I Emil Dörr in Gießen,
Ecke des Kreuzes und der Sonnenstraße, empfiehlt einem geehrten Publikum^ sein, in dem Laden der Herren Gebr. Busch errichtetes Geschäft
fertiger Damen- und Kinder-Garderobe, verbunden mit einer Kurzwaaronhaudlung und allen in dieses Fach einschlagenden Artikeln. — Reelle Bedienung wird zugesichert.
Landwirthschaftliches Fest zu Butzbach.
4853) Am 16. und 17. d. Mts. findet ein landwirthschaftliches Fest dahier statt, mit welchem eine Ausstellung von landwirthschaftlichen Geräthen und Maschinen, sowie eine Verlooiung solcher und preiswürdiger Thiere verbunden ist. — Am 16. d. Mts., Vormittags 8 Uhr: Festzug von der Weisclcrstraße nach dem Festplatz, auf welchem die Musterung und Prämiirung stattstndet. Nachmittags 4 Uhr: Zug der Reiter und Rennpferde zu dem Wettrennen ans den Festplatz. — Den 17. d. Mts., Vormittags 9 Uhr: Zug der angekauften Thiere zur Berloosung auf dem Fcft- platzc. — An beiden Tagen Volksbelustigungen und Tanz, sowie Thätigkeits- proben der Maschinen. ,
Für Bewirthung ist bestens gesorgt und ladet man zu zahlreichem Besuche ein.
Butzbach, den 8. Juli. 1868. Das Feist - (Sonnte.
4811) Einem geehrten Publikum empfehle ich mich hiermit im Weißzeugnähen aller Art und bemerke dabei, daß ich durch Anschaffung einer Mähmaschine in den Stand gesetzt bin, jede mir zukommende Bestellung auf's Billigste und Schnellste auszufuhren. Auch halte ich stets Lager von Hemden, Beinkleidern, Unterhosen, Nachtjacken, Hauben u. s. w.
Fanny Reiß,
Wallthor, Ecke der Braugasse.
Kirchliche Anzeigen.
Lvangeüsche Hemeinbe zu Hießen.
Gottesdienst.
Arn 12. Juli.
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Pfarrer Landmann.
Äopulirte.
Den 5. Juli. Wilhelm Andrea? Born- manu, Bürger und Schneider dahier; und Friederike Süsanne Furkel, des hiesigen Bürgers und Lohndieners, Daniel Furkel, eheliche Tochter.
Denselben- August Martin Karl Wilhelm Schwall, Bürger und Arbeiter an der Cöln-Gießener Bahn dahier,, des hiesigen Bürgers und Kutschers, Heinrich Schmall, ehelicher Sohn; und Henriette Christine Wacker, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Schneiders, Johannes Wacker, eheliche Tochter.
G otaufte.
Den 5. Juli. Dem Bürger und schreiner, Johann Heinrich Schneider, eine Tochter, Marie Elisabeth, geboren den 26. Mai.
Denselben. Dem Bürger und Schneider, Wernhard Brück, eine Tochter, Karoline Wilhelmine Elisabeth, geboren den 7. Juni.
Denselben. Dem Großherz. Professor, Dr. Georg Ernst Friedrich Heinzerling, eine Tochter, Ernestine Alwine Friederike, geboren den 1. Mai.
Irischfiäcker zu Hieben.
Sonntag den 12. Juli. Christian Jughardt in der Wallthorstraße. Louis Kämmerer auf dem Seltersweg. Heinrich Plank in der Neustadt.
Denselben. Dem Bürger in Dortelweil und Schlosser an der Cöln - Gießener Bahn dahier, Johann Heinrich Dietz, ein Sohn, Friedrich, geboren den 14. Juni.
Den 7. Juli. Ein unehelicher Sohn von hier, Georg Philipp, geb. den 8. Juni.
Beerdigte.
Den 3. Juli. Ferdinand Weller, des Ortsbürgers in Climbach und Schmieds an der Main - Weser - Bahn dahier, Balthasar Weller, ehelicher Sohn, alt 8 M- 2 T-, gestorben den 2. Juli.
Den 4. Juli- Ein unehelicher Sohn von hier, Georg Karl Hermann, alt 4 M. 6 T-, gestorben den 2. Juli.
Den 5- Juli- Georg Michael Gustav Wittich, des Bürgers und Schreiners, Georg Wittich, ehelicher Sohn, alt 5 M. 6 T-, gestorben den 3- Juli-
Denselben. Der Bürger und Fuhrmann, Karl Jost Peter Krailing, alt 42 I. 18 T-, gestorben den 4. Juli.
Den 6. Juli. Heinrich Karl Schmidt, des evangelischen Lehrers an der höheren Töchterschule, Heinrich Schmidt, ehelicher Sohn, alt 1 I. 4 M-, gestorben den 5 Juli.
Den 9- Juli. Ernestine Alwine Friederike Heinzerling, des Großh. Professors Dr. Georg Ernst Friedrich Heinzerling, eheliche Tochter, alt2M-7T-, gestorben den7-Juli-
Denselben. Ein todtgeborner Sohn des Ortsbürgers in Großen-Linden und Gü- lerarbeiters an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Johannes Feller V., geboren den 7. Juli.
Den 10. Juli. Katharine Martin aus Laufdorf bei Braunfels, alt 33 I., gestorben den 8. Juli. __________
Die Pfarrgeschäite in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Adreßbuch für Gießen.
Dasselbe ist seiner Vollendung nahe und wird Ende Juli den geehrten Abonnenten zugestellt werden. Da dieses Buch nicht nur localen Interessen dient, sondern auch für die auswärtige Geschäftswelt bestimmt ist, so liegt es wohl im Interesse der hiesigen Geschäftstreibenden ihre Adreß- oder Empfehlungskarten in dem Adreßbuch abdrucken zu lassen. Wir berechnen den Raum einer Druckseite mit 4 st. und steht es den Herren Geschäftstreibenden frei, % $ oder eine ganze Seite zu wählen, je nach Ausdehnung ihrer Adresse. Wir sehen der schriftlichen Einsendung der Adreßkarten binnen vierzehn Taaeu entgegen, da später einlaufende keine Berücksichtigung mehr finden können.
ö BriahCscBie Druckerei (Fr. Chr. Pietsch.)
Feuilleton.
Die Verschwörer von 1799.
Roman von de Saint-Felix.
< (Fortsetzung)
s
Sultan.
Am Morgen des folgenden Tages empfing der Direktor Barras von der Polizei nachstehende Mittheilung:
„Es ist bisher weder ein Brief an den Bürger Montfort, Juwelier in Marseille, noch ein Brief an den Bürger Bvnifaeio, Kaufmann zu Genua, auf der Pariser Post abgeliefert worden."
Das war klar und bestimmt. Der Offizier mußte sich augenscheinlich einer geheimen Gelegenheit bedienen, um seine Briefe nach Egypten zu befördern. Der Offizier war ein gefährlicher Emissair, aber ein Emissair, reffen unbekanntem Schleichen nachzuspüren viel wichtiger erschien, als sich seiner Person zu bemächtigen; ein Emissair also, den man ungestört mutzte handeln lassen, indem man seine Schritte sorglich überwachte.
Wie wir gesehen haben, bediente sich der Hauptmann Reymond der Freiheit, welche man ihm so gefällig ließ, in ziemlich ausschweifendem Maße. Coraly entführen, oder sich vielmehr von Coraly entführen lassen in Barras Gegenwart, am Schluß eines Mahles, das ihnen der Director gegeben hatte, in seinem eigenen Hause, im Augenblick, wo Perikles seine Augen schloß — das war aller- dings ein starkes Stück, aber zugleich ein so gewagter und vollständig gelungener Streich, daß der Director befürchtete, ihn an die große Glocke zu hängen, wenn er ihn strafte. Bei dieser willkommenen Neuigkeit hätte es zehn oder zwanzig Volkslieder gegen das Directorium gegeben, welche durch die Straßen von Paris oder ganz Frankreich erklungen wären.
Wir verlassen heule die Stadt der Verlockungen und Verräthereien, um uns an die Ufer der Seine jenseits der Barriere von Passy zu begeben und den Weg nach Versailles einzuschlagen, wo uns ein Reiter erwartet.
Es war gegen vier Uhr Nachmittags, als der Hauptmann Reymond auf seinem arabischen Rosse an der Brücke von Sevres anlangte. Es war noch die alte Brücke, welche zu der damals so schön bewaldeten und seitdem so vandalisch ihrer Gehölze beraubten Insel Seguin führte.
Reymond blickte zerstreut um sich. Bald belebte sich die Landschaft. Der Fluß führte seine durchsichtigen Wellen an den Schatten von Meudon und dem Park von Saint-Cloud vorüber, dessen Hügelspitzen von den Strahlen der unter- gehenden Sonne vergoldet wurden.
Der Hauptmann betrachtete die Landschaft und schien in Träumerein versunken, während er sein Pferd im Schritt über die Brücke gehen ließ, mit lang vorgestrecktem Halse und sanftem Gange, wie jedes Pferd von edlem Blute es zu machen pflegt, wenn es den Zügel in der Hand seines Herrn schlaffer herabhängen fühlt. In diesem Augenblicke befand sich der Hauptmann zur Seite eines Reiters, der gleich ihm sich dem träumerischen Zauber der Landschaft hinzugeben schien und den Weg nach der kleinen Stadt Sevres einschlug.
Der Unbekannte saß in untadelhaster Haltung zu Pferde, trug Reitstiefel,
ein Jagdhabit und einen dreieckigen Hut, wie er damals noch bei Civilpersonen im Gebrauch war. Auch Reymond war mit einem Jagdrock begleitet. Er hatte Stulpstiefel mit silbernen Sporen an den Füßen und sein Filzhut verrieth so wenig wie der des Unbekannten einen militärischen Charakter.
— Bürger, nahm der Reiter das Wort, Ihr sitzt da auf einem Prächtigen Pferde.
— Ja, Bürger, antwortete Reymod, es ist schön, und obendrein vorzüglich.
— Es ist ein Araber, allein von der großen Race. Zuerst hielt ich es für ein türkisches Pferd — Ihr wißt schon, jene edle Mischgattung von tarta- rischem und circassischem Blute. w
__ Ich kenne diese Race, erwiederte der Hauptmann. Das arabische Pferd unterscheidet sich vom türkischen durch das schönere Kreuz und vor Allem durch den feineren Schwung des Halses.
— Ich meine auch, daß die Weichen schmaler sind, fugte der Unbekannte hinzu.
— Das ist sicherlich ein Mann, dachte Reymond, der sich mit der Zucht von Raeenpferden beschäftigt. Er ist vielleicht bei den Staats - Gestüten an- gestellt.
— Mit solch' einem Pferde, hob der Unbekannte wieder an, macht man sechs französische Meilen in der Stunde. Ich wette, daß Ihr einen tüchtigen Ritt vorhabt.
— Ja, versetzte Revmond, aber ich füge mich der Lust und Laune meines Pferdes. Wenn es die Luft in der Richtung nach Paris hin einschnuppert, kehre ich um.
— Wollt Ihr einen Galopp nach Versailles wagen, Bürger?
— Warum 'nicht! antwortete der Offizier und zog straff die Zügel an.
— Einen Augenblick! bat der Unbekannte. Ich galoppire niemals bergan, und hier kommt schon die Anhöhe von Sevres.
— Reiten wir also noch ein wenig im Schritt, versetzte der Hauptmann und ließ den Zügel wieder loser herabfallen.
So ritttcn die Beiden durch die Straßen der kleinen Stadt. Als |te an der Porzellanfabrik vorbeikamen, deutete der Unbekannte mit seiner Reitpeitsche ans die Fayake des Gebäudes.
— Seht da, sagte er, fast eine Ruine heutzutage!
— Ja wohl, eine prächtige Ruine von Porzellan.
— Haha, lachte der Unbekannte, die Republik ißt von S^enre« Geschirr. Freilich, seit dem Directorium nimmt das Porzellan und selbst das p a in Geschirr wieder den Ehrenplatz ein, der ihnen gebührt. Wir arlstokratlsiren un ,
Bürger.
— Findet Ihr das schlimm, Bürger? fragte Reymond.
— Ich? Durchaus nickt! Obschon Ihr mich hier auf «nein Klepper aus der Normandie seht, bin ich doch ein Kind von recht vornehmem Stamme Ich habe enorme Verluste gehabt . . • Aber das Vaterland vor Allem' und ,ch gehöre zu denen, welche, indem sie ihre Thaler verlieren, die Resultate der Revo- lution vonkpolitischem Standpunkte aus bewundern
“ (Fortsetzung folgt.)


