Einzelbild herunterladen

Feuilleton.

Temperatur in Gießen, April 1868:

- 2,5 B.

6,27 .

6,51

- 16,0

. 1,58 Par. Zoll- . 1,31 ,

Das glaube ich selbst," unterbrach ihn Jansen,aber erlauben Sie mir Die Bemerkung, Herr Gratman, ein so guter Commis Lincoln auch ist, so ist er doch kein Mann für Mad. de Witt. Er ist noch zu jung und sie muß einen erfahrenen, ernsten Geschäftsmann haben, der kein Schwärmer mehr ist, der von ihr keine Liebe, sondern nur eine gute Hausfrau verlangt." ,

Ja," sagte Harri,das ist sehr schön geredet, aber wo sollen wir gleich einen solchen Musterehemann finden?"

Verlassen Sie sich auf mich, Herr Gratman,' antwortete Jansen,ich habe so manches für Sie zu Ende geführt, ich werde auch dieses für Sie zu Ende führen; ich stehe Ihnen dafür ein, daß ich Ihnen den Mann finden werde Lassen Sie mich nur bei Zeiten wissen, wann Ihre Frau Mutter mit Ihrer Freundin reden wird; sobald diese sie von dem Unvermeidlichen in Kenntmtz ge­setzt hat, bringe ich Ihnen den Mann."

Wohlan, lieber Jansen, so verlasse ich mich ganz auf sie. Sie haben eine große Last von meinem Herzen genommen, und ich will jetzt sofort in die obere Stadt zu meiner Mutter, um ihr diese gute Nachricht mitzutheileu. Ich werde heute nicht wieder herunterkommen, da die Meinigen diesen Nachmittag wahr^ scheinlich auf kurze Zeit nach Saratoga gehen werden, und so denke ich, daß meine Mutter nach ihrer Rückkehr von da die ganze Angelegenheit ordnen wird. Morgen werde ich in der Frühe hier sein, um mir von Ihnen die Bucher vor-

^Nach diesen Worten nahm Harri Abschied von seinem würdigen Buchhalter und eilte rasch nach dem Broadway, wo er sich in -inen Omnibus setzte, der ihn bald nach der fünften Avenue vor das Haus seiner Mutter M e. Auf seine Frage erfuhr er von den Zofen, welche mit dem Packen der Koffer für d e Tour nach Saratoga beschäftigt waren, daß seine Mutter au ihr Zimmer ge­gangen sei, wohin er sich sofort begab. Er wünschte seiner Mutter, die er vor dem bereits früher erwähnten Sekretär mit Lesen beschäftigt fand, einen freund- lichen guten Morgen und setzte sich auf ein stummes Zeichen von ihr tn den ihm angedeuteten Armstuhl. . . Duck

, Ich hätte Dich heute Morgen zuerst zu sehen erwartet," begann sie,doch man sagte mir, Du seiest bereits auf'S Comptoir gegangen."

Allerdings, Mama, drängte es mich, zu wissen, tote die Geschäfte standen, jetzt aber bin ich den ganzen Tag zu Deiner Verfügung. .. ...

Ich tadle Deinen Geschäftseifer nicht," erwiederte sie ,obgleich ichi nicht einsehe, warum Du nicht eben so gut einen Tag langer ^"estwaitenkonnen, doch qethan ist gethan, laß uns von anderen Drngen reden, hier lies d f pesche über Deinen Bruder, und sie reichte ihm die von Veerenborg erh Copie.

Als Harri dieselbe gelesen, rief er aus: Jetzt weiß ich schon, wo er zu finden ist!"

niederste.................

mittlere.................

Mittel früherer Jahre............

höchste.................

Niederschlag: an 16 Tagen . "

Mittel früherer Jahre : an 11 Tagen .

Und wo meinst Du?" fragte sie. .

Dort oben auf dem Berge wohnt jetzt das Schiffervolk, und da wird er natürlich nicht weit sein ; ich werde noch heute Veerenborg davon Nachricht geben, damit er ihm wieder auf die Spur komme. Ob ich einen andern wichtigen Umstand, der gleichfalls auf John's Verhältnisse zu uns Bezug hat, ihm auch mittheilen soll, möchte ich Deiner Entscheidung überlassen."

Und der wäre?" fragte Mad. Gratman.

Ich habe denselben in London erfahren," erwiederte er,und derselbe er« schien'mir von solcher Wichtigkeit, daß ich ihn Dir nur selbst und zwar mund, lieb mittheilen wollte. Um die Geschäfte unseres HauscS mit dem Hause Ash- bum & Co. zu regeln, bedurfte ich sehr häufig der Hülfe unserer alten Freunde John H Schröder & Co., und ich war nicht wenig erstaunt als eines Tage« Der alte Schröder, als die Rede auf Onkel und auf feinen Tod kam, mich fragte: Wann ist denn Ihr Herr Bruder von seinen Reisen zurückgekehrt? Ich stutzte und war glücklich genug, meine Verlegenheit zu verbergen und ausweichend zu antworten, daß er augenblicklich gerade wieder auf Reisen sei, worauf der alte Schröder gleich hinzusügte: So ist er doch also noch zur rechten Zeit gekommen, um seinem würdigen alten Großonkel die Augen zuzudrücken? Ich war glück­licher Weise gefaßt genug, um mit einem Seufzer zu antworten: Er war aller- rings tn den letzten Augenblicken des Seligen zugegen. - Woraus Schroder fortfuhr: Nun, so freut es mich, daß unser Brief ihn in Petersburg erreicht bat. Denke Dir meine Lage, hier Dinge zu Horen, von denen ich nicht die entfernteste Ahndung hatte, und doch mußte ich mir den Schein geben, um Alle« ! iu wissen und antwortete deßhalb aufs Gerathewohl hin: Wie wußten Cie, Cafe er in St. Petersburg war?" - Durch einen Zufall, antwortete er mir, Denn Ihr Herr Bruder war während seines Aufenthalts hier mit Einem unserer Korrespondenten, Herrn Row, intim liirt worden und stand mit ihm tu Brief­wechsel; außerdem hatte er uns selbst seine Aufwartung gemacht, um eme Trat k, die Sie ihm gegeben hatten, einzukassiren. Um kurz zu sein, hebe Mutter, wir Beide haben uns in dem Alten sehr bedeutend geirrt."

Weiter, Harri, weiter, laß mich nicht länger in der Erwartung.

Früher pflegte der Alte mit jeder Post selbst einige Zeilen privatim an den allen Schröder zu schreiben, das wurde jedoch, als fein Besicht schwach wurde, immer seltener; denke Dir jetzt mein Erstaunen, al- «chroder endlich da- mit herauskam: Es schien dem Herrn sehr daran gelegen zu sein, Ihren Bru dir noch ein Mal zu sehen, denn obgleich ich lange keinen Brief mehr von ihm erhalten, wurde ich plötzlich durch einen eigenhändigen überrascht, es war der letzte den ich von ihm erhalten. Ich schien natürlich ganz gerührt, und> begehr e diese mir so theuren Schriftzüge noch ein Mal zu sehen. Er holte dann aus seinem Schreibtische den alten Brief hervor, und richtig, es standen die großen, geraden, steifen Buchstaben vor mir. Er erlaubte meiner Pietät eine Abschrift von dem Briefe zu nehmen, hier ist sie.» ...

Mad. Gratman nahm das Papier und ihre Hand bebte leicht, als ihre Auam darüber hinglitten, endlich reichte sie es ihrem Sohne zurück.

Da steht es schwarz auf weiß, liebe Mama," fuhr dieser fort,da mein Großneffe John William Gratman von hier auf London abgereist ist und Wechsel auf dero Haus iu Händen hatte, so dürfte ich vielleicht annehmen, daß Ihre werthe Firma mit dem augenblicklichen Aufenthaltsorte desselbigen lungen Man- nes bekannt ist, und würden mich dieselben höflichst verpflichten, wenn Sie besag- ten John William Gratman veranlassen könnten, unverwerlet auf hier zurück- kehren, alldieweil ich gesonnen bin, testamentarische Verfügung zu treffen, die für 1 Denselben von höchster Wichtigkeit sind. Sollte selbiger irgend welcher Mitte benöthigt fein, so werden Sie mich verpflichten, ihm einen Credtt »on Hundert PfD. Sterling zur Disposition zu stellen und dieselben uns schuldigst zu belasten u s w Was meinst Du wohl, liebe Mama, was John darum geben wurde, wenn er diesen Brief, oder das Original des alten Schröder mHanden hatte? Der alte Schröder, weißt Du, ist ein ehrlicher Mann, er wäre tm Stande, t)m Mas^könnte un/das schaden," antwortete Mad. Gratman ruhig," und wenn der Alte fünfzig solcher Briefe geschrieben hätte; es existirt kein TEtuuent.

Das weiß ich ebn, so gut mie Du, liebe Mutter, daß kein Testament existirt, obgleich der Alte eben so gut, wie er ohne unser Wissen einen solchen «Brief geschrieben hat, auch ein solches Testament hatte machen können. Doch das bleibt sich ganz gleich, jedenfalls wäre das Original eine« solchen Briese« in Johns Händen eine furchtbare Waffe gegen uns."

Gottlob, daß er sie nicht besitzt! Um so mehr siehst Du ent, daß er v schwinden muß, sobald als möglich verschwinden muß. Selbst Beerenborg darf von diesem Briefe nichts wissen, derselbe muß nur em Sporn für uns selbst sein, feinet fo fd)nell nibßlicfy

Aber gesetzt den Fall," antwortete Harri,ich hätte zu dieser Entledigung keine Lust? Gesetzt den Fall, ich wäre von dem Rechte meine» Bruders überzeugt, und wünschte ihm zu diesem Rechte zu verhelfen?"

Mad. Gratman sah ihren Sohn sprachlos an. ...

Bist Du wahnsinnig geworden?" sagte sie flüsternd nach enter langen

Pause.

Äbenft Ivenig wahnsinnig, als Du selbst," erwiederte er,doch im Ernste, ich glaube es ist besser, wir versöhnen uns mit John, wir decken die ganze Der aanaenheit mit dem Mantel der christlichen Liebe zu, und schlachten ^da« beste Kalb zur Feier der Rückkehr des zurückgekommenen verlorenen Sohnes.

Wenn Du ein anderes Mal," sagte Frau Gratman kalt, »,n t ® Des Wiedersehens mit Deinen Freunden eine Flasche Wein zuviel genoss h st, so habe die Güte und verschone mich mit Deiner Gegenwart.

'Ich war nie in meinem Leben nüchterner, als zetzt, Hebe Mutt r unc schon "auf der ganzen Reise habe ich mich mit dem ESdJ"

FirmaFletcher und Drydeck" in die FirmaGratman Brothe^z^

Das Testament des Großonkels.

Sechstes Kapitel.

(Forts-pung)

Sie müssen dem Wunsche ihrer Mutter gehorchen, Herr Gratman, finden Sie sich mit Mad. de Witt ab, und wenn Sie selbst zu delikat suhlen, mit ihr über diesen Punkt zu reden, so legen Sie d,e ganze Angelegenheit in meine ^"^Jch bin Jh^n sehr dankbar für Ihr gütiges Anerbieten, doch mein Ruf Hebt Gottlob so felsenfest und so makellos da, daß auch nicht der leiseste Schat- ten auf ihn fallen könnte. Ich glaube nicht, daß Mana je gutwillig in em Anerbieten der Art willigen wird, und wenn ich ihr auch trotzen konnte, wenn ich sie auch zwingen könnte, eine Abfindungssumme anzunehmen, welche das Ge- sm ihr bestimmen würbe, wenn ich auf diese Weise auch in den Augen der Belt al« gerechtfertigt dastehen würde, so will ich doch, daß nicht em Mal dieser Schatten auf mir haften soll. Maria muß so gestellt werben, ^ß sie nie und nimmer auch nur ein Wort der Anklage oder des Tadels gegen mich erheben kann. Nein, Jansen, daran ist nicht zu denken, ich glaube einen besseren Plan gesunden zu haben."

Und der wäre?" fragte Jansen.

'Man muß ihr einen Mann suchen, Jansen. Lassen Sie mich ausreden. Weder Sie noch ich sind im Stande, die sanften Worte zu finden, die mit dem Schmerz, den wir verursachen, zugleich die Tröstung verbinden. Dem M luhlen- den Weibe muß der Mund eines Weibes, das benkt unb suhlt wie sie, diese bittere Nachricht mitgetheilt werden, unb meine Mutter selbst wird es nur meht abschlagen, ihrem einzigen Sohne jenen schweren wcdntt zu ersparen. Sie wissen, Jansen, daß ich es ihr in den vier bis fünf Jahren, seit denen ich sie kenne an Nichts habe fehlen lassen, und wenn ich einen passenden Mann fur sie finden werde, beabsichtige ich, Seiber Zukunft für immer zu sichern. Was ist Ihre Meinung von diesem Plane?" , , ,

Ich finde denselben für annehmbar und Sie könnten keine zartere Weise mahlen, sich von Mad. de Witt zu trennen." .

Auch sollte ich nicht denken, daß es so schwer halten mochte,' fuhr Harn fort," ihr einen passenden Mann zu finden. Erstens ist wem Verhältniß zu ihr wenig oder fast gar nicht bekannt. Ich hatte sie absichtlich m Hoboken einge« miethet, wo fast nur Deutsche wohnen, denn so sehr diese Nation auch sich unter ihren eigenen Landsleuten beklatscht, so wenig kümmern sie sich doch umi une Amerikaner. Eine Uebersievlung z. B. von Hoboken nach Brooklyn wurDe gar keine böse Nachrede aufkommen lassen. Unb sollte wirklich auch das noch nicht genügen, so würbe ich auch Nichts dagegen haben, sie nach Boston, oder Ph> a- delphia, oder sonst wohin zu schicken, denn die Aussteuer die ich ihr me jugeben beabsichtige, wird jeden Mann in den Stand setzen, ein eigenes Geschäft anz - fangen, ich würde ihm dazu meine Agentur geben, würde alle meine Berschiffun- gen an ihn consigniren, kurz, ich würde thun, was m memen Uralten stände, um dem jungen Paare das Leben so angenehm als möglich zu machen. Jetzt gilt es nur, ihr einen passenden Mann zu finden.»

Und Haden Sie Ihre Augen schon auf eine bestimmte Person geworfen. fragte Jansen. , ,, .

Ich muß natürlich Jemanden wählen," antwortete Harri,den ich kenne, und da habe ich hier an unseren ersten Commis gedacht, an Lincoln, der die auswärtige Correspondenz bislang zu unserer größten Zufriedenheit versehen hat. Er ist einfach, anspruchslos, ohne Mittel und wurde sich gewiß willig