Politische Rn ndschau
Darmstadt, 2. April. Das heute erschienene Regierungsblatt Nr. 17 enthält:
I. Bekanntmachung der Großherzoglichen Ministerien des Innern unv des Kriegs, die Organisation der Landwehrbehörden betreffend.
Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird nachträglich zu der Verordnung vom 15. v. M-, die Organisation der Lanvwehrbehörven betreffend, insbesondere zu §. 3, pos. 2 und 3 bekannt gemacht, daß, nach getroffener Uebereinkunft, die Functionen des Divisionscorn- manvo's, im Falle dessen Ausmarsches, auf das dienst- älteste stellvertretende Brigadecommando übergehen.
II. Bekanntmachung Großherzoglicher Commission für Post - Angelegenheiten. Mit dem 1. d. M. ist zu Eppelsheim eine Postexpedition in Wirksamkeit getreten.
III. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial- Dircction Starkenburg, die Wahl der Geschwornen in der Provinz Starkenburg für das Jahr 1869 betreffend. (Das (Kontingent der einzelnen Kreise nach Vecyältniß ihrer Seelenzahl zu den in die Ge- schwornenliste aufzunehmenden 800 Höchstbesteuerten.)
IV. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial- Direction Oberhessen in gleichem Betreff.
V. Ucbersicht der Einnahmen und Ausgaben des Kirchen- und Schulbaufonds für die Provinz Rheinhessen in dem Jahre 1866
VI. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Mainz.
VII. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Vilbel.
VIII. Uebersicht der für das Jahr 1868 geneh- migten Umlagen zur Bestreitung von Communalbe- dürfniffen in den Gemeinden res Kreises Offenbach.
IX. Uebersicht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalberürf- nisse in den Gemeinden des Kreises Büdingen.
X. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglichen Landes-Universität zu Gießen im Sommeryalbjahre 1868 gehalten und am 20. April ihren Anfang nehmen werden. (Die Jmmatricula- tion beginnt am 16. April.)
IX. Ertheilung eines Erfindungspatents. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 14. März dem Spengler Hermann Hörle zu Offenbach auf dessen Nachsuchen ein Ersinvungspatenl auf die durch Zeichnung und Beschreibung näher erläuterte Einrichtung von Petroleum-Beleuchtung, unter dem ausdrücklichen Vorbehalte jedoch, daß durch das ertheilte Patent Niemand in der Anwendung bereits früher bekannt gewesener Theile der Ersindung gehindert werden soll, während der nächsten fünf Jahre für den Umfang des Großherzogthums zu erteilen.
XII. Dienstnachrichten. Se. Königliche Hoheit Der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 7. März Den provisorischen zweiten Lehrer an Dem kakhol. Schullehrer-Seminar zu Bensheim, Caspar Glab, zum Direcior und ersten Lehrer an diesem Seminar, — an demselben Tage den seitherigen Actuar bei Dem Friedensgerichte zu Ober-Ingelheim, Wilhelm Dietz sch, zum Aciuar bei Dem Frie- densgerichte Mainz II., ■— Den seitherigen Gerichtsvollzieher mit Dem Amtssitze zu Wörrstadt, Johannes G ö 11 e 1 m a n n, zum Actuar bei Dem Friedensgerichte Wörrstadt — unD Den Actuariats-Aspiranten, I o- hannes Debus aus Mainz, zum Actuar bei Dem Friedensgerichte Ober-Ingelheim zu ernennen; — am 14. März den (Korporal im 1. Infanterie-Regiment , Peter Schmidt aus Groß-Hausen, zum Portier und Wieger auf Der Statton Groß-Karben Der Main-Weser-Eijenbahn zu ernennen; am 21. März Dem Schullehrer an Der zweiten katholischen Schule zu Ober-Erlenbach, Anton Wagner, Die erste katholische Schulstelle Daselbst, — Dem Pfarr- amts-CanDiDaten, Wilhelm Weber aus Nieder- Ramstadt, Die evangelische Pfarrftelle zu AllenDorf an Der Lumda zu übertragen, — Den PfarramtS- (KanDiDaten Friedrich Soldan aus Friedberg, zum sechsten Lehrer an Dem evangelischen Schullehrer- Seminar zu FrieDberg zu ernennen — und Den von Dem Herrn Fürsten zu Löwenstein-Werthheim-Rosen- berg und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf Die evangelische Schulstelle zu Kirnbach präsen- tirten Schulamts-Aspiranten, Johann Philipp Schrnunck aus Gronau, für diese Stelle zu bestätigen ; — am 28. März den ArbeitS-Jnspector an Dem Landes-Zuchthause, Martin Sern, zum Verwalter an demselben — und den Werkmeister an dem
LandeS-Zuchthause, Carl Kunkel, zum ArbeitS- Jnspector an demselben zu ernennen.
XIII. Versetzungen in Den Ruhestand. Se. Königliche Hoheit Der Großherzog haben aller- guäDigst geruht: am 7. März den Rendanten bei dem Hauptzollamte Worms, Jacob Lippert, mit Rücksicht auf feine geschwächte Gesundheit und unter Anerkennung seiner vieljährigen treuen Dienste, auf 'ein Nachsuchen — und am 28. März den Verwalter an dem Landes-Zuchthause, Georg Edling, mit Rücksicht auf feine geschwächte Gesundheit und unter wiederholter Anerkennung seiner geleisteten mehr als unfzigjährigen traten Dienste, in den Ruhestand zu versetzen.
XIV. Concurrenz für: Die evangelische Schulstelle zu Hattenroo mit einem jährlichen Gehalt von 307 fl. 8 fr., nebst 4 Stecken Holz zur Heizung des Schullocals; von dem Gehalt ist vorerst Der jährliche Betrag von 57 fl. abzugeben; dem Herrn Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; — die zweite evangelische Pfarrstelle zu Reichelsheim mit einem Gehalte von 638 fl. 51 fr.; dem Herrn Grasen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.
XV. Gestorben sind: am 4. März der Schullehrer Georg Julius Reibert zu Büdingen; am 5. März der Kattzlei-Jnfpector a. D. bet Groß- herzoglicher Ober - Rechnungs - Kammer, Kanzleirath Friedrich Kuhlmann zu Darmstadt; — an demselben Tage der pensionirte Gensd'armcrie- Brigadier Zeschky zu Schotten; — am 10. März Der evangelische Pfarrer Georg Wehsarg zu Wendelsheim; — am 11. März der evangelische Pfarrer Kirchenrath Alefeld zu Nieder-Modau; — am 12. März der Kanzlei-Jnspector bei der Kanzlei der Ober-Steuer-Direction, Kanzlei - Seeretär Arnold Brückmann zu Darmstadt; — am 21. Marz der Ober-Appellations- und Cassationsgerichts-Präsident und wirkliche Geheimerath, Dr. Andreas Wilhelm von Hesse, zu Darmstadt;—am 22. März der Schullehrer Heinrich Sulzbach zu Kempten.
Darmstadt. Durch eine Bekanntmachung Groß" herzoglichen Ministeriums der Finanzen vom 29. Mai 1867 ist der Termin, nach dessen Ablauf die Grund- rentenscheine ihre Eigenschaft als Zahlungsmittel verlieren, und von welchem an dieselben nur noch bis zu einem weiteren, später bekannt zu machenden Termin bei der Staatsschulden-Tilgungs- kasse eingelöst werden können, auf den 1. Juli 18 68 mit Der Aufforderung an die Inhaber Der GrunDrentenscheine sestges.tzt worden, diese Scheine bis zum 1. Juli 1 868 entweder zu Zahlungen an die Staatskasse zu verwenden, oder gegen neues Papiergeld bei Der Staatsschulden-Tilgungskasse unD außerDem bei allen Rentämtenn, Haupt-Zollämtern, Obereinnehmereien und Districts-Einnehmereien umzutauschen. Da bis jetzt Die Einlösung Der Grund- rentenscheine nicht Den gewünschten Fortgang genommen bat unD zur Zeit noch eine große Anzahl von GrunDrentenscheinen im Verkehr sich befindet, so sieht sich die Großherzogliche Staatsschulden-Tilgungskasse- Direction veranlaßt, die Inhaber von Grundrmten- scheinen wiederholt Darauf aufmerksam zu machen, Daß die gegenwärtig noch c o ur si r en Den- Gr u n d r e n t e n s ch e i n e mit Dem 1. Jnli 1868 ihreEigenschaftalsZahlungSmittelver- lieren und von diesem Tage an nur noch bei der Staastschulden-Tilgungskasse dahier gegen neues Pa- piergeld umgetauscht werden können.
Giesten. Das „Frankf. Journ." enthält folgenden Aufruf: „Alle diejenigen Herren Lehrer und Schulfreunde, welche an Der am 4., 5. und 6. Juni d. I. dahier stattfindenden allgemeinen deutschen Leh- retverfammlung Theil zu nehmen beabsichtigen, werden freundlich gebeten, insofern sie gastliche Aufnahme in Privatwohnungen zu finden oder Logis in Gasthäusern vvrausbestellt zu sehen wünschen, hiervon bis längstens den 16. Mai d. I. Nachricht an den WvhnungSauSschuß unter der Adresse des Herrn Gymnasiallehrers Dr. Schimmelpseng (Königsstraße Nr. 47) gelangen zu lassen.
Allen mitgetpeilten Wünschen, die ohne Beantwortung bleiben, wird entsprochen werden. An sämmt- liche deutsche Eisenbahn - Directionen ist die Bitte um Gewährung freier Rückkehr für die Theilnehmer an Der Versammlung gerichtet worden, und wird das Ergebniß noch veröffentlicht werden.
Kassel, am 2. April 1868.
Der Ortsausschuss der 17. allgemeinen deutschen Lehrerversammlung.
Dr. Denhapd, Schulinspecior.
Berlin. Graf Bismarck hat dem Prinzip poleon versichert, er werde Niemand wider Willen glücklich machen und die Süd deut niemals zwingen, dem norddeutschen Bunde ft zuschließen, nur einer wahrhaft nationalen, allgemeinen und unwiderstehlichen Bewegung Preußen nachgeben. Der Prinz reiste sehr ft, nach Paris ab, als er sah, daß Graf Ech Minister des Innern blieb; Denn nun, sag,, Paris, ist Dafür gesorgt, daß der Zug dir, deutschen zum Anschluß an den norddeutsch^ nicht unwiderstehlich wird:
Berlin, 5. April. Der König hat Duij Erlaß an das Marine-Ministerium das tz bestimmt, das Die einjährigen Freiwilligen der K Stamm-Division und Werft-Division führe« Es besteht aus einer schwarz-weißen Schnur, nach oben einen spitzen Winkel bildet.
Essen. Der „Elb. Ztg." schreibt m« hier: Die Bahnhofsstraße, eine der neu* schönsten Straßen hiesiger Stadt, bietet i« des Sinkens einer Anzahl von Gebäuden ein# rigen Anblick dar. Bei 37 Wohnhäusern ij stellt, daß sie gesunken sind; 3 Häuser habe«, abgebrochen werden müssen, eines ist zum s bestimmt, und es bleibt fraglich, ob nicht t; übrigen bald abgebrochen werden müssen; d sehen aus, als feien sie schon seit langen, bewohnt und vor Alter baufällig. Man btf das Sinken sei eine Folge der allgemeinen 8, nung des in der Kohlengegend unter der C‘t vorkommenden Fließsandes.
Bremen. Die vorläufige kleinere Ne welche durch Dr. Petermann's rastlose Hungen schon in diesem Sommer vom Si« lassen werden soll, ist nun so gut wie ji: Ihr Führer, Herr Coldewey, hat sich dies« von hier nach Bergen in Norwegen begebt Kredit- und Empfehlungsbriefen für erste versehen. Er wird dort ein geeignetes L miethen oder zu kaufen suchen, dasselbe für bi Durch das Eis verstärken und dann von hier Die schäft nachkommen lassen, unter Anführung Steuerleute, Die sich freiwillig und unentgel feiner Begleitung erboten haben. Für alle Fi Proviant auf ein ganzes Jahr mitgenommen obgleich Die Absicht nur auf eine Sommersas Rückkehr früh im Herbste gerichtet ist.
Karlsruhe, 1. April. Der neuernannte! Minister v. Beyer entfaltet in seinem Re/m bemerkenSwerthe Thätigkeit. Sehr vielt Äm gen, Personal- unD andere Veränderungen n> fast täglich im badischen Armeecorps. Ach Die im Militärgesetze vorgesehene Landwehr« jetzt in's Leben gerufen. Herr v. Beyer Hal« bei weitern größerer Ansprüche an Die Die« gen unD Leistungsfähigkeit des badischeni las früher, dennoch verstanden, sich bei dies« zu machen.
Paris, 6. April. Das „Journal M spricht von Der Wahrscheinlichkeit, daß M sammlungSgesetz von dem Senate M migt werden möge, legt aber dieser Sache große Bedeutung bei, wie z. B. die „France." dieß wirklich, fragt das „Journal de P« so großes Unglück? Was kann uns de« liegen, daß ein solches Gesetz durchfällt. Maupat, ein ehemaliger Polizeipräfect, unD De la Rue, ein ehemaliger Gensd'arnm mögen das Versammlungsrecht auch nichts ringsten lieben, allein sie lieben es vielte’ noch etwas mehr, als Der ehrenwerthe Her.!’ (Berichterstatter im gesetzgebenden Körper) Deputirten der Majorität, welche uns mit tr sammlungsrechte beschenkt haben, Das 21 - in einem bedeckten und 19 in einem unbeDic cale sich zu versammeln verwehrt, es sei" Die Gefahr hin, sich jede Minute einer i Handlung schuldig zu machen. Wenn o« Das Gesetz über Die öffentlichen Versammln«« tagt und Den gesetzgebenden Körper in Die v setzt, abermals diesen Gegenstand in Berat nehmen, so wird er Dem gesunden MensäM einen großen Dienst erzeigen, denn bevor * rate Gesetze verlangt, muß man wenigstens; tige Gesetze verlangen. Hr. v. Maupat und' de la Rue hätten also, wenn man ihnen) Dem gesetzgebenden Körper votirte Gesetz nicht großes Unrecht, sich Zwang anzuthun. sagt es nicht zu, wenn gleich aus ganz Gründen.
Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


