ihr die glücklichsten Nachrichten von ihrem
jungen welcher
Weib.
. . . Haben Sie Madame Bonaparte ge-
aber ein aufopferndes und herrliches — Sie verehren die Tugend . sehen?
— Ja, Fräulein.
— Schon! Und haben Sie
Paare.
Die runde Tafel war durch einen prachvollen Armleuchter erhellt, sich in der Mitte erhob. An ciitem runden Tische giebt es keinen Ehrenplatz. Beweist dies vielleicht, daß Gott, indem er der Erde die sphärische Gestalt verlieh, die Gleichheit beabsichtigt hat? Wir überlassen es dem ersten, besten Logiker, welcher sich damit beschäftigen will, diese schwere Frage zu lösen.
Coralp, welche dem Fenster gegenüber saß, konnte nach Herzenslust die duftigen Wohlgerüche einathmcn, welche aus dem Garten emporstiegen. Zu ihrer Rechten hatte sie den Director, den Herrn des Hauses. Der Offizier saß an
Garten blickte.
Die Nacht war herrlich. Barra« folgte als Ehrenwachter dem
und wird sich später.an meinem Weine berauschen. Die Zunge wird ihm gelöst werden.
— Fräulein, fuhr er fort, Niemand kann Ihnen besser als der Hauptmann Neuigkeiten von unseren Generalen in Egypten mittheilen, unter welchen Sir so viele Bewunderer zählen.
— Was macht Kleber? fragte Coraly.
— Er ist noch immer sehr schön, berichtete Reymond.
— Und Lannes?
— Immer noch tapfer, mein Fräulein.
— Ach, und Desaix? mein lieber Desaix?
— Ist noch immer verständig, schöne Coraly, versetzte er mit einem Blick, welcher zu sagen schien, daß vielleicht sie allein es wagen dürfe, solch' eine ruhmvolle Eroberung zu versuchen.
— Bah! antwortete sie. Die Almeen, sagt man, sollen reizend sein. Tanzen sie wie wir, Hauptmann?
— Fräulein, eine Almee tanzt nicht, sie wiegt sich zwischen Himmel und Erde. Es sind harmonische Undulationen, unvergleichliche Stellungen und Be- wegungen. Der ganze Leib der Almee begleitet durch seine Sprache, wenn ich ich mich so ausdrücken darf, den gemessenen Takt der indischen Trommel. Die Phantomime ohne Hülfe von Gesten ist höchst lebendig und namentlich durch den Ausdruck der Blicke belebt.
— Und findet der strenge General en Chef Vergnügen daran, die Almeen tanzen zu sehen?
— Gewiß, er lächelt, er sieht hin--
— Und träumt von seinem Feldzugsplane, fügte Coraly hinzu. O, er liebt unsere Kreolin, eine Almee des Occidents, nicht wahr?
— Nein, Fräulein, antwortete der Offizier mit einem Anflug von Strenge;
ihrer Herzensseite. _
Der Haushofmeister zerlegte auf einem Nebentische die Speisen und setzte sie auf die Tafel; drei große Lakaien in blauer Uniform mit rothen, goldbe- treßten Aufschlägen bedienten die Gesellschaft.
— Hauptmann, fragte Barras, haben Sic viel Reis, mit Safran gefärbt, in Egypten gegessen? Hier ist ein türkischer Hahn, den ich Ihnen empfehlen kann. n .
— Welch' ein Glück, rief Coraly aus, in der Levante gewesen zu sein I Ich mache mir eine ganz zauberhafte Vorstellung von diesem Lande.
— Fräulein versetzte der Offizier, Egypten und derjenige Theil von Syrien, welchen ich gesehen habe, beweisen mir, daß man sich den Orient im Allgemeinen zu wunderbar vorstellt; damit will ich keineswegs sagen, daß er nicht in Wirklichkeit das lebendigste Interesse bei uns erweckte.
— Sie haben ihn jedoch als Sieger betrachtet, meinte Coraly.
— Im Gefolge eines großen Siegers allerdings, mein Fräulein.
— Hauptmann, nahm Barras das Wort, was halten Sie von diesem Amsel-Ragout? Die Amseln sollen von Malta gekommen fein.
— Malta! versetzte Coraly mit einem tiefen Seufzer. Giebt es dort heutzutage nur noch Amseln?
— Haha, lachte der Direktor, fragen Sie den Hauptmann! Er begleitete Bonaparte bei der Einnahme Maltas.
— Wirklich? Und die Ritter, Herr Hauptmann?
— Fräulein, sie versuchten gar keine Vcrtheidigung. Sie schifften sich ein, und wir gaben uns keine.Mühe, ihnen den Weg zu versperren.
— So daß, sagte Barras mit einer Ironie, welche dem Offizier nicht entging, so daß Bonaparte, mein Fräulein, in Malta allerdings nur noch Amseln fand, wie Sie eben bemerkten. r o
— Ich? wandte Coraly lebhaft ein. Ich hätte das gesagt? Bonaparte ist mein Heros!
— Und auch der meinige, fügte Barra« hinzu.
__Mich dünkt, sagte der Hauptmann mit einer bezaubernden Gleichgültigkeit, daß er ein Heros für alle Welt ist.
_ Welch' ein Genie! rief Coraly aus. Und was für ruhmvolle Waffengefährten !
Ein ausdrucksvoller, elektrischer Blick wurde verstohlen dem Hauptmann zugesandt. Dieser fing ihn tapfer auf und erwiederte ihn von Herzen.
— Er ist unser, dachte Barras und stieß Coraly's Fußspitze heimlich an.
— Hauptmann, nahm er von Neuem das Wort, glauben Sie, daß der Madeira, welchen Sie trinken, zwanzig Jahr alt ist? Der alte Spitzbube, der Bey von Tunis, hat ihn mir gesandt, vermuthlich, damit der Friede zwischen ihm und der Republik erhalten werde.
— Das ist ja ein wahrhaft historisches Essen, meinte Coraly. Alles hier kommt aus der Levante.
— Ist Ihnen das unangenehm, Fräulein?
— Bewahre! Es freut mich im Gegentheil, Bürger Direktor.
Ein zweiter Blick, nicht minder gefährlich, als der erste, flog zum Hauptmann hinüber, der, als ein tapferer Soldat, Feuer mit Feuer erwiederte. .
— Schön, dachte Barras. Er berauscht sich schon an ihrer Schönheit
zärtlichen Gemahl überbracht?
— Ganz wie Sie sagen--
— Nun, und darf man Sie ohne Indiskretion fragen, ob ihre Strohwitt- wenschast bald zu Ende geht? Sie ist so unglücklich, die arme Kreolin . . . Hofft sie? erwartet sie — ?
— Sie hofft, Fräulein. Was den mehr oder minder entfernten Zeitpunkt des Generals en Chef betrifft, so kann Ihnen sicher der Präsident des Directo- riums die beste Auskunft darüber geben.
Barras biß sich auf die Lippe.. Er hoffte auf eine Indiskretion und hörte im Geiste beständig das Rauschen der Wellen, welche Bonaparte zurückführen sollten, dessen Ankunft er, wie man weiß, so sehr fürchtete.
— Wir müssen unfern Mann entschieden betrunken machen, dachte er.
— Sie haben mir noch nichts von Monge und Benholet, meinen beiden gelehrten Freunden, gefügt, fing Coraly wieder an.
— Fürwahr, Fräulein, das sind ein Paar tapfere Männer. Bei der Af- faire von Romanich haben Monge und Bertholet in einem Rettergefecht mit den Beys von Chebreffa wacker ihre Säbel und Pistolen gebraucht, der Eine auf einem Dragonerpferde und der Andere auf einem herrlichen Grauschimmel, einem Arader von reinstem Blute.
Coraly lachte hell auf.
— Ich hoffe, fügte Barras hinzu, daß der General en Chef einen Bericht hierüber an das Institut senden wird. Sie kennen ja seine Passion für diese gelehrte Gesellschaft, deren Mitglied er ist.
— Uno deren Zierde er bildet, wie Sie, General, versetzte der Hauptmann.
Barras verneigte sich nachlässig und ließ ein Lächeln erblicken, dessen Be- dentung schwer zu verkennen war.
— Beiläufig, fragte Coraly, werden Sie Sieyäs besuchen?
— Ja, Fräulein.
— Der AbbF lernt jetzt reiten, erzählte der Direktor. Hauptmann, er wird Ihr Schüler fein, wenn es Ihnen Vergnügen macht.
— Und zum Tausch, fiel Coraly ein, wird er Ihnen metaphysische, staats- ökonomische und sogar theologische Lektionen erteilen.
— Ich danke, mein Fräulein, antwortete der Hauptmann. Ich besitze keinen Ehrgeiz.
— Gar keinen, Hauptmann?
— Doch, ich habe mich geirrt: — den, der Republik zu dienen.
— O, wie unbestimmt —!
— Und Ihren schönen Augen, mein Fräulein, setzte der Offizier hinzu, in- dem er verstohlen in den Mienen des enttäuschten Direktors zu lesen versuchte.
__ Er ist ein Diplomat und folglich ein Emissair, dachte Barras. Ein gewöhnlicher Offizier hätte mir schon, ohne sich zu besinnen, alle Pläne de« Siegers verkauft, indem er zehnmal auf die KriegSthaten seines Generals getrunken hätte.
Das Abendessen nahm feinen Fortgang, und alle drei Gäste besaßen glück- licherweise denselben guten Appetit. Es ist wahr, das Mahl war vortrefflich und die Weine von der vorzüglichsten Qualität. Den Vorspeisen folgten verschiedene Braten, welche nach allen Regeln der ausgesuchtesten Kochkunst bereitet waren. Man wird ein Redner, aber ein Dichter und Bratenkiinstlcr wird ge- ! boten. Diese Kunst läßt sich nicht erlernen, und der Koch von Klein-Luxembourg bewies das am heutigen Abend. Ein Gerücht Wachteln mit Truffelsauce erhielt das einstimmige Lob aller Gäste. Diese halbfetten Wachteln waren mit einer fabelhaften Brühe getränkt. Erfunden während dieser Periode eines ausgesuchten Epikuräismus, gerieih sie ein halbes Jahrhundert lang m Vergessenheit und wurde - dem Himmel sei Dank - zum Ruhme und Gluck unsere« Zeitalttr« wieder entdeckt. Wir wollen hier dieser Ananaswurste gedenken, welche das Pa- lais Luxembourg unter der Republik des Directors Barras erfinden und welche dasselbe Luxembourg durch eine unerklärliche Schicksals - Jrome unter einer mo- ""»W” W.)
Die Verschwörer von 1799.
Roman von be Saint - Felix.
(Fortsetzung)
Coraly verneigte sich, ohne aufzustehen, mit so viel Anmuth und Würde, daß der Offizier einen Augenblick über den Stand der schönen Unbekannten im Zweifel war. Indern er sie grüßte, warf er einen flüchtigen Blick auf die Züge des Direktors.
Reymond las in Barras Gesicht, was er zu wissen begehrte.
— Der Herr Hauptmann kommt von Egypten, Fräulein, begann der Di- rektor. Er kann Ihnen von Tausend und einer Nacht erzählen; er hat Wunder gesehen.
— Ich finde hier Wunder genug, antwortete Reymond, Coraly anschauend, welche ihm durch einen zärtlichen und feurigen Blick dankte.
— Oh, oh! der Herr ist galant, sage ich Ihnen, mein Fräulein — galant und tapfer! Was will man mehr? Sie müssen ermüdet sein, Hauptmann; ich habe mir erlaubt, Sie ohne Umstände zu einem vertraulichen Abendessen einzu- laden, wie ein General seinen Adjutanten.
— Eine große Ehre für mich, mein General, versetzte Reymond, welchem cs diesmal leicht gemacht wurde, ohne Gefahr die Titulatur „Bürger" zu un- terlassen. . ...
Es war ungefähr zehn Uhr Abends. Ein Haushofmeister, in schwarzer Tracht und mit einem Stahldegen an der Seite, erschien auf der Thürschwelle.
— Herr Direktor, sagte er, das Essen ist servirt.
— Darf ich bitten, Fräulein? versetzte der Graf. Hauptmann, bieten Sie ihr den Arm! , _ „ .
Den Claquehut unter dem linken Arme, näherte der Offizier sich Coraly, welche sich groß und mit lieblicher Majestät wie eine Muse erhob. In der Thai, sie glich einer solchen zum Verwechseln, wenn man diese stolzen und doch so anmuthigen Züge und dies schöne schwarze, nach griechischer Art geflochtene Haar mit dem Kranze von langen Verbenenblättern erblickte.
Coraly lehnte sich nachlässig auf den rechten Arm des Hauptmanns und schritt mit ihm in den Speisesaal, zu welchem man heute Abend einen kleinen, länglichrunden Salon bestimmt hatte, dessen hohes, geöffnetes Fenster auf den


