1549) Für einen Schüler, welcher das hie-I fige Gymnasium oter die Realschule besuchen will, steht sofort ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. Auf Verlangen kann auch die; Kost gegeben werden. Näheres ist bei der Exped. d. Bltt«. zu erfragen.
Männer-Bädcvcrem.
Generalversammlung Samstag den 27. April, Abends 8 Uhr,^ im Promenadehaus.
Tagesordnung: Rechnungsablage und Ergänzungswahl des Vorstandes.
(1520) H. W. Dauern heim.
1543) Donnerstag ten 2. Mai beginnt wieder der Unterricht in meiner Lehr-Anstalt und können neue Schüler bis dahin jederzeit bei dem Unterzeichneten angemeldet werden. C. Franz.
1554) Am zweiten Osterfeiertage wurde ein blau» und weistmelirtes seidenes Foulardtuch auf dem Wege von Wiescek durch den Philosophenwald auf die Licbigshöhe verloren. Der redliche Finder wird ersucht, dasselbe gegen eine gute Belohnung bei der Exped. d. BlttS. abzugeben.
1524) Die Inhaber von Schuldscheinen des hiesigen Gesellschaftsvereins wer- den ersucht, gegen Rückgabe der Anweisungen, die neuen Zinsabschnitte, Morgens um halb 9 Uhr oder Nachmittags zwischen 1 und 3 Uhr täglich — außer Mittwochs und Sonntags — bei mir in Empfang nehmen lassen zu wollen.
Gießen, den 20. April 1867.
Der Rechner: Bieler.
Knabenlehranstatt von C. Rahn.
1521) Das neue Schuljahr beginnt wieder mit dem 6. Mai. Neue Schüler können zu jeder Zeit bei dem Vorsteher angemeltet werden.
1523) Mit trauerndem Herzen sage ich hiermit allen Denjenigen, welche meinen leider zu früh verstorbenen Mann, den Drechslermeister ftarl Schassstädt, zu seiner letzten Ruhestätte geleiteten, meinen herzlichsten Dank.
Karl Schaffstädt Wittwe.
Zugelaufen.
1541) Ein getiegerter Jagdhund, kessen Eizenldümer sich längstens dis Montag den 29. d. Mts. bei Konrad Keßler, Glaser in Wieseck, zum Empfang des Hundes und zur Zahlung der Jnseratgebühren und der Fütterungskosten melden muß.
1527) Es ist eine Summe Geldes gefunden worden, welche der sich legitimirente Verlierende gegen Entrichtung der Jnserat- bühren beim Finder erheben kann. Der Name des Letzteren ist bei der Expedition d. Bltts. zu erfahren._____________________
1551) Em schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichnungen und dünner, etwas gekrümmter Ruthe, >st Donnerstag den 4. April Abends in Gicß>n entlaufen. Der jetzige Besitzer wiid ersucht, tenjelben gegen eine gute Belohnung bei ter Exped. d. Bltts- abgeben zu wollen.________________________
1522) Em junger Mann wird auf sogleich als HauSburjche in eine Wirthscdaft gesucht. Zu erfragen bei der Exped. d. Bl.
1517) Nr. 23 hat den Fußleppich und Nr. 202 das Eckbrett gewonnen.
Egly, Polizeidiener.
Die „Od. Ztg." enthält folgende Ansprache:
An die französischen Handwerker und Arbeiter.
Französische Brüder!
Eure Landsleute, die pariser Studenten, haben an die stu- dirende Jugend Deutschlands eine echt menschliche und männliche Adresse erlassen, die in allen deutschen Volksklassen lauten und freudigen Anklang findet. Sie weisen darin auf das Ungewitter hin, welches sich im Westen des europäischen Horizonts erhebt und die Völker mit Schrecken für die nahe Zukunft erfüllt. „Krieg" ist das verabscheuungswürkige Wort, welches wieder in den Familien Frankreichs und Deutschlands Entsetzen erregt. Von Wem aber muß dieses Wort wohl mehr gehaßt werden, als von uns Arbeitern? Die Zeit, wo die Arbeit als ein Fluch der Sünde angesehen wurde, ist vorüber; wir wissen, daß gerade die Arbeit das beste Mittel gegen die Sünde, daß sie der schönste Segen Gottes ist. Nun giebt es aber für die geordnete und heilsame Arbeit keinen schlimmeren Zerstörer, als den Krieg; folglich paßt der Krieg gar nicht mehr in unsere Zeit; er ist von allen Uebcrbleibfeln der rohen Vorzeit das ungeheuerlichste und abscheulichste — aber auch das zäheste! Im Dienste des Despotismus, den er — wie Eure studirenven Landsleute sehr richtig sagen — immer von neuem „erzeugt", ruft er für die Völker Gefahren hervor, wo noch gar keine vorhanden sind. Blickt auf die Blüthe unserer gemeinsamen Arbeit, blickt auf Eure Industrie-Ausstellung, blickt auf das Stocken aller bürgerlichen Geschäfte, und Ihr seht das allgemeine Verderben, welches schon der bloße Namen des Kriegs hervorgerufen hat! — Was aber können wir gemeinschaftlich gegen das Ungeheuer, welches wieder tausende von Familien zu zerreißen und Millionen Menschen in'S Elend zu stürzen drohet, thun? Wir wollen zunächst unsere Besonnenheit nicht verlieren; wir wollen uns nicht von Redensarten berauschen und die Dinge anders vorspiegeln lassen, als sie sind; wir wollen eingedenk bleiben, daß ter Krieg gerade uns Arbeiter — dort wie hier — am empfindlichsten trifft; wir wollen gemeinsam unsere Stimme erheben und laut darauf Hinweisen, daß für keinen Gegenstand ein übermäßiger Preis auf Kosten des Volks gezahlt werden darf! Tausend- stiminig wollen mir jegliches Duell, mag es von Einzelnen oder von großen Heeresmasscn ausgeführt werden, laut verdaut- men, weil es kein rechtes Mittel ist, die Wahrheit an den Tag und das Recht zur Geltung zu bringen. Die Völker müssen mit vereinten Kräften Institutionen zu schaffen suchen, in welchen ihre Erwählten auf vernünftigem Wege nationale Streitfragen zur Erledigung bringen. Alle Volksklassen müssen ernstlich dahin streben daß die Religion nicht in Ecremonien und Redensarten bestehe, sondern mit dem Leben in Ein klag gebracht werde; das
: wahre Ehristenthum — Vernunft und Liebe — muß endlich in | die Politik eingesührt werden! — In solcher Weise, französische I Brüder, lasset uns gemeinsam für unser Heiligthum — die A r- b e 11 — und gegen den schlimmsten Feind — den Krieg — laut protestiren und thatkrästig wirken!
Bergen a. R. Ein Handwerker.
Literarisches.
Tie neuesten Hefte der „Jllustrirten Welt", das dritte und riene (Stuttgart, Eduard Haliberger), staben außer ihrem reichen deiehrenden und unterhairenden Inhalt, der dieser Zeitschrift von jeher einen der ersten Plätze in unserer belletristischen Zeitschriftenliteratur angewiesen, besonders auch der ereignißvollen Gegenwart gebührend Reel'nung getragen. Bon den hierauf bezüglichen Aufsätzen nennen wir : „Bier Wochen im Böhmerland" von br. Spangenberg und „Die preußische Feldarmee" von Schmidt-Weißen fels. Eine recht hübsche und anziehende Novelle hat Adolf Muller unter dem Titel „In Feindesland" gespendet, sie spielt unmittelbar nach der Schlacht von Königsgrätz in Berlin; von 3. D. H. Jemine lesen wir den Schluß einer pikanlen Erzählung „Alter Samen und ftisches Reis"; feiner Fortsetzung und Schluß des lebensvollen, durch treffliche Ehenaktenstik sich auszeichnenden Romans „Die Tochter des Juwelenhändlers" ron I. W. Smith, eine prächtige Jagdgejchiestte „Der Fuchsbau- von Friedr. Gerstäcker und den Anfang eines englischen Romans „Die heimliche Ehe" von I. F. Smith. Die „Memoiren eines italienischen Polizeibeamten" von I. Ristori werfen i sehr interessante Schlaglichter auf die Zhätigkeit der modernen Polizei in politisch erregter Zeit. „Das Rathhaus zu Nürnberg", „Die heilige Elija^lh", I „Die Holzfäller in den Vogesen", „Eine Fürstenstadt" (Dresden) von Rich. Andree. „Neue londoner Skizzen" ron Jul. Rodenberg, „Die ehemalige Wahl- und Krönungsstadt Deutschlands", „Elfen und Zwerge" von Her- ! mann Lingg, „Eine Burg im Rheinthal" (Godesberg) ron Karl Seid- I litz, „Der Tabellion ron Bellinzona", Lskar Pietschs „Allerlei Schnik- Schnak", „Tie Eentralkirche der katholischen Ehristenheit", „Die Weltausstellung in Paris" von Dr. E. Hansen, „Das Fest der zugendlichen Arm- । brustschützen in Thun" von Paul Bo Ilmar, „Tie Mühle rou Sanssouci" von Schmidt-WeißenfelS, „Tie Svpbienkirche in Konstantinopel", „Deuticher Balladenschatz" ron Dr. G. Wendt, und „Fliegende Blätter" — dieser bunte, mannigfaltige Inhalt, größlentheils ron den betufenlten ; Federn gespendet, bürgt gewiß für die rücksichtsvolle Auswahl und tue wohlerwogene Umsicht, mit welester die Redaktion bei ter Ausstattung der „Jllu- strirteu Welt" zu Werke geht. Tie Reichhaltigkeit der literarischen Beiträge entsprechen die vielen und schönen Illustrationen, deren die letzten Hefte der „Jllustrirten Welt" nicht weniger als 32 zählen, darunter von Girardst, Puschkin, Theuerkauf, Schuler, Hose mann u. A. m. Rösselsprung, sinnige Bilderräthsel u. i. w. schließen jedes Heft. Ten Abonnenten des ganzen Jahrgangs hat bekanntlich die Berlagshandlung die danteuswerihe Vergünstigung eingeräumt, die neueste Eotta'schc Schiller Originalaus- gabc um einen außerordentlich billigen Preis von ihr jil beziehen; ron derselben (12 Hestej find bereits vier Lieferungen in den Händen der Abonnenten. Möge d>r Geist des großen deutschen Tenkers und Dichters seinen Segen immer weiter ausbreiten an dem häuslichen Herde unseres Volkes!
Redaktion, Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


