Ausgabe 
9.3.1867
 
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Beilage zu Nr. so des Auzeigeblattes.

U ermischte «fl »zeige n.

869) Die Sammlung für Vie Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffsbrüchiger in Bremen hat am hiesigen Orte ergeben:

1) an einmaligen Beiträgen......15 fl. 10 fr.,

2) an Jahres-Beiträgen.......23

wozu der hiesige Handelsverein noch einen jährlichen Beitrag von 10 fl. und einen einmaligen von 17 fl. 30 fr. liefern wird. Die obige Summe ist nach Abzug der Kosten für einen Dienstmann mit 1 fl. 12 fr. am 6. März mit 21 Rthlr. 4 Sgr. nach Bremen abgesandt. Die Abrechnung wird nach Eintreffen der Quittung.in der Ferber'schen Buchhandlung zur Einsicht offen liegen.

899) Gefunden

wurde vergangenen Dienstag ein Porte-1 monnaie mit dem Namenszug H. 8. und einigen Kreuzern. Abzuholen gegen die Jnseratgebühren bei Georg Möhl.

901) Einige Herren tonnen noch Mtt- tagstisch haben. Bei wem? sagt die Exped. dieses Blattes.

M.-W .'.I1 ----------- .1 L. >

Jrifrtjöädiei* zu gießen.

Sonntag den 10. März. Wilhelm Lvber an der Brandgaffe. Christian Lampus auf dem Seltersweg. Daniel Rühl am Rathhaus.

Kirchliche Anzeigen. oSvangettfche Gemeinde zu Hießen. Gottesdienst. Am 1 0. M Lrz.

Morgens: Pfarrer Dr. Seel.

Nachmittags: Pfarrer Sandmann.

PafsionS - Gottesdienst in der HoSpital- kirche.

Mittwoch den 13. März, Nachmittags 4 Uhr: Pfarrer Landmann.

Getaufte.

Den 3. März. Dem Bürger und Schuhmacher, UohauneS Erb, eine Tochter, Johanna Katharine Auguste Elhabcth, geboren de» 19. Januar.

Denfelb en. Dem Bürger zu Homberg a. d' Ohm und ActuariatS - Asspiranten, Theodor Becker, ein Sohn, Friedrich, geboren den 20. Deeember v. I.

Den 7. März. Dem Bürger. Kaufmann und Mitglied des Gemeinderaths, 'Ebnend Silbereifen, eine Tochter, Marie Betty, geboren den 31. Januar.

Denselben. Dem Bürger und Metzger, Jo­hannes Langsdorf, ein Sohn, Adolf Henna»», ge­hören den 5. Februar.

Denselben. Dem Bürger und Wagner. Emil Steinberger, ein Sohn, Heinrich Philipp Wilhelm Martin, geboren den 27. Februar.

Beerdigt.

Den 5. März. Ein unehelicher Sohn von ans wärts, Georg, alt 1 M. 13 T., gestorben den 4. März

Die Pfarrgesehäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Rundschau.

In den seitherigen Sitzungen des norvveutschen Reichstags wurden wieder nur Wahlprüfungen vorgenommen. Es sind nunmehr zu­sammen 116 Wahlen geprüft und gültig erklärt. Da der Reichs­tag 296 Mitglieder zählt, die absolute Majorltät mithin 149 Stimmen beträgt, somit also 17 Wahlen über die absolute Majorität geprüft und gültig erklärt sind, beschließt das Haus nach dem Anträge des Alterspräsidenten, die Wahl des Präsi­denten nächsten Samstag den 2. März vorzuuehmen und in der Sitzung am 1. März mit den Wahlprüfungen sortzufahren. Bei der am 2. März vorgenommenen Präsidentenwahl wurden im Ganzen 240 Stimmen abgegeben, so daß zur absoluten Mehrheit 121 Stimmen gehörten. Die meisten Stimmen (120) fielen auf Simson; Graf Stolberg erhielt 73, Herzog von Ujest 24, v. Wächter 17, v. Erxleben 3 Stimmen, die übrigen zersplitterten sich. Bei der hierauf vorgenommenen engeren Wahl, in welcher 240 Stimmen abgegeben wurden, wurde Simson mit 127 Stimmen zum Präsidenten gewählt, während Graf Stol­berg 89 Stimmen erhielt. Der Abg. Dr. Simson ist also zum ersten Präsidenten des Reichstags gewählt, und indem der Alterspräsident dieses Resultat verkündigt, erschallt Bravo in der Versammlung. Präsident Dr. Simson (nachdem er den Prä« sidentenstuhl bestiegen) :Meine Herren! Sie berufen mich durch die soeben vollzogene Wahl für die nächsten vier Wochen zur formellen Leitung Ihrer Versammlung. In ter Ueberzeugung, dieser hohen Versammlung für ihren großen Zweck, der nicht unerreicht bleiben darf, an der Stelle auch mit meinen beschei­denen Kräften dienen zu müssen, Die Sie mir anweisen, und in dem vollen Gefühle der Ehre und Auszeichnung, die Sie mir zu Theil werden lassen, nehme ich die Wahl an und danke für Die- feile in wahrhafter Ehrerbietung. Ich tverDe mich bemühen, allen Ansprüchen, Die Sie an mich stellen, gerecht zu werten. Begegnen Sie mir Dabei von allen Seiten Des Hauses mit Nach- sicht, Das ist meine Bitte, meine Hoffnung, Denn ich weiß sehr wohl, wie sehr ich Ihres Wohlwollens unD Ihrer Nachsicht be» Darf." Der Präsitent fordert dann das Haus noch auf, feinen Dank rem abtretenden Alterspräsidenten durch Aufstehen von Den Sitzen kunvzugeben. Dies geschieht und es wird dann zur Wahl des ersten Vicepräsidenten geschritten. Zum ersten Vice- präsidenten des Reichstags wurde Herzog von Ujest mit 119 von 231 Stimmen, zum zweiten v. Bennigsen mit 114 von 227 abgegebenen Stimmen gewählt. Außerdem erhielten Haberkorn 95, v. Wächter 8,' Braun 2, v. Rothschild 1 Stimme. Den Schluß der Sitzung bildet die Wahl der Schriftführer. In Der Sitzung vom 4. März theilte Der PräsiDent Simson Das Resul­tat Der Schriftführer-Wahlen mit. Es rourDen gewählt: Forckel, p. Unruh-Vomft, v. Kleinsorgen, Delius, v. Schöning, v. Wurmb,

Graf BauDissin unD Falck. Die Abgg. von AuerswalD und- manu sinD zu Quästoren ernannt. Der PräsiDent Der Bundes- Cvmmissarien, MinisterpräsiDent Graf v. Bismarck, brachte hierauf Den Entwurf Der BunDesverfassung, nebst authentischen Ausfer­tigungen Derjenigen Verträge ein, auf welchen bisher Die Consti- tuirung des Bündnisses beruhte, wie die Protokolle über Die Konferenzen, in welchen Der vorgelegte Verfaffungsentwurf zwischen Den Vertretern Der hohen Regierungen vereinbart worDen ist. In seiner Rede betonte Der Ministerpräsident die Nothwendigkeit, Den BunDesvertrag bis zum 18. August festzustellen, Da Der pro- visorische BunD nur bis Dahin abgeschlossen unD noch vorher Die BunDesverfassung allen EinzellanDtagen zur Genehmigung vorzu- legen sei. Ebenso beDingen die Beziehungen in Süddeutschland eine rasche, entschiedene Beschlußnahme in NorDdeutschlanv, da nur hierdurch Das Vertrauen Der süDDeutschen Staaten zu jenen befestigt werden könne. Sodann berührt er in einem geschicht­lichen Rückblicke die in unserem National - Charakter liegenden Gründe, welche die Vereinigung des ganzen Deutschlands von jeher verhindert haben und Die er in einem Ueberschuß an männ­licher SelbstänDigkeit unD an Unabhängigkeitgefühl zu sinoen glaubt, welcher in DcutschlanD Den Einzelnen, Die Gemeinde, den Stamm veranlaßt, sich mehr auf Die eigene Kraft zu verlassen als auf Die Gesammtheit; es sei Der Mangel jener Gefügigkeit Des Einzelnen unD Des Stammes zu Gunsten Des Gemeinwesens, jener Gefügigkeit, welche unsere Nachbarvölker in Den Stand ge­setzt hat, Die Wohlthaten, die wir anstreben, sich schon früher zu sichern. Schließlich weist er Darauf hin, Daß Die Regierungen ein gut-.6 Beispiel in diesem Falle gegeben;es war feine unter ihnen, sagte er, die nicht erhebliche Bedenken, mehr oder weniger berechtigte Wünsche dem bisher erreichten Ziele hat opfern müs­sen, Den Beweis, daß DeutschlanD in einer sechshundertjährigen Leidensgeschichte Erfahrungen gemacht hat, die es beherzigt; daß wir und Alle, Die wir hier sinD, haben es selbst erlebt die Lehre zu Herzen genommen haben, Die wir aus Den vergeb­lichen Versuchen von Frankfurt unD von Erfurt ziehen konnten. Das Mißlingen Des Damaligen Werkes hat in DeutschlanD einen ZustanD Der Unsicherheit unD UnzusrieDenheit herbeigeführt, Der 16 Jahre lang geDauert hat und Der schließlich Durch eine Äata- strophe wie Die des vorigen Jahres nach irgend einer Seite hin, wie Gott es fügte, feinen Abschluß finden mußte. Das deutsche Volk hat ein Recht, von uns zu erwarten, daß wir Der Wieder­kehr einer solchen Katastrophe Vorbeugen, unD ich bin überzeugt, Daß Ihnen und Den verbündeten Regierungen nichts mehr am Herzen liegen darf, als diese gerecht Erwartung des deutschen Volkes zu erfüllen." Präsident Simson beantragt Vertagung des Beschlusses über die gesckäftliche Behandlung des Verfassungs- Entwurfs bis dahin, daß Die Vorlagen gedruckt, unD Das Haus