Die bei Großh. Bezirksstrafgericht Gießen in öffentlicher Sitzung gefällten Urtheile.
I. Am 5. September d. 3- wurde :
Konrad Jost von Burg-Gemünden, wegen schwerer Körperverletzung, in , eine CorreclionshauSstrafe von 1 Jahre verurth-llt.
II. Am 11. September d. 3- wurden verurtheilt :
1. Konrad Schreiner von Dueckborn, wegen Diebstahls und FigenthumS- | beschädigung, in eine Gesängnißürafe von 5 Wochen.
2. Heinrich Reitz von Harbach, wegen Diebstahls, in eine EorrectionS- hau-strase von 9 Monaten.
3. Adam Möller von RaSdorf, wegen Widersetzung ic, in eine desgleichen von 4 Monaten.
Kaspar 3ung VI. von Klein Linden wurde von der Anklage der öpent- lichen thällichen Ehrenkränkung freigesprochen.
Die Publikation dcS Ur,heil« gegen Johannes Kern von Mainzlar und ; Consorten, wegen Körperverletzung, wurde bis zum 18. September d. 3- auggesetzt.
Die bei Großh. Bezirköstrafgcricht Gießen zur Aburtheilung koiumcnScn Untersuchungen.
I. Am 18. September d. 3-:
1. Gegen 3akob Margnth II. von Butzbach, wegen Betrugs.
2. Gegen Elisabeth« Butlner von Großen-Eichen, wegen öffentlicher thät- licher Ehrenkränkung.
II. Am 19. September d. 3-:
1. Gegen Marie Deger von Ober Wöllstadt, wegen Diebstahls.
2. Gegen Ehristine Schwab von Rodheim, wegen desgleichen Verbrechens.
3. Gegen Ehristine Becker von Drerhausen, wegen Schriftsälschung.
Gießen. Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bringt nachstehenden Bericht über eine der vstfriesischen Station Spiekeroog gegluctlen Rettung zu öffentlicher Kunde. Man ergeht hieraus, wie uothwendig eine allgemeine Betheiligung aller Deutschrn bei dieser Gesellschaft ist, damit |u segenbringend wirten kann. ,
Am Nachmittage des 2. August sollte die erste dieS,ahrigc Probefahrt gehalten und dabei auch den Fremden aus dem Binnenland- Gelegenheit gegeben werden, sich über die Einrichtung des Bootes, eines 20,ußigen Fraucis-Palcul- BooteS, und die Tüchtigkeit der Mannschaft näher zu mstrüiren. Nachdem zu dem Zwecke das Q3üüt von der Rhede, wo es noch vom vorgestrigen ^age lag, um die Insel herumgefahren, und um 2>,z Uhr am Herrenstrande erschienen war, benutzten meh.ere Kurgäste die Gelegenheit einzusteigen und ließen sich auf der spiegelglatten Fläche zwischen dem Strande und der Robbenplalte eine Zeitlang auf- und abfahren. Hierüber war es 5 Uhr geworden, da beschloß der Bormann, weiter auf See hinaus nach den Außenriffen zu fahren und nahm, sich seiner bisherigen Passagiere entledigend, fünf andere, welche die Brandung kennen lernen wollten, bereitwillig an Bord, so daß das Boot nut der Mannschaft jetzt 14 Personen faßte. Als cs nun bei dem ruhigen Wetter anscheinend mehr zum Vergnügen, als zur Hebung vom Lande abfuhr, dacht« wohl Niemand, daß es nach einigen Stunden Zeuge einer ähnlichen Katastrophe sein werde, als sich zwei Tage vorher am 31. Juli mit der englischen Brig „Maria" ereignet hatte. Wohl sah man am nordwestlichen Horizont ~ fertjine kreuzen, welche zwei auf der Insel befreundeten Kapilainen angchörlcn und, wie vermuthet wurde, vor der Weiterreise nach England deren Frauen an Land setzen wollten, doch nirgends gewahrte das Auge drohende Zeichen eines Sturmes. Gleichwohl sollte di- Rettungsmannschaft noch denselben Abend Schiffbrüchige sehen und durch Gottes wunderbare Fügung retten. Tenn wie der Bormann R. Janssen berichtet, verlief die Fahrt folgender Blaßen ■
Nachdem wir mehrere Male durch die Brandung hin- und zuruckgefahren waren, kamen die beiden vorerwähnten Schiffe aus See näher heran, arigen- scheinlich in der Absicht, denselben Abend binnen zu laufen. Wir erkannten bald, daß dasselbe bei der hochgehenden Brandung nicht ohne Gefahr jur )ic sei und hätten gerne ihnen zugenifen, umzukehren, zunral auch das Seegat wegen Bersandung nicht Wasser genug halte; leider konnte unsere Stimme niet'l zu ihuen dringen und schon machte auch die kommende 55 lull) wem Asiens für das vordere Schiff die Rückkehr unmöglich. Aufmerksam beobachlelcn wir den Lauf der beiden Schiffe. Das vordere, „Christina". Kapitain Leiß, fetzte auf das Seegat zu, gcrieth aber sogleich aufgrund fest und eilig sluchiete das andere, das weiter zurück war, auf die hohe See hinaus. Nunmehr das Schlimmste für die „Christina" befürchtend, begaben wir uns näher zu derselben heran und legten uns unterhalb Windes vor Anker, wartend, ob man sich selber helfen könne oder unsere Hülfe begehre. Wir sahen noch, wie der Kapitain sein Boot über Bord ließ, dasselbe aber sofort umgeschlagen wurde, dann benahm die eintrelende Finsterniß die Fernficht; um so besorgter und
gespannter hielten wir uu« seten Augenblick bereit, auf den ersten Rus zu Hülfe zu eilen. Cs tau-rt- auch nrcdt lange, da erscholl Geschrei um Hülfe. Jetzt galt es Tod oder Leben. Schnell die Ai ker lichlend, legten wir uns mit aller Kraft auf die Riemen und ruderten auf das Schiff lo«. Wir mußten durch eint starke Gegenströmung und boh« Brandung uns mit äußerster Anstrengung im Dunkel der Nacht hindurchkämpfen, doch mit den Gedanken, daß es sich hier um die Rettung von Brudern handle, munterten wir un« einer den andern auf. Mehrere Male schlug die rolle Brandung in4 Boot hinein; es bewährte sich rortrefffich. Wir avancirten langsam , immer lautet durchdrang d-r Hülf-nif des Kapitains die nächtlich- Stille. Leute helft ! Thut euer Bestes, bat das gepreßte Vaterherz, da« Weid und Kinder vor dem Wellengrab bewahren wollte. Fieberisch schlugen unsere Pulse, in dicken Tropfen perlte der Schweiß von der Stirn. Da mit einem Male sahen wir un« zur Seite des Schiffe« und groß war die Freude von beiden Th-ilen. Doch zu Worten war keine Zeit. Ein vom Schiffe Herabzeworfene« Tau wurde rasch ergriffen und nun galt e« mit höchster Eile die Schiffbrüchigen heiübeizunebmen. Das ward uns nicht leicht, denn es war du kle Nacht und die Wellen schlugen hoch, so daß wir auch sür unser eigenes Leben sorgen mußten. Zwei Kinder de« Kapitains, ein Säugling und ein IviäHriges Mädchen, mußten un« zuge- worfen werden, dann solgle die Mutter, welche zwischen Schiff und Boot beinahe geguelscht wäre, hieraus sprangen der Kapitain und seine 2 Matrosen zu uns über und nun suchten wir uns so tchnell al« möglich von den, Schiss zn entfernen. Hierbei war die äußerste Vorsicht erforderlich, weil da« kleine Boot mit 20 Mann überzählig besetzt war und,wir bei der Unmöglichkeit un# urn- zusetzen, rückwärts rudern mußten; doch mit Gottes Hülfe kamzn wir glücklich durch die Brandung hindurch. Da« Schiff, welche« wieder in s Treiben kam, sank kurz darauf ganz in unserer Nähe. Wir ruderten nun dem Lande zu, setzten an der Südwest Seile der Insel die Schiffbrüchigen, welche von 1 Leuten unserer Besatzung nach dem Dorfe geleitet wurden, au« und gelangten selbst, nachdeni wir aus der Rhede da« Boot sicher vor Anker gelegt hatten. um 11 >/2 Uhr Nacht« zu Hause an.
* Vorstehender Bericht ist nicht nur bestätigt durch da« Zeugniß de« Kapitain Leiß, sondern auch durch die Aussage der fremden Kurgäste, insbesondere der Herren Ockonom Rehling au« Rehlingshausen und Pro prietair Rahstede aus Jever, welche an der Fahrt Theil nahmen und de« Lobes voll sind über die Tüchtigkeit und Unerschrockenheit sowohl de« Bormanns, als auch seiner 8 Begleiter. Wunderbare Fugung! wäre nicht die UebungSfahrt unternommen worden, so wären die 6 Schiffbrüchigen von den Wellen verschlungen, -he Anstalten zu ihrer Rettung getroffen werden, ja ehe noch Kunde von ihrem Unglück nach dem Dorfe gelungen konnte. Somit mag man au« diesem Unglücksfall schließen, wie manche« Schiff im Schweigen der Nacht schon in den Slußengründen der ostfricsischcn Inseln mit Mann und Maus gesiinken ist, ohne daß je etwas davon bekannt wurde und wie wichtig es ist, immer mehr die RettungSvorkchrungen zu verbessern.
Wichtig für Landwirthe!
Eine bei I. Schneider in Mannheim neuerding« erschienene Schrift de« bekannten Entomologen Dr. L. Glaser in Worms mit dem Titel:
„Landwirthschaftlich-s Ungeziefer, dessen Feinde und Vertilgung« mittel, mit 16 eolorirten Tafeln",
verdient in hohem Grade die Aufmerksamkeit aller Landwirlhe und Lehrer, welche di- Verbreitung gemeinnütziger Kenntniffe zur Förderung der Agricultur für ihre Pflicht hallen. Es umfaßt dieses Buch sämmtliche der Jnsekten- und Würmerwelt angehörenden, offenen und geheimen, Feinde der CreScenzien und zeigt in einer dem Verständnisse leicht zugänglichen Darstellung, neben der populär-wissenschaftlichen Beschreibung ihres Lebens und ihrer äußeren Erken- nungsmerkmale, mit welchen Mitteln der oft so verderblichen Pstanzen Zerstörung dieser Feinde erfolgreich entgegengelreten werden kann. Da das Buch nach seinem Zwecke und umfassenden Gebiet- einzig in seiner Art ist, so liegt e« im Interesse der Landwirlhschaft, daß es in allen Gemeind.n und Schulen di- weiteste Berbreitung finde.
Geld-Cours vvm 12. (September 1867.
Preriß. Caffen-Scheine .........j
st.
1. 442-451
Preuß. Fricdrichsd'or..........
Pistolen...............
9.
9.
58-59
46-48
„ Doppelte...........
ff
47-49
Holl. st. 10 Stücke...........
51-53
Rand - Ducat-n............
5.
35-37
20 Frank entzücke............
n
9
29 .10
Engi. Sovereigns...........
H
11
. 53-57
Ruff. Imperials............|
ff
47-49
Dollars in Gold...........I
2.
261-27-
Schichengesellschafl in Gießen.
Morgen, Sonntag den 15. September, von Nachmittags Uhr an:
8 dj i e ß ü ö u n g.
Distance: 125 Schrille (aufgelegt). HerauSschießen der v. Wreden'schen Gabe von 1 Uhr an.
Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Dietzen.


