Ausgabe 
2.5.1866
 
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Z Ambulatorische Klinik

für

Augenkranke

täglich von 4 5*/2 Uhr Nachmittags in meiner Wohnung (M ö h l'scher Garten am SeltcrSthor). Arme erhallen Behandlung und Arznei-Mitiel unentgeldlich.

Außerdem habe ich noch Vormittags von y,ll12 Uhr Sprechstunde.

Professor Dr. Gerold.

Geschäsls - Empfehlung.

1703) Einem hiesigen und auswärtigen Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich dahier ein

! 1688) Ein junger Dachshund, womöglich > von gelber Farbe, wird zu kaufen gesucht. ! Von wem? sagt die Expev. d. BlttS.

1656) Ein Junge, der das Schuh, machergeschäft erlernen will, kann in die Lehre treten bei Th. Schneider.-

1691) Auf der Baustelle neben Herrn Daniel Wirth kann Schutt abgeladen w.erdcn, und wird für den einspännigen Wagen 6 fr., für den zweispännigen 9 kr. vergütet. In Auftrag:

Maurermeister Haubach.

1629) Meine Bettfedern-Reinigungs- ernchtet habe und halte ich mich in allen in diesem Geschäft vorkommcnden Arbeiten, Maschine bringe ich hiermit in empfehlende unser Zusicherung reeller Bedienung, bestens empfohlen. ! Erinnerung, mit dem Bemerken, daß ich

Meine Wohnung befindet sich vorläufig noch im Hause meiner Schwiegermutter, auch das Waschen der betreffenden Bettung Georg Wittich Witwe, in der Neustadt Lit. D. Nr. 89. j übernehme. Henriette Tippel,

Gießen, im April 1866. Gustav Rühl. i gegenüber dem Gesellschaftsbause.

Aufruf zur Gründung einec unter dem Proiecloral I. K. H. der Prinzessin Ludwig von Hessen stehenden Anstalt für blödsinnige

Kinder im Großherzogthum Hessen. Darmstadt, 24. März 1866.

Wenn wir mit den folgenden Worten es wagen, vor die Bewohner unseres Großherzogthums hinzutreten, um ihr Wohl­wollen und ihre Mithülfe zur Gründung einer neuen Wohl- thätigkeits-Anstalt in Anspruch zu nehmen, so geschieht dies im Hinblick auf die bewährte unerfchöpstiche Mildthätigkeit unserer Mitbürger bei alle» Fällen wahrer Roth und Hülfsbedürftiqkeit, mrd weiterhin mit Rücksicht auf die klägliche Lage der elenden Geschöpfe, für die wir heute das öffentliche Interesse erregen möchten. °

Scho» hat Hr. Diaconus Engel in Erbach durch Wort und Lichrift auf die Noth der Blödsinnigen in nnserem Lande hingewiesen, und einen Hülferuf erhoben für Diejenigen, die selbst um Hülfe nicht rufen können.

Um das Bcdürfniß zu einer Blödsinnigen-Anstalt nachzu- welfen, genügt es, einen Blick auf die Anzahl blödsinniger Menschen in unserem Lande zu werfen.

Provinzen und Kreise

1. Starkenburg :

Anzabl der

Unter je 10,000 Personen

Blödsinnigen

befinden sich Blödsinnige

Darmstadt .

25

4

Bensheim .

28

10

Dieburg

65

13

Erbach

26

11

Groß-Gerau

35

12

Heppenheim

27

11

Lindenfels .

58

17

Neustadt

12

7

Offenbach .

55

10

Wimpfen .

11

29

Provinz Starkenburg .

2. Oberhessen :

342

10

Gießen

25

6

Alsfeld

22

7

Biedenkopf.

27

8

Büdingen .

16

9

Friedberg .

25

7

Grünberg .

17

10

Lauterbach .

22

8

Nidda

32

10

Schotten .

10

5

Vilbel

14

6

Vöhl ....

4

7

Provinz Oberhessen

214

7

3. Rheinhessen :

Mainz .

45

8

Alzei .

29

8

Bingen

22

7

Oppenheim

31

7

Worms

27

5

Provinz Rheinhessen

154

7

Im ganzen Großherzogthum

710

8

Alle diese Armen sind

bis jetzt

ohne einen Versuch zur

Heilung und Erziehung geblieben. In dieser Sorge haben wir uns von unseren Nachbarländern überflügeln lasten, denn es besteht in Deutschland eine große Menge Heilanstalten für blödsinnige Kinder, alle begründet durch öffentliche, freiwillige Beiträge. Darum ist es auch für uns hohe Zeit, diesen Un­glücklichen die helfende Hand zu reichen.

Wohl ist es von vornherein gut, sich über das Maß der erreichbaren Resultate in solchen Austalteii klar zu machen, und sich keiner Täuschung hinzugeben; man wird aus einem blöd­sinnigen Kinde nimmermehr einen vollkommen geisteskräftigen Menschen erziehen, aber die Erfahrungen der letzten 30 Jahre haben gezeigt, daß solche Kinder unter sorgfältiger ärztlicher und hygienischer Pflege zu einer merklichen Kräftigung ihres ganzen Organismus gelangen. Es gelingt, sie zur Ordnung und Rein­lichkeit zu erziehen, sie verlieren ihre oft höchst widerlichen Ge­wohnheiten und Unarten und werden dadurch von der sonst oft das ganze Leben hindurch nothwendigen Pflege und Wartung unabhängiger. Viele von Denen, welche, obwohl sie hören, bis dahin stumm waren, lernen sprechen und eignen sich die Gegen­stände des Elementarunterrichts (Schreiben, Lesen) an. Bis zu einem gewissen Maße werden sie befähigt zu religiösen Be­griffen, zu den Gefühlen von Dankbarkeit und Liebe.

Greifbarer sind die Resultate in praktischer Beziebnng, indem manche Blödsinnige es bis zur Erlernung eines Hand­werkes, der Schuhmacherei, Weberei, Korbmacherei gebracht haben, wenn auch nicht bis zur späteren selbstständigen Aus­übung eines Geschäftes.

Trotzdem müssen diese kargen Erfolge der Jdioten-Anstalt höchst segensreich genannt werden, wenn in Erwägung gezogen wird, welches Loos der geistesschwachen Kinder ohne den Bei-