uon bett »wischen 2 Häusern befindlichen Winkelstätten, und es wird allem Anscheine nach di- Erzeugung und Vervielfältigung dcS Choleragiftcs gerade dann besonders mächtig, wenn an den betreffenden Stätten außerdem viel alter Unrath vorhanden t|t, dem Rd» die durch die Cholerastühle eingeleitete verderbliche Zersetzung ebenfalls mitlheilr. Eine allseitige Entleerung und gründliche Reiniauna aller für die Ansammlung von Unrath dienenden Orte kann daher beim Hereinbrechcn einer Choleraeptdemie für die Wohlfahrt einer Stabt von großer Bedeutung sein. Durch ein bloßes Weggießen solcher Entleerungen wird demnach die Ansteckung«, aefahr nicht beseitigt, durch ihre Vermischung mit dem alten Kloakeninhalte vielmehr noch erhöht. Alle Ausscheidungen der Cholera- kranken und auch solcher Personen, welche während einer Epidemie an bloßer Diarrhoe leiden, muffen dah-r vor ibrer Beseitigung durch Zusatz eines sogenannten DesinfectionSmittels (am besten einer Eisenvitriol-Losung) vorläufig unschädlich gemacht werden, und es erscheint selbst als ein weiteres Gebot der Vorsicht, b,e so behandelten Entleerungen nicht den gewöhnlichen Aborten zu übergeben, sondern dieselben zur Verbringung an einen bestimmten, außerhalb der Stadt gelegenen Ort, wofür durch die städtische Behörde zu sorgen wäre, abzuliesern. Da auch die beschmutzte Wäsche solcher Kranken erfahrungsgemäß eine Ansteckung vermitteln kann, so wird >£
auch für diese eine besondere Reinigung durch Kochen (oder siedend Brühen) in Lauge erforderlich. LmF
Da übrigens im Voraus angenommen werben muß, baß burch Die Nachlässigkeit ober Unkenntniß der Einzelnen da und dort - W ^verbliche AuSscheivungen in Die Abtritte und Winkelorte gelangen werben, so ist währcnb einer Choleraepibem,e eine sorgfältige,
alle Paar Tage zu erneuernde Desinfektion aller derartigen Stätten durch Eingießen einer Eisenvitriollösung bringend geboten, und
bie Ausführung bieser Maßregel erheischt selbst >m Interesse Aller eine obrigkeiltiche Ueberwachung. mßigi
Unzählige Erfahrungen haben gezeigt, baß Personen, welche unter dem Einflüsse einer mit Dem Choleragifte geschwängerten Luft ■
stehen dessen ungeachtet erst bann von Der Krankheit ergriffen werden, wenn noch ein weiterer nachtheiliger Einfluß rnithelfenb aus sie einwirkt, gewissermaßen ihre WiDerstanbSfähigkeit gegen Das atmosphärische Gift aufhebt. Besonders häufig beobachtet man namentlich « rasch eintretenoe Cholera-Erkrankungen nach Diätfehlern, Ucberlabungen des Magens mit speisen ober mit geistigen Getränken, nach dem Genüsse schwer verdaulicher, namentlich gern Durchfall erregender Nahrungsmittel, besonders von rohem oder gar unreifem Obste, qrobem Gemüse, grobem Brobe, Gurken, Dickmilch u. s. f. Eine kleine Einschränkung m der Quantität der gewöhnlich genossenen Nahrungsmittel unv Getränke, Die Vermeidung sehr kalten Wassers, der etwas voiwaltende Genoß von Fleischnahrung erscheinen in dieser Hinsicht als zureichenbe Maßregeln und dürften einer gänzlichen Umänderung Der gewohnten Nahrungsweise, einer Suppenbiat, einer plötzlichen Vertauschung des gewöhnlich genossenen weißen Weines mit rothem, vorzuziehen sein. Jeder Einzelne vermeide diätetisch besonders alles Dasjenige, was er nach seiner eignen Erfahrung nicht ganz gut veiträgt. Der Gebrauch von AbiührungS- ^ndej Mitteln darf während einer Choleraeptdemie nur unter der Garantie einer ärztlichen Verordnung stattfinden.
Hinreichende Erfahrungen sprechen dafür, baß auch Erkältungseinflüsse ben letzten Anstoß für ben Ausbruch der Krankheit geben können, vaher denn eine sorgsamere Bekleivung, die Vermeidung unvorsichtiger Entblößung, das Tragen einer flanellenen Leibbinde, die Vermeibung kühler Nachtluft, überhaupt und insbesondere solchen Personen, Die zu Diarrhöe neigen, zu empfehlen sind.
Der Entwickelung der Cholera sowohl, wie vieler anderer seuchenartiger Krankheiten wird in auffallendem Grade durch Die Ausdünstungen gesunder und kranker Menschen, wenn viele in verhältnißmäßig engen Raumen zusammenleben, ganze Familien in kleinen Zimmern schlafen, Vorschub geleistet, und dies um so mehr, wenn zugleich auf eine häufige und grünDhfie Reinigung der Wohnung, fleißiges Aufwaschen des Bodens, rasche Fortschaffung aller Der Fäulniß zugänglichen Reste Der Nahrungsmittel und vor Allem auf vielfältige unD langbauernbe Erneuerung Der Zimmerluft mit Abhaltung Der Den Abtritten entströmenden Gase wenig
Druck und Verlag Der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei t§r. Ehr. Pietsch) in Gießen.
Bedacht genommen wirt. ... ,, , , „ <
Fast mehr noch, als alles Dies, verdient während einer Choleraeptdemie zedwelche emtretende Unregelmäßigkeit der Entleerungen, besonders eine wenn auch noch so geringfügig erscheinende Neigung zu Diarrhöe, Beachtung. Dem Ausbruche der eigentlichen Cholera geht nämlich in Der Mehrzahl Der Fälle ein Durchfall voraus, Der sich durch Nichts von einer gewöhnlichen Diarrhö- unterscheiDet; sehr viele Personen erkranken, wo Die Cholera herrscht, nur an solchen Durchfällen, Die bei zweckmäßigem Verhallen vorübergehen, ohne von Der gefürchteten Krankheit gefolgt zu sein. Unzählige Beispiele lehren aber, baß unter bem Einflüsse einet weiteren auf Den Kranken wirkenden Schädlichkeit, insbesondere eines Diatfehlers, eines übermäßigen Genusses geistiger Gettanke, das gering geachtete liebet innerhalb weniger Stunden zum eklatanten Choleraanfall gesteigert werben kann, woraus sich ergibt, datz solche Durchfälle trotz ihrer anscheinenven Gutartigkeit dennoch Die Bedeutung einer Eholeradiarrhöe haben können. Wenn es wahr ist, daß Die Tragweite Der ärztlichen Kunst in allen solchen Fällen nur eine bescheidene ist, in Denen Die Krankheit bereite zur völligen Entwickelung gelangt ist, so gilt Dies keineswegs für die in Rede stehende Vorlauserpenode, Die Choleradia,rhoe. Eine zweckmäßige, auf ausschließlichen Genuß schleimiger Suppen beschränkte Diät nebst warmem Verhalten im Beite werden bei frühzeitig eintretendet ärztlicher und arzneilicher Hülfe in Der Regel im Stande fein, Dem Ausbruche Der bedenklicheren Zufälle vorzubeugen. Es kurst- in hohem Grade zur Beruhigung Des Publikums Die Mittheilung dienen, Daß Der Erfahrung gemäß Die Mehrzahl Der todtlich ver- taufenDen Cholerafälle solche Personen befällt, welche Der Mahnung Der Vorsicht ihr Ohr verschlossen, oder wegen Unkenntniß Del Gebote eines zweckmäßigen Verhaltens in einer ober Der anderen Weise gegen Die angeführten Regeln fehlten.
Was Die zahlreichen Geheimmittel betrifft, mit welchen Die Gewinnsucht zur Zeit herrschender Cholcraepidemieen aus Die Leichd gläubigfeit Der Menge speculirt, so möge Die Versicherung genügen, daß sogenannte spicififche oDer radikale Mittel gegen diese Krank- beit bis heute nicht bekannt sind. Derartige Elixire und Essenzen enthalten vielmehr nur bekannte Dinge, namentlich Opium, Du in vielen Fällen allerdings am Platze sind, in anderen hingegen unpassend oder nachtheilig sein können, da bei ihrem Gebrauch! Den befonDeren UmstänDen, Die jeDer einzelne Krankheitsfall Darbietet und die Den Arzt zu vielerlei Abänderungen seines Bertahren bestimmen müssen, keine Rechnung getragen wird.
Gießen, den 9. August 1866.
Dr. Sour. Dr. Birnbaum. Dr. Bose. Dr. Toruseiss. Dr. Fclsiug. Dl. Gerold. Dr. v. Helmolt. Dr. Kehrer jun. Dr. Klein. Dr. v. Löhr. Dr. Phöbus. Dl. Ploch. Dr. v. Rilgen. Dr. Rumps. Dr. Seth. Dr. Stammler. Dr. Weber sen. Dr. Weber jun. Dr. Weruher »en. Dr. Weruher jun,
mch Dga
Achrv
»erc
bortfn
l Mi "itittii
Bef
280;
™UtlC fett t hüjettr
uflbe ß


