Ausgabe 
30.10.1852
 
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2132) Gießen.

Sb Gegen Erklärung, «ss

Die ehrenrührige »Erwiederung" vom Vorstände des hiesigen Liebhaber-Theaters in Nro. 85 dieses Blattes würden wir mit Stillschweigen hinnehmen, wenn wir in den Augen des Publieums nicht durch Verdrehung der Wahrheit in ein böses Licht gestellt worden wären, das den Geist der Liebhaber im entgegensetzten Sinn verrätst.

Haben wir auch in unsererErklärung" in der vorherg. Nummer deff. Blitö. die Vollständigkeit des wahren Sach­verhalts über die Veranlassung der Ausschließung unterlassen, so geschah es im Interesse des löblichen Instituts einer jungen Bühne, der wir die Coulisse nicht unnöthig aufziehen wollten, um ihre Schattenseite zu beleuchten

Da aber jene Herren, ihren Personalcharacier im Bestand von 7 Mitgliedern :Schaffstädt, Dreher-Gesell; Faber, Blechschmied-Gesell; Köhler; Schreiner-Gesell; Althaus, Privat-Schreiber; Orth, Buchbinder; Hoch, Burger und Weiß­bindermeister allhier und Christoph Rübsamen, gcwes. Schmied- und Schlosser-Gesell, sowie fingirender Ballet-, Tanz- Turn-, Schwimm-, Fecht- k. Meister aus Butzbach" umfaßt, uns durch ein verstellies schmähsüchliges Machwerk herabwürdigen dem Forum der öffentlichen Meinung sei zwar überlassen, den Maßstab zu bestimmen, welchen Grad von Verachtung solch unwürdiges Auftreten verdient! wollen wir zum Schluß der Sache, ohne jenseitige Retourfuhren zu gebrauchen, offen und klar, Nachstehendes als Ergänzung hiermit veröffentlichen :

Die Gründung des Liebhaber-Theaters wurde vorigen Herbst durch eine Einladung, welche 3 Personen unter diesen befanden sich 2 von uns an mehrere junge Leute ergehen ließen, in Anregung gebracht, und da cs Beifall fand, bald in's Leben gerufen. Ein Vorstand ward gewählt, später Statuten entworfen und, weil das Unrernehmen einen gewissen Fonds verlangte, durch Beschluß ein Beitrag von 18 kr. pro Monat per Mann für den Anfang festgesetzt; in der Voraussicht jedoch, daß sich in kurzer Zeit das Institut durch die Kaffe rentiren werde. Im Monat Februar d. I. beschloß die General-Versammlung v. d. H. den monatlichen Beitrag, von da ab, zu susxendiren; falls sich aber in der Folge ein Kassen-Manko ergeben sollte, so bleibe jedes Mitglied noch zur nachträglichen Zahlung desselben verpflichtet. Das Vertrauen zu dem Vorstande wurde durch Uebergriffe seiner Functionen inzwischen geschwächt, zumal er ohne alle Vorlage nach eigenem Gutbefinden ein neues Theater anschaffte, Arbcits-Accorde nicht einhielt, Rollen nach Willkür vertheilte rc. Eine Art Mißtrauen gab sich schon dadurch kund, daß man nach Beendigung der Vorstellungen im Mai l. I. auf sofortige Rechnungs-Abhör drang. Nach langem Hinausziehen kam endlich Ende August eine (in der ,,Erwiederung" erwähnte) General-Versammlung zu Stande mit der Tagesordnung :Nechnungs-Ablage des Rechners Rübsamen und Ersatz-Wahl des aus scheid en den Theils des Vorstandes."

Die Verhandlung dieser Versammlung war ohngefähr folgende : ... , .,

Director Schaffst« dt eröffnete dieselbe mit den Worten :Meine Herren! Die Rechnung vom vorigen Winter liegt vor uns; jedoch nicht völlig abgeschlossen, da noch einige Posten, sowohl Einnahmen, als Ausgaben, offen stehen. Unter ersteren namentlich die Eintrittsgelder neuer Mitglieder, wie Althaus rc. (Es wirft sich hier die Frage auf : handelte der Vorstand den Statuten gemäß, da beinahe vor einem halben Jahre die Aufnahmen erfolgten?) Das Resultat wird übrigens dieß sein : daß sich die Einnahme mit der Ausgabe ziemlich ausgleicht, mit Ausnahme eines Ausgabepostens, nämlich der Kosten, die während der Proben und Unterhaltungen, hauptsächlich durch Regaliren der milge­wirkten Damcn's bei Madame Schwan im P. C. außer den bereits bezahlten entstanden sind. Hierüber liegt zwar noch keine Rech­

nung vor, kann aber im Voraus versichern, daß sie mindestens 80 fl. beträgt. Dieß ist auch nicht zu hoch, denn nehmen wir 13 Vor­stellungen und auf jede nur 10 Flaschen Wein ä 48 kr. durchschnittlich an, so ergibt sich schon eine Summe von 06 fl. war dieses

unbedingt nothwendig; wir hätten sonst so leicht keine Frauenzimmer zum Mitipielen erhalten, denn jedes gibt sich nicht dazu her, auch qua-

lificirt sich nicht jedes zu solchem Zwecke. Könnte außerdem (auf seine Tasche schlagend) noch mein eigener und («uf mehrere Vorstands-Mit­glieder deutend) deren Geldbeutel reden, dann sollten euch die Augen erst aufgehen !" Auf die Eröffnung entspann sich eine stürmische Debatte. Von verschiedenen Seiten :Solche Summe! das ist grenzenlos!Warum hat der Vorstand die Statuten überschritten. (Dhne General- Beschluß kann derselbe nur bis höchstens 10 fl. über Ausgaben verfügen.)Haben Mitglieder des Vorstandes aus besonderer Verbindlichkeit Damen regalirt, so mögen sie nunmehr auch die Zeche aus eigenem Beutel bestreiten!" Dergleichen Ausfälle wurden laut mehrere Anträge sodann gestellt. Unter anderen beantragte Rübsamen :Ein jedes Mitglied zahlt zur Tilgiing obiger Schuld 6 fl. Vieser und ähnliche jedoch abgelehnt. Zuletzt aber, damit die gute Sache sich nicht zersp itterte, der Vermittlungs-Antrag des Scharmann I. dahm gehend :

Zur Deckung dieses Deficits (nicht aber wie in derErwiederung":und zur Heistellung eines Kassenvorratps , benn der suchen flauen pecuniären Verhältnissen liegt ja auf flacher Hand, daß hieran nicht zu denken war) soll die seither unterbliebene Erhe­bung der monatlichen Beiträge bis zum laufenden Monat (August) i»cl. (in derErwiederung .einschließlich Sep­tember" fälschlich angegeben), mithin 7 Monate ä 18 kr. per Mitglied 2 fl. 6 kr., noch nachträglich erfolgen und das weiter Fehlende aus dem Ertrag des bevorstehenden Abonnements bestritten werden. Wer von den Mitglie­dern dieß nicht bis zum 1. October l. I. bewirkt, wird statutenmäßig behandelt. Sollte sich fedoch bei Stellung der nächsten Rechnung etwa ein Ueberschuß Herausstellen, so werden die betreffenden Betrage, welche vorerst als Vorlage betrachtet werden (jedoch n.cht wie in derErwiederung" :pro rata") wieder zuruckerstattet

mit Majorität angenommen. Der Antragsteller ergriff hierauf nochmals das Wort :Mit Freuden sehe er zwar, daß dieser Punct nun­mehr glücklich seine Erledigung gefunden, wolle aber dem Vorstände an's Herz legen, daß er künftig mit größerer Vorsicht und Gewissenhaftigkeit han­deln , seine Functionen genau einhalten und solche wie es scheine leichtsinnige Ausgaben vermeiden möge, wiewohl nua, Conttole darüber vom.Vorstände zu wünschen gewesen wäre!" Mehrere:Bravo!" Hiernach erhob sich Rübsamen, die saust drohend aufhebend, gegen letz­teren und bemerkte :das ist eine Schande!" rc., worauf ein allgemeiner Tumult entstand. Nach eingetretener Ruhe ward zur Prüfung der Rechnung noch eine Commisison bestimmt, alsdann zum anderen Gegenstände der Tagesordnung ubergezangen. ~>urrt) tue Wahl wurden die oben genannten Personen (incl. der gebliebenen Vorstands-Mitglieder) zum Vorstande ernannt; allein von einzelnen Mitglieder die Wahl- Ordnung als eine ungültige wegen Unterschleifen angegriffen, worauf denn die Frage:ob die Wahl als gültig angesehen werden sollte. mt 1 Stimme Mehrheit (wobei die Vorst.-Mitglieder ebenfalls mitstimmten)bejaht" und von dem Vorsitzenden tue Versammlung ge) ) U wurde. . , . .

Bald nachher t)atte nach Aussage eines Vorstands-Mitgliedes Mad. Schwan sich bereit erklärt, durch den Erlös einer auperorvenr- lichen Vorstellung für ihre Rechnung sich zu begnügen. (Wozu deßhalb im Augenblick noch dieser Beitrag, da ohnedies das Abonnement für oen künftigen Winter noch bevorstand?) Demungeachtet et ' der,Rechner eine Anforderung von2 fl. 21 kr.", während doch der^ ausdrumlche Be­schluß der General-Versammlung auf2 fl. 6 kr." lautete. Die Revision der Rechnung war bis jetzt noch unterblieben. (Warum.) Luchtarn untecoepen als Anstand zum Vorschein, daß der Vorstand abermals seine Functionen überschritt, da er ohne vorherige Genehmigung d er Gener i- Bersammlung durch eine Annonce in diesim Blatte veröffentlichte :das Wiederbeginnen des Liebhaber-Theaters, Zahl und Preis der Unterhaltungen für ein 1. Abonnement, und daß für die Zukunft der Zutritt von Herren, außer den Abonnenten, nicht mehr gestattet sei. (SS unterliegt keinem Zweifel, daß bei einem so wichtigen Punkte wie dieser, insbesondere wo der Geldbeutel sämmtlicher Mitglieder in Eefayr schwebt, letztere.wohl auch ein Wort mitzureden haben!) ,

Die Unterzeichneten nebst einem weiteren Mitgliede Kl. 8ober (welcher zwar die Hälfte seines Beitrags berni6 ent­richtet), hierdurch entrüstet, versammelten sich daher zu einer Besprechung und kamen überein unter den vorliegenden Berhalt-