Wien, 20. Nov. In der heutigen Sitzung des Unterhauses wuroe in der L-pecialdebarte über das Delegationsgesetz 8- 7 u. 8, den Wahlmodus betreffend, wonach die Delegatious- mitglieder aus den Gruppen zu wählen sind, nach Verwerfung der Ausschuß- und anderer Anträge nach der Regierungsvorlage mit mehr als zwei Drittel Majorität angenommen. — Das Gesetz über Vereins- und Versammlungsrecht hat die kaiserliche Sanction erhalten.
— — Das „Wiener Tagblatt" will wissen, daß der König von Griechenland bei seiner kürzlichen Anwesenheit in Wien unumwunden erklärt habe, er müsie den Aufstand in Kreta unterstützen und könne den Beistand Rußlands nicht entbehren. Dasselbe Blatt schreibt, England habe Serbien in dessen Conflicten mit der Türkei seine Vermittlung angeboten, welche dasselbe aber mit Hinweis auf die schon vorliegende Vermittlung Rußlands dankend abgelehnt habe.
Florenz, 18. Rov. Die amtliche Zeitung meldet: Die Anzahl der gefangenen Garibaldianer in Rom beträgt 1765. Gerüchtsweise verlautet, der Gemeinderath von Neapel werde aufgelöst werden. Rach der „Opinione,, ist Malaret zum französischen Gesandtschaftsposten in Rom designirt. — Die Journale bestätigen die Nachricht, daß zu Rom eine Haussuchung bei Odo Rüssel vorgcnommcn wurde. Mau erwartet einen Protest Englands.
— — 20. Nov. Die „Nazione" meldet, die Einberufung des Parlaments sei auf deu 5. Dccembcr bestimmt. Ein Dekret verordnet die Bildung von Divisionen activer Truppen, welche sofort mobil gemacht werden können. Die Orte für die Aufstellung derselben-wird der Kriegsminister bestimmen. Morgen wird die Eisenbahn von Neapel über Foligno eröffnet.
— —, 20. Nov. Die Eröffnung des Parlaments wird jetzt bestimmt für den 15. December erwartet.
Nom, 17. Nov. Die Stadt Rom hat den Vertheidigern von Monte Rotondo, welche aus der Kriegsgefangenschaft zu- rückgekehrt sind, ein Banket gegeben; die Mehrzahl derselben gehört der Legion von Antibes an. Das Fest fand im Palast Barberini statt. Verschiedene Personen aus der hohen Aristokratie und der vornehmsten Bürgerschaft wohnten dem Feste bei; ihr Erscheinen wurde mit enthusiastischen Hurrah's begrüßt.
--Die französischen Truppen treffen noch keine Anstalten, diese Stadt zu räumen; im Gcgcntheil haben die französischen Generale ihre Hotels verlassen und sich in den ihnen von der Municipalität zur Verfügung gestellten Palästen ein- quartirt. An der Befestigung Roms wird unausgesetzt, selbst Sonntags, gearbeitet.
Paris, 1*. Rov. Der Kaiser hat heute die Kammern mit folgender Thronrede eröffnet: „Die Rothwendigkcit, das unterbrochene Studium wichtiger Gesetze wieder aufzunehmen, hat mich verpflichtet, Sie früher als gewöhnlich znsamnienzu- berufen; außerdem haben neuere Ereignisse bei mir den Wunsch erregt, mich mit Ihrer Einsicht uiib Unterstützung zu umgeben. Seit Sie sich getrennt, haben sich vage Beunruhigungen eingestellt um die öffentliche Meinung Europas anzugreifen und überall die Bewegung des Gewerbfleißes und des Handelsverkehrs zu beeinträchtigen. Trotz der Erklärungen meiner Regierung, die nie von ihrer friedlichen Haltung abgewichen ist, hat man den Glauben verbreitet, daß jede Aenderung in der inneren Einrichtung Deutschlands eine Ursache zu Streit sein müsse. Dieser Zustand der Ungewißheit darf nicht mehr länger dauern. Die Veränderungen, die sich auf der andere» Rheinseite vollzogen, müssen freimüthig hingenommen und es muß verkündet werden, daß, so lange unsere Interessen und Würde nicht bedroht sind, wir uns nicht in die Umwandlungen einmischen werden, die sich nach dem Wunsche der Bevölkerungen dort vollziehen werden. Die Beunruhigungen, welche zu Tage getreten sind, lassen sieh schwer erklären in einem Zeiträume, wo Frankreich der Welt das imposanteste Schauspiel der Versöhnung und des Friedens dargeboten hat. Die Weltausstellung, wo sich fast alle Souveräne Europas eingefunden haben und wo sich die Vertreter der arbeitenden Elasten aller Länder begegnet haben, hat die Bande der Brüderlichkeit zwischen deu Nationen wieder auf's Neue verschlungen. Sie ist verschwunden, aber ihr Eindruck wird sich tief in unser Zeitalter eiuprägeu; denn, wenn auch die Ausstellung nach ihrer majestätischen Erhebung nur in augenblicklichem Glanze gestrahlt hat, so hat sie doch für immer eilte Vergangenheit von Vorurtheilen und Jrrthümeru zerstört. Feffeln der Arbeit und der Intelligenz, Schranken zwischen den verschiedenen Völkern wie zwischen verschiedenen Elasten,
। internationale Gehässigkeiten, das ist es, was sic hinter sich geworfen hat. Diese unleugbaren Pfänder der Eintracht können uns aber nicht davon entbinden, die militärischen Einrichtungen Frankreichs zu verbestern. Es ist eine gebieterische Pflicht für die Regierungen, unabhängig von den zufälligen Umständen, den Fortschritt auf allen Gebieten zu verfolgen, welche die Kraft des Landes ausmachen, und es ist für uns eine Rothweudigkeit, unsere militärische Organisation, wie unsere Waffen und Marine . zu vervollkommnen. Der dem gesetzgebenden Körper vorgelegte Gesetzentwurf vcrtheilt die Last der Recrutirung auf alle Bürger. Dieses System ist zu absolut erschieueu und es sind deß- halb Vergleiche hinzugekommen, um die Tragweite destelben zu mildern. Meine Regierung wird Ihnen neue Verfügungen
J vorlegcn, die nur einfache Zusätze zu dem Gesetz von 1832 sind, die aber den Zweck erreiche», deu ich immer verfolgt habe, den Kriegsdienst während des Friedens zu vermindern und
! während des Krieges zu vermehren. Sie werden dieselben prüe ; fen ebenso wie die Organisation der mobilen Rationalgard imt;r dem Eindrücke des patriotischen Gedankens, daß je stärker wir sind, destomehr der Friede gesichert ist. Dieser Friede, den wir Alle erhalten wollen, ist einen Augenblick gefährdet erschienen. Die am Hellen Tage vorbereiteten revolutionären Bewegungen bedrohten die päpstlichen Staaten. Da die Convention vom 15. September nicht ausgeführt worden war, habe ich von Neuem unsere Truppen nach Rom schicken und die Macht deS heil. Stuhles beschützen müssen, dadurch, daß ich
| die Eindringlinge zurückwarf. Unsere Haltung konnte nichts Feindseliges gegen die Einheit und die Unabhängigkeit Italiens haben und diese Nation, einen Augenblick überrascht, hat nicht I gezögert, die Gefahren zn verstehen, welche diese revolutionären Manifestationen dem monarchischen Prineip und der europäischen Ordnung bereiteten. Die Ruhe ist heute in den päpstlichen Staaten fast vollständig wiederhergestellt und wir können ans den nahen Zeitpunkt der Rückkehr unserer Truppen in die Heimath rechnen. Für uns besteht die Convention vom 15. September, insofern sie nicht durch einen neuen internationalen Akt ersetzt ist. Die Beziehungen Italiens zn dem heiligen Stuhle interessiren ganz Europa uud wir haben den Mächten vorgeschlagen, diese Beziehungen in einer Konferenz zn regeln und so neuen Complieationen vorzubeugen. Man hat die orientalische Frage in den Vordergrund gebracht; der versöhn, liche Geist der Mächte benimmt jedoch derselben jeden kenn rnhigenden Charakter. Wenn auch zwischen ihnen einige Ab' weichungen über das Mittel, die Pacification Kretas, bestandenhaben, so schätze ich mich glücklich, conftatiren zu können, oaß sie Alle in zwei Hauptpunkten übereinstimmen: die Erhaltung der Integrität des ottomanischen Reiches und die Verbesserung des Looses der Christen. Die auswärtige Politik erlaubt uns dennoch, alle unsere Sorgfalt den Verbesserungen im Innern zu widmen. Weiter erinnert der Kaiser an seine Reise nach
j dem Norden Frankreichs, um zu eonstatiren, daß das Vertrauen des Volkes in ihn nicht erschüttert sei. Der Kaiser komme । den Wünschen desselben zuvor; er wolle die Vollendung der Vieinalwege. Die Lage sei nicht frei von gewissen Beunruhigungen. Die Unbehaglichkeit in Europa sei allgemein; diese sei großentheils an den Befürchtungen Schuld, welche das gute Einvernehmen der Mächte verschwinden lassen werde. Die
I Ernte sei nicht gut, aber der Freihandel werde allem Dem ab- { helfen. Wenn verschiedene Ursachen verhindern, daß die Einnahmen vollständig die Voranschläge im Budget erreichen, so werde dies das Finanzgesetz nicht abändern. Der Kaiser sagt, die Session fei vorzüglich von den Projecten vom 19. Januar in Anspruch genommen. Diese neuen Freiheiten würden die Gemüther Aufregungen ausfetzen, aber er rechne auf den guten Sinn int, Lande. Der Kaiser will, daß das seit fünfzehn Jahren begonnene Werk fortgesetzt werde, dadurch, vaß die Fun- i damentalgesetze außer dem Bereicht feindlicher Beurtheilungen nnd Leidenschaften gehalten, aber die freisinnigen Institutionen entwickelt werden, ohne die Grundsätze der Autorität zu schwä- j chen. Der Kaiser schließt, daß er auf die Unterstützung der । Kammern rechne, und sagt, daß er die Gewalt, die im auver- j traut sei, hoch und festaufrechterhalten werde; denn ungerechte | Hindernisse und Widerstand würden weder seinen Muth noch i seinen Glauben an die Zukunft erichüttern.
— — 20. Nov. Die italienische Antwort auf den Con- 1 greßvor schlag ist eingetroffen. Italien will unter verschie- j denen Voraussetzungen an den Berathungen theilnehmen und i erklärt im Voraus, daß es sich die volle Freiheit feiner Ent-


