Politische Rundschau
Redaktion, Druck und Verla« der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Metzen.
pflichtigen Gemeinden getragen werden müsse, wovon er zur Vermeidung fernerer Mißverständnisse Notiz nehmen möge.
Zu 3) beschließt der Gemeinderath, durch den Großh. Geometer Euler die fragliche Absteckung unter Anleitung der besonders bestellten Commission und unter Zuziehung des Stadtbauaufsehers vornehmen zu lassen.
Zu 4) Der Gemeinderath schließt sich der Ansicht Großh. Oberförsterei Gießen, welche sie in ihrem Schreiben vom 29. Oct. d. I. ausgesprochen, in jeder Hinsicht an.
Der Gemeinderath beschließt in Betracht, daß Lehrer Braun notorisch dienstunfähig ist, und die Gewißheit vorliegt, daß er seinen Dienst nicht wieder übernehmen kann, dessen QuieScirung zu beantragen.
Der Gemeinderath beschließt, die Forderung de» Peter Plank wegen zur Erweiterung der Wolkengaffe an die Stadt überlassenen Gelände» mit 55 fl. zu bewilligen und diesen Betrag auf die Ueberschüffe von 1868 anzuweisen.
Der Gemeinderath will seine Einwilligung zur Anlage einer Versuchsstation für Forststatistik unter der Bedingung geben, daß der Stadt hierdurch im höchsten Falle 50 fl. Kosten jährlich erwachsen. Er spricht zugleich seine Ansicht dahin au», daß bei der Ziehung von kleinen Graben eine AuSsteinung de» Versuchsfeldes wohl überflüssig sei.
Der Gemeinderath erklärt, daß die Stadt durch Uebernahme der Passiven der aufgelösten Pfand- und Leihanstalt Schuldner des Ploch'schen Stift« geworden, und beschließt, daß diesem Obligation über 575 fl. auszustellen, auch der Zinsenrückstand mit 35 fl. an» der Stadtkasse zu berichtigen sei.
Dem Bittsteller Liebmann Heinemann wurde das Bürgerrecht von Gießen ertheilt.
Der Gemeinderath spricht sich für die Genehmigung der Holzversteigerung vom 11. Aug. d. I. aus.
In Betreff des Wehres an der Obermühle wurde der Antrag Großh. Bürgermeisterei gebilligt.
Die für Arbeiten bei der Erweiterung der Realschule eingereichte Rechnung des Schreiners Menget mit 65 fl., des Schlossers C. Lehrmund mit 21 fl. 12 und d-S C. Münch mit 10 fl. 38 ft. sollen auf die Stadtkassc zur Zahlung angewiesen werden.
DaS Planiren und Decken der Banquette an den Häuser» der Firma L. u. 81. Petri und des Fr. Schwand wurde gemäß dem Antrag der Groß. Bürgermeisterei vom 31. Oct. d. I. genehmigt.
In Betreff des Gesuchs der Firma G. Ph. Gail beschließt der Gemeinderath nach Verlesung des Berichts d-S Bauausschusses, den Anträgen desselben in Beziehung des Wegs b-i- zutreten, dagegen vorläufig nur Eine Laterne errichten zu lassen.
Di- übrigen Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art.
Aus dem Kreise Vilbel. In vergangener Woche fanden Arbeiter in Holzhausen beim Fundamentgraben einer Scheuer etwa 5 Fuß tief eine» Topf mit etwa 320 Stück Silbermünzen, worunter hauptsächlich kieinere spanische Münzen in der Größe eines Drei- und Sechbätzners; auch spanische, österreichische und kölnische Thaler befanden sich dabei, nebst mehreren kleineren polnischen und französischen Silberstücken. Die älteste Münze trägt die Jahreszahl 1558, die jüngste 1624. Dieselben wurden also ansch-in-nd zu Anfang des dreißigjährigen Kriege« vergraben.
Hannover. 8iuS Hannover berichtet die „D. B. 3.": Die Anklage der beiden Dienstmädchen Wackernagel und Schö- mann wegen Beleidigung der Staatsregierung durch Absingen des Liedes: „Kam ein Vogel geflogen u. s. w.", erregte in Hannover ebensoviel Th-ilnahme, wie in ganz Deutschland, ja in Europa Aufsehen. Die Strafkammer scheint nicht angenommen zu haben, daß die Politik der Dienstmädchen sich bis zur Staatsregierung verstiegen, uxb sie verurtheilte die Angeklagten nur wegen Beleidigung eine« Mitgliedes der bewaffneten Macht, d. h. des Unteroffizier» Huch, der die Denunciation gemacht hatte, zu 8 Tagen G-fängniß. Die Berufungskammer hat indessen auch diese Verurtheilung nicht als gerechtfertigt anerkannt und die beiden Mädchen kostenlos freigcsprochen.
Frankfurt. Hiesige Blätter bringen folgende mysteriös klingend- Mittheilung: Vorgestern Abend kamen zu einem Manne in Seckbach, welcher nach hiesiger Stadt mit Butter rc. handelt, drei Personen, welche sich, wie man erzählt, für Frankfurter Polizeibeamten ausgaben; dieselben verlangten die betreffende Persönlichkeit allein zu sprechen. WaS dieselbe» zu sagen hatten, wurde nicht bekannt. Der Mann ging einen Augenblick hinaus, ergriff ein großes Tranchirmeffer und erstach sich mit demselben. Die räthselhaften Fremden entfernten sich hierauf.
Neapel. Der Director der Ausgrabungen von Pompezi, Fiorelli, hat ein Fest ganz eigenthümlicher Art in Vorschlag gebracht, welche» er da« Fest von Pompeji nennt. Es soll nämlich eine Art Jahrmarkt in den Kaufläden der antiken Stadt eingerichtet werden; im Theater soll ein Stück von Terenz aufgeführt, in der Arena Wettläufe organisirt werden. Die Kosten werden auf 250,000 Fr. berechnet, welche die Stadt vorschießen soll und die man durch einen Eintrittspreis von 5 Fr. zu decken hofft. Man rechnet natürlich auf starken Fremdenbesuch. Jndeß ist noch Nichts beschlossen.
Newyork. 24. Oct. Der Auslieferungsfall Betreff« eines gewissen Schäfer aus Bretzenheim im Großherzogthum Hessen kam gestern im Bundes-Commissariat vor dem Richter Osborne zur Verhandlung. Schäfer, ungefähr fünfzig Jahr-, ist angeklagt, seine Frau Benedicta am 3. April d. I. ermordet zu haben. Herr Gvepp, Anwalt des Norddeutschen Bunde«, trat auf und legte den Thatbestand vor. D-r Gefangene hab- seine Frau vergiftet. Im letzten April habe man den Leichnam der Frau in einem dem Hause des Schäfer benachbarten Stalle erhängt gefunden. Im Glauben, daß sie Selbstmord begangen, habe man die Frau beerdigt, ohne eine Untersuchung vorzunehmen. Später habe man ausgefunden, daß Schäfer mit einer benachbarten Wittwe Klug in vertraulichem Umgänge gestanden und daß er ihr mitgetheilt, er hab- seine Frau vergiftet und sie später gehängt. In Folg« dessen sei die Sache ruchbar geworden, und der Bürgermeister habe die Leiche ausgraben lassen, worauf sich durch chemische Analyse ergeben, daß Strychnin in den Verdauungsorganen vorhanden sei. Diese Untersuchung sei am 15. Juni gemacht, und der Gefangene habe zwei Tage zuvor das Land verlassen.
«.^«.Genaue Instruction beim Crerciertn. „Jetzt zum letzten Mal sag' ich Dir'«, Du Sakra, halbrechts ist ganz dasselbe, wie halblinks, nur grab' da» G-g-ntheil."
Darmstadt, 6. Nov. Auf Veranlassung des Arbeitervereins wurde von Hrn. Hotgeson Bratt in einer heute Abend stattgchabten Versammlung der Plan unterbreitet, an einer für nächstes Jahr beab- sichtigten Ausstellung in London sich zu betheiligen. Es soll dort, im (Gegensatz zu den bis jetzt stattgefun- denen Ausstellungen, der Name und die Tüchtigkeit des Arbeiters zur Geltung kommen und nicht bloß des Fabrikanten. Bei der Schwierigkeit, wie für den Arbeiter die Mittel zur Herstellung selbstständiger Erzeugnisse zu beschaffen, und bei der Nothwendig- fett einer vorherigen Verständigung zwischen Arbeit- gcbertt und Arbeitern, konnte ein Beschluß über definitive Betheiligung nicht erzielt werden. Nach längerer DiScusston, bei welcher sich vorzugsweise Director Weber und Commerzienrath Fink in wohl- । wollender Weise für das Unternehmen ausgesprochen, und bei welcher sich noch Dr. Büchner, Wilk, Trier, Wiener u. A. betheiligten, schritt man zur Wahl eines provisorischen Comitv's, welches einer demnächst einzuberusenden Versammlung weitere Vorschläge unterbreiten wird.
Berlin, 6. Nov. Sitzung des Abgeordnetenhauses : Der Finanzminister v. v. Heydt überreicht die Budgetvorlage, und beziffert das daraus sich ergebend Deficit auf 5,200,000 Thaler, dessen Deckung aus den mit den neuen Landestheilen überkommenen 33,600,000 Thalcrn entnommen und über deren Ga- rantie ein Gesetz vorgelcgt werden soll. Der Minister fügt hinzu, wenn nicht eine Vermehrung der Matricutarbeiträge und eine Hebung des Verkehrs eintreten sollte, sei im nächsten Jahre ein Steuerzuschlag unvermeidlich. Der Minister führt alsdann aus: der Etat schließt mit 167,597,469 Thaler, also gegen das Vorjahr mit einem Mehr von fast 8 Millionen ab. Der Etat verlangt eine Erneue- rung von 13 Millionen Thaler Schatzscheinen, wovon 10 für den vorvorjährigen Krieg, 3 für den Nothstand in Ostpreußen ausgegeben sind. Das Haus beschließt in Bezug auf die Budgetvorlage die Vorberathung im Hause. Zu den weiteren Vorlagen des Justizministers gehört die octroyirte Verordnung, betreffend die Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg, sowie eine Vorlage wegen Be- j schlagnahme des Vermögens des Kurfürsten von Hessen. Der Minister erwähnte in den gegebenen Erläuterungen der von dem Kurfürsten versandten Denkschrift.
Berlin, 6. Nov. Das Abgeordnetenhaus wird ja in jedem Falle das Deficit von 5,200,000 Tha- lern nach den Voranschlägen des Finanzministers decken, da außer einem Baarzuschuß von 1,300,000 Thalern der Verkauf von soviel Effecten möglich ist, daß dadurch das Gleichgewicht zeitweilig wiederher- gestellt werden kann. Fiele Heyd's Vorschlag, so griffe die Regierung bestimmt aus den Steuerzuschlag zurück, den das Land nur nach Ansicht des Herrn Finanzministers, in Wirklichkeit aber ,nicht auszuhalten vermag. Es war eine alte Finanzmaxime des Abgeordnetenhauses, die Regierung so wenig wie möglich in dem Besitz von Effecten und Actien zu belassen. Sie zu asserviren, wo ein Deficit besteht, hat keinen Sinn, wie es im Weiteren am Besten ist, eine konstitutionelle Regierung hat so gut wie gar keine Reservefonds. Jemehr davon vorhanden sind, um so geringer ist der Zwang, jeden einzelnen Etatsposten strenge innezuhalten und mit dem Gege- benen auszukommen. Für extraordinäre .Fälle kann die Lanvesvertretung um Rath und That angegangen werden.
Jnfierburg, 4. Nov. Die „Zukunft" bringt folgende Mittheilung von hier: „Die ostpreußischen Abgeordneten haben ihre Heimath nicht verlassen sollen, ohne die freudige Sicherheit mit nach Berlin zu nehmen, daß ihre Obrigkeit am Platze ist. Es ist einigen der Herren passirt, als sie mit dem Cou- rierzuge hier eintrafen, den Wartesaal erster^ und zweiter Classe verschlossen zu finden. Auf ihre Frage über den Grund dieser Abweisung wurde ihnen der Bescheid, Präsident Maur ach habe die Räume „mit Beschlag belegt", weil er mit Herrn v- Simpson u. A. dort Diner abzuhalten habe. Der Locomotiven- pfiff brachte die Reisenden um das Vergnügen, den Hrn. Präsidenten vielleicht nach dem Dessert in seiner nicht unbekannten Weise auf dem Bahnhofe selbst auftreten zu sehen.
Kassel, 6. Nov. Die „Hess. Morgenztg." schreibt: „Prinz Wilhelm von Hanau hat, dem Vernehmen nach, bei dem königl. Appellationsgerichte dahier gegen feinen Vater, den vormaligen Kurfürsten von Hessen, Klage erhoben wegen erfolgter Zurückziehung der ihm bei Eingehung seiner Ehe Vertrags-
Vermischtes.
Gießen. (Sitzung de» Gemeinderaths vom 5. Nov..) Anwesend: der Großh. Bürgermeister Vogt, di- Ge- m-ind-rathsmitgtieder Petri, Möhl, Löber, Weidig, Berg, Rosenberg, Hanstein, F-Ising, Nagel, Bücking und Rtcker.
ES wurden vorgclegt: ,
1) Verfügung Großh. KretsamtS Gießen vom 29. Oct. d. I. zur Kenntnißnahme.
2) Verfügung vom 31. Oct. d. I., ebenfalls zur Kennt- nißnahme. , „ m
3) Schreib-n de« Ingenieur Lippold vom 3. Nov. d. I., bie Absteckung der projectirten Straße hinter dem Russischen Hof auf dem Seltersberg Behufs Errichtung des Durchgangs ^"^Verfügung vom 31. Oct. d. I., den Abstand der Waldungen von der Bahngrenze betr. „
Der Gemeinderath beschließt, em Schreiben an den Gene- raldirector Lang zu richten, und darin auszusprechen, daß der Gemeinderath bei Abschluß und Unterzeichnung d-S Vertrags vom 9. Oct. d. I. den Inhalt der pos. 3 so ausgefaßt habe, daß in Beziehung auf das zu der projectirten neuen Straße verwendet werdende Gelände von 20 Fuß Breite derjenige Betrag des Taratums für das Gelände und die Bäume, welcher nicht durch die Summe des 80fachen Normalfteuercapltals gedeckt würde, von den an beiden Bahnlinien gelegenen bertragS-
mäßig zugesicherten Apanage von jährlich 10,000 Thalern.
Wie», 5. Nov. Zur Beruhigung skeptischer Gemüther, die sich weigern, an den Ernst der Fortschrittsbewegung in Oesterreich zu glauben, und in der „neuen Aera" nur den langsamen Uebergang in die Bach'sche Periove erkennen wollen, dürfte nachstehende Mittheilung ver „Presse" bienen: „Für die Beamten der „gemeinsamen (Reichs-) Ministerien" wird eine eigene Uniform combinirt, welche in Schnitt und Farbe von der gegenwärtigen Staatsuniform abweicht, die Bach im Zenith seiner Macht erfunden und eingeführt hat. Damals wollte man die Beamten aus politischen Gründen sogar verpflichten, daß sie auch außerhalb ihres Amtes, ebenso wie die Offiziere auch außerhalb bes Dienstes, nur in Uniform sich zeigen." Hr. v. Beust will durch diese Reichsuniform dem Beamten wohl bie Worte des Wachtmeisters in Wallensteiu's Lager so recht ad hominem demvnstriren: „Das hat er sich wohl erwogen, einen neuen Menschen hat er angezogen." Hoffen wir, daß dieser etwas an Hessen-Darm- stabt und einen norddeutschen Großstaat erinnernde Kleiderorbnung balb auch eine innere Reform bes bureaukratischen Menschen folgen werde, die wahrlich hier wie anderwärts sehr Roth thut. Auch dürfte nach biesem Vorgänge bem Träger der neuen Aera eine baldige äußere und innere Reform der etwas gar zu langen Kutten und Priesterröcke bestens zu empfehlen sein.
Wien, 6. Nov. In der heutigen Sitzung des Reichsrathes fand die Debatte über die Verhängung des Ausnahmezustandes in Prag statt. Nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, daß die Regierung ^iach officiellen Mittheilungen in nächster Zeit Ereignisse in Prag vorauszusehen hatte, wobei ein Zusammenstoß gesucht wurde; baß ihr somit nur bie Wahl zwischen Blutvergießen unb Ausnahmezustand blieb; baß ferner die Regierung bie Opposition nicht unterdrücke, sondern nur den Verfassungsstandpunkt i gewissenhaft wahre, wurde bie Ausnahmsverordnung mit großer Majorität als gerechtfertigt erklärt.
Paris, 6. Nov. Im „Gaulois" heißt es, baß Paris morgen vier Prätendenten zum spanischen Throne in seinen Mauern bergen jtvirb : Don Carlos, Isabella, den Prinzen von Asturien und Hrn. Margouet be Villa. „Die Chancen ber drei ersten sind stark erschüttert, ber Letztgenannte, scheint mir," sagt Hr. v. Miranda spöttisch, „bie Stimmen aller meiner Landsleute auf sich vereinigen zu müssen, ebensosehr wegen des Unvorhergesehenen feiner Can- bibatur, als wegen ber Legitimität seiner Rechte, benn er ist der letzte Abkömmling Peters des Grausamen. Wir haben die Ehre gehabt, in unserem Bureau den sehr gemilderten Erben des grausamen Peter zu empfangen. Er verlangt nur einige Zoua- Sen, und wären sie auch nur durch Subscription in den Bureaux bes „Univcrs" erlangt, eine kleine An- leihe unb einige ChassepotS, um seine Rechte geltend zu machen. Eins nur fehlte ihm noch, um feiner Kandidatur Gewicht zu verleihen, nämlich ein Jour- nal, das ihm ganz ergeben ergeben wäre. Wir beeilen uns, feinen Wünschen zu entsprechen, indem wir uns ganz zur Verfügung der Candidatur des Hrn. । Margouet be Villa stellen."
Paris, 7. Nov. Königin Isabella ist in vergangener Nacht in Paris eingetroffen. Graf Castelnau, ber Abjutant des Kaisers, empfing die Königin am Bahnhofe. Isabella bezog in ber Rivolistraße bas Haus Nr. 172 gegenüber den Tuilerien, wo die Königin Christine sie erwartete.


