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Politische Rundschau

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Britische . Deutsche . Französische Belgische . Holländische

gegangenen unv von Deutschland gekommenen Briefe die Correspondenz der übrigen Länder bei weitem überflügelt.

Aus Galizien, 24. April. Wie Briefe aus der Bukowina melden, gibt in dem angrenzenden Siebenbürgen unter der dortigen rumänischen Be-

Berlin, 29. April. Sitzung des Zoll- Parlaments. Es werden 59 Wahlprüfungen genehmigt. Die dritte Abtheilung constatirt die Abweichung des baierischen Wahlgesetzes von dem norddeutschen, da die Staatsangehörigkeit von der Steuerzahlung abhängig gemacht werde. Miquel beantragt mit Rücksicht hieraus, den Bundeskanzler aufzusorvern, für vollständige Ausführung des neun­ten Artikels des Zollvertrags zu sorgen. Es ent- spinnt sich eine lebhafte Debatte, wobei Feustel und MaUinchrot gegen Duncker, Patow und Ehrhardi für den Antrag sprechen. Der Antrag wird schließ- °n9enomn'en. Der Präsivent macht alsdann die Mittheilung, daß bezüglich sämmtlicher wiirtem-

I bergischer Wahlen eine Erklärung eingelaufcn sei, welche sämmtlichen Mitgliedern zugehcn werde.

Berlin, 30. April. Bom vorgestrigen Diner bei Hose erzählt man sich, der König habe den Fa­brikanten Kugler aus Offenbach mit einer Bemer­kung über die blühende Industrie seines Ortes ange­redet, aber auf dessen Antwort, dieselbe bedürfe die Aufnahme in den Norvbunv, nur kurz entgegnet: Da sprechen Sie ein großes Wort gelassen aus !"

Aenn. Bon hier schreibt man dem Stuttgarter Beobachter" : Zu Enve vorigen Jahres wurde aus Weimar ein Bataillon hierher verlegt, um den Studenten die Ableistung ihrer Militärpflicht zu erlnchtern. Einer der dabei fungirenven Hauptleute befiehlt eines schönen Tages einem dem Corps der Thüringer angehörigen einjährigen Freiwilligen, Zei­tungen zu einem andern Offizier zu tragen, und als der Freiwillige sich dessen weigerte, da er Militär-, nicht Botenbienste zu leisten habe, bekommt er aller­lei zu hören, wovon auch auf die ganze Verbindung etwas abfällt. Da der Freiwillige natürlich selbst nichts dagegen thun kann, so schweigt er; kurze Zeit darauf rückt dem Hauptmann die ganze Verbindung vor's Quartier, SatiSfaction verlangend. Diese soll verweigert sein, unv nun fallen Seitens der Stu- deuten einige Deutlichkeiten. Natürlich wird die ganze Affaire sofort ruchbar und erregt großes Auf­sehen; der Capitän meldet den Vorfall selbst dem Bataillonscommandeur, von dem er den guten Rath erhält, auf Urlaub nach Berlin zu gehen und um seine Versetzung zu bitten. Bis jetzt scheint der Hauptmann noch auf Urlaub zu sein.

^Paris, 28. April. Einig ist die hiesige officielle Welt in dem Verdruß, den ihr der schnelle und ent­scheidende Sieg der Engländer in Abyssinien verur­sacht. Man hatte sich so sehr gefreut, der Welt und besonders der französischen Opposition ein Gegenstück zu der unglücklichen mexikanischen Expedition aufwei- sen zu können. Mit schadenfroher Miene hatte die Patrie" verkündet, den Engländern würde das Un- tcrnchmen mit Abpssinien noch viel theurer zu stehen kommen, als den Franzosen Mexiko. Und nun ist in wenigen Monaten der Feldzug zur größten Ehre Englands geendet, währcnv die langen Jahre des mexikanischen Kriegs Frankreich nur ungeheuren Ver­lust an Menschen und Geld und außerdem Schmach unv reichlichen commerziellen Schaden eingetragen ha­ben. DerConstitutivnnei", der einen langen Ar­tikel über die Ereignisse von Magdala bringt, weiß denn auch den Engländern kein einziges Wort Ver Beglückwünschung zuzurufen, vielmehr nennt er jene Vorgängeausnehmend tragisch und Mitgefühl er­weckend." Der Negus hatte freilich die ganzen Sym- pathieen der Besiegten von Puebla auf seiner Seite. Einen weiteren Gegenstand des Kummers bildet der

DieNewyorkcr Staatszeitung" schreibt über den Postverkehr mit Europa Folgendes: Die Zahl ver in der Woche vom 14. bis 2i. März in Newyork empfangenen und von hier abgesendeten Briefe, welche die außerordentliche Höhe von 211,159

Gießen, den 4. Mai. (Sitzung des Ge­meind eraths vom 30. April.) Der Ge- meinverath erklärt sich mit der von dem Dirigen­ten des Schulvorstandes in dem Schreiben vom 25. April in Betreff der Regulirung der Lehrerbesoldun­gen gegebenen Auskunft einverstanden.

Wegen der städtischen Lastwaagc wurde auf wei­tere Vorlagen beschlossen: 1) den städtischen Ma­gazinsverwalter, Ludwig Schwan, als Waagenmei­ster provisorisch anzunehmen und verpflichten zu lassen, die Bestimmung der demselben zu gewährenven Der- gütung aber später zu treffen; 2) der Großh. Bür- germeistcrei zu empfehlen, die Waageordnung und den Tarif in möglichster Kürze zu veröffentlichen und die isache in's Leben zu führen.

. Der Gcmeinvcrath hält es für angemessen, daß die Geschäftsstunvcn des Siadtrechners in der W-ise bestimmt wercen, daß solche an den bestimmten drei Zahltagen (Dienstag, Donnerstag, Samstag) vom 1. März bis 1. Oct. von Morgens 8 bis Abends 6 Uhr, unv vom 1. Oct. bis 1. März von Morgens 8 bis Abenvs 5 Uhr vaucrn, aber Mittags 2 Stun­den (von 12 bis 2 Uhr) unterbrochen werden.

Der Gemeinderath erklärt, daß er mit dem An­kauf der 6 Wachthäuser zu dem Preise von 12260 fl. nach dem VersteigerungSprotokvll vom 12. Februar 1868 einverstanden sei.

Die übrigen Beschlüsse betreffen Gegenstände per­sönlicher unv untergeordneter Art.

Aus dem Großherzogthum Hessen. In Friedberg fanv Vieser Tage die evangelische Cvnferenz für das Großherzogthum statt. Die Cvnferenz nahm die Erklärungen des Ausschusses bezüglich des Streites zwischen dem Bischof v. Kttteler und unseren drei Superintendenten an, bezeichnete als unerläßliche Be- dingung des Zustandekommens eines wahren reli­giösen Friedens die Entfernung der Jesuiten und sprach sich für vollständige Verschmelzung der refor- mirien Confessivnen zu einer evangelischen Kirche, jcvoch ohne irgenv welchen Zwang aus. Die übri­gen Verhandlungen bezogen sich auf den Materia­lismus, Union, Conföderation re. Der oben erwähnte Streit zwischen den Superintendenten und dem Bi­schof von Mainz bezieht sich auf die Bcschulvigung des Letzteren, dem Protstantismus sei ras Gewissen abhanden gekommen, gegen chelche die Supennten- d-nten eine Broschüre gerichtet haben, deren Inhalt die Cvnferenz durch Annahme der AuSschußanträge gut geheißen hat.

Darmstadt, 28. April. Das Regierungsblatt Nr. 23 enthält:

I. Bekanntmachung der Großherzoglichen Ministe­rien des Innern und des Kriegs, die Militär-Ersatz- Jnstruction für den norddeutschen Bund vom 26. März 1868 betreffend.

Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Grvßherzvgs wirv hiermit in Ausfüh- rung des §. 68 ver Militär-Ersatz-Jnstructivn für den norvdeutschen Bund vom 26. März 1868 be­stimmt, daß jeder Kreis-Ersatz-Commission zwei von dem Gemeinderath der Kreisstadt aus seiner Mitte zu wählende Gcmeinderathsmitglieder und zwei von dem Bezirksrath des Kreises zu wählende ländliche Grundbesitzer des Kreises als außerordentliche Civil- Mitglievcr hinzuzutreten haben.

II. Ueberstcht der für das Jahr 1868 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in den Gemeinven des Kreises Nidda.

Darmstadt, 25. April. DieMain-Z." schreibt: Der Gehalt ves Kriegsministers ist vor nicht langer Zeit von 4600 fl. auf 7000 fl., mit rückwirkender Kraft vom 1. Juli 1867 ab, erhöht worden. Es I ist demselben sonach nicht nur kurz vor seiner Pen- sionirung ein Zuschuß von 2400 fl. aus der Staats­kasse verwilligt, sondern hierdurch möglich gemacht I h>ort>en, taß die Pension auf den enormen Betrag von 5000 fl. nahezu das Doppelte der regel­mäßigen äußersten Gränzen von Pensionsgehalten festgesetzt ward." '

unerwartete allgemeine Beifall, welcher dem preußi- scheu Kronprinzen in Italien zu Theil wird, unv besonders der Ruf:Hoch für Sadowa" macht hier einen unangenehmen Eindruck. Auf die empfindliche Aeußerung, die man hier hört:Die Italiener zeigen mehr Dankbarkeit für Sadowa, als für Sol- fenno," haben zwei hier lebende Italiener, geborene Römer und ehemalige Kämpfer von Mentana, einen Bries an denCourier Fran?ais" gerichtet, worin sie sagen:Sadowa hat für uns nicht, wie Sol- ferino, ein Mentana zur Folge gehabt. Die preußi­sche Fahne weht nicht aus italienischem Boden, um unserem Volke ein ihm gehöriges Gebiet vorzuent­halten. Darum gehören unsere Sympathieen mehr Preußen, als der französischen Regierung, die wir indefien von deren großmüthigem Volke wohl zu unterscheiden wissen."

Paris, 30. April. Eine Anzahl von Dcputirten geht mit dem Gedanken um, die Regierung wegen der allgemeinen Lage zu interpelliren, und die Frage an sie zu stellen, ob es in Anbetracht der amtlichen friedlichen Erklärungen, die von allen Seiten gegc- den wurden, nicht möglich sei, eine ovcr zwei Alters­klassen auf Urlaub zu entlassen. Wie es scheint, hat die Regierung die Absicht, diese Interpellationen nicht abzuwarten sondern eine derartige Maßregel zu er­greifen , ehe diese Interpellationen gestellt werden können. Dieß wird selbstverständlich nicht verhindern, daß die Rüstungen des Marschalls Niel mit demsel- den Eifer fortbetrieben werden, wie dieß bisher ge­schah, und er Alles so in Bereitschaft setzen wird, taß man weiter nichts nöthig habe, als die beur­laubten Soldaten, die Reserven und Mobilgarde einzuberufen, um, wenn es erforderlich ist, in's Feld rücken zu können.

erreichen: Abgesandt.

38,855

41,814 19,796

. 922

. 1052

102,439

211,159

Gesammtzahl

Diese Briefe kamen in vier Dampfern und gingen in fünf Dampfern nach Europa. Es ist jedenfalls bemerkenswerth, daß die Zahl der nach Deutschland

Empfangen.

41,478 .

47,973 .

17,543 .

. 619 .

. 1107 . 108,720

I völkerung eine auffällige Agitation sich kund. Die. selbe ist gleichzeitig gegen Ungarn und Oesterreich ' gerichtet und scheint durch russische Emissäre genährt welche von der Moldau unv Bessarabien her die Grenzgebiete Siebenbürgens durchstreisen. Es wim­melt von revolutionären Aufrufen und Flugschriften in rumänischer Sprache, die, wie amtlich festgestellt worven, gar nicht in Siebenbürgen, sondern wahr- scheinlich in der Moldau oder Bessarabien gedruckt sind. Selbst die österreichischen Journale haben, nach dem Szekler Közlöny, vor einigen Tagen eine für die Stimmung unter der rumänischen Bevölkerung höchst bezeichnende revolutionäre Proklamation ge­bracht, die den siebenbürgischen Behörden in die Hände gerathen war. Anvererseits behauptet man, diese Umtriebe gingen von Kossuth aus, der mit den rumänischen Führern sich dahin verständigt hatte, Siebenbürgen, falls Ungarn ein von Oesterreich ganz unabhängiger Staat würde, der rumänischen Nation zu überlassen. Schon während ves Krieges im Jahre 1849 ließ Kossuth c en Rumänen durch ven damali- en Deputirten Dragos ein ähnliches Anerbieten, wie das obenerwähnte stellen. Auch längs der oberun- garisch-galizischen Grenze regt sich unter der slovaki- sehen Bevölkerung der Geist ves Wiverstandes gegen die Pesther Regierung.________________

Telegraphischer Schiffs-Bericht,

milgetheUl von Chr. Wallenfels, jun.

Das Bremer Postdampfschiff Hermann, Capitän Wenke, von der Linie des norddeutschen Lloyv, wel­ches am 11. April von Bremen via Southhampton abging, ist nach einer glücklichen Reise von 12 Ta- gen wohlbehalten in Newyork angekommcn.

Das Bremer Postdampfschiff Bremen, Capitän Neynaber, von der Linie des norddeutschen Lloyv, welches am 17. April Newyork verließ, ist nach einer schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen wohlbe­halten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 145 Passagiere und 800 Tons Ladung.

Das Hamburger Postvampfschiff Cimbria, Capitän Hebisch, trat am 29. April wieverum eine Reise via Southhampton nach Newyork an, und hatte außer einer starken Brief- und Packetpost, 400 Tons La­dung und die Cajüte, sowie Zwischcnveck, ganz mit Passagieren besetzt.

Herrieden. Die ebenso interessanten als wich­tigen Wetterberichte des praktischen Arztes, Hrn. Dr. Heidenschrcidcr in Herrieden, enthalten regelmäßig die Ausvriicke: Lufiberg, Luftthal, Luftwelle. Da viele unserer geehiten Leser diese Ausdrücke nicht genau verstehen, so geben wir hier die von dem gelehrten Herrn Verfasser selbst ertheilte Auskunft. Ein Luftberg befindet sich in derjenigen Gegenv der Erve, über welche die höchste Luftsäule hinzieht. Diese übt nun auch den größten Druck auf die Quecksilber­säule aus und hat Ven höchsten Barometerstanv zur Folge. Ein Luftthal bietet Vie entgegengesetzten Ver- hältnisse, der Luftberg und das Luftthal zusammen geben eine Luftwelle. Letztere bedecken in der Regel eine große Fläche Landes, so daß sich selten mehr als zwei Luftwcllcn zugleich über Europa bewegen. Im Bereiche des Luftthales herrscht gewöhnlich der feuchte Antipassat, und in dem des trockenen Luft- bergeö der trockene Passat." Untcrm 27. April, schreibt Dr. Heivenschreider: Das europäische Luft­meer ist noch immer sehr bewegt, es wird daher auch kas gegenwärtig schöne Wetter wieder seine baldigen Unterbrechungen erleiden. Die abermals kühlere Temperatur rührt von erneuten Schneefällen in Schwe­den her.

Redaction, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.