Ausgabe 
16.11.1867
 
Einzelbild herunterladen

Main,. Vor einig»» Tagen verhaftete man in Wiesbaden einen Franzvfen, der dort «ine große Anzahl wohlbefchnittener Friedrick'Sd or« aue- gegeben halte. tfr gab an, dieselben von einem hiesigen Schneidermeister, ebensall« Ara»»ose, erhallen nu haben, dem wegen de« guten Schnitte« seiner Holen ein wohlverdienter INuf zur Seite steht. Daß er auch nebenbei im Zuschneiden von Goidstücken «xerllire, war nicht bekannt, aber »« unterliegt nach den (Entdeckungen, weiche die hiesige Polizei in seiner Wohnung machte, keinem Zweifel mehr. Große Summen von ihm zugeschniltener Fr iedrichdd or« sollen sick bereit« im Verkehr befinden, und man fand für gut, den geschickten Schneider durch sofortige Verhastung dem stillen Kreil« feiner THLtigkeit zu entziehen.

jßmiail. 311 Bezug aus den von unserem Handel« und Gewerbsverein ausgrwrochencn Wunsch, beir. Visenbahnbaue«, ist in diesen Tagen eine Ant wort Seilen« der Hand«l«minister an den Vereinbau-schuji gelangt, ioelche in unserer Stadt allseitig mit grosser Befriedigung angenommen weroen dürste. Der Minister erklärt darin zunächst, dass die von dem Ausschuß ausgestellten Wünsche in Betreff der Vermehrung der Verkel>r«inittkl vollständig die einigen seien. 3» Bezug auf die Herstellung einer festen llebcrbrückung de« Main« bet unserer Stadt, sowie der Bahnverbindung mti Offenbach seien die Per handliingen mit der grosiherz. hessijchen Regierung im Gange, auch sei aus eine Anfrage ivegen tjrtbeilung der voncession zur Erbauung der Vinte Wefien- Partenstein, dem Wunsche de« Ausschusses enisprechend, al« erste Bedingung die Zulassung einer Schienenverbindung von Hanau nach Nieder Wällstadt (Friedberg) ausgestellt und sestgestellt worden.

Scittiinlk'iilveit, 3. Nvv. (tm grässliche- Unglück hat sich am I. d. M. in bn ffäh« de- > . Stunden von hier entfernten Dorfe- Struth zu getragen. Der Kähler Marcu« Menz von da, welcher an (äpilepsie litt, be- sano sich an dem genannten Tage in seiner Kühlerhüite neben dem Kohlen­meiler. VU« sich sein Begleiter aus kurze Zeit entfernte, um in dem nahen Dorfe Schnellbach zu Mittag zu essen, wurde >e. Menz von einem epiiepti schen Anfall überrascht, fiel aus da« in der Hütte bestndliche Kohlenfeuer und gerieth In Brand. Da« Feuer Iheilte sich der au« dürrem Fichtenholz bestehenden Hütte mit und in Kurzem stand diese in vollen Flammen. Al« da« Feuer bemerkt und Menz nach mehrfach vergeblichen Versuchen au« der brennenden Hütte hervorgezogen wurde, waren seine Kleider vollständig an ihm verbrannt und der ganze Körper mit Brandwunden bedeckt. Trotzdem lebte der llnglückliche noch, gelangte auch wieder 'n vollem Bewußtsein, starb jedoch schon nach tvenlge» Stunden, (h hinterläßt eine Witlwe mit vier zum Theil noch unerzogenen Tächtern.

Au« ('i'blciq, >. Nou. wird berichtet: (Sin Wannerstütkchen, wie solche überhaupt in letzter Zeit nicht gar selten sind, ward gestern in unserer Stadt verübt. Win Fuhrmann au« Hachenburg stellte am Morgen zwei Pferde in die Stallung eint« hiesigen Wirthe«. Am Nachmittag erscheint ein junger Mein eh, einem Fuhrknechte ähnlich, daselbst unter dem Vorgeben, er fei von dem Vigenthümer der Psnde beauftragt, «ine- derselben zur Schmied« zu führen. Der Wirth, nicht« Bäseö ahnend, überläßt ihm solche«, und, al« eine halb« Stunde später der Fuhrmann erscheint, Mn seine Pferde zur Heim- sahrt anzuschirren, stellte sich die Sache al« ein« Schwindelei herau«. Alle Versuelie, de« Schwindlers habbaft zu werden, waren vergeben«-, Noß und Netter sali fein Auge weiter.

AI bin. Prof Karl Bogt hält gegenwärtig am Nbein Vorlesungen über dieUrgeschichte der Menschheit." 3n Aachen, wohin er demnäel-st kommt, herrscht darüber unter den Ultramontanen große Aufregung, Wo wird überall gewühlt und gewettert. um die Vorlesungen zu hintertreiben. Cie nltramontanen Blätter drohen mit einem Ausstand, rufe» die Hulse der Poli­zei gegen den Mann an, der da behaupte, die Menschen stammen von den Affen ab. Tie gebildete Bevölkerung drängt sich dagegen massenhaft znr Unterz.-ichnung auf die Vorlesungen.

Bt nnnsditpi ig. Der Kirchenvorstand der Ulrielklrche macht bekannt, daß er sirt> geeinigt habe, wegen der in den Kirchen herrschenden Kälte wäh rend de>r Gottr-ödlenste« den Hut auf dem Kopfe zu behalten-, er fordert die OVmeiiiN' auf, da« Gleiche zu ihn». 3n den Hansestädten herrscht die Silke längst.

Soliitgeii. 3ll einer Dampfschleiferel hat sirl> In der DämmeningSpit ein Ungliirr zngetragen. Win Arbeiter wollte ein Nad stillsehen und stieß zu diesem zlweeke mit dem Fuße gegen den Riemen. Dabei wurde der Fuß von dem Treibriemen umschlungen, so daß der Mann hinschlrig und mehrere Male von dem Rad« umgeschleudert wurde. Alo man ibn.ausnahm, war er so surchtbar verlegt, daß er nach einer halben Stunde verschied. (Sv hinke, läßt eine WIttwe und sechs Kinder.

Dcffiiu, 4. Nov. Man schreibt derN. Pr. Z." : Interessant dürfte He Nachricht seht fein, da gegen AbVsfinIen durch die Engländer ein Krieg vorbereitet wird, daß au« Anstalt im -Fahre IH I7 ein Müller, Namen« Z ander, nach Nbstfsinleu audwanderte, der nach feiner brieflichen Mitthei ii ii ll vvm Fall re 18. >6 e« bi« zu der hervorragenden Steilung eine« Krieg-« Minister« de« Kaiser« Theodor gebracht hatte. Seit jener Zelt fehlen die Nachrichten über diesen Mann, der aus Empfehlung eine« 1 »r. Schlmper nach Abpssinien gereist war und sich, wie aste Fremden, bei seiner Linwan derung verpflichten mußte, da« Vaud nicht wieder zu verlassen, da wohl jeder Fremde hinein, nicht aber wieder berau-gelassen werde.

Vrrlin. Ans der legten Konferenz de« nordd. Eisenbahn Verbände« sind einig« wichtige Neuerungen bestimmt worden. W« ward nämlich beschlossen, die Personenwagen mit Eintritt diese« Winter« heizbar zu machen, und zwar nicht nur die Wagen erster und zweiter, sondern auch die dritter und vierter Klasse. Der Heizapparat Ist so eingerichtet, daß die Veilungen leicht durch aste Wagen de- Zuge« sortgesüstrt werden linnen und zugleich wird e« hitrcit die in einzelnen Waggon- angebrachten Kupferrähven möglich sein, die Wärme zu erhöben oder zu vermindern. (Gleichzeitig wird, dieß indeß nur veriuch«wels«, die Ginrichtung getroff-n werden, daß die Pevfonenzüge de« norddeutschen Verbände« eine Restauration und .(liefet« mitführen.

Vrrine». DieDeutsche Zeitung" fleht fiel' zu folgender Warnung veranlaßt:Wir haben Ursache zu glauben, daß in Deutschland für Au«« ' Wanderung nach einer gewissen Kolonie Marienthal im Gran wstctco, Provinz j öta. Fe in Südamerika, agltlrt wird. Wir müssen ans da« Nachdrücklichste abraisten, sich für diese- Project gewinnen zu lassen, denn der Ort, wo die (ü'li'nie angelegt werden soll, eignet sich in keiner Welse für deutsch« An- ! siedler, und wurden dieselben einem sicheren KI end« entgegengesten."

Stoc-bolm, 26. Oft lieber di« HungerSnoth In Norreland enthielt bi« offiziellePost och Jurik« Tidende" folgend« Mittheilung: Für di« N»tstleidend«n in Norreland fließen noch fortwährend reich« Gaben ein und ba die für die jetzige Jahreszeit so ungewästnlich milde Temveratur di« Schifffahrt sehr begünstigt, wird e« miglich, die Tausende von üolll« mit Korn, welche sowohl land« al« seewärts in der Hauptstadt anlangen, den Hungernden zuzufbhren.

für iHufiklirbbdbrr.

Bei einem Besuche in Bern statten wir kürzlich Gelegenheit, da« wabr haft großartige Vager von Spieldosen und Wufifu>erfen de« Herrn 3- v Heller daselbst zu bewundern.

Der Absatz diese« Fabrikanten, der in seinem Fach« da« Ausgezeichnetste leistet, soll ein fabelhaft großer fein und sich di« in die entferntesten Welt gegenden erstrecken. Bei den Wntugniffen t,,ln Fabrik werden sowohl in musikalischer al« dekorativer Hinsicht alle Fortschritte der Neuzeit sorgfältig berücksichtigt, e« sollten demnach die Heller scheu Musikwerke in keinem Salon, in keiner Familie mehr fehlen.

Dies« Werke eignen sich auch ganz besonder« zu Weihnachtsgeschenken.

((S i n g t f a n b t.)

*2diuh den itliblidirn, iinriitbchrlidirn äinlzon, Tod den unnützen, entbcbrlidirii Hunden!

Dieser Ausspruch wird den Hundeliebhabern, vulgo Hitndenarren, gleich» sam ein Dolchstoß mitten in« Herz sein, aber er ist durchaus gerechtfertigt. Wenn die vielen Katzen nicht wären, so würde man sich, besonder« in den Städten, vor Mäusen und Ratten nicht zu retten wissen, sie würden einen, so zu jagen, auffresien. Aber nicht nur werden die armen, furchtsamen aber artigen und nützlichen Thiere, die Katzen, von den sterumlungernden, unver schämten Bummlern und Tagedieben, den Hunden, fiel« aus« heftigste ange­feindet und verfolgt, sondern auch von den rohen und boshaften Menschen, alt und jung, und namentlich letzt auch von den sogenannten Fagdläusern, die sie unbarmherzig nlederschlepen, wenn sie sie im Felde erblicken unter dem Vorwande, daß sie den jungen Hasen und Vägein nachgingen, während e» doch setzt weder junge Hasen noch lunge Vögel mehr gibt, aber um (o mehr Feldmäuse! Da« Todtschießen geschieht also mehr au« Schieß- oder Mord lüft 1 Sollten die fo nützlichen Katzen zu seiner Zeit auch mitunter ein Häschen oder Vögelchen erwischen, so steht e« dock wohl dagegen fest, daß Ihre Jag« im Felde hauptsächlich auf die fo schädlichen, unzähligen Feldmäuse gerichtet, also jedenfalls nützlicher ist al« die der Hunde, die meistens nur für den Jäger von Profession und für den Bewohner isolirter Gebäude einen wirklichen Nutzen, für den Iagdlänser ober VkrgnügungSjäger jedoch nur einen imaginären Borthell haben. Und während die Katzen die ungefährlich ften, ruhigsten und unschädlichsten Thiere sind, die e« gibt da« blSchen Naschen abgerechnet; die Hunde naschen aber auch, ja stehlen sogar, wenn sie dazu Gelegenheit haben sind die Hunde die lärmendsten, störendsien, kostspieligsten und in zweierlei Hinsicht die gefährlichsten-, in der einen mim lieh der Bissigkeit, In der andern de« Tollwerden« ivegen! Und ivährend endlich die genügsamen, verachteten Katzen gewöhnlich mit dem kärglichsten Futter vorlieb nehmen und sich die« oft ausschließlich selbst suchen müssen, werden die geehrien Herren Hunde meist gut gewährt, stlbst von Un­bemittelten, zum Nachtheil derer Familien.

W« bewährt sich leider hier auch da« Sprüchwort:Da« Pferd, welche« den Hafer verdient, erhält ihn nicht."

(ffingefonbt).

*rr> Zur Erhebung der obrigkeitlich genehmigten Molkfte für daü Mathilden LandkrankenhauS in Darmstadt ist gegenwärtig rin Beauftragter dieser Anstalt in unserer Stadt. In dem Mathilden Landkrankruhause finden Kranke ohne Unter schieb der Konfession Anfiiahme, ärztliche Behandlung und l'kil- same Pflege, wesihalb die Unterftühung dieser Anstalt jedem Menschenfreunde empfohlen zu werden verdient.

Ein Freund der Anstalt.

Gcld-CourS vom 14. November

1--0.7

Preuß. Waffen, Scheine .........

st. 1. 44J-45J

Preuß. FriedrichSb or..........

9. 58-59

Pistolen..............

9. 48

Doppelt«...........

9. 49

9. 53

Rand Dneaten............

5. 37-39

20 Frankenttuck«............

. 9. 30-31

Wngi. Sovereign«...........

11. 53-57

Ruff. Imperial«............

9. 49

Dollar« in Gold........ . .

2. 27J-28J

* Temperatur In Gießen, Dctober 1867

niederste.............

1,5* R.

mittler«........... .

+ 6,24 .

Mittel früherer Jahr« ........

+ 7,52 .

höchste..............

+ 13.0 .

, Niederschlag: an 17 Tagen.......

. 2,33 Par. Zoll.

Mittel früherer Fabre: an 14 Tagen 1.71 , .

Redarlion, Druck und Verlag der Brübl'scben Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in (Sieben.