Beilage zu Nr. 69 des Anzeigeblatts.
Vermischte Anzeigen.
Angelegenheit der 39. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.
2747) Wir ersuchen hiermit sämmtliche Herren, welche bisher ihre Mithülfe bei der Vorbereitung unserer Versammlung durch Theilnadme an den einzclnen Comito's zu gewähren die Freundlichkeit gehabt haben, oder solche in Aussicht stellten, heute, Samitaa den 27 v. ÄtS., Abends 7 Uhr, im ehemals Busch'schcn Garten zu einer gemeinschaftlichen Besprechung sich zusammen- k-nren -u wollen. Die Geschäftsführer:
Dr. Wernher. Dr. Leuckart
2725) Da der Wetterauer Bote ein in hiesiger Stadt wenig gelesenes Blatt ist, so finde ich mich veranlaßt, den, in demselben erschienenen Schmähartikel, welcher hauptsächlich gegen meine Person gerichtet ist, unten im Abdruck der verehrlichen Einwohnerschaft Gießens zur gehörigen Würdigung andurch mitzutheilen und dabei zu bemerken, daß der vermeintliche gebildete Verfasser res fraglichen Artikels leicht zu errathen sein dürfte, wenn ich anveute, daß jener die, in diesem erwähnte Stelle eines sogenannten gebornen Mitgliedes des Schulvorstandes gerne einnehmen möchte^ indem nur der zeitige Bürgermeister gesetzlich ständiges Mitglied des Schulvorstandes ist.
Gießen, am 25. August 1864. Vogt, Bürgermeister.
Gießen. Die demnächst stattfindende Gemeinderathswahl nimmt bereits die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade in Anspruch und dies um so mehr, da es sich jetzt zeigen muß, ob die Bürger Gießens wirklich den Standpunkt in Bildung und bürgerlicher Selbstständigkeit einnehmen, welchen sie sich so gerne »intimen. Denn gegenüber den Wühlereien eines bekannten unter sehr pfiffiger Leitung stehenden Häufleins altersschwacher Zünftler ist es Aufgabe der liberalen Partei, den Rest der jetzt ausgeschiedenen Gemeinderathsmitglieder durch selbstständige, wahrhaft freisinnige Männer zu ersetzen. Es gilt heute nicht mehr der als der Beste, welcher den dicksten silbernen Knopf auf seinem Bambus in die Rathsversammlung trägt und dort in gemüthlich sich wiegender Sitzung mit aufgeblasenen Backen die Hände über dem Hängebauch gefaltet mit' schläfrigen Augenlidern sich von dem Schreiber die unverdauten Fremdwörter unterbreiten läßt, dann den Angstschweiß sich von der Stirne trocknend ausruft: Widder amohl e Tourche durchgemacht und sich zur Erholung mit verschiedenen Poitionen Spansau und den dazu gehörigen Flüssigkeiten tröstet? Man hat heute andere Ansichten und verlangt Mehr! Nur der, welcher wirkliche Bildung besitzt, kann auch Achtung beanspruchen und in der Zeit, wo wir leben, ist ohne Letztere kein Vertrauen. Wie kann ein Mann geborener Schulvorstand sein, der selbst kaum lesen und schreiben kann? Dem es passiren könnte, daß er wie jener GcnSdarm, das französische Lesebuch verkehrt vor sich hielt und verlegen nach seiner Brille in den Hosentaschen herumsucht? Dies Alles sollte wohl dazu bewegen, nur wahrhaft gebildeten freisinnigen Männern die Stimme zu geben; dem gegenüber bemüht sich aber eine wunderlich zusammengewürfelte zunftbezopfte Vertrauensmänner - Versammlung ohne Vertrauen noch wunderlichere Kandidaten aufzustellen. Diese große Aufgabe ist denn auch gelungen und wir sehen heute Männer auf der so zu Stande gekommenen Candidatenliste, die wir mit staunendem Kopfschütteln kaum uns als Gemeinderäthe denken können. Sie darum aber wirklich durchzusetzen, das wird eine noch größere Aufgabe sein.
Kirchweihfest zu Rodheim.
' 2736) Der Unterzeichnete ladet hierzu ergebenst ein.
Karl Schlierbach.
2756) Im Schützen-Garten zu Wetzlar findet künftigen Sonntag, den 28. d. Mts., bei dem hier abzuhaltenden Kirchweihfeste:
Große Harmonie-Musik und Tanzbelustigung- ausgeführt von dem Musik-Corps des Rhein. Jäger-Bataillons Nr. 8, Statt, wozu ganz ergebenst einladet H. Kuhn.
2726) Eine schwarze Schürze ist verloren worden. Der Finder wird gebeten, dieselbe gegen eine Belohnung in Lit. B. Nr. 7 abzugeben.
2761) Ein braver Bursche, der mit Pferde-Fuhrwerk umgehen kann, wird auf 1. September als Kutscher in Dienst gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.
Französische Conversation.
2735) Der von mir angekündigte französische Sprachunterricht soll den 1. September anfangen. Die meiste Zeit des Unterrichts wird, selbst für die ersten Anfänger, zu Sprechübungen verwendet. Die verschiedenen Abtheilungen sollen bestehen:
1) aus einer Anzahl von 8 bis 12 Kindern über 6 Jahre, 4 Stunden wöchentlich (Knaben von 10—11 Uhr, Mädchen von 2—3 Uhr, oder zu einer andern zu verabredenden Stunde), a 2 fl. monatlich;
2) aus 6 bis 8 jüngeren Gymnasiasten und andern Schülern, 3 Stunden wöchentlich (von 11—12 oder von 4—5 Uhr), a 2 fl. monatlich;
3) aus Studenten und älteren Gymnasiasten, sowie jungen Kaufleuten, 2 Stunden wöchentlich, Abends von 6—7, 7—8 oder 8—9 Uhr, wenigstens 5 Schüler zusammen, L 2 fl.
Zwei Schüler zusammen 45 fr. und ein Schüler allein 36 fr. die Stunde.
Eine Stunde in der Stadt oder deren Umgebungen 45 fr.
Sich gefälligst anzumelken Morgens zwischen 10 und 12 Uhr, oder Nachmittags zwischen 1 und 3 Uhr bei
Heinr. Grandhomme, ehemaliger Hess. cand. theol., wohnhaft bei Hrn. Bäckermeister Busch, auf dem Kreuz._____________
2734) Eine tüchtige Magd wird auf Michaeli in Dienst gesucht. Wo? sagt die Exped. b. Bltts. ____________________
2759) Künftigen Montag trifft die Dreschmaschine von Herborn hier ein und können Bestellungen im Promenade- haus gemacht werden._____________________
2696) Es werden 500 fl. zu 4 pCt. zu leihen gesucht. Von wem? sagt die Exped. d. Bltts.
2654) Ein Pferde- und ein Ochsenknecht werden gegen hohen Lohn gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.
2690) Ein braver Hausbursche von etwa 16 bis 17 Jahren wird auf Michaeli gesucht. Näheres bei der Exped. d. Bltts.


