Issue 
21/11/1866
 
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Zur Wahlagitation.

In einem Nachsatze zu dem in ver Buchdruckern des Herrn Wilhelm Keller erschienenen Wahlaufrufe heißt cs:die Gegner des Fortschritts haben in letzter Stunde gleichfalls Herrn August Heß als Abgeordneten empfohlen." Diese Worte ent- halten nicht allein eine Beleidigung Derjenigen Partei, welche in einem anderen Wahlaufrufe Wahlmänner aufgestellt hat zur Wahl des Herrn Heß als Abgeordneten, indem sic Diese andere Partei als Gegner des Fortschritts bezeichnen, sondern |te ent­halten auch eine vollständige Unwahrheit, inDem sie besagen, daß Herr Heß von dieser andern Partei in letzter Stunde als Abgeordneter empfohlen worDen sei. Jedermann, der der ersten Versammlung beigewohnt oder sich um ihren Verlaus bekümmert hat, weiß, daß Herr Professor Dr. Wasserschlcben fast ein­stimmig zum Abgeordneten ver Stadt ausersehen wurde, nachdem Herr Heß erklärt hatte, daß er die Wahl nicht annehmen werde. Als nun constalirt war, daß Herr Professor Dr. Wassers ch- leben ein Mandat der Stadt nicht annehme, haben sich beide Parteien einstimmig für Herrn Heß als AbgeorDneten ent- schieven. Wäre nicht von einer Partei Herr Professor Dr. L>o ld a u in's Auge gefaßt worden, so würde unzweifelhaft in der ersten Versammlung Herr Heß von vornherein mit übergroßer Majo­rität als der zu wählende AbgeorDnetc bezeichnet worden sein, in welchem Falle nach seiner eignen öffentlich abgegebenen Erklä­rung eine Ablehnung von Herrn Heß nicht zu erwarten gewesen wäre. Wenn aber nun gar wie geschehen ist bei dieser Sachlage und bei diesen allgemein bekannten Thatsachen derje­nigen Partei, welche Herrn Professor Dr. W a sserschlcb en vorgeschlagtn hat, nachgesagt wird, daß sie schon im Voraus gewußt, derselbe werde die Wahl nicht annehmen und daß es gar nicht ihre Absicht gewesen sei, diesen von ihr öffentlich be­zeichneten und aufgestellten Candidatcn durch die ihrerseits in Vorschlag gebrachten Wahlmänner zum Abgeordneten wählen zu lassen, daß sie vielmehr in der Voraussicht, Herrn Professor Dr. Wasserschleben durchsetzen zu könne», eine andere bestimmte Persönlichkeit ausersehen habe, welche sie durch ihre Wahlmänner unter Bei- seitsetzung des Herrn Professor Dr. Wasserschl e b en wählen lassen werde, so ist dies in der Thal em Vorwurf, der jedem, gegen den er gerichtet ist, die Zornesröthe in's An- gesicht treiben muß. Es handelt sich hier nicht um em Wahl- Manöver, sondern um den Vorwurf der Charakterlosigkeit und niedrigen Gesinnung, den kein Mann von Ehre ohne tue gebüh­rende Antwort gegen sich schleudern lassen darf, denn sein Still­

schweigen würde zu der Annahme berechtigen, daß die gegen ihn

erhobenen Beschuldigungen wahr seien und daß er die Bezeichnung eines Mannes ohne Charakter und von niedriger Gesinnung ver­diene. Eine solche Antwort und eine Abwehr des gegen die Ehre der Männer, welche Herrn Professor Dr. Wasferschleben als Abgeordneten vorgeschlagen haben, gerichteten Vorwurfs der Charakterlosigkeit und niecrigen Gesinnung unv eine Zurückwei­sung wegen der in dem oben erwähnten Nachsatze enthaltenen Beleidigung und Unwahrheit bezweckt die Nachschrift der An­sprache an Die Urwähler der Stadt Gießen vom 12. d. M. Den Mitteln entsprechend, mit welchen man gegen Die Unterzeichner dieser Ansprache agitirte, mußten die Worte sein, welche eine solcke Agitation kennzeichnen sollen. Jedem der Unterzeichner Der An­sprache vom 12. d. M., welchem jene Nachschrift nicht eouvenirt, ist es unbenommen, dies zu erklären, da die Genehmigung Aller bei der Kürze Der Zeit selbstverständlich nicht eingeholt werden konnte und mau nicht im Entferntesten daran gedacht hat, jeden Einzelnen dafür verantwortlich zu machen, ebensowenig wie die Unterzeichner des andern Wahlaufrufs für die in dem Nachsatze enthaltene BeleiDigung und Unwahrheit verantwortlich gemacht werven sollen. Jene Nachschrift gilt nur im Namen derer, welche sich die beleidigende Bezeichnung als Gegner des Fortschritts, die Entstellung von Thatsachen und solche Nachreden, welche darauf abzielen, sie in den Augen ihrer Mitbürger als charakterlose und nicdriggesinntc Menschen hinzustellen nicht gefallen lassen wollen.

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In Kürze wird der Violinvirtuos Jean Becker aus Straßburg mit seinem vortrefflichen Quarrett hier auftreten. Einsender diese», der den ihm befreundeten Künstler wiederholt zu einem Besuche Gießen» aufgefvrdert hatte, mag es nicht unterlassen, das munkliebende Publikum schon fetzt auf den zu erwartenden Kunstgenuß aufmerksam zu machen. Jean Becker wird von der europäischen Kritik längst zu den ersten Koryphäen seiner Kunst gezählt. Auch in Betreff der Leistungen seiner Genossen liegen glänzende Zeugnisse vor. Möge denn die Aufnahme, die da« Publikum dem famosen Quartett bereitet, seiner Bedeutung entsprechen. M.

Geld-Cours vom 19. November 1866.

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Druck unD Verlag Der Brüh l'schen Univ. - Buch- und Steinvruckerei (Fr. C b r. Pietsch) in Gießen.