P i c Dedication.

(Fortsetzung.)

In der Familie fand die Sach- Beifall. Die Worte Freund, ; Mehrer und Beschützer der Musik tönten gar lieblich unv zogen ! lit vollem Klang in das commissionsräthliche Ohr, wozu das For: ! lat freilich günstig war. Noch selbigen Tages ging bejahende Anl- j Wrt an Maestro Pökelmeyer ab. Äcceprirt, angenommen, der ! Urton ist entworfen, im Vordergrund stehl Herr Blase, im Hmtec- aund scheinen Ducaten. ~

Jrtzt nimmt unser Tondichter den Titel vor: „Sechs Lie­ber für eine Singstiin in e mit Begleitung des Piano­orte. Componirt von Gottlieb Pökelmeyer unv dem Herrn Com- üsstonsrath Blase, dem großmüthigen Beschützer der Künste und giffenschaften, in tiefster Berehrun, gewidmet."

Pökelmeyer! wo hast du viese glänzende Suade, diejen Cünversa- ionston her? Aber weg mit dem Deutsch, das spricht luer jener umpensammler. Französisch muß der Titel werden, wie dahier alle lese Aufschriften: Valse-Etude, pour le Piano, composee et ediee u. s. w, oder Neuvieme air varie pour le Violon, avec Irchestrc ou Piano.

Alles recht schön, aber — hier ist die Stelle, wo ich sterblich it. Herkules am Scheidewege. Pökelmeyer kann kein Sterbens- örichen Französtsch. — Welch eine Verlegenheit! etn Verblüffen i großartigsten Maßstabe! Samiel hilf! Ein Königreich für einen :anzosen!

(Guter Rath kommt unverhofft. Der blonde Ladenjüngling, c eine Treppe tiefer wohnt, kommt jetzt nach Hause. „Mein üon, mein Retter!" stürzt Pökelmeyer an seine Brust und legt in seinen Wunsch an's Hetz. — Meivinger und Sanguin werden fis des Koffers vüstern Gründen herauf beschworen und — die Lte macht sich. — Nach Verlaut von acht Tagen ist das Werk h vir Druckerei beendigt und der Stich, oder vielmehr die Stichelei, j,langt in die Hände des Herrn Blase. Hastig reißt solcher das Kuvert herab, er will den Titel lesen, da — französisch. Blaje, Ur großmüthige Beschützer der Künste und Wissenschaften, der Mä- m, er stehl da wie die Butter an der Sonne, denn et versteht ont Französischen gerade so viel, als ein Ziegelbrenner von der lrchitectur.

Der Eomponist wird in das Haus des Commissionsraths be- hiedeit. Schon träumt er von den schimmernden Ducaten und fiedrichsd'ors, die ihm in die Hand gedrückt werden. Da gedenkt aber mit einem Male der Dedication in französischer Sprache, ürchterlich beginnt es zu tagen; nicht nur ein Licht, nein, eine Jinje Gasbeleuchtung, ein ganzer Fackelzug ging in ihm auf. - Himmel! wenn es dem Commissionsrath etnfallen sollte, die laterhaltung in französijcher Sprache zu führen. Ich — das iarnickel — habe angefangen, wer A gesagt hat muß auch B jagen.

Die verhängnißvolle Stunde nahte heran. Schon war der lonkünstler im Begriff, seinen irdischen Leichnain dem schwarzen siack anzuvertrauen, als er solchen weit von sich schleuderte. „Hin-

! mit dieser französischen Hülle, deutsch, im schwarzen Rock >it herausgeschlagenem Heindkragen will ich vor ihm erscheinen.

wird dieß erkennen, er wird meine Gesinnung wittern, darum Wutü! Schicksal, gehe deinen Gang!"

Jetzt wollen wir uns einmal den Commissionsrath besehen. --Pökelmeyer war in Schwulität, dieser aber weit mehr. Er, als

Beschützer und Verehrer der Musik, müßte denn natürlich Etwas von dtefer Kunst verstehen, wenn die Rede darauf komme. Und Musik, — mein Bruder bläst die Flöte — hieß es hier. Er hatte deßhalb im Laufe der letzten Tage den Artikel „Tonkunst" im Con- versations-Lericon nachgefchlagen und sich zur Orientirung einige ältere und neuere Bücher über Musik von einem Antiquar kommen lassen. Aber du lieber Himmel, welche Auswahl. Unter den al­tern Werken befand sich Ehrbard Niedten's „Musikalische Hand- leitung," Hamb. 1710 und Forkel' s „Geschichte der Tonkunst." Unter den neuern Werken sah man das „Lehrbuch der musikalischen Composikion" von Prof. Lobe, so wie das Buch von C. Fort­lage: „das musikalische System der Griechen in seiner Urgestalt. Aus den Tonregistern des Alypius zum ersten Male entwickelt." — Blase hatte darin herumgcblältert, natürlich ohne Erfolg, denn, was nützt der Kuh Muskate. Das Märchen vom Nürnberger Trichter, er wünschte es verwirklicht, denn das Lesen hatte ihm große Pein gemacht. Größere Pein empfand er aber, wenn er eines Umstandes gedachte, der jetzt in seinem Angstkatechismus den Hauptartikel bildete. Die französische Dedication. Welche Blamage, rief er aus, wenn dich der Eomponist, wi- sicherlich geschieht, französisch an­spricht. Nicht ein Sterbenswörtchen kann ich, der Mäceu erwiedern: Wenn er jetzt käme, ich könnte nicht einmal auf französisch zu ihm sa eit: „Herr Coinponiste, speisen Ste heut bei uns, mer hab'n Bratwurst mit Sauerkraut!" Nir, gar nir, denn ich weiß nicht, wie ich Pökelmeyer übersetzen soll, noch weniger: Bratwurst und Sauerkraut.

Er knöpfte seine Weste auf und hätte gern zu den fünf Louis- d'ors, die er in ein Papier gewickelt, noch fünf hinzugethan, wenn er die Gewißheit gehabt, daß der Eomponist ihm nicht das Unge­heuere zuniutheit werde.

Pökelmeyer war des Weges gekommen und schaute nach dem Fenster, wo der Herr Eontisstonsrath stand. — Angst und Beklem­mung zu ebener Erde und im ersten Stock.

Der Eomponist ergriff den Klingelzug. Ihm war zu Mulhe, als ob er ein glühendes Brenneisen zwilchen den Fingern hätte. Da öffnete der .1 (Biente und sprach mit einem tiefen Bückling: Bon jour Monsieur!

Der Eintretende wollte vor Schreck in die Erde sinken; denn, dachte er, wenn schon so ein Schl ngel von Bedienten in fremden Zungen spricht, wenn dieß am dürren Holze geschieht, was soll da erst aus dem grünen werden. Er schritt durch den Vorsaal, der Cotn- missionsrath hörte ihn kommen. Seine Brust zog sich zusammen wie ein naßgeworvener Claque-Hut; jeder Schritt von außen war ein Fußtritt in sein Inneres.

Pökelmeyer klopfte leise an, ich sage leise; denn hätte er so angeklvpft, wie jetzt fein Herz an die Rippen pochte, er hätte die Thür eingeworfen.

Blase rief: „Herein!"

„Dem Himmel Dank! — er spricht deutsch!" lispelte der Eom­ponist und stürmte in das Zimmer.

„Ergebener Diener, Herr Coinmissionsrath!"

„Er — spricht deutsch!" lispelte Blase und ging dem Sechs- lieder-Componisteu mit Doublir-Schrttten entgegen. — „Sein's mir willkommen, Mann von Talent! Mann von Genie! Hab n va jchöne Lieder componirt. ©'freut mich, daß Sie nicht französisch — baß Sie nicht in Ihren Composuionen dein französischen Gejchmack huldigen.