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Gießen. (Sitzung des Gemeinderaths vom 4. Jun i.) Der Semeincfratb erklärt fii mit den Vorschlägen res Direktoriums ter Großh. Real­schule einverstanden und beauftragt den Bauausschuß mit der AuS ührung derselben.

Da Großh. Kreisamt die bestimmte Zusicherung erthrilt habe, daß der in Betreff der Reinigung de» des Kanals in den Rcuenbäucn beregtc Mißstand (Abfluß der Aborte in die städtischen Wassercanäl-) durch ein zu erlassendes polizeiliches Regulativ in der Kürze werde beseitigt werten, so will ter Ge- ineiiiteralh tie Reinigung durch städtische Arbeiter nochmal» vornehmen lassen.

In Gemäßheit res §. 23 des Gesetzes vom 8. Januar 1852 wurden turch's Loos tie Mitglieder des Gemeinderaths Berg und Löber für die Wahl- comMission zur Bermehrung der Mitglieter des Ge­meinderaths bestimmt.

Der Gemeintcrath beschließt für tie durch den Too des Thorschreibers Eimer erledigte Stelle Gon» curreuz zu eröffnen, und solche bis zur Wievcrbc- setzung durch dessen Sohn fvrtsersehen zu lassen.

Nachdem Gemeinoerath Fächer berichtet, daß seine M sllvn in Betreff des Laagesuchs des Dr. Königer bei tem Großh. Kreisamt und dem Kreisbauamt von keinem besonderen Erfolg gewesen sei, beschloß der Gemeintcrath, sich in dieser Sache nochmals an ren Dirigenten des Kreisamts zu wenden, und gemäß der erfolgenden Resolution Borstellung bei Großh. Ministerium zu machen.

Der Gemeinoerarh erklärt, daß, obgleich Vicar Albach nur als Stellvertreter sungire, doch im In­teresse der Schule die letzten Bestimmungen bezüglich der Lehrergehalte auf ihn Anwendung finten sollten.

Dec Feuerwehr tollen luO Wachholderwellen aus dem Stavlwalv zu cer vorhabencen Probe eines Extineteurs" abgegeben werden.

In Betreff eines Bavcplatzes für das hiesige Jä­gerbataillon beauftragt der Gemeinkerath das Mit­glied Ferber, sich in dieser Angelegenheit mit dem Bataillonscommando zu benehmen.

Der Gemeinderath gibt zue Ausführung deS vor- gclcgtcn KöftenübcrschlagS zur Verbesserung der Wege im Wallpförter Feld, im Betrag von 128 fl., seine Zustimmung.

Der mit Chr. Wagner abgeschlossene Vertrag zur Reinigung des JahrmarktplatzcS erhielt die Zustim­mung dcS Gemeinderaths.

Der von Großh. Oberförsterei zu Gießen in ihrem Schreiben vom 23. Mai verlangte ErgänzungScrckit von 186 si. zu Euliurcn im Stactwald wurde bewilligt.

Der Gemeinderath setzt een Preis eines Steckens tannener Prügel aus dem städtischen Holzmagazin auf 4 fl. und von 100 Bohnenstangen aus 2 fl. fest.

Die von dem Gemeinderath für die Abtretung von Gelände zum Bau an die Firma F. Peppler u. Gomp gestellten Bedingungen sollen derselben mit» getheilt werden, um sich über die Annehmbarkeit der­selben auszusprechen.

Der Gemeinderath beschließt, den Bewohnern des Seltersbcrg« auf deren Gesuch um Beseitigung des Staubs zu antworten, daß der Gemeinderath sich nicht für befugt halte, zu Lasten der Stabt einem einzelnen Theil eine Begünstigung, wie sie ver­langt, zu gewähren; cs sei jedoch der Stadtvorstand nicht abgeneigt, an eine Gesellschaft, welche das Be­gießen der fraglichen Siabttheile übernehmen wolle, einen Beitrag zu bewilligen.

Die übrigen Vorlagen und Beschlüsse betreffen Angelegenheiten persönlicher Art.

Berlin, 2. Juni. Was das Unwohlsein des Grasen Bismarck angcht, so war dasselbe am stärk- sten in der Nacht vom Freitag auf Sonnabends Es haben sich nämlich wieder Spuren des alten rheu- malischen Leidens eingestellt, unv dazu dürfte wohl noch der Umstand hinzukommen, daß Graf Bismarck vielleicht selbst zu viel arbeiten muß, was mit der Zeit nothwendig eine große Abspannung bedingt. UebrigenS hat sich der Graf feit Sonnabend merk­lich gebessert, wenn auch sein Unwohlsein denn noch ein derartiges ist, daß er für Vie nächste Zeit der größten Schonung bedürfen wird, und auch schwer­lich in der Lage fein dürfte, sich an den Verhand­lungen des Reichstags betheiligen zu können.

Berlin, 3. Juni. Der König tritt am 25. d. M. seine Badereise an. Graf Bismaick ist Recon- valescent und hat heute das Bett verlassen. Osfi- ciös wird mitgetheilt, daß er den Reichctagesitzungen nicht mehr beiwohnen werde. Der Reichstag hält morgen wieder Sitzung. Zunächst wird über das Reichsdudget und über die Hülfsmitlel zur Entwicke­lung der Marine berathen. Der Schluß der Ses­sion findet wahrscheinlich am 20. v. M. statt.

Berlin, 5. Juni. Der BunkeSrath genehmigte den Antrag des sechsten Ausschusses, welcher den Bundeskanzler ersucht, ein gemeinsames Strafgesetz­buch, sowie eine gemeinsame Strafprozessordnung des norddeutschen Bundes ausarbeitcn zu lassen.

Berlin, 5. Juni. Der Reichstag bericth heute über das Penfionsgesetz für die ehemaligen Offiziere der schleswig-holsteinischen Armee. Nach Ablehnung verschiedener Anträge von Löwe und Vincke (Olben- dorf) wrrb die Regierungsvorlage in ihrer wesent­lichen Fassung angenommen. Die Vorlage bezüglich der Mirgarantie des Bundes bei einer Anleihe zur Herstellung der Fahrbarkeit des SulinaarmS der Donaumündungen wird ohne Discussion genehmigt. Außerdem wird der Postvcrtrag zwischen dem nord­deutschen Bunde, Baiern, Würtemberg, Baven einer» fett» und Cer Schweiz andererseits in der Schluß- berathung genehmigt.

Homburg, 29. Mai. Seit dem Verbot des Spiels an Sonntagen in den preußischen Badeorten hat dasselbe in dem benachbarten Nauheim an die­sen Tagen so zugenommen, daß die dortige Admini- strat on mit ihrem Personal nicht mehr ausreicht und solches von hier in Anspruch nehmen muß.

Flörsheim, 31. Mai. Blühende Trauben sind heule in allen Lagen unserer Gemarkung anzutreffen, über welche der bekannte aromatische Traubcndlüthen- gernch hindustet. Binnen vier Tagen sind sie ver­blüht eine Erscheinung, die seit 1834 noch nicht da war. Am 1. Mai waren sämmtliche Reben noch blind und heute allgemeine Traubenblüihe!

Bremen, 2. Juni. Zum Protestantentage wa­ren gestern Abend, 7 Uhr, bereit» über 200 Theil- nehmcr aus den verschiedensten Theilen Deutschlands einget,offen. Zahlreich ist besonders Schleswig-Hol­stein vertreten. Aus B sanyon, aus Biclitz (Oestcr- reichisch-Schlesien) und Biala (Galizien) hat sich je ein Vertreter eingesunben.

München, 1. Juni. An der von derWe- ser-Zeit." zuerst mitgetheilten Nachricht, daß Preußen gegen die Niederlegung der Festungswerke von Lan­dau Einsprache erhoben habe, weil dadurch sein Saar­louis an Bedeutung verlöre, ist kein wahres Wort. Das baierische Kriegsministerium hat von jeher be­tont, daß Landau als Festung nicht ohne Werth sei und jedenfalls als sturmfreier Depotplatz erhalten werden müsse. Und wenn auch der Lanv.ag Vie für Vie Dotation der Festung geforderten 26,000 fl. nicht bewilligte, so wird das KriegSministerium schon aus Vern Grund die Festungswerke nicht niederlegen, weil es über so bedeutende Summen nicht verfügen kann, wie sie für die Durchführung eines solchen Demon- tirungs-ProjecteS erforderlich wären. Somit wird Vie Festung in dem Zustand erhalten, in welchem sie sich zur Zeit befindet, und es fehlt für Preußen jeder Eirund zu einer derartigen Einsprache.

München, 1. Juni. Zu der heule hier statt- findenden Sitzung des ständischen Ausschusses des deutschen Juristentags sind die Auswärtigen Mitglie­der aus Wien, Berlin tc. hier eingetroffen. Es wird hierbei insbesondere Vic Frage zur Entscheidung kom­men, ob in diesem Jahr ein Juristentag abgebalten werde, unv Cann in welcher von den Städten, Cie sich hierzu angemeiCet Haven. Dem Vernehmen nach wird gegen das Tragen von Givilkleidern von Seiten Cer Offiziere, Vie sich in Urlaub befinden, ein entschieden gehaltenes Rescript des Kriegsministe- riums dieser Tage zu erwarten sein.

München, 3. Juni. Prinz Napoleon wird heute Abend hier ankommen. Der Prinz wird streng­stes Jncognito bewahren,, und werden deßhalb kei­nerlei Empfangsfeierlichkeiten stattfinden.

Vom Oberrhein, 1. Juni. Den nächsten Monat werden die Abgesandten der böhmischen Na­tion nach Gonstanz kommen, um am 6. Juni d. I. den Todestag des Johannes Huß, welcher am 6. Juni 1415 in Gonstanz verbrannt worden ist, auf dem Platze selbst zu sei rn. Wir sind sehr begierig, wie die Bürger der Stadt Gonstanz diese böhmischen Wallfahrer, die Nachfolger jener Hussiten, empfangen werden, welche unter Ziska gegen Deutsche kannibalisch wütheten, unv Vie auch heute noch durch haßerfüllte Schmähu gen gegen Vie Deutschen, durch die schmachvollsten Judenhetzen und durch ihre Be­geisterung für den Feudalhandel und Vas österreichi­sche Goncorvat sich auszeichnen.

Wie», 4. Juni. Die Finanzdebatte wurde im Reichsrathe fortgesetzt. Für den Majoritätsantrag auf einen 25procentigen Goupvnabzug sprachen zwei, dagegen vier Redner, worunter Baron Beust von der Abgeordnetenbank aus. Hr. v. Beust erklärte vorhergeschen zu haben, daß ihm die Maßregel be­züglich cer Gouponstrucr manche schwere Stunden

bereiten werde. Das Ministerium des Auswärtigen müsse den Nothwendigkeiten Rechnung tragen, die aus Cer inner« Lage Ce» Reiches hervorgehen, er glaube dagegen, cer Reichsrath werve es nicht al- feinen Beruf betrachten, die so schwierige Aufgabe des Ministeriums des Aeußern zu erschweren, und durch Potenzirung einer allerdings unwillkommenen, aber durch zwingende Umstände gebotenen Maßregel deren Vertretung nach Außen fast zur Unmöglichkeit zu machen.

Wie», 5. Juni. Prinz Napoleon kam heute Abend hier an, ward von dem französischen Bot­schafter, Herzog v. Gramont, dem Botschafi-personale und Marquis Pcpoli an der Bahn empfangen und begab sich daraus in seine Wohnung imHotel Lamm."

Wie», 6. Juni. In der heute Abend anbe» räumten Sitzung des Abgeordnetenhauses wird die Finanzdebatie fortgesetzt. Es spricht zunächst Rechdauer als Generalredncr gegen die Majoritätsanträge de« BudgetauöschuffeS und betont hierbei besonverS die Nvthwendigkeit einer rabiealen Umwandlung de« Heer­wesens zur gänzlichen Beseitigung des Deficit«. Tinti beantragt eine Resolution dahin lautend, die Regie­rung solle bemüht sein, durch Eisparung im Heer­wesen das Deficit zu decken. Krzeckenowiez spricht gegen die Resolution Tinli's, weil Oesterreich eines mächtigen Heeres bedürfe. Der Berichterstatter der Ausschußminorität Banhaus vertheidigt in feiner Schlußrede den Minoritätsantrag und betont dabei, daß die Minorität keine Zinfenrecuction wolle. Die Fortsetzung der Debatte wird auf morgen angefetzt.

Wie», 6. Juni. Bei namentlicher Abstimmung wird der Antrag der Majorität mit 113 gegen 46 und der verbesserte Majoritätsantrag mit 100 gegen 58 Stimmen abgelehnt. Der verbesserte Minoriiäts- antrag, dem sich die Regierung anschloß, wird mit großer Majorität in folgender Fassung angenommen: Sämmtliche Gattungen der funCirten allgemeinen Staatsschuld, ausgenommen die Loose von 1854, 1860 und ce» Steueranlehens vom Jahre 1864, werden in eine fünfproceniige einheitliche Schuld um» gewanveit, Cie mit einer sechszehnprocenligen Steuer, wtlche nicht erhöht werden kann, belastet wird."

Paris, 3. Juni. Im Lager von St. Maur, wie in jenem von Ehalons, sind in Folge der star­ken Hitze gefährliche Krankheiten unter den Soldaten ausgebrochen. Trotz vcs Berichtes des Marschall« Niel ist Frankreich noch keineswegs kampfbereit. Die Soldaten, selbst Cie befteingeübteften, haben es bis jetzt noch keineswegs bis zu 14 und 16 Schüssen mit dem Ehassepol gebracht, wie Niel sagt, sondern höch­stens 5 bis 6 Schüssen; die weniger gut geschulten schießen kaum viermal, selbst wenn sie nicht zielen. Man braucht daher wenigstens noch 4 Monate, da­mit Der französische Soldat sich nur einigermaßen feiner neuen Waffen bedienen kann.

Paris, 4. Juni. DerAbend-Moniteur" war gestern wieder einmal falsch berichtet; der auf ge­stern angesetzte Minssterrath wurde in der That we­gen Unwohlseins des Kaisers wieder abdestellt. Heute soll eine Besserung in dem Befinden des Kaisers rin» getreten fein; doch ist zu bemerken, daß derselbe soeben der Stadt Havre, welche neue Schritte bet ihm thun ließ, daß er ihre Ausstellung besuche, antwortete, er könne für jetzt Paris nicht verlassen, und werde den Prinzen statt seiner nach der Haicnstudt schicken. DemJourn. ce Paris" zufolge wird in gewissen diplomatischen Kreisen versichert, Hr. von der Goltz dringe noch immer bei Hrn. de Moustier auf eine Ausweisung Cer hannöverischen Flüchtlinge. Genann­te» Blatt, das übrigens gar viel Lügen in Cie Welt setzt, will auch vernommen haben, Caß Hr. Ronher nach Beendigung der Session nach Earlsbad gehen und kort mit Graf Bismarck zusammentreffen werde. Dir Kaiser, die Kaiserin und der kaiserliche Prinz würden gegen Ende August nach Biarritz abgehen.

London, 3. Juni. Napier tclegraphirt an Norihcote aus Atrigrath vom 21. Mai, daß einige Truppen vorläufig in Zulla zurückbleiben, während alle anderen sich am 1. Juni einschiffen.

Herrieden. Der Wetterbeobachter schreibt un­tern, 1. Juni: Noch dauert das schöne Wetter, von Gcwcktern unterbrochen, fort. Letztere sind an den einzelnen Orten ungemein heftig. Jin europäischen Luftmeer noch immer wenig Veränderung. Der Mo­nat Mai hatte dahier eine Mitteltemperatur von 21,590 07,97» Rj, um 6,08» (4,86» R) wärmer als im Durchschnitt, was in den 57 Jahren, feit meteorologische Beobachtungen vorliegen, noch nicht vorkam, indem bis jetzt cer Mai des guten Wein, j,ihres 1811 die höchste mittlere Wärme von 20,26« (16,21° R) hatte.

Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr- Pietsch) in Gießen.