701) Die hiesige israelitische Gemeinde sehnt sich schon seit einer Reihe von Jahren nach ei­nem neuen, würdigen Gotteshause und in der That ist die gegenwärtige Synagoge durch ihre Lage und Einrichtung ein Ort, der eher die Religion schändet, als ehrt. Trotzdem läßt der Cultusvor- stand die religiösen Angelegenheiten ihren alten Schlendrian fortgehen, der Vorstand bekümmert sich nicht um die Hebung eines veralteten Gottesdienstes, er sorgt nicht für Beseitigung so mannichfacher Uebelstände er ist vollständig indifferent und thatlos. Die Folge davon hat gezeigt, daß in der israel. Gemeinde Gießens alles religiöse Leben geschwunden ist. Wir wollen hier nicht weiter erör­tern, wie die Vorgesetzten anderer Gemeinden mit Liebe und Eifer ihren Pflichten obliegen, wir bezwecken nur, hiermit den israel. Gcmeindevorstand dahier öffentlich aufzufordern, das alte Projekt be­züglich des Synagogenneubaus seiner endlichen Verwirklichung entgegenzubringen, wir fordern ihn auf, einem dringenden Bedürfnisse baldige Abhülse zu leisten und der Gemeinde zu beweisen, daß es ihm um die Erreichung eines edlen Zweckes ernstlich zu thun ist. Der mehrseitig gemachte Einwurf, daß die Kosten der neuen Synagoge die Gemeinde zu sehr in Anspruch nehmen würden, ist genug als unstatthaft bezeichnet worden, die hiesige israel. Gemeinde ist wohlhabend und zahlreich, die etwas erhöhten Umlagen werden keinem Mitgliede zur Bürde und haben wir die Ueberzeugung, daß der Bau einer neuen Synagoge von der Mehrzahl der Gemeindemitglieder auf das Lebhafteste gewünscht wird.

Sollte der jetzige, erbärmliche Zustand keine Aenderung erfahren, so werden wir doch nicht er­müden und dem religiösen Verfall der Gemeinde entgegenzuwirken suchen, wir werden Details an die Oeffentlichkeit ziehen und nöthigensalls bei der Regierung eine Beschwerde eingeben, um die Vorge­setzten der Gemeinde zu einer gewissenhaften Erfüllung ihres Berufs auffordern zn lassen.

Mehrere Gemeindemitglieder.

Neunzehnter Jahresbericht

des

Vereins zur Unterstützung armer Kranken vom Lande

(1 8 6 2.)

Im Unglück bewährt sich das Gute. Diese Regel bestätigt auch dieser Bericht. Selbst ver schwerste Verlust, der Tod der hohen Schutzfrau, der Großherzogin Mathilde, in fast gleichzeitigem Zusammentreffen mit anderen herben Erfahrungen, dem Ausbruch einer Blatternseuche, und den wiederholten Versuchen ehemaliger Freunde des Krankenhauses, die Hemmung seiner Ent- Wickelung auf amtlichem Weg zu erzwingen so schmerzlich diese Erfahrungen sein mochten, ste scheinen das Denkmal einer unver­geßlichen Fürstin in seinen Fundamenten nicht erschüttert zu haben. Der hochherzige Erbe der Allerhöchstseligen Großherzogin, der Allcrdurchlauchtigste Großherzog Ludwig III. hat das Protectorat des Mathilden-Landkrankenhauscs über- nommcn und seine väterliche Meinung mit einem Geschenk von ein tausend Gulden besiegelt. Die Blatternseuche wurde in wenigen Wochen folgenlos ausgerottet; und der gute Ruf des Hauses durch die gründlichste amtliche Untersuchung bestätigt und befestigt. Die Vereinskasse hat in 1862 gegen 10,000 fl. umgeschlagen. Schenkungen und Vermächtnisse, wie die des Herrn »Konsuls Schley, I. K. H. der Prinzessin Ludwig, ter Fräulein Kleist re. haben die Summe der Passiva vermindert. 137 hessische Landgemeinden haben Verträge zur Verpflegung ihrer Kranken abgeschlossen, 346 Kranke haben die gesammte Hospi- talpflcge in meist schweren Erkrankungen genossen, 22,980 Pflegtage wurden an die Kranken sammt dem Wartpersonal in 1862 gewährt, 114 Operationen aus allen Gebieten rer Wund- und Augenheilkunde mit großentheils schönen und bemerkcnswerthen Er­folgen ausgeführt. Die Sterblichkeit im Hause betrug nach Abzug der absolut unheilbar eingebrachtcn Krankheitsfälle 3 Procenl des Krankenstandes.

Die billigen Pflegbedingungcn dauern fort, und wird dem Vernehmen nach der nächste Bericht Kund thun, welche neuen Schritte zur inneren Vollendung des Mathilden-Landkrankenhauscs geschehen sinv.

Zur Nachricht.

678) Donnerstag den 17. d. Mts. schicke ich wieder einen Transport zum Färben an die Bl o ch'sche Hofschön färbcrei in Darmstadt ab. Zugleich wird bemerkt, daß von jetzt an in genannter Färberei auch Wollen- und Seidenstoffe nach Mustern ge­druckt und Federn gefärbt und gekräuselt werden. I. Schlund, Schloßgasse.

709) Unterzeichnete wünscht mit einem soliden Manufactur-, Woll- oder Tapisserie- Waarcn-Geschäft in Gießen in Verkehr zu treten und bittet hierauf Rcflcctircnde um briefliche Mittheilung unter Angabe von Referenzen.

Die Schmidt'sche Waldwoll--Waaren- Fabrik

in Remda am Thüringer Wald.

i 706) Forderungen an mich bitte ich I durch Einsendung von Rechnungen bis zum ' 20. März bei mir geltend machen zu wollen, da ich Ende dieses Monats mit meiner Familie nach Basel überzusicdeln gedenke.

Carl Ernst Emil Hoffmann.

694) Für einen Lehrling ist bei mir eine Stelle frei. Julius Noll, Golt- und Silberarbeiter.

(Hierzu eine Beilage.)