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Eckstein,
Di- G old in an n Provmzialdirector. Schildköter, Dlftricts-Einnehmer. Lyncker, Rentamtmann
Hofgei lchtsrath. Fe cd. Burk.
An die Bewohner der Stadt «nd des Kreises Gießen.
keme zwei Jahre seit dem furchtbaren Brandunglück, welches unsere Nachbargemeinde Heuchelheim betroffen, verflossen und Xr ? jammervoll, wie er kaum gedacht werden kann, aus der Nähe zu uns. Das Dorf Laifa in dem
HeWchen Kieise Biedenkopf ist am verflossenen Sonntag den 26. d. M. bis auf wenige Häuser ein Raub der Flammen aewor- R ba! $e?cr il"ff so rasch um üch, daß die ohnehin nicht wohlstehenden Bewohner nur das nackte Leben retten konnten daß selbst Ebranntlst, )a daß es nicht möglich war, die Feuerspritze den Flammen zu entreißen. Unbeschr^
bte. bei ^^bbrannten, welche tn nothdUrfttg errichteten Baracken untergebracht sind, von dort'nach dem Grabe ihrer Habe Hinsehen' und welche großtentheils nicht einmal die Beruhigung haben, daß sie für ihre Gebäulichkeiten eine Entschädigung erhalten da in Preußen fiiff ff1 * * * * ®eba,,br nbeit?t, unb nac^ glaubhaften Nachrichten Viele nach Aufhören ihrer Versicherung in der Grvßh -
Hess. Biandverftcherungscasse es unterlasten haben, anderwärts ihre Immobilien zn versichern.
«ci^ , llnterzeichneten, welche theilö durch Geburt, theils durch frühere Dienststellung dem Bezirk Biedenkopf nahe stehen fühlen fid) verpflichtet bet diesem namenlosen Unglück die Mildthätigkeit der Bewohner der Stadt und des Kreises Gießen anzurufen und recht her^ lieh zu bitten, durch Gaben au Geld oder Kleidungsstücken zur Steuerung der Roth beantragen. Lange Jahre hindurch'gehörte das abgebrannte Dorf dem Großherzogthum an, und wenn auch jetzt dieses Baud, welches uns mit ihm vereinigte, zerrissen ist so ist doch das Band geblieben, welches alle Menschen miteinander verbindet, das Band der Bruderliebe, iv lebe gern und rasch hilft wo Hülfe Istott) thut. Und hier thut Hülfe Noth, darum helfet gerne, helfet rasch! ' , fz roo *9uire
Jeder der Unterzeichneten und die Redaction dieses Blattes ist bereit, Gaben in Empfang au nehmen
Gießen, den 30. Juli 1868. 10 6
Feuilleton.
Die Verschwörer non 1799.
Roman von de Saint-Felix.
, (Fortsetzung)
— Nicht im Geringsten, Bürger. Aber gebt Euch nur Mühe, Euch selbst ,u verstehen und, wenn es Eure Lunge verstattel, die Summe zu wiederholen, welch- ich mit lauter und deutlicher Stimme genannt habe.
" 3'1' Bü-Bü-Bürger.' versetzte der Anctionator, welcher aus dem Stammeln nicht herauskam. Wir sagen also vierhunDert-ta-ta-ta-tausenD---
~ Franes! Vierhunderttausend Francs! wiederholte Reymond. Ist denn das so schwer auszusprechen?
Der Friedensrichter, ein gesitteter und ehrlich aussehender Mann, glaubte sich in's Mittel legen zu müssen, da er sah, bis zu welchem Grade der Bürger Auetionator außer Fassung war, der in der Thai Stimme, Kops und Schärpe verlor.
- Wir sagen also: vierhunderttausend Francs für das Schloß von Reneev mit allen Pertinentien, sowie für die ganze Domalne. Den Bürgern Kauflieb. Habern Diene zur Nachricht, vierhunderttausend Francs--
Das Gezischel wurde noch lebhafter, als zuvor.
— Bierhunderttausend Francs zum ersten — zum zweiten Male! fuhr der Friedensrichter fort. Vierhunderttausend Francs, Bürger, zum ersten — zum zweiten — bietet Keiner mehr? — vierhundert---
— Bü-Bü-Bürger Friedensrichter! schrie zittternd der Auktionator, Ihr erlaubt Euch Eingriffe in meine Fu-Funktivnen!
— Gut, verfitzte der Friedensrichter mit ernsthaftem Tone, verkündet denn selbst das Gebot des letzten Bieters!
— Ja, versucht es, fiel Reymond ein, versucht es, uns dasselbe zu verkünden, ohne Euch die Zähne zu zerbrechen!
Silentium! schrie der Auciionator, welchem der Zorn diesmal die Kinnbacken auseinanderriß. Silentium!
— So sprecht dock! spottete Reymond.
— Ich sagte: Silentium!
— Silentium! Silentium! wiederholten der Protokollführer unk die Gens- d'armen.
— Die Verhandlung nimmt ihren Fortgang, fügte der Friedensrichter hinzu.
. , Bürger, rief endlich der Auktionator, von seinem Kehlkrampfe
ein wenig befreit, also wir sagen viermalhunderttausend Francs — zum ersten — zum zweiten — viermalhunderttausend Francs — Niemand mehr? — Zum "sten — zum zweiten — viermalhunderttausend Franes für das Schloß von Rcncey mit seinen Pertinentien, ferner für die ehemalige Herrschaft in ihrer ganzen Ausdehnung nach den angegebenen Grenzen — zum ersten, zum zweiten Male Keiner bietet mehr? zum ersten, zum zweiten — zum — dritten I Für viermalhunderttausend Francs!
Die letzte bis zum Stumps aufgebrannte Kerze erlosch.
— Zugeschlagen für viermalhunderttausend Franes! schloß der Auctiona- tor mit einer grabesseierlichen Stimme.
— Zugeschlagen! wiederholten der Maire und der Friedensrichter
Ein ungeheurer Lärm folgte dieser Scene. Man stieß sich, man fragte einander; Alles sprach zu gleicher Zeit. Jeder wollte mit eigenen Augen diesen wunderbaren Käufer sehen,-der von Ansang an durch ein einziges Gebot von dreihunderttausenv auf vierhunderttausend gesprungen war. Eine unerhörte That- fache, ein Phänomen, das sich gewiß in den Annalen der gerichtlichen Verkäufe nicht wiederholen würde!
Was Reymond betraf, so bewies er so viel Ruhe, als wenn er ein Paar gute Pistolen gekauft hätte. Jndeß wurde er an den Tisch beordert und der Friedensrichter theilte ihm dort alle die Klauseln und Bedingungen mit, welche mit dem eben von ihm geschlossenen Kaufe verknüpft waren.
. ~ Ihr wißt, Bürger, fügte die ehrliche Magistratsperson lächelnd hinzu, daß Euch das Gesetz eine Frist von zehn Tagen bewilligt, nach deren Verlauf vthr die ganje Kaufsumme bezahlen müßt — wohlverstanden, in geprägtem und coulantem Silber. Ihr wißt, daß, wenn nach zehn Tagen nicht Die ganze summe bezahlt wird, das Gesetz Euch zu einer sechsmonatlichen Gesängnißstrafe und einer Geldbuße von----
Ich weiß alles dies zur Genüge, Bürger Friedensrichter, versetzte Reymond. Nichtsdestoweniger danke ich Euch für so gütige Benachrichtigung. Ich oitte nur um Erlaubniß, die Summe in Paris entrichten zu Dürfen.
, _ ®crn/ Bürger, an Den Staatsschatz. Das Protokoll wiro Diesen Um- stanc erwähnen. Jetzt, fuhr Der FrieDenSrichter fort, noch Die gebräuchliche For- malitat! Euer Name und Vorname, Bürger Käufer?
Der Hauptmann war auf Diese Frage nicht gefaßt gewesen. Er sah plötz- lich, Daß sein Jncognito vor ten Flammen Der Oessentlichkeit in Rauch aufgehen werDe. Aber mit einem hastigen Blick Die AusDehnung Der Gefahr unD Die energischen Mittel ermessenD, Deren es beDurfte, um dieselbe zu desieaen, zögeree er keinen Augenblick, sondern antwortete mit lauter und klangvoller Stimme, während er das Haupt stolz erhob:
— Ich heiße Franyois Reymond, sechsundzwanzig Jahre alt, Hauptmann Der Eavallerie unD OrDonnanz-Offizier im Generalstab Bonaparte's, Des Gene- rals en Ehef Der egyptischen Armee.
Feierliche Stille folgten diesen Worten. Alle entblößten ihre Häupter vor dem Offizier, welcher Die Gefahren unD den Ruhm eines großen Mannes, einer unsterblichen Armee getheilt hatte.
Nachdem das Protokoll aufgesetzt, verlesen und unterzeichnet war, begann stch die Menschenmasse zu entfernen, und Die Beamten hoben Die Sitzung auf, al« man einen hohen Greis in vollständigem Jagdhabit und mit einer Reitgerte in Den Saal treten sah.
Es war Der ehemalige Marquis De Rcncey; es war Der frühere Besitzer Der eben verkauften Herrschaft; es war Der Tolle, Der arme Tolle, welcher, diese ganze geräuschvolle Scene für ein Fest haltend, Dessen HelD er selbst wäre, beim- lich aus dem Zimmer, wohin man ihn geführt hatte, entschlüpft war, um sich, wie einst, unter seine glücklichen Vasallen zu mischen. Ein Lächeln aus Der Lippe und mit stolz und freudig glänzenken Augen grüßte Der Marquis Die Versammlung mit Herablassung unD leutseliger Würde, indem er seine Hände gegen Diejenigen ausstreckte, welche ihn umringten, unD sich in huldvollen Worten bei ihnen bedankte.
Es war selbst für Die Gleichgültigsten ein jammervoller Anblick. Die Menge entfernte sich schweigend; nur die Beamten blieben zurück.
Plötzlich erschien Helene, und indem sie den Arm des Herrn De Reneev ergriff, sprach sie bleich, aber ihre Aufregung völlig beherrschenD:
— Kommen Sie, mein Vater, kommen Sie! Alle hier sinD glücklich, Sic zu sehen, aber Keiner hat etwas dagegen, daß Sie Ihre Jagdpartie ausführen. Kommen Sie, mein Vater!
Sie führte den Marquis aus dem Schlosse. Zwei gesattelte Pferde harrten feiner auf Dem Hofe. Herr ce Reneev schwang sich aufs Roß und sprengte, von einem Diener begleitet, von Dannen.
Helene kehrte, abermals von einer heftigen Aufregung ergriffen, in Den Saal zurück. Reymond schwatzte vergnügt mit Den Beamten. ' Der Friedensrichter schüttelte ihm Die Hände mit der Versicherung, daß die ganze ÜmgegenD ihn mit Freuden seinen Wohnsitz im Canton würde anfschlagen sehen
— UnD das, Herr Hauptmann, fügte er leise hinzu, Das läßt wohl auf eine glückliche Verbindung schließen — ?
Reymond verbeugte sich, ohne zu antworten.
Plötzlich glaubte Der abgeorDnete Auctionator, dessen Mißniuth Den höchsten G'-Pfel erreicht hatte, noch einmal unseren Offizier stören zu müssen, um ihn aus Den ganzen Ernst Der Angelegenheit in welche er sich eingelassen hatte, zu verweisen.
— Bürger, antwortete neckisch Der Hauptmann, es ist sehr erlaubt, sich über das Glück seines Nächsten zu ärgern, besonDers wenn Dies Glück uns einen Strich durch Die Rechnung macht; aber glaubt mir, es gehört nicht zum guten Tone, seinen Verdruß zu offenbaren. Ob ich vierbunderttaufend Francs in meiner Tasche habe oder nicht das geht Euch zehn Tage lang nichts an. Jeden- falls — beschaut mich nur recht — bin ich weder ein Elf, noch ein Dämon
oder Kobold, unD wenn ich am Verfalltage nicht zahle, könnt Ihr mich in's Loch stecken, ohne Euch Die Finger zu verbrennen.
Das ganze Gerichtsperfonal entfernte sich unter vielen schmeichelhaften Flos- kein gegen Den Bürger Käufer.
Helene blieb allein im Saale zurück. Hoch aufgerichtet, mit bleichem Antlitz und starrem Ange stand sie Da, reglos und schweigend, wie ein schönes Mar- morbilD. Reymond näherte sich ihr ehrerbietig unD sprach:
— Verzeihen Sie mir, Fräulein, Daß ich mich zum Käufer des Besitzthumes eines Emigrirten gemacht habe; es war nöthig. Ihr Herr Vater wird mir vielleicht eine Schurkerei mehr aufbürDen, aber ich hoffe, vor Ihren schönen Augen Gnade zu finken, unk darin besteht mein ganzer Ehrgeiz. — Leben Sie wohl; ich reise nach Paris, wo ich, wie Sie hören, ernsthafte Dinge besorgen muß. Ich richte eine Bitte an Sie, lassen Sie Herrn de Rcncey nichts von Dem Vorgefallenen erfahren, sonDern nach wie vor ruhig in diesem Hause wohnen, Da Der E.genthümer eine lange Reise im Dienste Des Staates zu unternehmen hat. Leben Sie wohl. Fräulein! Ich werDe Die Ehre haben, Ihnen binnen wenigen Tagen neue Nachrichten zu geben (5ortf. folgt.)


