Recht Anspruch auf die Ehre eines Vorortes machen will, wenn Wir nicht zurückbleiben wollen hinter Dem, was kleinere Städte gethan haben; ein Jeder muß nach Kräften dazu beitragen und sich nicht mit dem bloßen mühelosen Genuß dem Schauen und Hören betheiligen wollen.

Und es wird Viel und Schönes zu sehen und zu hören geben und die Freude an dem Fest, einem ächt deutschen Fest, mag die zu bringenden Opfer leicht ertragen lassen, ja freudigst sie darbringen lehren.

Die mittelrheinischen Turner werden hierher kommen und in Gießen ihre Hebungen und Besprechungen halten, wir werden sie sehen, die kräftigen, gewandten Gesellen, wie sie ringen um den Preis, wie sie sich überbieten im kunstvollen und im ernsten, im körperstärkenden und geisterfrischenden Turnen, in wehrhaft machen­der Hebung, uns zur Freude und unseren Feinden zum Schrecken; unsere Jugend wird sich daran ein Beispiel nehmen, sie wird ein Jugendfest feiern, so schön wie noch nie eins dahier war und so leicht auch nicht wieder kommen wirb.

Hnd zu gleicher Zeit werden die Sänger hier einrücken und durch herrliches, großartiges Concert dem Feste die höhere Weihe geben; wir werben sie hören, die herrlichen Männerchöre, wie sie die schönsten Lieder unseres Volkes unv unserer großen Meister singen, wie auch sie ringen um den Preis, um die Ehre des Tages.

Jeder ächte Gießener und jedes ächt vakerländlsche Herz muß sich Dessen freuen, muß mit Spannung ven glücklichen Tagen entgegensehen und sich rüsten, das Fest mit feiern zu helfen ja, mithelfen sollt Ihr Alle, Ihr Großen und Kleinen, Ihr Jungen und Alten, Ihr Alle ohne Hnterschicv, und Keiner soll die Nase rümpfen und denken, was gehen mich die Turner und die Sänger an und Keiner soll denken, ich mache nicht mit oder sich wehren, dazu beizutragen, daß die Tage der Stadt Ehre und uns Allen Freude und nur Freude, ohne Störung und Der- druß bringen; vor Allem aber soll Keiner denken, nun, b i s dahin hat es ja noch lange Zeit. Die Zeit vergeht nur zu rasch und große Feste bedürfen langer, großer Vorberei­tungen, Berathungen, reiflicher Heberlegung und baldigster Gewißheit Dessen, was von dem Einzelnen zu erwarten ist.

D'rum, schon jetzt die erste Hand an's Werk gelegt, einst­weilen schon die Sache bedacht und, seitens eines Jeden, im Stillen gefragt:was kannst du zu dem Feste beitra­gen" das Wollen kommt hernach von selbst.

Auch die Frankfurter feiern dieses Jahr ein großes Fest, das des deutschen großen Schützentages; sie sind schon lange thätig dafür, trotzdem sie später wie wir ihr Fest haben werden; lassen wir uns von ihnen nicht beschämen, zeigen wir, daß auch Gießen trotz 6mal geringerer Einwohnerzahl und xmal geringe­ren Mitteln doch etwas Schönes zu Stande bringen kann.

Dazu muß man aber allseitig wollen.

Schon waren Einzelne thätig und dieser Aufruf bildet den öffentlichen Anfang der Vorbereitungen; er soll ungefähr an« deuten, was der Einzelne dazu thun kann.

Zunächst ist ein Comits nothwendig, welches die ganze An­gelegenheit in die Hand nimmt, welches die Hauptarbeit über­nimmt, freiwillig ohne Lohn, ja sogar mit der Gefahr, ge­golten , bekämpft, gehemmt und dazu noch des Ehrgeizes geziehen zu werden.

Das Alles müßt Ihr Euch gefallen lassen, Ihr Mitglieder des Cornit'S, das Alles müßt Ihr zuvor bedenken und doch, bitten wir alle Diejenigen, welche wir auffordern müssen die Wahl ist schwer und die Auswahl nicht zu groß daß sic "icht ablehnen, daß sie auf diese Art ihr Scherflein beitragen.

Den Turn- und Sang-Vereinen (Liederkranz u. s. w.), rhnen brauchen wir nicht zuzureden sie thun von selbst, was sie nur können und erhalten Aufforderung genug innerhalb i^rer Sitzungen; auch der Stadtvorstand bleibt nie zurück, wo

es gilt, etwas Großes und Schönes zu fördern das wissen wir Alle schon lange.

Die Turn-, Sang- und Concert-Vereine, sowie der Stadt­vorstand , werden Viel sie können aber nicht Alles thun.

Da handelt es sich denn zunächst um die Hnterkunft unserer Gäste und dabei möchten wir nicht gerne, daß auch nur ein Haus, auch nur eine Familie, wenn sie anders irgend kann sich weigerte, einen Gast aufzunehmen. Dabei wird dann die Ein­quartierungs-Commission schweren Stand haben sie kann es nicht Jedem recht machen sie muß aber in Zutheilung der Gäste persönliche Verhältnisse und Anschauungen berücksichtigen jedem Gast bas ihm zusagendste Quartier und jedem Einwohner den ihm zusagendsten Gast zuzuweisen suchen.

Hnd die Wahl ist ja groß da giebt es muntere, kecke Turner, die nach achter Turnerart nicht viel nach Bequemlichkeit fragen und welchen ein kräftiger Tisch lieber als Teppich und Sopha ist, Mitglieder der Turnvereine, die Anderes lieben und gewohnt sind, Sänger, welche schon der Stimme wegen sich mehr pflegen müssen und dem Gastgeber die Mühe und Last durch Ge­sang und Spiel vergelten, aus welchen sich wiederum mancher Andere nicht viel macht, der lieber den Turner bei sich sieht.

Das Alles müßt Ihr erwägen, Ihr Quartiermeister und deßhalb müßt Ihr stadtkundige Leute sein; Ihr Einwohner aber bedenkt die Schwierigkeit und klagt nicht, wenn dabei nicht Alles nach Eueren Wünschen geht.

Hnd nun, wenn die Gäste untergebracht sein werden, kommt Ihr Hausfrauen an die Reihe und sollt beweisen, daß auch Ihr helfen wollt; klagt nicht, daß der Zustrom der Menschen auf 814 Tage die Lebensrnittel vertheuere freuet Euch mit res Festes und sorgt bei Zeiten 's ist ja im Sommer unser Fest und kalte Küche schmeckt auch nicht schlecht seht Euch also vor und bedenkt, daß auch der fremde Gast Euere Opfer zu würdigen weiß und keine großen Ansprüche macht.

Ihr Gastwirthe aber, Bierbrauer, Metzger und Bäcker, kurz nun Ihr Alle, die Ihr bei dem Feste allein berufen feie, mehr wie sonst einzunehmen, während alle Anderen mehr aus- geben müssen, bedenkt das, seht Euch bei Zeiten vor, liefert nur gute Waare und laßt die doppelte Freude nur dann zur Geltung kommen, wenn Ihr Eueren Säckel aufmacht, um Eueren Beitrag zu stiften denn nur dadurch könnt Ihr nützen, da Ihr die Hande vollauf zu thun bekommt für Euch selbst.

Uno eben so muß cs mit all' den Anderen sein, die kein Amt erhalten, keine Gäste beherbergen oder sonst nicht thätig sein können; auch sie mögen sich nicht weigern, einen Beitrag in Geld zu geben, Jever nach Kräften; von jetzt an solltet Ihr schon daran denken und wie für die Flotte und andere Zwecke auch für diesen Zweck sammeln und zurücklegen.

Sodann geht unsere Aufforderung vor Allem noch an die Studentenschaft; auch sie möge sich, wie immer ihr am besten zusagt, beteiligen durch Rath und That; Meister im Fest­ordnen, im Zugführen und Commerce-Halten fehlt nicht dabei, wo es gilt, der Stadt ein bleibendes Ehrendenkmal zu setzen!

Noch Manches könnten wir dazu fügen doch mag es genug fein und Jeder daraus entnehmen, daß ihm der Genuß nicht ohne Opfer geboten werden kann und in feinem Büdget bei Zeiten sich vorsehen denn mir brauchen Gelb, viel Geld. ,

Davon Venn wohl ein andermal, wenn halbwegs ein Heber­blick über die Kosten möglich ist, für heute nur noch Das, daß das Fest ein ernstes, ein erhabenes fein soll, daß es nicht gilt, zusammenzukommen, um sich nur zu vergnügen oder gar 'N wilder Lust zu bekettiren nein, das Fest soll ein unser Aller würdiges, ein wahres und ein ächtes, ein deutsches Volksfest sein.

So faßt es Alle auf dann werbet Ihr Alle wissen, was Ihr zu thun habt und gerne thun, was Ihr könnt.

Druck und Verlag der Brühl'fchen Hniv.-Buch» und Steinvruckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.