Süddeutschlanb ausschließlich em fach- uiännischer Charakter gegeben würde, da bei Han- delssachen auch die politische Seite bedeutend sei.

Frankfurt, 10. Jan. Wir erfahren von authen-

M LM L KMtzWL i MKStzWSLSML y*** - LK ää eine weite Gasse amtlichem Wege dahier eingetroffen ist. nulten-' sie werden auch nach ihren Kräften durch

Aus Kurheffen, 9 Jan. Wir erfahren von alt n^^ sie werdens $ bie fluf

Kurhessen und den neuen Provinzen überhaupt, welche dieselben durch Fixirung ihrer Gehalte nach preußi­schem Modus erlitten haben, diesen Beamten eine Quote von den Gerichtssporteln zuweisen will, wovon sie zunächst die Kosten für die Hülfsarbetter, für Beleuchtung und Schreibmaterialien rc. zu decken haben und den Ueberschuß als Zulage erhalten sol- Rescrivt des Königs' verlangte die

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Soge dieser Beamtenklasse wefentlicy autvepern, na­mentlich wenn Cie anzuweisende Sportelquote, wie wir wünschen wollen, nach liberalen Grundsätzen be­messen und dabei die früheren Einkünfte der Beamten in Rechnung und Berücksichtigung gezogen werden.

Hannover, 6. Jan. Bekanntlich stehen die sich aus der Provinz Hannover rekrutireuden Regt- > meuter nur zum geringen Theile in d"" selbst, sondern in Westphalen und am Rhein (circa 6500 Mann). In letzter Zeit sind nun die höheren Offiziere sämmtlicher nicht in der Provinz stehender hannov. Regimenter aufgefordert worden, ihr, Gut­achten abzugeben, ob die Stimmung der Regimenter der Art sei, daß es schon jetzt an der Zeit scheine, den jungen hannoverischen Soldaten zu gestatten, ihre Jahre am Orte, ober doch dessen Nähe abzu- Vienen. Das Gutachten würbe derZtg. f. N." zufolge überall im bejahenden Sinne abgegeben.

München, 9. Jan. Das Centrum des Ab- georbneienhauses erkennt anläßlich der Wahlen in s Zollparlament einstimmig sein allgemeines Pro­gramm an, wonach die aufrichtige Durchführung des Schutz- und Trutzbündnisses als selbstverständlich den Eintritt in den norddeutschen Bund dermalen weder für notwendig noch für wünschenswerth erachtet, während ferner die durch den Zollvereinsvertrag be­gründete Einheit als die politisch - wixthschaftliche Grundlage der nationalen Entwickelung aber nicht als zweckmäßig angesehen wird, schon jetzt auf we­sentliche Umgestaltung des Zollvereins hinzuwirken.

Augsburg, 10. Jan. Einer anscheinend wohl­unterrichteten Berliner Correspondenz derAllge-

Markt-Berichte.

Gießen, 11. Jan. Walzen pr. Mltr. fl. fr. Korn pr. Mltr. 12 fl. 35 kr Geeste pr. Mltr. - fl. - kr. Hafer pr. Mltr. 5 ff. 50 kr. Erbsen pr. Mltr. fl. kr. Kartoffeln p^ Mltr. fl. kr. Bretter pr. Pfd. 28 kr. Käs pr. Stuck 2 kr. Eier pr. Stück l3/* kr.

Butzbach, 11. Jan. Walzen pr. Mltr. 17 fl. -- kr. Korn pr. Mltr. 12 kr. 40 kr. Gerste pr. Mltr. 9 fl. 15 kr. Hafer pr. Mltr. 5 fl. 30 kr. Erbsen pr. Mltr. 11 fl. 30 kr. Kartoffeln pr. Mltr. 3 fl. 15 kr. ButtB pr. Pfd. 26 kr. Käs pr. Pfd. 12 und 13 kr. Eier pr. Stück 2 kr.

Main;, io. Jan. Walzen pr. Mltr. 16 fl. 27 kr. Korn pr. Mltr. 13 fl. 18 kr. Gerste pr. Mltr. 8 fl. 50 kr. Spelz pr. Mltr. fl. kr. Hafer pr. Mltr. 6 fl. 15 kr. Kartoffeln pr. Mltr. 3 fl. 35 kr. Butter pr. Pfd. 25-27 kr. Eier pr. Biertelhnndert 4850 kr. Kvrnstroh pr. 100 Gr­und 21 6. 22 kr.

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Fortsetzung der Ausgleichsverhandlung mit Ungarn durch Einsendung einer Landtagsdeputatlon nach Pcsth. Das Rcscript wurde mit Beifall aufgenommen.

Klorenr, 10. Jan. Die Hauptforderungen des Finanzcxpofä's sind: Einführung der Mahlstcucr 100 Millionen, Erhöhung der Grundsteuer 30 Mil- icuocn mcgr- , lionen, Erhöhung der Einrcgistrirungs- und Stcm- dcr Provttiz peisteucr 20 Millionen, Einnahme aus den Kirchcn- -- - 1 gutem 400 (?) Millionen. Dagegen soll das Ta­baksmonopol aufgehoben werden.

Paris, 8. Jan. Der gesetzgebende Körper be- willigte gestern dem Kricgsministerium einen außer- ordentlichen Credit von 400,000 Frcs. behufs Unter- stützunq der nothlcidendcn eingcbornen Bevölkerung Algeriens. Die Roth der Araber, namentlich in den militärischen Bezirken muß fürchterlich sein; Herr Lanjuinais gibt nach einer ihm zugekommenen Pn- vatinitiheilung die Zahl der Opfer auf 200,000 an. Auch hält Herr Lanjuinais die geforderte Summe für unzulänglich, wogegen der Regierungskommissär General Allard geltend macht, daß mit dieser Summe nur Greise und Kranke unterstützt werden sollen, da alle Arbeitsfähigen in den verschiedenen Werstättcn der Colonie Beschäftigung fänden. Der Credit wurde auch diesmal einstimmig bewilligt.

Paris, 9. Jan. Wie diePatrie" meldet, hat Graf v. d. Goltz heute Vormittag eine Zusammen­kunft mit dem Marquis de Moustier gehabt; die Gesundheitsverhältnisse des Ersteren gestatten cs ihm aber nicht, die Leitung der preußischen Gesandtschaft sofort wieder zu übernehmen. Dieselben werden durch den Grafen Solms weitcrgeführt.__________________

""Wien. 11. Jan. Ein Privattelcgramm des Tagblatts" aus Semlin sagt: Die Kriegsvorbe­reitungen Serbiens seien nahezu vollendet. Trotz der Abmahnungen und Drohungen Seitens Oesterreichs, Frankreichs und Englands fahre man mit den Rü­stungen fort. Die Aufregung im Lande sei groß.

Brünn. Aus der Rede, welche der osterretchl- schc Minister Giskra am 5. Januar bei dem ihm u Ehren gegebenen Festmahle hielt, theelen wir Fol­gendes mit:Nicht mehr hat man zu furchten, daß das frische und lebendige Wesen eingeengt werde durch ängstliche Sorgfalt der Regierung vor sc bststan- tiger Gestaltung im Leben. Eine freie Verfassung, wie sich deren wenige Völker von Europa zu erfreuen vermögen, ist, Dank sei es unserem gerechten, gute, gen und weisen Fürsten, den Vol ern Oesterreichs gegeben worden. Die Fesseln, welche den genügen Aufschwung in weiteren Kreisen beirren, sind gefal­len; der Kaiser rief in Den Rath seiner Krone Man­ner welche die Aufgabe unverrückbar festhalten, an dem, was als Staatsgrundgesetz verkündet worden [i ist, die Verfassung sortzubilden und zu entwickeln im

Sinne und Geiste der Freiheit, in welcher die Be­stimmungen jener Staatsgrundgesetze erlassen wurden und die es auch im Geiste selbst fühlen und dies auch ernstlich gewillt sind. Ich kann versichern, sie werden es thun! (Minutenlanges Bravo.) Der Selbstbestimmung der Länder, Gemeinden und Jndl- viduen ist in den durch VaS Gesetz weit gezogenen Kreisen freier Spielraum gegeben; den nationalen Bestrebungen wird innerhalb der Grenzen, wie sic denselben durch den Staat und durch den Selbstcr-

meinen Zeitung" zufolge war die Reise des Grafen v. d. Goltz nach Berlin keineswegs bedingt durch tritt der aus zwanzig ceammi yvr- i bie französisch-preußischen ^^iehungen,^wM>e^ n^

waltungen bestehenden Posttaxirungskomnnssio^statt, | wentan befn d ^ ^onen bezüglich der Rolle der poL chcn Emigration in dem bevorstehenden Orient- confl.cte. Die preußische Botschaft hatte mit der cl° den Anknüpfungen gesucht, um möglichen Belästi­gungen vorzubeugen, während andererseits die lei- teuren Kreise in Frankreich ernstlich beabsichtigen, die antipreußischen Reste des Polenthums zu acttvem Auftreten auf einem eventuell osteuropäischen Kriegs- s^' WiÜ»zud"cJai>aVlactj derNeuen freien Presse" hat sich General Jguatieff bei seiner Anwesenheit tu Wien beruhigend über die orientalische Frage ge-