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Beilage.
Auch in dem Keitenjlurm die Liebe.
Novelle aus dem Frühiahrc 1848.
(Fortsetzung)
Eusebia schaute grüßend nach. Das Herz wollte ihr bre* chen; denn — sie liebte Marnstein nach ihrem Temperamente nut wilder Leidenschaft. — 016er sie mußte ihn ziehen lassen; denn OllieS stand vielleicht auf dem Spiele.
„O hätte ich nie zur Hülfe dieser Hand gegriffen , seufzte sie unter Thränen; dann legte sie wie absichtslos ihr weißes Tuch i auf das Fenstergesims und bald schlich die geheinuußvolle Figur über den Hofraum. , j
Erschöpft von der Anstrengung und gepeinigt von der Unge- - wißheit über das, was die nächste Minute zu bringen drohte, warf sie sich in einen Sessel und ließ ihr Auge in ungewisser Richtung durch die goldverbrämlen Abendwolken laufen, als an . die Thüre, Einlaß verlangend, leise geschlagen wurde und diese । auf ihren Ruf sich öffnete. „ , '
Der Eingetretene ließ den Mantel fallen und blickte sie nut bleichen und zerstörten Mienen und wild rollenden Augen an. . In dem matten Dämmerlichte des Saales, im geheimnißvollen | Dunkel der schweren seidenen Gardinen schien die Figur ein spuck- haft Geisterbild. 1
Eusebia durchrieselte kalter Schauer. Zurückgezogen und das i Haupt gesenkt, fragte sie mit bebender Stimme: I
„Sie hier, Henrich, zu so später Stunde? — Nichts Gutes scheint mir Ihre Anwesenheit zu weissagen."
„Die Wasserflutb durchwühlt nur die Niederung,' entgegnete der Angeredete in bitterm Tone, „zu stolzen Thürmen reichen nicht die brausenden Wogen."
„Was soll dieß Gleichniß?"
Ich reve nicht in Räthseln. Sie wiegen sich im Sonnenschein des Glückes und mein Geschick zerstörte frostiger Hagel."
Eusebia zitterte. Jetzt erst erkannte sie ganz, in welche Hand sie ihr LooS gelegt. — Sie schwieg und senkte das Auge, aber mit um so festerem Blicke, al5 seine Gegnerin den ihrigen nicht zu erheben wagte, sah der Eingetretene mit finsterem Trotz auf |ie hernieder.
„Was führt Sie hier in dieses Schloß?" forschte endlich Eusebia mit ungewissem Tone nach einer langen, angsterfüllten Pause.
„Ich sab Ihren Wagen die Ebene durchstiegen unb, deutete mir Ließ als ein günstiges Zeichen. Ich mußte Sie sprechen, denn das Unglück brennt auf meinen Fersen, damit Sie rathen und — helfen."
„Vermag ich dieß?" stammelte die Angeredete, und kalter
Schweiß trat auf ihre Stirne.
„Fragte auch ich also, da es zu handeln galt?"
„Was hat sich denn ereignet?" forschte jetzt Eusebia, indem sie gewaltsam die entschwundene Kraft in’8 Leben rief.
„Ich folgte Ihren Fingerzeigen," entgegnete Henrich mit dumpfer eintöniger Stimme, „ick wagte jenen Schritt. Dem Engel meines Lichtes sank ich kühn zu Füßen und und "
„So unverhofft, so schnell, fo Überrascht?" rief Eusebia heftig zusammen bebend. „Wer hieß Sie solchen unüberlegten Schritt — ?"
„Unüberlegten Schritt?" versetzte der Gefragte voll giftigen Spottes. „Sie sprachen klar genug, Sie redeten von Muth. Mein Schritt war demnach nicht unüberlegt, dieß war nur Ihre Rede!"
und
lauerndem Blicke hinzu. . .
Ein wild-freudiger Blick flammte plötzlich wie der Blitz aus grauen Hagelwolken, unter den gesenkten Wimpern Henrichs
^^°^Hab ich's getroffen?" rief Eusebia triumphirenb.
„Verachtung, die mir geworden, steigert mein Rachegesuhl rur Raserei!" entgegnete er und ballte die Fauste.
„DaS Gefühl ist ein Fingerzeig, sollen wir denselben nicht
will den Drang befriedigen," rief jetzt $eimcf) nut entschlossenem Tone, „und dann fort hinweg aus diesen schwer auf mir lastenden Bergen. Jedoch den Flug zu wagen, lahmt die Entbehrung mir die kühnen Schwingen."
„Ist es nur das," fiel Eusebia freudig ein, „hier kann ich helfen!" und hastig holte sie aus ihrer Reifechatoulle einen Beutel mit Geld und legte ihn verstohlen in Henrichs Hande.
„Bedürfen Sie mehr, so schreiben Sie. — See haben doch die Zeichen nicht vergessen? — Ihre Freundin sollen Sie niemals 9C,R/enJiJ wog die Börse in der Hand und mit bereit Gewichte schien sich sein Gesicht zu verklären. ,
„So leben Sie denn wohl. Bald sollen Sie von mir Horen !"
Er warf den Mantel um und entfernte sich rasch. Eusebia aber fiel ganz erschöpft in ihren Sessel und hüllte das Gesicht in ihre Hände. „So saß sie lange schweigend und Dunkelheit bedeckte schon Berg und Flur, als endlich ein Thränenstrom dem heißen Auge entstürzte und Linderung der schwer bedrängten Brust gewährte." „ , , ~ ,
„Er ist fort und fort wohl für immer! — Hohe« Fahren und niedre Gesinnung; glänzende Gefühle und trübe Regungen und i h m konnte ich vertrauen! — Doch ist es vorüber und die Sonne gesunken unter Sturmwolken, wird mir aufgehen mit neuem tröstendem Glanze. — So hoffe ich fest und diese Ueber- zeuaung" — das letzte Abendroth verschwand plötzlich am weltlichen Himmel, sie schauderte, dann fuhr sie mit zagender Stimme fort: „wirb mich nicht täuschen!"
Sinnenb trat sie hinaus auf ben Söller und das wilde Wehen des nahenden Frühlings kühlte, mit den aufgelösten Locken I spielend, ihre brennende Wange. (Forts, so g )
Eusebia erhob sich jetzt und trat voll Fassung auf Henrich, der ihr argwöhnisch entgegen sah und leise zuruckw.ch, JW1 .
„Nicht Sie sind der Betrogene." sprach sie mit erkünsteltem Trösten, „dieser bin - ich selbst. - 3* wähnte klar zu Men in des Mädchens Herz und seine trügerischen Zeichen haben mich getausch^rjch trachtete sie mit Mißtrauen. Nach einer kleinen Weile fragte er:
iSi^rühmt'en s^Jhres Mnthes und Ihnen fehlt der größte Muth, der Muth der — Entsagung!"
Der Angeredete zuckte heftig zusammen.
„Wie," fuhr Eusebia beschwichtigend fort, „hatte ich mich geirrt, und Ihre Seele wäre stärker, als Ihre Rede vermutben läßt. - Wohlan, so fliehen Sie aus dieser Gegend, b,s d,e Wunde Ihres Herzens geheilt und vielleicht —
„„Reden Sie nicht weiter!" _ .
Vielleicht die Stunde - der Rache - "setzte Eusebia, das, was sie sagen wollte, schnell ändernd, mit langsam gezogener Rede


