Ausgabe 
30.3.1867
 
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Bestrebungen entschieden entgtgtn treten würde. Auch haben wir auf Erkundigungen erfahren, daß der Religionsunterricht in den Lehrplänen der hiesigen Schulen keineswegs so stiefmütterlich be- dacht ist, daß eine Nachhilfe auf solch außerordentlichem Wege nöthig sein sollte, wie wir denn außerdem auch der Ansicht sind, daß es für unsere Kinder, die gerade genug in der Schule zu sitzen haben, besser ist, sich wahrend ihrer freien Zeit in frischer Lust zu bewegen, als Betstunden mitzumachen und so dem Ein­fluß einer krankhaft frömmelnden Gesellschaft ausgesetzt zu sein.

Wir haben es darum jür unsere Pflicht gehalten, wenn jenen Bestrebungen nicht von geeigneter Seite entgegen getreten werden sollte, wenigstens die Eltern darauf aufmerksam zu machen, damit sie ihre Ämter in dieser Hinsicht beaufsichtigen und vor jenen, das kindliche Gemüth nicht erfrischenden und belebenden, sondern nur verdüsternden und verduselnden Einflüssen zu bewah­ren wissen.

Jenen superfrommen Leuten aber möchten wir den Rath geben, sich an der Sorge für ihr eignes Seelenheil doch genug sein zu lassen, für das unserer Kinder aber die sorgen zu lassen, die dazu berufen sind, und überhaupt den Spruch mehr zu be­legen : Was Deines Amts nicht ist, da lasse Deinen Borwitz!"

Beschlüsse

des Gemciuderaths der Stadt Gießen aus der Sitzung vom 28. März 1867.

1 Für eine nachträgliche Forderung de« Bäckers Ludwig Keil aus einer von der städtischen EinquarürungS.Eommission für Badische Truppen veran­laßten Brodlieserung wurde Zahlung bewilligt.

> Dem Lehrer Jung wurde ein, an seinem Hause liegendes, 100 Qua­drat Klafter haltendes, zur öffentlichen Verpachtung Nicht geeignetes städtifchcö Grundstuck für 6 st. 30 fr. jährliche Vergütung aus der Hand verpachtet.

3 Dem Bäcker H. Plank rombc für Brod, welches er auf Riguisitlon der Stadt Gießen für die Abgebrannten in Heuchelheim feiner Zeit geliefert, aber nicht rechtzeitig liquidirt hatte, mit dem Betrage von 3 st. 22 fr. nach träalich Vergütung bewilligt.

4 Nachdem der Großh. Professor Dr. Winther Situationsplan über fein beabsichtigtes Bauwesen eingereicht und sein Projekt damit naher be­stimmt hatte wurde der Bauausschuß beauftragt, letzteres unter Zuziehung des Professor« Dr. Wnthcr an Ort und Stelle näher zu prüfen, und dem Gcmeindcrath, wegen defintiiver Festsetzung der Kaufbedingungen Vorschläge zu Machen. ,. ... r .

5 Ejn bei Großherzoglichem KreiSan.te dahier emgebrachtes Gesuch der Commanditgesellschaft Gg. Hess und Eomp. um Errichtung einer Brauerei in btr ehtmals v. Helmolt schon Besitzung am Leihgcstcrner Wege, war dem Ge- meindcrath zur Begutachtung der Zuläsugkeit der beabsichtigten Anlage zuge- gangen und wurde durch die Erklärung erledigt, daß der Gemeinderaih keinen Anlaß habe, einem solchen Unternehmen, das sich, durch seine Gemeinnützig­keit sür die Stadt empfehle, entgegen zu fein.

<i (Sju Gesuch des Fabrikanten W. Gosst hier um Erlaub»,» seinen HauSgarten an dein Schoorweg mit einem aus diesen Weg, unmittelbar hinter die dort besindlichen Bäume zu errichtenden Spalier einfriedigen zu dürfen, wurde wegen der Unzweckmäßigkeit einer solchen Anlage, abgelehnt.

; Dtn> Ortsdiener von Steinbach, welcher für Bekanntmachungen in städtischen Angelegenheiten seither 2 st. 30 fr, Vergütung erhielt, wurde auf sein Nachsuchen, eine zu der Vergütung der Ortsdiener gleich großer Orte »n Verhältniß stehende Erhöhung von 2 st. bewilligt.

b. Der Sappeur JohS. Witzler von Bottenhorn, einem an Picußen ab­getretenen Orte de« ehemaligen Hessischen Kreise« Biedenkopf, Hai, um im Großhcrzvglichen Militärdienst verbleiben zu können, um Ertheilung des HeimathSrecht« von Gießen nachgesucht, der Gemeindcrath aber den,elben abschlägig beschieden, weil zu befürchten stand, daß die Aufnahme des Bitt­steller« Vach Gießen der Stadt nachtheilig werden könne, und weil derselbe an seinen Garnisonsort Worms die Forderung seiner Aufnahme eher zu stellen berechtigt und dieser sie zu berücksichtigen mehr als Gießen verpflichtet ist.

9. Dem Friedrich Möhl, Adolf Sohn, wurde das Bürgerviertcl feiner verstorbenen Stiefmutter, welches er schon längere Jahre gepachtet und im Jahr 1866 besaamt hatte, nach vorliegender Gemeindesatzung für eine, dem Pachtwcrlh der Triebviertel in derselben Lage, entsprechende Vergütung von 3 fl. 15 fr. noch auf 1867 zur Benutzung überlassen.

10. Der Großh. Bürgermeister Vogt erhielt von dem Gemeinderath die Ermächtigung, 50 Pfund GraSsaamen zur Verbesserung der Stadtwieseu zu dem laufenden Preis au« der Hand anzufchaffen.

11. Dem Fabrikanten W. Gosst von Großen-Linden, HauSbcfitzer in Gießen, ertheilte der Gemeinderath da« hiesige Bürgerrecht.

12. Der Gemeinderath beschloß, die Scräthe in der städtischen Turnhalle und da« Hol, im städtischen Magazin gegen FeuerSgefahr zu versichern.

13. Derselbe bewilligte dem Großh. Hofgericht« Rath Bindewald dahier von den bei der Stadt zu 3*/i% Zinsen angelegten Kapitalien eine Erhöhung auf 40/0 vom 1. April, d. I. anfangend.

Sdjmurgeridjt her Provinz l)6eiT)e|Ten.

II. Quartal 1867.

(1. Woche.)

Anklagen:

Montag den 1. April, Vormittag« 9 Uhr, gegen August Hofn>ann von Schletzenhausen, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Vertheid. : Großh. H»f- gerichtS-Advokat Kraft. .

Dienstag den 2. April, Vormittag« 8 Uhr, gegen JohauneS Hau« von Ilbenstadt, wegen Brandstiftung; Bertheid. : Großh. Hofgencht«- Advokat

Mittwoch den 3. April, Vormittag« 8 Uhr, gegen Johann Reinhard Wolf von Bingenheim, wegen Brandstiftung; Vertheid. : Großh Holgerichts- Advokat Dr. Muhl. siPHhn.

Donnerstag den 4. April, Vormittag« 8 Uhr, gegen Nathan Katz 11 ittwe von Münzenberg, wegen Pleineid«; Bertheid. : Großh. HofgerichtS-Advokat Dr' grlckag 'den 5. April, Vormittag« 8 Uhr, gegen Jvh. Sriedrich Berer von Freienseen, wegen Meineid«; Vertheid. : Großh. HosgenchtS-Advokat

11 "samflag den 6. April, Vormittag« 8 Uhr, gegen Johann Eonrad Wenzel von Rommelshausen, wegen Diebstahl« und Raub«.

Die bei Großh. Bezirküstrafgcricht Gießen in öffentlicher Sitzung gefüllten Urthcilc.

I. Am 21. März d. I. wurdcn verurtheilt :

1. Jost Burk von Sinkershausen und Jacob Schmidt von Großen Linden, wegen Diebstahls Ersterer in eine geschärfte Correctionshausstrase von drei Monaten. Letzterer in eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen.

2. Heinrich Panz von Lieh. wegen Diebstahl«, in eine geschärfte (_o rectionShauSstrafe von drei Monaten und acht Tagen.

3. Georg Schmalz von Gruningen. wegen Gewaltthat,gke>t und Er­pressungsversuchs, in eine desgleichen von drei Monaten.

II. Am 27. März d. I. wurden verurtheilt :

1. Friedrich Ringel von Lollar, wegen öffentlicher, thätlicher und wört­licher Ehrenkränkung, in eine Gefängnißstrafe von 4 Tagen.

2. Elisabeths Hinkel von Villingeii, wegen Diebstahls, in eine Evrrec- tionShauSstrafe von drei Monaten. . .

3. Ehristian Dörr 111. von Grünberg, wegen ErpreffungSversuch, in eine Gefängnißstrafe von 14 Tagen.

Dir bei Großh. Bczirksslrafgcricht Gießen zur Aburtheilung koiumeliden llntersuchunge».

Den 3. April d. 3.:

1. Untersuchung gegen Jacob Metzger U. von Münzenberg und Eonsor­ten, wegen Gewaltlhätigkeit, bezw. Körperverletzung im Raufhandel resp. in Ueberschreitung der 9!othwehr.

2. Gegen Heinrich Vlenkel von Nieder-Ohmen, wegen Verläumdung.

t^eld-t^ourS vom 28. Aiärz t*t>7.

Preuß. Eaffen - Scheine ........

fl. 1. 41J-45J

Preuß. Friedrichsd'or..........

9. 57-58

Pistolen..... . . ...

9. 44-46

Doppelte...........

9. 45-47

Holl. fl. 10 Stück, . ......

9. 51-53

Rand-Ducaten....... ....

5. 34-36

20 Frankenstücke .... ...%...

. 9. 27J-28J

Enal. Sovereigns...........

11. 51-55

Dollar« in Gold..... . . .

2. 27j-28j

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Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.