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für die /
Sta-t und -en Kreis Gießen.
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Jfä 15. Mittwoch den 20. Februar 1S5G.
Brodpreise vom 2 0. Februar 1856.
4 Pfund gemischtes Roggenbrvv . . . . . . . . 19 kr. — pf.
2 „ „ „ ....... 9 „ 2 ff
Amtlicher T h e i l.
Verordnung,
den Verkehr mit Giften und giftartigen Substanzen betreffend.
Unter Beziehung auf die in den Artikeln 326, 337, 346 und 347 des Polizeistrafgrsctzes enthaltenen Bestimmungen über den Verkehr mit Giften und giftartigen Substanzen wird Nachstehendes verordnet :
§. 1. Unter den Artikel 326 des Polizeistrafgesetzes fallen als solche Substanzen, welche schon in geringer Menge die Gesundheit und das Leben von Menschen und Thiercn gefährden, folgende Gifte :
Arsenikmetall (Fliegcnstein, Schcrbencobalt), Arsenikoxyd, schwarzes, arsenige Säure (weißer Arsenik), arsenigsaures und arsemksaures Kali, arsenigsaures Kupfcroxyd (Schecl'schcs Grün), arsenigsaures Kupferoxyd in Verbindung mit Essigsäure (Schweinfurter Grün), Schwefclarsemk, a) gciber (Auripigment, Operment, Rauschgelb), Schwefelarsenik, b) rother (Realgar, Rubinschwefcl), sowie überhaupt alle arsenikhaltigen Mischungen und Präparate. Blausäure, Eyankalium, Phosphor, sowie alle Mischungen, welche Phosphor in Substanz enthalten (namentlich der zum Vertilgen der Mäuse und Ratten dienende Phosphorteig), mit Ausnahme der Streichfeuerzeuge (Zündhölzchen), über deren Vertrieb bereits besondere Vorschriften bestehen. Quccksilbervhlvvid (Quecksilbcrsublimat), Quecksilberbromid (doppelt Bromquecksilbcr), Queck- silbercyamid (Cyanquecksilber), Quccksilberjodid (rothes. Jodquccksilber), Salpctersaures Queckstlberoxyd, Nicotin (das Alkaloid des Tabaks), Morphium und dessen Salze, Strychnin und dessen Salze und Brucin, Vcratrin.
§. 2. Der Artckel 337 des Polizeistrafgesetzcs findet auf die nachbcnannten im Kunst- und Handelsbetrieb benutzten giftartigen Mineralfarbwaaren, Mineralsäuren und Pflanzenstoffe Anwendung :
A. Giftige Substanzen zur technischen Verwendung:
a) Alkalien : Aetzammoniakflüssigkeit (Salmiakgeist), Aetzkali, Actznatron. bj Säuren : Oxalsäure (Kleesäure, Sauerkleesäure), Salpetersäure, a) rauchende, Salpetersäure, b) verdünnte (Scheidewasser), Salzsäure, rauchende (Salzgeist), Salpeter-Salzsäure (Königswasser), Schwefelsäure, a) rauchende (Vitriolöl), Schwefelsäure, b) englische; c) Salze : Bleioxyd, essigsaures (Blcizuckcr), Bleioxyd, salpctersaures, Cyaneisenkalium, gelbes (Kali borussieum), Kali, chromsaurcs, a) rvthes, Kali, chromsaures, b) gelbes, Kali, saures klcesaurcs (Sauerkleesalz, Oxalium), Kupfer- oxyv, essigsaures, a) basisches (Grünspan, Viiide Aeris), Äupferoxyd, essigsaures, b) neutrales, krystallistrtes (destillirter Grünspan), Kupfervxyd, schwefelsaurcs (Kupfervitriol), Spießglanzchlorür (Spießglanzbutter), ZinkchlvriV (Chlorzink), Zinkoxyd, schwefelsaures (Zinkvitriol), Zinnchlorür (Zinnsalz).
B. Giftartige Farben und Farbmaterialien :
Bergblau und Bremerblau, Bergqrün und Braunschweigergrün, Bleiweiß und Schieferweiß, Cadmiumgelb, Casselergelb, Chromgelb, Chromgrün (grüner Zinnober), Chrvmroth, Mennige, Pariser- und Berliner-Blau, Silber- und Gvldglätte, Zinnober (rother), Gutti (Gummigutt), Saftgrün; überhaupt alle diejenigen Farben, welche giftigwirkende Metallverbindungen, namentlich die Oxyde oder Salze des Bleies, Cadmiums, Chroms, Kupfers und Wismuths enthalten; hierher gehört auch das unächte Blattgold und Blattsilber.
§. 3. Als gesundheitsgefährliche Mineralfarben, auf welche die Artikel 346 und 347 Anwendung finden, werden die nachfolgenden Substanzen bezeichnet :
a) das Scheel'sche Grün (arsenigsaures Kupferoxyd), b) das Schweinfurter Grün (arsenigsaures Kupferoxyd in Verbindung mit Essigsäure), c) das Königs- oder Neapel-Gelb (gelber Schwefel, Schwefelarscnik), sowie alle Farben, welche Arsenik oder dessen Verbindungen enthalten.
Darmstadt, am 17. Januar 1856. Aus Allerhöchstem Auftrag.
Großherzogliches Ministeri>>m des Innern.
v. D a l w i g k. v. Lehmann.


