GeldcntschäCigung abtreten lassen soll. Um der Sache größeren Nachdruck zu verleihen, bringt man die Abreise Bencdetti'S damit in Verbindung, die indeß wohl rein in privatem Interesse erfolgt sein dürfte; der französische Botschafter wird noch vor dem Geburtstage des Königs wieder in Berlin sein. — Man ersieht hieraus, wie in Frankreich alle mächtigen Hebel in Bewegung gesetzt werten, um den Fanatismus der Franzosen gegen Preußen und Deutschland aufzu,lächeln; hoffentlich wird cieS aber nur auf kurze Zeit gelingen und jedenfalls die bessere Einsicht in Frankreich Mieter in Kurzem die Oberhand gewinnen. Denn für den Wohlstand Frankreichs ist ein gutes Einvernehmen mit Deutschland hcilbringend-r, als ein Krieg, bei dem nur Elend für das Volk die Folge sein kann.
In England ist das Schreckgespenst dcS Fcnierspuks ebenso schnell wieder verblichen, wie es energisch aufzutreten schien. Bedeutendere Unruhen sind nach der ersten Erhebung nicht wieder vorgekommen, und die vereinzelten Aniührer ziehen sich überall vor der Polizei zurück. Die Regierung hält veßhalb die Verhängung des BelagerungSzustances nicht für nöthig, und die alarmirenden Gerüchte von einer allgemeinen Erhebung am 17. d. M., dem Fest des irischen Nationalheiligen St. Patrick, haben schwerlich einen ernstlichen Hintergrund.
Die italienische Regierung hat bei den Wahlen einen entschiedenen Sieg erfochten und wird nach den bekannt gewordenen Resultaten in dem neuen Parlament eine Majorität von mehr als zwei Dritteln für sich haben. Man ersieht daraus, daß der Zauber des Garibaldi'schen Namens bei weitem nicht mehr die Wirkung hat wie früher, und daß der gebildetere Theil der Nation den revolutionären Plänen der Radikalen gegenüber eine ruhige und vernünftige Entwickelung erwartet.
Was die orientalische Frage anbetrifft, so ist zunächst die Bewilligung der serbischen Forderungen seitens der Pforte zu melden. Die Türken haben Belgrad geräumt, und es läßt sich erwarten, daß Fürst Michael nun der Einladung des Sultans, nach Constantinopel zu kommen, entsprechen wird. Neue Schwierigkeiten scheinen der Türkei in Montenegro zu erstehen, wo man die Mündung der Boyana an der Barre Antivari verlangt, um den für das Land unumgänglich nöthigen directen Zusammenhang mit dem Adriatischen Meere zu haben. Die Stellung der Großmächte bleibt noch immer unklar; das Gerücht, daß Frankreich dir Pforte Cie Abtretung von Kandia, Thessalien und Epirus vorgeschlagen habe, scheint verfrüht; Rußland soll eine Revision des Pariser Vertrages von 1856 fordern. Am deutlichsten hat sich England über seine Stellung der Türkei gegenüber auSge- sprechen. Auf eine Interpellation Lord Argyll's im Oberhause, warum englische Kriegsschiffe flüchtigen Kandioten die Aufnahme verweigert hätten, antwortete Lord Derby, caß die Regierung sich eine strenge Ausrechthaltung der Neutralität zum Prineip gemacht habe, und daß man durch eine indirekte Unterstützung in Kandia nur zu unberechtigten Hoffnungen Anlaß geben würde. — Italien will die Anzahl seiner in den Gewässern von Kandia j stationirten Kriegsschiffe vermehren, damit eS, wie die „Italic" angiedt, „bereit sei, allen schweren Eventualitäten, die im Frühjahre eintreten könnten, und die alle Welt vorhersieht, gewachsen zu sein."
Aus Mexico sind die ersten Truppen zurückgekehrt. Die „Rhüne" hat am 9. d. M. die belgische Legion nach Antwerpen gebracht, und nach einer Depesche des Moniteur vom 28. Febr. waren auch bereits 16,000 Franzosen unterwegs, unter denen übrigens nach neuern Nachrichten das gelbe Fieber herrscht.
In den Vereinigten Staaten Nordamerika's ist die Militärgouvernementsbill in Kraft getreten; durch eine Ergän- zungsclausel zum ReconstructionS-Gesetze werden die militärischeii .Befehlshaber im Süden ermächtigt, einen EensuS zu veranstalten, die Wahlstimmen der Bevölkerung zu registriren und eine con- stituirendc Versammlung einzuberufen. Der Congreß wird sich nicht vertagen, bis die Frage in Betreff^anderer vorgeschlagener Garantieen für die Reconstruction des Südens erledigt ist.
Das britische Nordamerika will sich zu einem unter der Oberhoheit Englands stehenden Bundesstaat „Canada" con- stituiren. Derselbe soll angeblich als Königreich unter dem Prinzen Arthur von England pioclamirt werden. Dagegen hat jedoch der angrenzende nordamerikanische Staat Maine energisch pro- testirt.
Locales.
Beschlüsse
des Temeinderaths der Stadt Gießen aus der Sitzung vom 21. März 1867.
1. Der Forstwart Hahn von Rödgen wurde mit der Beaufsichtigung und Behandlung der, in der Rahe seines Wohnort« gelegenen städtischen Wiesen, welche wegen der Entfernung von Gießen von hieraus nicht gehörig zu behandeln sind, beauftragt und ihm für die d.Sfallfigen Leistungen eine, stets widerrufliche Vergütung von 20 fl. jährlich bewilligt.
2. Ein Gesuch deS Schleußenwärtcr« Hartmann um Gehaltserhöhung wurde abgeschlagen. , ,
3. Der Ankauf von 25 Centner Steinkohlen für die Kirchenheizung wurde vom Gemeinderath guigcheißrn.
4. Ebenso die Anschaffung von 7750 Fichtenpflänzlmgen zu Eulturen m den Stadtwaldungen, für den Preis von 12 fl. 55 fr.
5. Der Photograph Eugen Fath von Lberotterbuch in Baiern erhielt die Zusicherung/ daß ihm für den Fall der Erlangung de« Staaisburgerrecht« das Bürgerrecht der Stadt Gießen erthellt werden solle. .
6. Für Sie Heizung der Turnhalle wurden weitere 25 Eentner Steinkohlen bewilligt. .
7. Auf eine Eingabe des Großherz. ProfefforS Dr. Winther wurde beschlossen , diesem zur Errichtung eines Gebäude« auf dem Selzersberg einen Theil der Hollergasse unter der noch zu vereinbarenden Bedingungen, käuflich zu überlassen.
8. Der Gemeinderath bewilligte zur gehörigen Instandsetzung und Unterhaltung der Schoorwege mittelst Verbreitung von Sand einen Eredit von 154 fl. 5 fr.
Die bei Großh. Bezirksstrafgcricht Gießen in öffentlicher Sitzung gefällten Uriheile.
I. Am 14. März d. I. wurden wegen Gewaltthätigfeit, Bedrohung, Verletzung der Amts- und Dienstehre und Körperverletzung verurtheilt:
a. Balthasar Münf von Ober-Wöllstadt, in eine Eorrectionshausstrafe von 51/2 Monaten,
b. Heinrich Philipp Münf von da, in eine desgleichen von 4'/2 Monaten.
II. Am 20. März d. I. wurden verurtheilt :
1. Tobias Heldmann von Ober-Wöllstadt, wegen Diebstahls, in eine geschärfte Zuchthausstrafe von 3 Jahren,
2. Johannes Schmidt von Albach, wegen verschiedener Diebstahle, in eine Correctionshausstrafe von 3’/2 Monaten,
3. Kaspar Seipp, Peters Sohn, von Leihgestern, wegen Gewaltthatigkeit und Eigenthumsbeschädigung, in eine Gefängnißstrafe von 18 Tagen.
Die Mitangeklagten Johannes Seipp,, Georg Velten und Johanne« Schmidt von da wurden von Strafen und Kosten freigesprochen.
Die bei Großh. Bezirkssttasgcricht Gießen zur Aburthcilung koiulucndcn llutcrsuchuugcn.
1. Ten 27. März d. I.:
1. Gegen Friedrich Ringel von Lollar, wegen Ghrenkränkung.
2. Gegen Glisabetha Hinkel von Villingen, wegen Diebstahl«.
3. Gegen Ehristian Dörr III. von Grunberg, wegen ErpreffungSversuchS.
4. Gegen die Ehefrau des Mullers Karl Martin Schudt aus Dorheim und Cvnsorten, wegen Eigenthumsbeschädigung.
11. Den 28. März d. I. :
1. Gegen Urban Rockemer von Butzbach, wegen im Complott verübter einfacher Diebstähle.
2. Gegen Susanne Kranz don Okarben, wegen Diebstahl«.
Vom Wiedersehen nach dem Tode und der Unsterblichkeit unserer Seele. Von Dr. Heinsius (Preis 10 Sgr.) betitelt sich ein Schriftchen, das wir denjenigen unserer Leser und Leserinnen, welche sich für dieses Thema interessi- ren — wir zweifeln nicht, daß es die meisten sind — al« eine erbauliche und unterhaltende Lecture aufrichtig empfehlen können. — Von demselben Verfasser ist ebenfalls in S. Mode« Verlag ein allgemeiner Briefsteller erschienen, der seiner Reichhaltigkeit und seines billigen Preises halber (15 Sgr.) em- pfehlenswerth ist.
Geld-Cours vorn 21. März 1867.
Preuß. Eaffen - Scheine Preuß. Friedrichsd'or Pistolen ....
„ Doppelte Holl. fl. 10 Stücke . Rand - Ducaten . - 20 Frankenftücke . . Engi. Sovereigns . Ruff. Imperials . . Dollars in Gold
fl. 1. 44J-45} „ 9. 57-58
9. 44-46
9. 45-47
9. 51-53
5. 34-36
9. 27J-28}
11. 51-55
9. 45-47
ff
2. 27j-28j
Rcraction, Druck und Verlag Cer Brühl'fchcn Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


