doch schwerlich beeilen, auf die Wünsche Frankreichs einzugehen. ' — — Von Preußen und dem Nordbunde ist am 31. Oktober ein Handels- und Schifffahrtsvertrag mit der Neger-Rcpu- blick Liberia (in Wcstafrika) abgeschlcsicn worden; die übrigen, Zollvereinsstaaten sind zum Bcitrilt ciugcladcn worden.
--Die Nachricht, daß Frankreich in der nordschles- wig'schen Frage einen Kompromiß vorgcschlagen babe, wonach Dänemark gegen Einwilligung in die preußischen Garantieforderungen und Ucbcrnahme einer Cuote der Staatsschuld die Inseln Alsen und Sundewitt, ausschließlich der Festungen Düppel und Sonderburg, erhalten sollte, wird von der „N. । A. Ztg." als nicht begründet bezeichnet.
' ----In Köln fand am 19. eine Versammlung von Ka-
tholike» statt, welche beschlossen, de» König im Namen der | Katholiken Preußens in einer Adresse zu bitten für die Rechte; des Papstes die nöthige» Schritte zu thun. Es soll unter der! kathol. Bevölkerung eine allgemeine Agitation zu Gunsten des 1 Papstes ins Werk gesetzt werden.
--16. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt in. einer Florentiner Korrespondenz : „Italien richtete an dir Mächte eine Note, worin nachgewiesen wird, daß es jetzt Frank- ! reichs Sache sei, die Mittel zur Beseitigung der durch die Intervention geschaffenen Schwierigkeiten anzugeben, und worin die Wiederherstellung des Princips der Nichtiutervention gefordert wird."
— — 16. Nov. Durch Verfügung vom 14. November hat der Präsident des Berliner Stadtgerichts auf Grund des Erkenntnisses vom 11. November Herrn Stadtgerichtsrath T w c st e n vom Anite s u s p e n d i r t.
--17. Nov. Bezüglich der Konferenz hört die „Spen. Zeitung", die königl. sächsische Regierung habe in vollkommen bundesfreundlicher Würdigung der Verhältnisse die Conferenzeinladung an das Präsidium des norddeutschen Blindes abgegeben; auch von der großherzoglich badischen Regierung sei mit Sicherheit vorauszusehen, daß sie ihre Entschließung nur auf Grund einer einmüthigen deutschen Kundgebung fassen wird.
— — Die Mannschaften des preußischen Schiffes Viueta unter Führung des Kapitän Kuhn fanden während des Aufenthaltes in Hakodade Gelegenheit in sehr heldenmüthiger Weise die Mannschaften des untergegangenen Dampfers Siugapore zu retten.
Frankfurt. Die Deputation der Stadtverordneten ist am 13. d. von Berlin zurückgekommen. Wie man vernimmt, hat sich die Regierung bereit erklärt, die Schuld, mit Ausnahme der drei Anlehen vom 15. Jannar 1829 mit 141,600 fl., vom 20. Mai 1864 mit 1,344,000 und 32,000 fl. zu übernehmen und die Lotterie der Stadt noch fünf Jahre zu belassen. Zu einer Entschädigung für die auf 1,328,852 fl. geschätzten Gebäude und Grundstücke, welche der Staat an sich nimmt, sowie für den sehr bedeutenden Reinertrag der Eisenbahnen hat sich die Regierung nicht herbeilaffen wollen. Die Deputation wird den Stadtverordneten Vorlage machen. Falls diese auf die Vorschläge der Regierung nicht eingehen, so soll dieselbe entschlossen sein, die ganze Angelegenheit durch den Landtag auf dem Wege der Gesetzgebung zu erledigen.
Wiesbaden. Der Stillstand in der Justizpflege, welcher durch Einführung der neuen Gerichtsorganisation und Proceßordnnug entstanden war, hat einer regen Thätigkeit der Gerichte weichen müssen. Namentlich zeichnet sich das hiesige Kreisgericht, deffen Räume meist bis spät in die Nacht hinein erleuchtet sind, durch eine rasche Erledigung der dort schwebenden Angelegenheiten aus. Die Zahl der an diese Gerichtsstelle bei ihrer Errichtung übergegangenen Proeeffe beträgt 1800. Nach einem Erlaß des Justizministers haben die Anwälte in den öffentlichen Gerichtssitzungen in schwarzem Frack lind Beinkleidern zu erscheinen.
--14. Nov. Nachdem gestern das dem Herzoge zugestandene Dvmanialhofgut Hornau von dem Regierungsbevollmächtigten, Domänenrath Münzel, an den Herzog!. Vertreter, Präsidenten v. Heemskerck, in loco Hornau übergeben worden ist, haben sich die beiden Bevollmächtigten heute nach Weilburg begebeu, um die llebergabe des dortigen Schlosses samint Zubehörnng zu vollziehen. Die Uebergabe des Palais am Kursaal, sowie diejenige der russiscklen Kapelle haben bereits am vorigen Montag stattgefunden. (Rh. Kur.)
ÄKünchen, 12. Nov. Gestern Nachmittag 3 Uhr erfolgte die Uebergabe der von den Officieren und Militär
beamten der Armee Sr. Königl. Hobcit dem Prinzen Karl von Bayern gewidmeten Adreffe in deffen Palais dahier durch die voiw k. Kriegsministerium hierzu bestimmte Deputation. Tie von 2r. tt- H- dem Prinzen Luitpold als deren Fübrer gehaltene Ansprache wurde von dem Gefeierten mit berzlichen und bedeutsamen Worten erwidert, die Adreffe selbst von ihm mit sichtlicher Rührung angenommen. (Südd. Pr.)
— — 15. Nov. Ter Referent für das Wehrgesetz, Baron Stauffenberg, beantragt unter Anderem, daß sowohl bezüglich der Armeestärke wie Feststellung der Taner der Präsenzzeit den Kammern ein Mitwirkungsrecht lingeräumt und die im Gesetzentwürfe statuirte dreijährige Präsenzzeit für jetzr auf eine zweijährige gekürzt werde.
— — 14. Nov. Tie Kammer der Abgeordneten hat heute die Artikel der Gewerbegesetzgebung, welche die Gewerbefreiheit ohne Unterschied des Geschlechtes feststellen, angenommen und die unentschädigten Realreckte aufgehoben. Ausländer und Inländer sind in Bezug auf den Gewerbebetrieb gleichgestellt.
Karlsruhe, 15. Nov. "Nach der „Krlsr. Ztg." wurde das Lehriustitut Adelshausen in Freiburg durch Ministerial- Entschließimg aufgelöst, wegen der Störungen, welche durch das fortgesetzte regulativwidrige Verhalten der Kirckeubehörde in demselben hervorgerufen worden waren.
Wien. Wie ein Telegramm der „Südd. Pr." meldet, ist auch in der französischen Einladungs-Depesche zur Konferenz die Aufrechthaltung der weltlichen Macht des Papstes nicht ausgesprochen. Der Papst, deffen Zustimmung zur Konferenz von den Mächten fast einstimmig vorausgesetzt werde, erkläre seine Thcilnahme nur auf Grundlage der Aufrechthaltung seiner weltlichen Macht für möglich. — Als Conferenzort soll Rom gewählt sein, und ist man damit einem ausdrücklichen Verlangen der päpstlichen Curie nachgekommen.
--Der Waffenkampf auf Kreta hat von Neuem begonnen, nachdem alle Vermittlungsversuche von Seiten der Pforte gescheitert sind. Wie es scheint, ist man von Seiten der letzteren entschlossen, denselben mit Aufwendung aller Mittel zu Ende zu führen.
— — Die „Presse" meldet nach Privatdepeschen aus Smnrna von zuverlässiger Seite: „Am 10. d. M. griffen die Aufständischen auf Kandia die türkischen Truppen heftig an. Es fand ein bedeutendes Treffen statt; das Corps Mehemed Pascha's mußte zurückweichen. Die Consuln Rußlands, Frankreichs, Preußens und Italiens in Kauea constatiren in einer Declaration an den Großvezir und Omer Pascha den mißglückten Versuch zur Gewinnung der Insurgenten für die Vorschläge der Pforte. Omcr Pascha erklärte, er sei genöthigt, nunmehr zur Brechung des Widerstandes das äußerste Mittel anzuwenden." — — Die Wiener „Presse" will wiffcn, daß England den schwebenden Verhandlungen der Mächte mit der Pforte nicht mehr ganz passiv gegenüberstehe, und bei der Pforte, wenn auch nicht die Abtretung von Candia, so doch eine Gränzberich- tigung zu Gunsten Griechenlands befürworte, um letzterem größere Lebensfähigkeit zu geben.
--Der „Ä. Allg. Ztg." wird aus Belgrad imterm 3. d. geschrieben: „Eine Mittheilung aus Constantinopel, die ein hiesiges Blatt vor drei Tagen brachte, meldet den Abgang neuer türkischer Regimenter nach Tulischa, Rustschnk, Nikopol und Widdin. Diese Maßregel muß man in Zusammenhang bringen mit einer andern, um dieselbe begreifen zu können. Ich kann nämlich die Nachricht des „Nord" bestätigen, daß in Monastir ein starkes türkisches Lager errichtet wird, welches auf 25,(XX) Mann berechnet ist. Nach diesen Erscheinungen zu schließen, hat die Pforte wirklich Angst vor einer Action Rußlands an der Donau, welche mit einer Erhebung der Bulgaren, Thetza- lier und Epiroten combinirt werden könnte. Rußland dürfte in der That dem Druck der öffentlichen Meinung zu Hanse nicht lange mehr Widerstand leisten können, und sich zu einer activen Politik entschließe». Diese Eventualität ist um so wahrscheinlicher, wen» man, wie hier geschieht, annimmt, Rußland werde die neue Königin von Griechenland in Athen nicht erscheinen lasten, ohne gleichzeitig durch eine bedeutende Wendung die Hellenen zu überrasche». In solchem Falle darf man die orientalische Frage nicht bloß auf Candia beschränken, sondern muß ihre erste Gefährlichkeit auch am Golf von Volo und in Bulgarien darthun. Letzteres ist um so leickter, als die Bulgaren entschlosten zu fein scheinen, auch während des Win-
I ters zu agiren."


