Ausgabe 
27.12.1867
 
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Das Jahr 1866 und die Lebensversicherung.

Wie das Jahr 1866 in so viele Verhältnisse theils neu gestalten«, theil« schwer drückend oder wohl gar lösend eingriff, so war eS auch ein Prüfstein für die Lebensveeficherungsanstalten. Ihnen traten ja zwei mächtige Feinde gegenüber, die ste sehr zu schädigen, namentlich die Reihen der Versschenen stark zu lichten drohten: der Krieg und die Cholera. Aber die Anstalten haben diese Prüfung wohl bestanden Da« Bremer Handelsblatt besprach vor kurzem in seinem ähnlichen Generalberichte die auf diesem Gebiete von den deutschen Anstalten im Jahr 1866 erzielten Resultate, aus welchem Berichte wir die nachfolgenden Zahlenangaben entlehnen. Während der Versich.ruugS- beftand am Anfänge beS Jahrs sich bei den bestehenden 32 deutschen Lebens- I Versicherungsanstalten zusammen auf 281,276 Personen mit einer Gesammt- verstcherungSsumme von 279,122,656 Thlrn. bezifferte, erhob dmelbe sich durch einen Zugang von 55,981 Personen und 50,743.036 Thlrn.. nach Abzug deS Abgangs, bis zum Jahresschluß auf 305,433 Personen, welche mit 300,559,654 Thlrn. versichert waren. Für verstorbene Versicherte wurden mehr als in allen früheren Jahren 6,031,301 Thlr. ausgezahlt, und dadurch gewiß vielen der bedruckte Muth wieder aufgerichtet, der um den Verstorbenen trauernde Blick dem Leben wieder zugewendet. Daß die durch die KriegSverhältmsse herbeigefuhrte Unsicherheit im Geschäftsverkehr und die für einige Zeit auf eine ungemeine Höhe gesteigerte Geldnoth auf da« Lebensversicherungsgeschäft ihre Entwirkung nicht verfehlt haben, darf um so weniger befremden, als die Lebens­versicherung vorzugsweise ein Product des Friedens ist, und nur da zum mäch­tigen Baume gedeiht, wo fein mitte« Seepier herrscht. Schritt der Zugang an neuen Versicherungen bei Beginn de« Jahrs erfreulich und vielversprechend vorwärts, so verringerte sich doch die Versicherungslust nach wenigen 'Dlonaten in demselben Grade wie die Kriegsbesorguiß stieg. Der wirkliche Ausbruch des Kriegs brachte sie auf ein Minimum herab. Glücklicherweise nahm der rasch entbrannte Krieg einen eben so raschen Verlauf, so daß nur während weniger Wochen da« Lebensversicherungsgeschäft durch denselben darniederlag, und sich bald wieder hob Die Kriegsereignisie brachten aber auch manche schon bestehende Versicherung ohne den Tbd ihre« Träger« wieder zur Lösung. Dieser Abgang bei Lebzeiten nahm so zu, daß er sich im Durchschnitt bi« auf 7 Prozent des gesummten Versicherungsbestandes, bei einzelnen Anstalten aber sogar auf 16 und 17>/2 Prozent erhob. Am niedrigsten mar derselbe bei der Gothaer Bank, denn er betrug bei dieser Anstalt nicht mehr al« in friedlichen Zeiten, nämlich nur etwa ein Prozent. Zur Sicherstellung der laufenden Risiko« dient ein Garantiefonds, bet sich bei allen in Betracht kommenden 32 Anstalten, abgesehen von den Aetienkapitalien, auf etwa 41 Millionen Tbaler beläuft, wovon auf die Gothaer Bank. die größte deutsche Anstalt dieser Art, etwa 14 Millionen treffen. Die Berwaltungskosten schwankten zwischen 4,zg Prozent und 24,37 Prozent der JahreSeinnabrne, welche letztere sich überhaupt auf etwa 12 Mill. Thaler belief. Abgesehen von den obigen inbirecten Nachtheilen hat der Krieg den Lebensversicherung« - Anstalten nur wenig bitecte Verluste verursacht. Viele Anstalten erklärten sich zwar bereit gegen Grtraprämien auch die Gefahr des activen Kriegsdienste« versicherter Militär»,rsonen, welche nach den allgemeinen Bedingungen von der Versiche­rung« Garaniie ausgeschlossen ist, zu übernehmen ; da aber nach der Natur der Sache die @rtra»rämie nicht gering sein kann (sie betrug für den letzten Krieg 5 und 10 pGt. der Versicherungssumme), so haben nur wenig versicherte Mi­litärpersonen von diesem Zngeständniß Gebrauch gemacht. Die meisten ließen ihre Versicherungen für die Dauer de« Kriegsdienstes suSpendiren. Dadurch entgingen zwar den Versicherungskassen die Ertraprämien, sie blieben aber auch von den Zahlungen für die Todesfälle versicherter 'Militärs während oder in Folge de« Kriegsdienstes befreit. Viel b> deutender waren die durch die Cholera verursachten Verluste. So weit sich dies aus den Rechenschaftsberichten der 32 Anstalten, welche darüber genauere Auskunft ertheilt haben, ermitteln ließ, waren von denselben im Ganzen 934,915 Thlr. für die durch Cholera verur­sachten Todesfälle zu vergüten ein Verlust, welcher um so schwerer in'8 Gewickit fällt, als zu dessen Deckung ni<bt, wie bei den für den Krieg in Kraft erhal­tenen Versicherungen von Militärperfonen, Ertraprämien zu Gebot standen. Diesem Umstande war es daher auch zuziischreiben, daß die Sterblichkeits­erwartung, welche in den letzten Jahren bei den meisten Anstalten von der Wirklichkeit nicht erreicht worden war, dieses Mal bei der Mehrzahl der In­stitute, und zwar zum Theil sehr bedeutend, Überschritten wurde. Gleichwohl hat die Lebensversicherung, der ungünstigen Verhältnisse ungeachtet, auch im verstossenen Jahre, wie obige Zahlen ergeben, wieder einen erfreulichen Auf­schwung genommen, der Zengniß dafür ablegt, daß das deutsche Volk den hohen Nutzen derselben immer mehr würdigen lernt. Diese Erkenntniß be­rechtigt zu der sichern Erwartung einer immer mehr fortschreitenden Betheiligung des Publicum« bei diesen gemeinnützigen Anstalten, deren Aufblnhen und Ge­deihen im Interesse des dadurch geförderten Volkswohlstandes mit Freude begrüßt werden muß.

literarisches.

Unsere gährnngsvolle, vorwärtsdrängende, ereignisreiche Zeit hat auch in derAllgemeinen iilustrirlen Zeitunglittet Land und Mett" (Stuttgart, Eduard Hallberger) ihre treue Begleiterin gefunden, und bringen namentlich die letzten Nummern des soeben abgelaufenen Jahrganges wieder eine Reihe der interessantesten Artikel aus der Zeitgeschichte, von welchen wir nur auf einige aufmerksam machen wollen:Das Ende des Kaiserreichs in Merieo", eine historiich orientirenbe ©chilbening ber bärtigen Zustände, ein fachkundiger Bericht über die neuesteRevolution auf Halst!" , eine brillante Beschreibung derKrönuiigsfeierlichkeiten in Pesth-Osen von einem Augenzeugen, eingehende und belehrende Betrachtungen überdie pariser Weltausstellung", tBiogravhieen und Nekrologe Hervorragender Persönlichkeiten (Verbi, Minister A.'Hye, Sui tau Abdul Äziz, BöckH, General Mirarnon, Aug. Silberstem, Fr. Halm, C. Koffak und Muhlfeld). Roman und Novelle sind in diesen Nummern durch d,e rühmlichst bekannten Will). Raabe und Wilh. Jensen vertreten. Gust. R a f ch gibt hübsch aeschriebene Bilder aus den tyroler Kalkalpen. Hack- länder eine virtuose Beschreibung eines Besuch« der Weltausstellung Wlar Ring anzieheiide Kuustlerbilder aus der Gegenwart. Die verschiedensten LebenS- iiiid Strebensgebiete finden wir nach Gebühr und stets von kompetenter Feder berücksichtigt; die so reichhaltigen Notizblätter registriren fortwährend alle wisse,ismertbeu Vorkommnisse und Crfch.iiiiinaen, iind bewährte Korrespondeneuz

von den Centralpunkten deutschen Leben« berichten Über das Thun und Treiben der Großstädte und die Bewegung der hohen Polstik. Auch die vorliegenden Nummern enthalten wieder zahlreiche, prachtvolle Jllustrationeu. durchgehend« von Meisterhand entworfen und durch die rühmlichst belanuie rvlographische Anstalt von Ed. HaUberger fein und sauber auegefübrt. Gin herrliche« Bild z. B. istTer KönigSritt auf den Königshügel (tu Pestb-Lfen)" von Frei­berg, sowieDie Krönung de« König« von Ungarn in der Kirche zu Ofen" von Demselben, fernerGin Roththier mit Kälbern" ,Reinecke im berliner Eisen",TaS eidgenössische Schützenfest in Schwyz" u. s. w Mit ber ruhigen Schönheit unb bem stillen Ernst wechselt auch bei den Illustrationen der spie­lende, neckende Humor. Unter den illustrirten deutschen Zeitungen nimmt jeden- fall«Uebet Land und Meer" eine der ersten Lteilen ein. Nach dem Pro­spekt für den neuen Jahrgang dürfen die Leser ganz Vorzügliche« erwarten; von der rühmlichst bekannten Verlagshandlung weiß man, daß sie ihren Lesern eher mehr al« weniger bietet, wie sie verspricht.

Geld'EourS vom 25. November 1867.

Preuß. Gaffen - Scheine Preuß. Friedrichstfor

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Zur Entgegennahme weiterer Beiträge sind wir gerne bereit.

Die Erped11ion.

3ßenn in gesundheitlicher Beziehung ein Mittel verdient, die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich zu ziehen, so ist es in der Thal die Bruchsalbe des Herrn Gottlieb Sturzenegger in Herisau, Kt. Appenzell in der Schweiz, gegen Unter- leibsbrüche. Sie verdient dies aus zwei Gründen, einmal, weil dieselbe in weitaus den meisten Fällen diejenigen Bruche, Vie ohne Operation zu heilen nur möglich sind, ohne jede Entzündung u. tcrgl. vollkommen heilt; zweitens weil unters Wissens die ganze medieinische Wissenschaft zur stunde noch kein Mittel gegen Unterleibsbrüche zu Tage geiördert. Es ist deshalb erfreulich, dass schon eine bedeutende Anzahl der Herren Aerzte Vie Praxis über die Theorie binwegsetzen und in Anerkennung der wirklich vorzüglichen Eigenschaft der S t ur zene gg er'schen Bruchsalbe dieselbe bei Unterleibsbrüchen verschreiben und empfehlen. (

Jiebgction, Druck unk Verlag ter Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gietzen.