Gießen. Kurz nach dem Amerikanischen Kriege, der hoffentlich der Sclaverei im Süden Amerika'- für immer ein Ende gemacht hat, wurden die Arbeitskräfte, durch Befreiung der Ne- aer, in den Plantagen so rar, daß die Pflanzer genothigt waren sich einen Ersatz dafür zu suchen, und wo konnten sie denselben besser finden als unter den fleißigen deutschen Arbeitern und Landleutcn? Gewissenlose und geldgierige Agenten verlockten die deutschen Auswanderer und lieferten sie den Pflanzern m die Hände, denen es nicht im Geringsten einfiel, diesen weißen Arbeitern ein besseres Loos bereiten zu wollen, als sie es vorher den Schwarzen gethan haben. Himmelschreiend sind die Berichte, die man von dort liest unv es verdient jeder einen Gotteslohn, der auch nur eine solche Seele aus den Klauen solcher Ungeheuer errettet. Es ist Pflicht der Presse immer und bei jeder Gelegenheit warnend aufzutreten und jedem Auswanderer diese Zustände vor Augen zu führen, damit er sich wohl vorsehe, tn allzu nahe Berührung mit solchen Agenten zu kommen; wir lassen zu diesem Zwecke hier einen Artikel aus den deutschen Sonntags- Blättern folgen :
Deutsche Neger.
Schon öfter haben einsichtsvolle deutsche Patrioten in Amerika auf die traurige Lage, die entsetzlichen Gefahren aufmerksam gemacht, in welche deutsche Arbeiter aus Stadt und Dors sich stürzen, wenn sie entweoer schon in der Heimath oder bei ihrer Ankunft auf amerikanischem Boden den Verlockungen gewisser Agenten trauen und sich von denselben für süvamerikanlsche Plan- tagcnbesitzer anwerben lassen.
Diese Plantagenbesitzer sind ehemalige Selavenhalter, welche durch vie Befreiung ver Neger ihre Arbeiter verloren haben und sich nun gern in den ihnen zwar verhaßten, aber als gedulvig unv nüchtern, als fleißig und arbeitskräftig bekannten Deutschen ein neues Sclavengeschlecht heranziehen möchten.
Wiederholt hatte inzwischen auch hie und da ein anderes Blatt den bedrohlichen Eharaeter dieser Absichten dargelegt. Die Stimme der Presse scheint aber leider bei uns noch nicht in diejenigen Kreise zu dringen, Venen die Warnungsrufe gegolten haben. Es wäre sonst nicht möglich gewesen, was in der Thal geschehen ist : daß nämlich auch in diesem Sommer wiederum Schaaren unserer armen harmlosen Landsleute der im Finstern schleichenden, hinter dem Rücken der öffentlichen Meinung gewissenlos ihren verbrecherischen Seelenhanbel betreibenden Habgier zum Opfer gefallen sind.
Was uns über die Schicksale dieser betrogenen Menschen, Einzelner sowohl als ganzer Familien, Die ja nur den Boden ihres Vaterlandes verlassen, weil sie in weiter Ferne ein freund- sicheres Loos, eine Errettung aus mancher Roth, eine angemessenere Verwerthung ihrer Kräfte zu finden hoffen, in Briefen sowohl als in amerikanischen Zeitungen mitgetheilt wird, ist so haarsträubender Art, daß wir uns verpflichtet fühlen, die Ange- legenheit von Neuem unv so oft zur Sprache zu bringen, bis wir von thatkräftiger Seite her wirksame Mittel zur wirklichen Verhinverung eines intrigunnten Manövers ergreifen sehen, das Den Muth zur Ausführung seiner schändlichen Pläne im Ganzen nur aus einer höhnischen Mißachtung Des deutschen Namens begreift. Gerade Der Winter ist Die Zeit, wo durch jene reisenden Agenten Die KöDer ausgeworfen werden, um im Frühling, zur Zeit der wieder eröffneten Schifffahrt, einen möglichst reichen Fang Den um Sclaven verlegenen Pflanzern in Die Arme führen zu können! , . ,
Wie mancher deutsche Arbeiter hat noch im vorigen Zahre, als schon der Versucher sich seiner Schwelle genahet, beim Schimmer des kleinen Weihnachtsbaumes gesessen und zu Weib und Kind von Dem Glücke gesprochen, das enDlich jenseits des Meeres, unter dem milden Himmel des südlichen Amerikas, den Fleiß
seiner Hände segnen werde! Und nun? Was ist jetzt bereits sein Loos? Hören wir, was deutsch-amerikanische Zeitungen,! welche bisher in dieser ganzen Angelegenheit redlich das Ihrig!! gethan, über Die betreffenDen Verhältnisse berichten. Ein Deut-f scher in New-Orleans schreibt an ein New-Norker Blatt wörtlich! Folgendes :
„New-Orleans, im Oetober. Im vorigen Winter und Frühjahr wurden von den meisten Baumwollen-Staaten Agenten nach Deutschland gesand, um Arbeiter zu engagiren, die den Platz der Neger einnehmen sollten. Zur eigenen Schande waren e« leider meistens Deutsche, die ihre Landsleute verlocken sollten, nach den sumpfigen Plantagen zu kommen. Viele andere Agenten warteten aber auch in New-Aork und New-Orleans, um Dit frischen Ankömmlinge in Empfang zu nehmen und sie unter den glänzendsten Vorspiegelungen anzuwerben. Fast auf jedem Sooft welches entweder Den Missisippi hinauf oder herab fuhr, waren Pflanzer unv Agenten anzutreffen, welche Massen solcher unglücklichen Geschöpfe nach ihrem Bestimmungsorte transportirten.
Dort angelangt, wurden denselben zu Wohnplätzen die ver- lassenen und zerrissenen Negerhüttcn angewiesen, und ihnen, da sie ja nur „deutsche Neger" wären, wie man auf Booten oft hören konnte, dieselben kleinen Rationen von gemodeltem Schweinefleisch und Kornmehl ertheisi, wie früher dem Neger. Bis Mai und Juni ging noch Alles ziemlich gut von Statten, obschon viele Deutsche, die solch einer schmählichen, jedem ciöiliftrten Menschen unerträglichen Lebensweise zu entkommen suchten, mit Gt- walt zurückgeholt wurden und der Willkür Der Aufseher und Pflanzer preisgegeben waren. (Schluß folgt.)
Darmstadt- 4. Januar. - Das heute erschienene Regierungsbtati enthält einen Zusa» zur Verordnung vom 18. Deeember v. 3., betr. die Wahle» für den Reichstag des Norddeutschen Bundes in den nördlich deö Mains gelegenen Gebietstheilen des Großherzogthums, wonach auch die Orte Kastel und Kostheim den Bestimmungen dieser Verordnung unterliegen. Ebenso bestimmt eine Ministetial-Bekanntmachung, daß die Bekanntmachung vom 18. Deeember v. I., die Wahlen für den Reichstag des Norddeutschen Bundes in der Provi z Oberhessen betreffend, ihrem ganzen Inhalte nach auch auf die nördlich des Plains liegenden Orte Kastel und Kostheim Anwendung zu finden hat. 1
Zug eich wird der §. 1 und der erste Absatz des §. 5 der gedachten Bekanntmachung aufgehoben und werden dieselben durch nachstehende Bestimmun g gen ersetzt :
§• 1-
In den nördlich des Mains gelegenen Gebietstheilen des Großherzvg! thumS werden mit Rücksicht auf das Ergebniß der im Jahre 1864 stattge-l habten Volkszählung, wonach dieselben 258,450 Einwohner haben, drei Abgeordnete für den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt.
Zu diesem Behufe werden diese Gebietstheile in drei Wahlkreise aelheilt. Der erste Wahlkreis umfaßt eie Kreise Gießen, Grünberg und Nidda. Der zweite Wahlkreis umfaßt die Kreise Friedberg, Vilbel und Büdin- . gen, sowie die Orte Kastel und Kostheim.
Der dritte Wahlkreis umfaßt die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten.
In jedem dieser Wahlkreise wird ein Abgeordneter gewählt.
§■ 5, Absatz 1.
In die Wahllisten sind nach Zu- und Vornamen, Alter, Gewerbe uni Wohnort einzutragen alle in der betreffenden Bürgermeisterei, beziehungsweist dem Wahlbezirk, wohnenden, in den nördlich des Mains gelegenen Gebietstheilen des Großherzogthums oder einem anderen der zum Norddeutsche» Bunde zusammentretenden Staaten heimathberechtigten, 25 Jahre alten unbescholtenen Staatsbürger.
Temperatur in Gießen, Deeember 1866 : niederste.............— 4.0° R.
mittlere.............4- 2,22 „
Mittel früherer Jahre.........— 0,34 „
höchste...............+ 10,0 „
Niederschlag - an 18 Tagen........3,48 Par.Zol!.
„ Mittel früherer Jahre: an 17 Tagen 1,53 „ „
*) Die größte Menge, welche überhaupt — seit 1851 — für den Deeember beobachtet ist.
Fruchtpreise von nachbenannten Städten und Fruchtmärkten.
Druck und Verlag der Brühl'schm Univ.-Buch- und Steindruckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
Ort und Datum.
W a i z e n.
Korn.
Gerste.
Hafer.
Kartoffeln
Verkauft
MtttelpreiS vom Malter.
Verkauft
Mittelpret« vom Malter.
Verkauft
Mittelpreis vom Malter.
Verkauft
MittelpreiS vom Malter.
Verkauft
Mittelpreis vom Malter.
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Gießen, 4 Januar . .
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